zurück

Winterfreuden in Antalya

Die „Herrscher der Welt sind niemals allein. Sie führen ein Leben, das nur ihnen gefällt“, heißt es in dem französischen Musical „Romeo und Julia“ und tatsächlich trafen sich Obama und Putin, Hollande und Merkel im November 2015 zum G-20-Gipfel hier und lange vor ihnen besuchten der Missionar des Urchristentums und katholische Heilige, Paulus von Tarsus (5 – 64 n. Chr.), und Publius Aelius Hadrianus (76 -138 n. Chr.) den Ort. Attaleia, das heutige Antalya, und die Provinz Pamphylien visitierte der römische Kaiser auf einer seiner ausgedehnten Reisen durch das Römische Reich.

Zahlreiche Stellen an der Steilküste, an deren oberen Teil die Altstadt überwiegend liegt, gewähren Blicke auf den Hafen. Am unteren Bildrand sieht man einen kleinen Teil des Altstadtstrandes.

Zahlreiche Stellen an der Steilküste, an deren oberen Teil die Altstadt überwiegend liegt, gewähren Blicke auf den Hafen. Am unteren Bildrand sieht man einen kleinen Teil des Altstadtstrandes.

Hadrian und noch zahlreiche andere römische Kaiser sind im vortrefflichen Antalya Müzesi für zwanzig Türkische Lira pro Person zu bewundern. In dreizehn großen Sälen präsentieren sich marmorne Götterstatuen, die neun Musen der Künste und Wissenschaften und eine lebensgroße Gruppe der drei Grazien, die ob ihrer Anmut und Schönheit Bewunderung verdienen.

Steinerne Bildnisse schauen auf Augenhöhe

Die drei Grazien, die Frohsinn, Glanz und Freunde verkörpern und meist unbekleidet, sich gegenseitig berührend oder umarmend dargestellt werden, waren ein beliebter Gegenstand der Antike. Heute sind sie ein herausragendes Zeugnis der römischen Kunst an der türkischen Riviera.

Die drei Grazien, die Frohsinn, Glanz und Freunde verkörpern und meist unbekleidet, sich gegenseitig berührend oder umarmend dargestellt werden, waren ein beliebter Gegenstand der Antike. Heute sind sie ein herausragendes Zeugnis der römischen Kunst an der türkischen Riviera.

Viele steinerne Bildnisse schauen auf Augenhöhe den Besucher an oder bieten scheinbar die Hand zum Gruß. Unter Missachtung der Museumsregeln könnte man sie mit Handschlag begrüßen. Seltene Bronzestatuen wie Herakles mit Keule ergänzen die Sammlung und die mit Marmorfriesen geschmückten Sarkophage zählen zu den besten Werken ihrer Zeit.

Herakles oder Herkules ist einer der bedeutendsten und zugleich beliebtesten Heroen des Altertums, der im römischen Reich verehrt und zum Staatskult erhoben wurde. Im Archäologischen Museums von Antalya wird seine Person in vielen Größen und Materialien präsentiert.

Herakles oder Herkules ist einer der bedeutendsten und zugleich beliebtesten Heroen des Altertums, der im römischen Reich verehrt und zum Staatskult erhoben wurde. Im Archäologischen Museums von Antalya wird seine Person in vielen Größen und Materialien präsentiert.

Aber im Dezember und vermutlich auch das Jahr über interessieren sich nur wenige Touristen für die Zeugen der Vergangenheit, obwohl dieses Museum eine Alternative zum Bade- und Strandleben bietet. Allemal interessanter ist das Müzesi als die Einkaufszentren und Basare, von denen es in Antalya reichlich gibt. Selbst dann, wenn eine Shopping Mall damit wirbt, sie sei die größte im Mittelmeerraum.

Größe ist wichtig

Es tost das Meer; aber auch nur an einigen Wintertagen. Meist ist es weniger aufgewühlt und dann ist es weitaus ungefährlicher zu baden.

Es tost das Meer; aber auch nur an einigen Wintertagen. Meist ist es weniger aufgewühlt und dann ist es weitaus ungefährlicher zu baden.

Größe scheint Antalya irgendwie wichtig: Nicht nur die Größen der Vergangenheit und Gegenwart weilten hier, sondern die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz wuchs innerhalb weniger Dekaden von 50.000 auf die Größe von über zwei Millionen Einwohnern. Aus der ganzen Türkei strömen zuhauf Arbeitssuchende hierher, um in der boomenden Dienstleistungs- und Tourismusbranche ihr Glück zu versuchen. Von April bis Oktober 2016 soll zudem die Welt Antalya besuchen , wenn unter dem Motto „Eine grüne Welt für die kommenden Generationen – Blumen und Kinder“ eine Expo stattfindet.

Weltausstellung in Antalya

Ein Teil des Minaretts steht noch, ansonsten sind nur noch Reste einer Moschee vorhanden.

Ein Teil des Minaretts steht noch, ansonsten sind nur noch Reste einer Moschee vorhanden.

Die Ausstellung wird nochmals einen Schub an Gästen für das alte, römische Attaleia mit seinem Hafen in einer geschützten Bucht und dem zu einer Agglomeration herangewachsenen Antalya bringen. Allein schon deshalb, weil die Region mit ihren Alles-inklusive-Preisen seit Jahren überaus beliebt bei deutschen Urlaubern ist. Nicht einmal der immer schärfer werdende Konflikt mit den Nachbarn und Bürgerkriegsland Syrien hält die Deutschen davon ab, sich an der türkischen Riviera zu sonnen. Ganz anders die Russen, die seit kurzem die Türkei meiden.

Renovierte Altstadt

Im Winter dümpelt im Hafen die Flotte der Ausflugsboote, große und kleine Motorschiffe sowie Geister-, Piraten- und Liebesschiffe. Ein Besuch des quirligen Hafens lohnt sich auf jeden Fall.

Im Winter dümpelt im Hafen die Flotte der Ausflugsboote, große und kleine Motorschiffe sowie Geister-, Piraten- und Liebesschiffe. Ein Besuch des quirligen Hafens lohnt sich auf jeden Fall.

Die Grundstücke der internationalen Hotels – seit neuem neudeutsch Resort genannt – entlang des Strandes sind mittlerweile fast so groß wie Kaleici, der alte Kern Antalyas. Die Altstadt zwischen Zitadellen- und Uhrturm ist bestens renoviert und birgt aus der osmanischen Zeit (von 1391-1923) noch Häuser mit Holz verzierten Erkern im Obergeschoss.

Wer vom Uhrenturm zum Hafen spaziert, kommt an zahlreichen Geschäften und Imbissstuben vorbei. Auf dem Weg muss man dauernd Aufforderungen zum Kaufen oder Essen abwehren.

Wer vom Uhrenturm zum Hafen spaziert, kommt an zahlreichen Geschäften und Imbissstuben vorbei. Auf dem Weg muss man dauernd Aufforderungen zum Kaufen oder Essen abwehren.

Viele Gebäude sind aufwendig und originalgetreu restauriert und werden meist touristisch genutzt. In abgelegenen Gassen findet sich allerdings noch das eine oder andere noch nicht erneuerte Objekt. Auf dem Weg vom Hadrians-Tor über den Karaalioglu-Park zum Hafen offeriert Kaleici gepflegte Aussichtsplätze, die herrliche Blicke auf Hafen und Altstadt, auf die umliegenden Berge und das Meer bieten.

Milder Winter

Der Platz am Uhrenturm ist ein Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs und von dort erreicht man die Altstadt und die Bazare.

Der Platz am Uhrenturm ist ein Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs und von dort erreicht man die Altstadt und die Bazare.

Durch die gepflegten Altstadtgassen lässt es sich gemütlich schlendern.

Durch die gepflegten Altstadtgassen lässt es sich gemütlich schlendern.

Wenn in Deutschland der erste Schnee fällt und die Temperaturen den Nullpunkt erreichen, kann man in Antalya mit kurzärmeligen Hemden oder Blusen durch die Gassen streifen. Aber es gibt auch Tage im letzten Monat des Jahres, in denen das Meer aufgewühlt ist, es Schaumkronen bildet, der Sturm die Balkontüren ordentlich scheppern lässt und die prallen Zitronen von den Bäumen reißt. Dann lässt sich das Spiel der Wellen und des Windes zwar von einer geschützten Stelle anschauen, aber um sich zu bewegen, bleibt nur der warme Indoor-Pool oder der gut ausgestattete Fitness-Raum.

Von der Straße ergeben sich immer wieder mal Einblicke in die schick gestalteten Innenhöfe.

Von der Straße ergeben sich immer wieder mal Einblicke in die schick gestalteten Innenhöfe.

Und Bewegung ist unbedingt notwendig angesichts des reichhaltigen und köstlichen Essens morgens und mittags, nachmittags, abends und um Mitternacht. Die Speiseauswahl der Hotels, in diesem Fall des Concorde, ist superb und üppig. Für einen moderaten Preis erhalten im Winter zwei Personen für sieben Tage in einem Fünfsternehotel ein Zimmer, das für eine mehrköpfige Familie ausreicht, und dazu qualitätsvolle Speisen und jedwede Getränke. Damit die Alkoholsüchtigen nicht ständig an den Bars lungern, variieren die Ausschankzeiten und die älteren Gäste sprechen ohnehin weniger dem Hochprozentigem zu.

Das Hadrianstor ist der einzige erhaltene Einlass zur antiken Stadt von Antalya und zum Hafen. Links und rechts vom Tor verlief die Stadtmauer.

Das Hadrianstor ist der einzige erhaltene Einlass zur antiken Stadt von Antalya und zum Hafen. Links und rechts vom Tor verlief die Stadtmauer.

Antalya wird noch mehr als Deutschland von Flüchtlingen aus Syrien überschwemmt. Davon erfährt man aus den Zeitungen, aber in der Stadt oder gar in den Touristengebieten sieht man keine Flüchtlinge. Selbst wenn man mit städtischen Bussen kreuz und quer durch die Stadt kurvt, erblickt man weder Container- noch Zeltlager, sondern überall nur Hochhäuser, die erst in den den letzten Jahren errichtet wurden. Im städtischen Bus leidet man lediglich an dem Gedränge und Geschiebe.

Naher Krieg und doch so fern

Das Tor wurde zu Ehren des Besuchs des römischen Kaisers Hadrian im Jahre 130 v. Chr. errichtet.

Das Tor wurde zu Ehren des Besuchs des römischen Kaisers Hadrian im Jahre 130 v. Chr. errichtet.

Noch ist nicht alles renoviert, aber man ist fleißig dabei die letzten Schönheitsfehler zu beseitigen.

Noch ist nicht alles renoviert, aber man ist fleißig dabei die letzten Schönheitsfehler zu beseitigen.

Den gemeinen Touristen bedrückt es anscheinend kaum, dass der Krieg so nah ist. Die Strecke von Alanya nach Aleppo in Syrien ist mit dem Auto in etwa zehn Stunden zu bewältigen. Dass Menschen ganz in der Nähe leiden und hungern, irritiert offenbar kaum einen Hotelgast. Zum Essen werden die Teller mit den köstlichsten Delikatessen vollgeladen und halbvoll zurück gelassen, erneut vollgeladen und nur ein Bruchteil davon verspeist. Deutsche unterscheiden sich dabei keinesfalls von Skandinaviern, Russen, Engländern oder anderen Völkern. Dieses individuelle Verhalten ist nicht dem Ort und den Menschen Antalyas anzulasten – im Gegenteil, es spricht eher für die Rund-um-Betreuung, die dem Urlaubsgast an der türkischen Riviera zuteil wird.

Fotos: Gisela Marzin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *