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Garmisch-Partenkirchen: Hier wächst der Likör auf der Bergwiese

Wer Garmisch-Partenkirchen nur auf Wintersport, Sommerfrische, die Zugspitze und Olympia 1936 reduziert, der wird ziemlich unwissend die Heimreise antreten. Denn die Marktgemeinde mit ihren 29 000 Einwohnern und 10 000 Gästebetten hat weit mehr zu bieten als nur Wandern, Skifahren, urige Wirtshäuser oder sonnenüberflutete Straßencafés.

Historisches Ensemble – die Ludwigstraße im Ortsteil Partenkirchen. - Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen / Marc Hohenleitner

Historisches Ensemble – die Ludwigstraße im Ortsteil Partenkirchen. – Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen / Marc Hohenleitner

Zum Beispiel: Außerordentlich kreativ bemalte, prächtige Hausfassaden, hinter denen immer große oder kleine, auf jeden Fall ganz besondere Geschichten und Anekdoten stecken. Innovative und junge Künstler, die nicht nur das traditionelle Handwerk pflegen, sondern dem Ort den Touch einer lebendigen Werkstatt geben. Garmischer Originale wie Karli Bischoff, der das eine oder andere G`schichterl von früher zum Besten gibt. Eine kreative Mutter mit einer überaus sportlichen Tochter. Und die „Natursula“, die aus den Kräutern der Bergwiese einen betörend gutschmeckenden Likör herstellt.

Lüftlmalerei vor Bergkulisse

"Sonnenterrasse" mit Blick auf die Pfarrkirche St. Martin. - Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen / Marc Gilsdorf

„Sonnenterrasse“ mit Blick auf die Pfarrkirche St. Martin. – Foto: Markt Garmisch-Partenkirchen / Marc Gilsdorf

Sowohl Garmisch als auch Partenkirchen leben von ihrer Vielfalt: Hohe und schroffe Gipfel, wie die schon erwähnte Zugspitze, das Wettersteingebirge, Kreuzeck, Hausberg, Wank oder Kramer, umrahmen den bekanntesten Wintersportort Deutschlands und bilden ein herrliches Bergpanorama, die gesunde Luft (die Marktgemeinde ist heilklimatischer Kurort mit zentral gelegenem, lauschigem Kurpark) sorgt für freie Atemwege – und die stattlichen Häuser, deren Fassaden überaus farbenfroh bemalt sind, lassen den Betrachter immer wieder verweilen und staunen. „GAP“ überzeugt durch seine Ursprünglichkeit, seine Lebensqualität und seinen bayerischen Charme.

Der Herbst bietet ein richtiggehendes Farbspektakel. - Foto: Dieter Warnick

Der Herbst bietet ein richtiggehendes Farbspektakel. – Foto: Dieter Warnick

Die Lüftlmalerei (die Maler mussten meist auf Gerüsten in luftiger Höhe arbeiten), deren Ursprung auf den Fassadenmaler Franz Seraph Zwinck (1748 – 1792) zurückgeht, ist sehr ausgeprägt, und spiegelt den bayerischen Charakter und die Freude an der Farbigkeit wider. Meist sind es biblische Motive, die die Häuser schmücken. So werden oft Schutzheilige dargestellt oder die üppigen Malereien verraten das Gewerbe des Hausbesitzers. Besonders ausgeprägt ist die Hausmalerei in der historischen Ludwigstraße in Partenkirchen, wo sich ein meisterhaft verziertes Haus an das andere reiht.

1935: Zwangszusammenlegung

Die Skisprungschanze ist ein architektonisches "Wunderwerk". - Foto: Dieter Warnick

Die Skisprungschanze ist ein architektonisches „Wunderwerk“. – Foto: Dieter Warnick

Bis zum Jahr 1935 waren Garmisch und Partenkirchen zwei getrennte Märkte. Der Zusammenschluss beider Orte hatte einen simplen Grund – die Olympischen Winterspiele ein Jahr später. Denn diese durften nur an einem Ort stattfinden. „Also kam es“, so schildert Karli Bischoff (84), „dass es am 1. Januar 1935 zu einer Zwangzusammenlegung kam.“ Vielen Einwohnern und auch einigen Gemeinderäten war das gar nicht recht, aber Letztere mussten schließlich klein beigeben, um nicht mit großen Repressalien belegt zu werden – die Nationalsozialisten übten massiven Druck aus.

Mit Olympia kam der Tourismus „in größerem Stil“, wie sich Karli Bischoff ausdrückt, nach „GAP“. Und die meisten der auswärtigen Gäste reisten aus München an. 1928 war die Kreuzeckbahn gebaut worden, also konnte man dort erste Schwünge in den Schnee setzen, Eislaufen konnte man auf dem Riessersee (auch Eishockey spielen), und zum Eisstockschießen fand sich auf dem einen oder anderen zugefrorenen Weiher immer Platz und Gelegenheit.

Innovativ und kreativ

Ludwigstraße Nr. 45, Gasthof zum Rassen: Das große Gemälde an der Frontseite erinnert an den Grafen Rasso von Andechs. - Foto: Dieter Warnick

Ludwigstraße Nr. 45, Gasthof zum Rassen: Das große Gemälde an der Frontseite erinnert an den Grafen Rasso von Andechs. – Foto: Dieter Warnick

In Garmisch-Partenkirchen haben viele junge und junggebliebene Handwerker und Kunstschaffende ihre Heimat – die Manufaktur hatte in Garmisch-Partenkirchen schon immer goldenen Boden, deren Geschichte bis in die Römerzeit zurückreichte, als die Ortschaft eine florierende Handelsstation war.

Heute beheimatet der Ort zu Füßen von Deutschlands höchstem Berg eine Vielzahl einzigartiger, moderner und traditioneller Betriebe.

Ein hammerharter Typ

Florian Aberl ist Schmiedemeister aus Passion und steckt voller Kreativität. - Foto: Dieter Warnick

Florian Aberl ist Schmiedemeister aus Passion und steckt voller Kreativität. – Foto: Dieter Warnick

Ein hamm erharter Typ ist Florian Aberl – Schmied aus Leidenschaft. Dem 32-Jährigen sieht man äußerlich seine Passion nicht an, im Gegenteil, er ist gertenschlank, ja fast schon dünn. „Schmied zu sein hat nichts mit Kraft zu tun,“ klärt Aberl auf, „das ist reine Technik“.

Seit 1813 betreibt die Familie Aberl die Schmiede in der Zugspitzstraße, die damit der älteste Betrieb in Garmisch-Partenkirchen ist, und Florian in elfter Generation. Hergestellt wird so gut wie alles: Vom Balkon- und Treppengeländer, Außenleuchten und Wandfackeln bis hin zu Schmuckmessern, Pfannen und Gebrauchswerkzeugen aller Art.

1000 Leckereien

In der Chocolaterie Amelie hat sich die Familie Kässer zwischen aphrodisierenden Wirkstoffen und knackigen Stückchen einen Traum verwirklicht. - Foto: Dieter Warnick

In der Chocolaterie Amelie hat sich die Familie Kässer zwischen aphrodisierenden Wirkstoffen und knackigen Stückchen einen Traum verwirklicht. – Foto: Dieter Warnick

Ebenfalls ein „junger Wilder“ ist Linus Kässer, 29, gelernter Konditormeister und praktizierender Chocolatier im elterlichen Betrieb (Chocolaterie Amelie) in der Ludwigstraße. Zusammen mit seinen Eltern Irene und Franz sowie vielen fleißigen Händen „produzieren wir jeden Tag“ (Linus Kässer). 1000 Leckereien sind im Angebot. Es gibt also alles, was das süße Herz begehrt. „Einfache“ Schokolade, Pralinen und handtemperierte Bruchschokolade, auch Brotaufstriche, Trinkschokoladen oder dragierte (mit einem Zuckerguss überzogene) Nüsse und Früchte. Auch ausgefallene Kreationen dürfen natürlich nicht fehlen, wie beispielsweise eine Rote-Beete-Himbeer-Schokolade, Aprikosen-Thymian-Schokolade oder „Zimt-Molke-Apfel“.

Lauras Mutter

Goldschmiedin Susi Dahlmeier übt sich in angenehmer Zurückhaltung und sprudelt vor Ideen. - Foto: Dieter Warnick

Goldschmiedin Susi Dahlmeier übt sich in angenehmer Zurückhaltung und sprudelt vor Ideen. – Foto: Dieter Warnick

In Susis Schmuckwerkstatt in der Kleinfeldstraße verwirklicht sich Susi Dahlmeier, die Mutter von Laura Dahlmeier, dem Star der deutschen Biathleten (fünffache Weltmeisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin). Aus natürlichen Mineralien werden tragbare Unikate, Wurzelhölzer finden passende Steine und Silber begegnet Leder, um feste Bande zu knüpfen.

Die Goldschmiedin verwandelt also in ihrer idyllischen Gartenhaus-Werkstatt natürliche Mineralien in außergewöhnliche Schmuckstücke. Hier dürfen sich Liebhaber über ganz besondere Unikate freuen, die dank der ausgebildeten Steintherapeutin positive Wirkungen auf ihre Träger entfachen.

„Die Seifensieder“

Die Loisach ist 113 Kilometer lang, entspringt nördlich des Fernpasses in Tirol, fließt mitten durch Garmisch-Partenkirchen und mündet in den Kochelsee. - Foto: Dieter Warnick

Die Loisach ist 113 Kilometer lang, entspringt nördlich des Fernpasses in Tirol, fließt mitten durch Garmisch-Partenkirchen und mündet in den Kochelsee. – Foto: Dieter Warnick

„Die Seifensieder“ nennen sich Daniela Palmberger und Reinhold Schuhmann. Ursprünglich nicht vom Fach, haben sich die beiden so schlau gemacht und weitergebildet, dass sie jetzt ausschließlich Naturseifen aller Art herstellen, aus hochwertigen pflanzlichen Ölen und Fetten.

Jedes Exemplar ist ein Einzelstück, das nicht nach Stückpreis über den Ladentisch geht, sondern nach Gewicht, und das zudem nach strengen Richtlinien zertifiziert ist. Bis zu acht Monate kann der Reifeprozess der handgesiedeten Seifen dauern, verwendet werden unter anderem Bio-Ziegenmilch, Ringelblumenblüten aus dem eigenen Garten, Honig von oberbayerischen Bienen oder alkoholfreies Hefeweißbier.

Die „Natursula“

Mit Ursula Höger, der "Natursula", auf Exkursion zu gehen, ist eine kurzweilige Angelegenheit. - Foto: Dieter Warnick

Mit Ursula Höger, der „Natursula“, auf Exkursion zu gehen, ist eine kurzweilige Angelegenheit. – Foto: Dieter Warnick

Jeder Gast, der sich Garmisch-Partenkirchen als Urlaubsdomizil ausgesucht hat, sollte auch einmal eine Heilkräuterwanderung mit einer Kräuterpädagogin unternehmen, denn auf einer Bergwiese gibt es weit über 100 Kräuter, und Ursula Höger, die sich selbst „Natursula“ nennt, kennt sie fast alle, und ist für eine solche „Exkursion“ bestens geeignet. Und sagt: „Unglaublich, was da alles wächst.“ Wegerich, Labkraut (Gelbes Waldstroh), Mädesüß, Schafgarbe, Beinwell (Beinwurz), Frauenmatel, Wiesenknopf (Pimpernelle), Baldrian, Johanniskraut – um nur ein paar wenige zu nennen – die 44-Jährige kann über jedes Kraut eine Geschichte erzählen, hoch oben am Kochelberg, an dem die Wiese ungestört blühen und gedeihen kann. Und wahre Schätze hervorbringen.

Diese Schätze werden auch verarbeitet. Denn „Natursula“ bietet Kräuterkochkuse an. Zu verzehren gibt es dann beispielsweise Kräuterwickel mit Fetakäse, Wildkräutersalat, Wildkräuterquark, und mit einem schmackhaften Blütensalz verfeinerte Kräuterbutter. Und zum Abschluss einen selbstgemachten Werdenfelser Heulikör von der Bergwiese.

Ursula Högers Spezialität ist ein leichter Kräuterlikör von der Bergwiese. - Foto: Dieter Warnick

Ursula Högers Spezialität ist ein leichter Kräuterlikör von der Bergwiese. – Foto: Dieter Warnick

Prost Mahlzeit!

Informationen: Garmisch-Partenkirchen Tourismus, Richard-Strauss-Platz 1a, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: (08821) 18 04 04; Internet: www.gapa.de; E-Mail: tourismusdirektion@gapa.de

Gastrotipps

  • Hotel quartier: St. Martin Str. 26, 82467 Garmisch, Tel.: (08821) 96 46 48 2; E-Mail: rezeption@quartier-gapa.de, Internet: www.quartier-gapa.de
  • Hotel-Restaurant Staudacherhof: Höllentalstraße 48, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: (08821) 9290; E-Mail: info@staudacherhof.de; Internet: www.staudacherhof.de
  • Zum Wildschütz: Bankgasse 9, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: (08821) 3290.
  • Kocherbergalm: Am Petersbad 1, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: (08821) 5 66 62.
  • Kochs Restaurant: Bankgasse 16, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: (08821) 9 69 89 99.
  • Fischers Mohrenplatz: Mohrenplatz 4, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: (08821) 73 22 77-0.
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