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Melbourne und Victoria: Wombats, Wilsons Prom, Walhalla und Wein

Der Südosten Australiens ist über die Vier-Millionen-Metropole Melbourne gut zu erreichen. Und wer die berühmte Great Ocean Road nach Westen bereits erlebt oder Phillip Island und seine Zwergpinguine schon gesehen hat, der sollte sich für die muntere Metropole Melbourne einige Tage mehr Zeit nehmen und danach den Rest des Bundesstaates Victoria besuchen.

Munteres Melbourne

Melbourne vom Yarra River aus.

Melbourne vom Yarra River aus.

Melbourne lebt, pulsiert, überrascht und begeistert durch seine Symbiose aus Tradition und Moderne. Und das nicht nur architektonisch. So staune ich bei meinem Kurzaufenthalt in der  Metropole vor allem über die unkomplizierte Lebensweise, die mir hier in „Down under“ begegnet. Ausgehend vom berühmten „Federation Square“ flaniere ich zunächst über die Princess Bridge, die den Yarra River überquert, zum Arts Center Sunday Market. Denn an jedem Sonntag bieten hier lokale Künstler ihre Designeobjekte an, sei es Kleidung, Schmuck oder Deko-Artikel. Ausgefallene Mitbringsel oder einfach nur ein entspannender Bummel durch die sonntägliche Atmosphäre – beides finde ich hier.

Die skurril zusammengedrängte Skyline Melbournes erhebt sich vor mir und erweckt den Eindruck einer Komposition aus Alt und Neu, wie sie sich einzigartiger nicht geben könnte. Victorianische Prachtbauten beanspruchen ihren Platz eingezwängt zwischen respekteinflössenden Wolkenkratzern und lockern die strengen, architektonischen Linien auf.

Shopping in Melbourne.

Shopping in Melbourne.

An dem markanten Bahnhof „Flinders Stree Station“ tauche ich ein in die „Laneways“, kleine Straßen, die einst als Abwasser-Gassen im Viertel des produzierenden Gewerbes fungierten und heute Heimat zahlreicher kleiner, aber ausgefallener Bars, Boutiqen und allerlei abgefahrener Begegnungsstätten sind.

Kultur und Kulinarik in Fitzroy

Bevor ich mich in das wirklich ausgeflippte Melbourne im Stadtteil Fitzroy begebe, besuche ich aber das markant gebaute Melbourne-Museum, um mich mit der Kultur der „First People“ und ihrer aborigigenen Kultur vertraut zu machen. Werkzeuge, Waffen und allerlei Kulturgegenstände der Ureinwohner werden hier anschaulich präsentiert.

Typischer Bewohner von Fitzroy.

Typischer Bewohner von Fitzroy.

Nach soviel Kultur drängt es mich nach einem kulinarischen Stopp in einem der angesagten Restaurants in Fitzroy. Obwohl in unmittelbarer Nähe zum Zentrum gelegen, kommt dieser Stadtteil völlig anders daher. Hier finden sich Lebenskünstler, Designer, ideenreiche Gastronomen und ausgefallene Läden aller Art. Und so fällt die Wahl zwischen den kulinarischen Angeboten schwer ob der Vielzahl an Bars, eine ungewöhnlicher als die andere. Lebendig sind die Straßen hier. Typen aller Richtung tummeln sich im Viertel und bereichern das Straßenbild mit ihrem Auftreten. Hier erlebe ich alles, was ich andererorts vergeblich suche. Die Hauswände mit beeindruckender Street-Art bemalt, in der sich heimische Künstler ansehlich verewigt haben, gehören genauso hierher wie das Bild der bunten Kulturmischung, die hier besonders gut das Einwanderungsland Australien präsentiert.

Victoria zwischen Artenvielfalt und Naturerlebnis

Wilsons Promontory National Park.

Wilsons Promontory National Park.

Mit diesen bunten und lebendigen Eindrücken der munteren Metropole Melbourne breche ich auf ins Umland  und erreiche schon nach wenigen Stunden Fahrzeit durch saftig-grüne Landschaften, vorbei an kleinen Cottages im englischen Landstil den Wilson Promontory Nationalpark am südlichsten Zipfel des australischen Festlands.

Eine atemberaubende Natur erwartet mich hier. Der mit 130 Kilometer Küste am tasmanischen Meer gelegene Park wird durchzogen vom Tidal River, welcher die Landschaft in eine grüne Oase am Südende des fünften Kontinents verwandelt. Eine mehrstündige Wanderung entlang der Küste und durch die lichten Wälder, die immer wieder von Buschfeuern betroffen sind, erlaubt es mir, diesen Naturschatz für einen Augenblick zu erleben.

Ein Wombat.

Ein Wombat.

Das opalblaue Meer schlägt heftige Wellen gegen die rauhen Klippen der Küste, die sich wie zum Trotz mit gewaltigen, rundgewaschenen Felsen gegen die tobende Brandung schützt. Oberhalb der Küste mutet diese Kulisse wie eine Szene aus einem Urlaubsprospekt an und ist gerade wegen ihres unwirklichen Erscheinungsbilds ein Fest für die Sinne. Die Luft ist erfüllt mit gesundem Seearoma während sich meine Augen des Farbenspiels aus blauem Meer, weißen Strand und tief grünem Vegetationsbestand oberhalb der Klippen erfreuen. Doch auch meine Ohren kommen hier nicht zu kurz, als ich das markante Quietschen des Sandes unter meinen Sohlen höre. Nicht umsonst heißt dieser Strand „Squeeky Beach“.

Wilsons Promontory National Park.

Wilsons Promontory National Park.

Was raschelt denn da im Gebüsch? Ein grauer, kräftiger Korpus kommt am Boden zum Vorschein. Ein Wombat, verwandt mit dem ebenfalls hier anzutreffenden Koala, sucht unbekümmert von meiner Anwesenheit Nahrung auf dem feuchten Waldboden. Da! Ein brauner Schatten flitzt über den Waldweg und sucht Schutz im nahen Unterholz. Ein Wallaby, eine Unterart der Kängurus gibt sich die Ehre. Und in den Wipfeln der Bäume lassen bunten Papagei-und Kakaduarten von sich hören. Benommen vor Erstaunen wandere ich weiter. Endlich – im Licht der untergehenden Sonne – treffe ich sie, die Nationaltiere dieses Kontinents. Am Straßenrand hat sich eine Familie von vier Riesenkängurus bereit gemacht, um den Weg zu kreuzen. Ich beobachte fasziniert die einzigartige Gangart, der wackelnde Beutel des Weibchens, die ruhende Haltung auf dem stabilisierenden Schwanz. Gar nicht scheu lassen mich die Kängurus aus sicherem Abstand gewähren und erlauben mir den Genuss des Anblicks dieser einzigartigen Spezies, bevor das letzte Sonnenlicht des Tages in der orange gefärbten Steppe untertaucht.

Per Jeep, zu Pferde und zu Fuß – die australischen Alpen aktiv erkunden

Der einstige Goldgräberort Walhalla.

Der einstige Goldgräberort Walhalla.

Ausgehend von dem winzigen, nur 15 Seelen zählenden und 1989 wiedererrichteten Goldgräber-Ort Walhalla – der Ort der Götter – beginne ich eine Offroad- Tour zur Erkundung der australischen Alpen mit Michael Leany, kein Geringerer als der Bürgermeister und Neugründer von Walhalla. Der einst blühende Goldgräber-Ort war 1863 bis 1914 ein Mekka für Goldsucher aus aller Herren Länder. Davon zeugen die noch original erhaltenen Grabstätten oberhalb des Dorfes auf dem „Friedhof mit der besten Aussicht im ganzen Tal“, wie Michael zynisch bemerkt. Schauergeschichten rund um die Verstorbenen bekomme ich hier zu hören, von Toten, die über einander bestattet wurden und denen bis heute der Fluch anlastet, dass jeder, der sich über das Grab beugt, am nächsten Tag fallen wird. Nicht das einzig Gruselige, was ich auf meiner Tour durch die australischen Alpen zu Gesicht bekommen werde.

Denn während ich kreuz und quer mit dem Jeep über Stock und Stein, durch Flüsse und andere Unwegsamkeiten holpere und mich meines erfahrenen Tourguides Michael erfreue, taucht plötzlich wie aus dem Nichts ein Haus mitten im Wald auf. Und was erlebe ich dort? Ein Museum für Musik betreiben hier der 70-jährige Grahams Code und seine junge Frau Lynda. Aber das ist kein gewöhnliches Musikmuseum, es handelt sich um eine Sammlung elektrischer Klaviere und einer Unzahl an Musikrollen aus den 20er Jahren. Wieder gruselt es mich, als plötzlich das Piano von alleine einen Rag aus längst vergangenen Zeiten zu spielen beginnt, ohne dass jemand die Tasten bedient. In den Wäldern und Tälern der australischen Alpen scheint es vor Geistern und ihren Geschichten nur so zu wimmeln. Als wären auch auf der Offroad-Tour Geisterhände am Werk gewesen, sind auf einmal die Wegschilder verdreht und selbst der erfahrene Offroader Michael verliert seine Spur.

Friedhof mit Ausblick.

Friedhof mit Ausblick.

Auch zu Pferde oder zu Fuß lassen sich die australischen Alpen sehr gut erkunden. Mit einem Gaul sollte man schon etwas Erfahrung im Reiten mitbringen, um nicht gleich von selbigem wieder abgeworfen zu werden und ein Opfer des Fluchs der Gräber Walhallas zu werden. Aber auch in ausgedehnten Wandertouren lassen sich hervorragend Berg und Tal erleben. Da trifft man nicht selten auf ein heimisches Tier und zahlreiche, exotische Vogelarten, welche die Wälder bevölkern. Ein Wombat ist ebenso wenig ungewöhnlich in diesen Breiten anzutreffen, wie ein Kakadu, eine Sittich-Art oder Australiens Nationaltier, das Känguru. Mit etwas Glück läuft einem besonders in den frühen Morgenstunden auch mal ein Koala über den Weg, der sonst in den zahlreichen Eukalyptus-Bäumen nur schwer zu entdecken ist. Atemberaubende Aussichten in die teils scharf hinab stürzenden Täler und auf die bis zu 2000 Meter hohen Gipfel dieser Alpen entschädigen mich als Wanderer schnell für die oft beschwerlichen Bergwege.

Einziger Prosecco Australiens

Keine Seltenheit: Kängurus am Straßenrand.

Keine Seltenheit: Kängurus am Straßenrand.

Nach soviel Naturgenuss gebe ich mich den flüssigen Schätzen Victorias hin und erkunde im Kings Valley das Weingut eines italienischen Einwanderers, der seit 1999 den ersten und bislang einzigen Prosecco Australiens produziert. „Einer musste es ja tun, also haben wir es gemacht“ erzählt mir Otto dal Zotto, der stolz auf seine Auszeichnung im Register der 100 erfolgreichsten Familienbetriebe Australiens blickt. Aus einem unbedeutenden und unaussprechlichen Dorf in Norditalien stammend siedelte er sich in Wangaretta in Victoria an und tat das, was er am besten konnte, um damit erfolgreich zu sein. Er betrieb Weinbau. Seine Geschichte ist charakteristisch für die Entwicklung der Menschen in Australien. Alle sind sie eingewandert und haben ein neues Leben begonnen mit ihren mitgebrachten Fähigkeiten, Träumen und Vorstellungen.

So treffe ich allerorts offenherzige Menschen, die mir nicht selten ihre Wurzeln verraten und werde über all freundlich aufgenommen bei meiner kurzen Reise durch den Süden Australiens. Menschen aus allen Teilen der Erde, die heute eines gemeinsam haben: Sie sind Australier. Diese Vielfalt macht das Land aus, belebt es und erzeugt eine neue Kultur in dem Land, die von Vertrauen und Offenheit statt Angst und Misstrauen geprägt ist. Mich als Reisenden freut das. Und so blicke ich zurück auf eine spannende Tour voll intensiver Eindrücke. Farbenprächtige Natur, Artenvielfalt, Schauriges und Schönes, Lebendiges und Belebtes begegneten mir. Tiere, die es nirgends sonst gibt und Natur die ihres Gleichen sucht. Und doch habe ich nur einen winzigen Teil dieses großen Kontinents am Ende der Welt kennengelernt. Der Frühling in Australien ist eine hervorragende Zeit für einen Besuch, der sicherlich nicht mein letzter in „Down Under“ war.

Infomationen

Wie kommt man hin? Es gibt zahlreiche Airlines, die nach Australien fliegen. Eine moderne Airline mit hohem Komfort und sehr gutem Service auch in der Economy Class ist Thai Airways, die in 20 Stunden mit Stopp in Bangkok nach Melbourne fliegen. www.thaiairways.com

Tour-Anbieter vor Ort: In Australiens Süden kann man sich entweder mit einem Mietwagen durch die Region bewegen, oder aber einen lokalen Tour Anbieter wählen: Bunyip ist ein Anbieter mit zahlreichen Touren in der Region von unterschiedlicher Dauer, www.bunyiptours.com

Währung und Geld: In Australien gilt der australische Dollar. Umrechnung 1:1,46$ (Stand November 2014).

Echter Aussie.

Echter Aussie.

Unterkunft:

  • In Melbourne bietet sich wegen seiner zentralen Lage und dem hohen Komfort der individuell eingerichteten Zimmer das Grand Hyatt Melbourne an. www.Melbourne.grand.hyatt.com
  • Cottages in der Nähe des Wilson Promontory Nationalpark: Die Beargully Cottages sind liebevoll und komfortabel eingerichtete Häuschen direkt in Strand Nähe. www.beargullycottages.com.au
  • Unterkunft in Walhalla: Das einzige Hotel in Walhalla mit großzügigen Zimmern gehört dem Bürgermeister starhotel.com.au

Besuchenswertes:

Tourismusämter:

Restaurants in Melbourne:

  • Ein Restaurant im angesagten Stadtteil Fitzroy mit Bar auf mehreren Etagen mit grandioser Aussicht auf Melbourne ist die „Naked in the Sky“ Bar. www.nakedforsatan.com.au
  • Wer lieber vegan isst, ist bei Smith & Daughters an der richtigen Adresse: www.smithanddaughters.com

Restaurants und Cafés in Victoria

In Bright sollte man das Café Coral lee besuchen, wenn man eine original ländliche Atmosphäre sucht, um einen Snack einzunehmen. Adresse: 8 Barnard St., Bright 3741.

Die Brauerei Napoleone von John Baxter im Yarra Valley ist ein Tipp für alle, die ein lokales Bier oder einen Cider aus Victoria genießen mochten in einer entspannenden Umgebung zwischen Weinbergen. www.Napoleone.com.au

Exzellenten Wein und vor allem den einzigen Proseco Australiens aus dem Kings Valley in Victoria gibt es bei Dal Zotto, dem italienischen Familienbetrieb der Region: www.dalzotto.com.au

Fotos: Philip Duckwitz

Ein Gedanke zu „Melbourne und Victoria: Wombats, Wilsons Prom, Walhalla und Wein

  1. Ein sehr schöner Bericht und so tolle Bilder. Die Wombats sind aber auch süß. Das der Weinanbau eine wichtige Rolle in Australien spielt, habe ich schon mehrfach gehört. Die Australier produzieren aber auch leckeren Wein.
    Hier mal was interessantes: http://www.travelmyne.de/die-welt-in-echtzeit

    Laut der Statistik in dieser Weltkarte hier produzieren die echt wahnsinnige Mengen. Ich fand es ziemlich interessant, das mal so anschaulich präsentiert zu bekommen. Die anderen Fakten in der Karte sind aber auch recht bemerkenswert. Über sowas macht man sich ja sonst nicht wirklich Gedanken.

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