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Im Weinviertel wird eingeschenkt und aufgetischt

Der Name Weinviertel sagt es ja schon: In dieser Region dreht sich alles um Wein, Weißwein, in erster Linie um den Grünen Veltliner (und mit Abstrichen Welschriesling und Weißburgunder). Die Weinbauern im Osten Österreichs verdanken Auskommen und Wohlstand ihrem kostbarsten Gut – dem ertragreichen Löss- oder Lehmboden. Denn, das ist ja hinlänglich bekannt, ist der Boden, auf dem die Rebstöcke gedeihen, die Grundlage jeglichen Weinbaus. Die mineralreichen, dominanten Lössböden und das milde Klima bilden die perfekten Bedingungen, um kräftige, füllige Weine hervorzubringen, unter anderem den Grünen Veltliner. Auf weit über 90 Prozent der gesamten Weinbaufläche wird hier Weißwein angebaut, für die rote Traube bleibt da nicht mehr viel übrig.

Poysdorf, die Stadt der Trauben

Die Trauben des Grünen Veltliners gedeihen im Weinviertel besonders gut. - Foto: Dieter Warnick

Die Trauben des Grünen Veltliners gedeihen im Weinviertel besonders gut. – Foto: Dieter Warnick

Hier, das ist der östlichste Teil Niederösterreichs, das flächenmäßig größte Bundesland unseres Nachbarn. Von der Stadt Poysdorf aus, dem weithin bekannten Zentrum der „Veltlinerland-Weinerlebnisstraße“, sind es, wenn man sich nach Norden begibt, nur zehn Kilometer zur tschechischen Grenze und 60 Kilometer nach Brünn. Richtung Süden sind es nach Wien auch nur 70 Kilometer.

Das Weinviertel besteht aus dem westlichen und südlichen Weinviertel und dem Veltlinerland. Die hügelige Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, üppigen Weingärten, idyllischen Bauerndörfern und modernen Winzerhöfen, in denen die Menschen im Rhythmus der Natur leben und arbeiten. Und nicht zu vergessen sind die malerischen, stimmungsvollen Kellergassen, die schon viel gesehen haben und bei Weinfesten – an lauschigen Plätzen und unter heimeligen Lauben – zu neuem Leben erwachen.

Die Weinviertler Weinmetropole

Poysdorf ist die Weinviertler Weinmetropole. Markantestes Bauwerk ist die Stadtpfarrkirche St. Johannes desTäufers. - Foto. Dieter Warnick

Poysdorf ist die Weinviertler Weinmetropole. Markantestes Bauwerk ist die Stadtpfarrkirche St. Johannes desTäufers. – Foto. Dieter Warnick

Poysdorf ist die Weinviertler Weinmetropole. Das verdeutlicht das Stadtwappen mit ihren zwei Traubenträgern, und vor allem die Tatsache, dass 30 Winzer ebenso viele Sorten anbauen und damit eine riesige Vielfalt an Geschmacksnuancen aus ihren Böden holen. Seit Jahrhunderten prägte der Wein die Menschen dort. Der Ort entstand auf einem sehr geschichtsträchtigen Boden. Bereits vor mehr als 7000 Jahren besiedelten die ersten Bauern das fruchtbare Tal. Der Weinbau führte seit dem 14. Jahrhundert zu einem beachtlichen Wohlstand der Menschen.

Markantestes Bauwerk ist die Stadtpfarrkirche St. Johannes des Täufers. Die Wallfahrtskirche Maria Bründl im Ortstteil Wilhelmsdorf, idyllisch gelegen in einem Quellschutzgebiet, ist ein ebenso gern besuchtes und sehenswertes Ausflugsziel.

Eine Vielzahl an Möglichkeiten

Der "Radyweg" in Poysdorf ist eine für die Gegend typische Kellergasse, deren Keller beiderseits des Hohlweges in den Löss gegraben wurden. Die an den Lösswänden wachsenden Akazien bilden ein grünes Dach und vermitteln einen romantischen Eindruck. Die Namensgebung des Weges ist auf Rattich (Weg, der zur Weide führt) zurückzuführen. - Foto: Dieter Warnick

Der „Radyweg“ in Poysdorf ist eine für die Gegend typische Kellergasse, deren Keller beiderseits des Hohlweges in den Löss gegraben wurden. Die an den Lösswänden wachsenden Akazien bilden ein grünes Dach und vermitteln einen romantischen Eindruck. Die Namensgebung des Weges ist auf Rattich (Weg, der zur Weide führt) zurückzuführen. – Foto: Dieter Warnick

Poysdorf bietet seinen Urlaubsgästen nicht nur beste Weine, sondern auch eine Vielzahl an Möglichkeiten für einen erholsamen Urlaub in den Weinbergen rund um die Weinstadt und Sekthochburg Österreichs. Und eine Traktorrundfahrt, begleitet von einem kompetenten Stadtführer/in, auf historischen Feuerwehranhängern durch Kellergassen und Weinberge ist eine vergnügliche Angelegenheit für jung und alt.

Der Weinanbau hat den Winzern Wohlstand gebracht. - Foto: Dieter Warnick

Der Weinanbau hat den Winzern Wohlstand gebracht. – Foto: Dieter Warnick

Das Weinviertel ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, am authentischsten ist natürlich der Spätsommer und der Herbst. Wenn die Weinlese beginnt und die noch warme Sonne die bunte Landschaft in ein goldenes Licht verzaubert, dann beginnt für die Genießer des süffigen Rebensaftes die schönste Zeit im (Wein)jahr.

Im Advent kehrt im Weinviertel nach getaner Arbeit die Stille ein. Die Kellergassen erstrahlen in vorweihnachtlichem Glanz und sind Schauplatz von stimmungsvollen Adventsmärkten.

Die Kellergassen und ihre Feste

Besonders gemütlich geht es bei den vielen Kellergassenfesten zu, die in jedem Dorf oder größerem Ort zur Zeit der Weinlese stattfinden. - Foto: Weinviertel Tourismus / Lahofer

Besonders gemütlich geht es bei den vielen Kellergassenfesten zu, die in jedem Dorf oder größerem Ort zur Zeit der Weinlese stattfinden. – Foto: Weinviertel Tourismus / Lahofer

Besonders gemütlich und redselig geht es bei den vielen Kellergassenfesten zu, die in jedem Dorf oder größerem Ort zur Zeit der Weinlese stattfinden. Der Begriff Kellergasse bezeichnet eine als Hohlweg ausgebildete Gasse, an der sich die Weinkeller und Presshäuser befinden; diese gibt es fast ausschließlich nur im Weinviertel, von Krems bis ins Wiener Becken. Früher wurden die Trauben in den Presshäusern, die in unmittelbarer Nähe zum Weinberg errichtet wurden, aber auch häufig außerhalb des Ortes in den Berg getrieben wurden, gepresst und in Fässern gelagert. Jeder Winzer hatte mindestens ein Presshaus, das nur einem Zweck diente: zu keltern und zu lagern. Und zu verkosten.

Den Mittelpunkt eines Presshauses bildete die Weinpresse oder Kelter. Die Trauben wurden barfuß durch das menschliche Gewicht ausgepresst. Vom Presshaus führte eine Stiege in die Tiefe des Kellers. Dort reifte der gärende Traubensaft zum Wein heran. Im schützenden Dunkel wurde der Wein nicht nur in Fässern gelagert, sondern reifte auch in Flaschen heran.

Der Neue wird verkostet

Eine Traktorfahrt durch die engen Kellergassen und die lieblichen Weinberge ist eine lustige Angelegenheit. - Foto: Dieter Warnick

Eine Traktorfahrt durch die engen Kellergassen und die lieblichen Weinberge ist eine lustige Angelegenheit. – Foto: Dieter Warnick

Vor und in den Presshäusern trafen sich die Winzer, um untereinander ihren neuen Jahrgang zu probieren. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten. Dass sich im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte auch Gäste unters Winzervolk mischen, tut der guten Laune natürlich keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. In den meist romantischen Kellergassen befinden sich häufig auch kleinere Weinstuben und Pensionen. Heutzutage wird in den Presshäusern nicht mehr gekeltert, nur noch gefeiert – aus den Presshäusern sind „Partykeller“ geworden.

Poysdorf beispielsweise hat 25 Kellergassen. Bei einem Rundgang begibt man sich quasi hinter die Kulissen des Weinbaus; eine gemütliche Wanderung wird zu einem Streifzug durch Architektur und Geschichte der Winzerarbeit, bis hin zu der einen oder anderen genussvollen Weinprobe in ursprünglicher Umgebung.

Wildendürnbach ist einmalig

Einmalig: Am Galgenberg in Wildendürnbach steht ein Kirchturm ohne Kirche. - Foto: Dieter Warnick

Einmalig: Am Galgenberg in Wildendürnbach steht ein Kirchturm ohne Kirche. – Foto: Dieter Warnick

Eine Kellergasse, die in ihrer Art einmalig ist, befindet sich in Wildendürnbach. Der „Galgenberg“ liegt etwas außerhalb der kleinen Ortschaft, und heißt deshalb so, weil bis 1828 ein Galgen auf dem Gipfel der Erhebung stand. Im 19. Jahrhundert wurden 184 Presshäuser mit Weinkellern gebaut, und alle sind noch intakt. Sie bilden eine Kellergasse, die auf seinen Hängen kreisrund um den Hügel verläuft und 2013 zur „Ersten Kellergasse des Jahres“ gekürt wurde.

Freier Blick aufs Weinfass. - Foto: Dieter Warnick

Freier Blick aufs Weinfass. – Foto: Dieter Warnick

Am „Galgenberg“ steht auch ein Kirchturm, aber ohne Kirche. Im Jahr 1971 wurde die alte Pfarrkirche von Wildendürnbach gesprengt, wobei der Kirchturm – wie durch ein Wunder – völlig unbeschädigt geblieben ist. Die örtliche Feuerwehr transportierte mit vielen Mühe den Turm daraufhin auf den Berg und dort fand er quasi seine letzte Ruhestätte.

Eines der größten Kellerfeste im „Veltlinerland“ findet jährlich in der kleinen Gemeinde Falkenstein statt. Bei kulinarischen Leckerbissen das eine oder andere „Achtel Weiß“ zu schnabulieren zeugt von gutem Geschmack.

Burgruine Falkenstein

Die Burgruine in Falkenstein ist weithin sichtbar. Von dort oben aus hat man eine herrliche Aussicht. - Foto: Weinviertel Tourismus / Mödl

Die Burgruine in Falkenstein ist weithin sichtbar. Von dort oben aus hat man eine herrliche Aussicht. – Foto: Weinviertel Tourismus / Mödl

Sehenswert in Falkenstein ist auch die Burgruine; sie liegt in 415 Metern Höhe auf einer Kalkklippe in strategisch hervorragender Lage. Es gibt fast keinen Punkt in Südmähren, den man von der Burg aus nicht sehen kann. Die Geschichte der Burg ist so alt wie die Besiedelung des Weinviertels unter Kaiser Heinrich III. In der Mitte des 11. Jahrhunderts. Als Grenzfestigung gegen Nord hat sie einst das Land vor Übergriffen aus Böhmen und Ungarn geschützt. Die Burg Falkenstein war Jahrhunderte lang landesbischöfliche Lehens- und Pfandherrschaft, bis sie im Jahre 1571 in Privatbesitz gelangte. 1645 wurde die Burg von den Schweden erobert, jedoch nicht zerstört. Der Verfall setzt erst Ende des 17. Jahrhunderts ein.

Informationen: Weinviertel Tourismus, Wienerstr. 1, A-2170 Poysdorf, Tel.: (0043 2552) 3515; Internet: www.weinviertel.at; E-Mail: info@weinviertel.at

Tipps

Im Skulpturengarten in Poysdorf stellt der einheimische Künstler Martin Messinger seine steinernen Gestalten aus, hier Papst Franziskus im launigen Gespräch mit dem Dalai Lama. - Foto: Dieter Warnick

Im Skulpturengarten in Poysdorf stellt der einheimische Künstler Martin Messinger seine steinernen Gestalten aus, hier Papst Franziskus im launigen Gespräch mit dem Dalai Lama. – Foto: Dieter Warnick

Übernachtung: Genießerhof Haimer, Körnergasse 14, A-2170 Poysdorf, Tel.: (0043 2552) 2 94 65; Internet: www.haimer.at; E-Mail: office@haimer.at

Poysdorf ist die Weinviertler Weinmetropole. Das verdeutlicht das Stadtwappen mit ihren zwei Traubenträgern. - Foto: Dieter Warnick

Poysdorf ist die Weinviertler Weinmetropole. Das verdeutlicht das Stadtwappen mit ihren zwei Traubenträgern. – Foto: Dieter Warnick

Wein: Weingut Taubenschuss, Körnergasse 2, A-2170 Poysdorf, Tel.: (0043 676) 7 03 53 28; Internet: www.taubenschuss.at; E-Mail: weingut@taubenschuss.at. – Kunst und Wein: Ein wahrer Kunstgenuss ist die Freilichtgalerie mit vielen ideenreich gehaltenen Taubenbildern. Mit diesen Tauben haben über die Grenzen Niederösterreichts bekannte Künstler dem Weingut ihre Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Aber auch viele andere interessante Bilder und Skulpturen sind zu bewundern.

Das Vino Versum bietet ein universelles Erlebnis rund um Rebe, Traube und Wein. - Foto: Dieter Warnick

Das Vino Versum bietet ein universelles Erlebnis rund um Rebe, Traube und Wein. – Foto: Dieter Warnick

Ausflugsziel I: Vino Versum Posydorf, Brünner Str. 28, A-2170 Poysdorf, Tel.: (0043 2552) 20 371; Internet: www.vinoversum.at; E-Mail: info@vinoversum.at. – Das Vino Versum bietet ein universelles Erlebnis rund um Rebe, Traube und Wein. In der „WEIN+TRAUBEN Welt“ warten die Traubenhalle mit Traubenspielplatz, das informative, barocke ehemalige Bürgerspital, sowie das typische Freigelände mit Presshäusern, einzigartigem Pressenmuseum und museumeigenem Weingarten.

Ausflugsziel II: Therme Laa – Hotel&Spa, Thermenplatz 3, A-2136 Laa a.d.Thaya, Tel.: 0043 2522 84 700 733; Internet: www.therme-laa.at. –Entspannung und Wellness für die ganze Familie bei jedem Wetter. Verschiedenste Thermal- und Massagebecken (u.a. ein 36 Grad warmes Salzwasserbecken) im Innen- und Außenbereich.

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