Wer heute unterwegs ist, kennt das Szenario: Überfüllte Sehenswürdigkeiten, gedrängte Gassen und Selfiesticks soweit das Auge reicht. Kein Wunder, dass immer mehr Reisende nach Alternativen suchen – Orten, an denen Natur, Kultur und Ruhe noch ungestört erlebbar sind. Von stillen Wanderwegen in Bayern über abgelegene Bergdörfer in Tirol bis hin zu ruhigen Tälern in der Schweiz. Folgende neun Ziele zeigen, dass Urlaub jenseits des Trubels nicht nur möglich, sondern richtig erholsam sein kann.
St. Anton: Die große Unbekannte

Einsam liegt der Malfonsee in einem Kessel, lediglich ein paar Pferde, die den Sommer im Pettneuer Hochtal bei St. Anton am Arlberg verbringen, erfrischen sich hin und wieder am kalten Wasser. – Foto: TVB St. Anton am Arlberg / Patrick Bätz
Nur wenige wissen, wie weitläufig St. Anton am Arlberg sich erstreckt und dabei größtenteils unberührt geblieben ist. Rein von der Fläche toppt die Tiroler Region sogar das Fürstentum Liechtenstein. Von diesen über 165 Quadratkilometern zählt nur ein Bruchteil zur Infrastruktur eines der größten Skigebiete der Welt. Urlauber können also komplett für sich sein und viele unbekannte, nur über Wanderpfade erreichbare Hochtäler wie das Fasultal, Ochsental, Pfluntal oder das hintere Malfontal erkunden, die selbst unter Einheimischen als Geheimtipp gelten.
Bei einer kombinierten „E-Bike & Hike“-Tour gelangen Sommergäste an hochalpine Orte, zum Beispiel über das Naherholungsgebiet Verwalltal über die Konstanzer Hütte zum ganzjährig eiskalten Schottensee. Die Sommersaison in St. Anton am Arlberg beginnt Mitte Juni. – Infos unter: www.stantonamarlberg.com
Die Splüi von Foroglio: Das Tal der Resilienz

Unterwegs zu den Splüi von Foroglio: Ein ruhiger Wanderweg führt in die wilde Landschaft des Val Bavona. – Foto: Ticino Turismo
Zwischen Tälern, Flüssen und Felswänden finden Reisende im Tessin immer wieder Orte, die still und beständig darauf warten, entdeckt zu werden. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sind die Splüi im Val Bavona, oberhalb von Foroglio – traditionelle Unterfelsbauten, die früher von Bergbauern als Steinhäuser genutzt wurden und heute eindrucksvoll mit der Landschaft verschmelzen.

Auf dem Weg zu den Splüi von Foroglio kommt der Wanderer vorbei an jahrhundertealten Steinhäusern. – Foto: Ticino Turismo
Schon die Anreise mit dem Autopostale von Locarno wirkt Kurve um Kurve wie ein sanfter Übergang aus dem Alltag in die Ruhe der Berge. In Foroglio angekommen, hält man unweigerlich erstmal inne. Fasziniert vom imposanten Wasserfall folgen Wandernde anschließend einem ruhigen Weg hinauf zu den zwischen die Felsen gebauten Splüi. Selbst im Hochsommer begegnet man dort nur einer Handvoll Menschen. – Infos unter: www.ticino.ch
Kristeinertal: Kleine Höfe, große Ruh

Unberührte Natur soweit das Auge reicht: Wer im Kristeinertal in Osttirol unterwegs ist, genießt absolute Stille und Einsamkeit. Die Mountainbike-Tour zur Gölbnerblickhütte ist herausfordernd und lang. – Foto: erwin-haiden-nyx.at
Der Blick öffnet sich auf einen breiten, grünen Talboden, eingerahmt von sanften Almwiesen und bewaldeten Bergflanken, während Bäche und Wasserfälle über Felsen stürzen. Das Kristeinertal zweigt bei Mittewald an der Drau vom Osttiroler Hochpustertal ab und führt in die Villgrater Berge. Der abgelegene, bäuerlich geprägte Naturraum zählt gerade mal rund 100 Einwohner. Über Jahrhunderte war das Kristeinertal von Almwirtschaft und klein-strukturierter Landwirtschaft bestimmt. Bis heute prägen einzelne Höfe und Kapellen das alpine Landschaftsbild.
Tipp: Am Fuße des rund 120 Meter hohen Celar-Wasserfalls beginnt der 2016 neu angelegte Wasserfallpfad, der sich bergauf, bergab durch schattigen Lärchenwald schlängelt. Wanderer folgen dem Weg bis zu den Aussichtsplattformen in Bachnähe. Von dort bietet sich eine beeindruckende Aussicht auf tosende Wassermassen, die sich talwärts stürzen. Über einen leichten Anstieg führt der Weg direkt zur bewirtschafteten Gölbnerblickhütte mit der Celarkapelle. – Infos unter: www.osttirol.com
Tiroler Lechtal: Verschnaufpause im Auszeitdorf

Auf über 1300 Metern gelegen bildet das Auszeitdorf Gramais im Tiroler Lechtal mit rund 40 Einwohnern die kleinste Gemeinde Österreichs. – Verein Lechweg / Gerhard Eisenschink
Abseits von stark befahrenen Hauptstraßen, Hotels und Liftanlagen betten sich vier versteckte Seitentäler des Tiroler Lechtals in die Berglandschaft der Lechtaler und Allgäuer Alpen ein. Diese sogenannten Auszeitdörfer Gramais, Hinterhornbach, Pfafflar und Kaisers gelten als Sehnsuchts- und Rückzugsorte für Erholungssuchende. Dank ihrer Höhenlage ab 1100 Metern freuen sich besonders Allergiker und Hitze-Empfindliche über einen erholsamen Urlaub in den Mini-Gemeinden.
Die Magie der österreichischen Region liegt im kristallklaren Schmelzwasser der Seitentalbäche Otterbach, Hornbach, Streimbach und Kaiserbach, die den Wildfluss Lech im Tal speisen. Entsprechend gibt es in den Auszeitdörfern keine künstlich angelegten Becken, sondern nur eine „wilde“ Kneippkur. – Infos unter: www.lechtal.at
Südtirol: Urlaub auf dem Bergbauernhof

158 Bergbauernhöfe der Südtiroler Qualitätsmarke „Roter Hahn“ liegen auf über 1500 Metern Höhe. 58 davon sogar im Extremen, fernab der Zivilisation. Milchkannen, die mit der Seilbahn ins Tal befördert werden, sind dort kein seltener Anblick. – Foto: „Roter Hahn“ / Frieder Blickle
Vogelgezwitscher, Kuhglockengebimmel und das sanfte Rascheln des Windes, der über die Almwiesen streicht: Viel mehr hören Urlauber auf den Bergbauernhöfen des Südtiroler Qualitätssiegels „Roter Hahn“ nicht. Denn oberhalb von 1500 Metern entspannen sie fernab der Zivilisation. Wo landwirtschaftliche Flächen aufgrund der Steillagen oft nicht mit Maschinen, sondern nur von Hand bewirtschaftet werden können, erleben Ruhesuchende und Familien den bäuerlichen Alltag authentisch und ursprünglich. Denn in solchen Höhen sind die meisten Bauern Selbstversorger, Gäste können sich entsprechend direkt aus dem Hofladen mit frischen Produkten aus eigener Produktion eindecken. Dank der maximal fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmer ist auch die Anzahl weiterer Gäste überschaubar und Urlauber können ganz für sich sein. – Infos unter: www.roterhahn.it
Füssen: Wandern in der Schlossparkregion

Obwohl die Bayerischen Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau (Foto) unweit von Füssen hoch frequentiert von internationalen Besuchern sind, zählt die umliegende Schlossparkregion zu den beschaulichsten Wandergebieten im Allgäu. – Foto: Füssen Tourismus und Marketing / David Terrey
Schon König Ludwig II. liebte die Natur rund um die Allgäuer Stadt Füssen, allerdings nicht allein wegen ihrer landschaftlichen Schönheit. Vielmehr dienten ihm die einsamen Wege zwischen Gipfeln, Seen und Almen als Fluchtorte vor der politischen Realität und verhassten Gesellschaft. Nicht umsonst hat der bayerische Monarch (1845 bis 1886) also genau dort „sein“ Neuschwanstein errichten lassen. Bereits als kleiner Bub wanderte er mit seinen Eltern durch die erhabene Umgebung.
Auf Touren durch den „Schlosspark im Allgäu“ lassen sich Aktive heute neben alpiner Natur von den prächtigen Bauwerken der Wittelsbacher (UNESCO-Welterbe seit 2025) verzaubern – bestenfalls aus der Ferne, sofern sie keine Lust auf Touristen aus aller Welt haben. Zahlreiche Pfade, die den Spuren des Märchenkönigs folgen, führen aussichtsreich und auf verschiedenen Höhenlagen durch die Region, etwa ins Pöllattal, auf den Tegelberg oder zur Jägerhütte. – Infos unter: www.fuessen.de/koeniglich-wandern
Brünn: Prags coole kleine Schwester

Zwischen historischen Türmen und modernem Lebensgefühl: Die tschechische Stadt Brünn zeigt sich entspannt, kreativ und überraschend weltoffen – eine spannende Alternative zur Hauptstadt Prag. – Foto: TIC Brno
Wer Tschechien jenseits der touristischen Trampelpfade entdecken möchte, findet in Brünn (Tschechisch: Brno) eine charmante Antwort auf die Frage „Wohin denn dann?“ Während die Hauptstadt Prag Jahr für Jahr Besucherströme anzieht, bleibt Brünn angenehm gelassen.
Tschechiens zweitgrößte Stadt verbindet reiche Geschichte mit entspanntem Gegenwartsgefühl: Jugendstil trifft auf Funktionalismus – etwa rund um die Villa Tugendhat – und Kaffeehauskultur auf kreative Barszene.
Hoch über allem thront die Burg Špilberk, darunter pulsiert ein Alltag, der überraschend international und gleichzeitig entspannt wirkt. Kurze Wege, viel Grün und eine ausgeprägte Weinkultur im Umland machen Brünn zu einem idealen Ziel für Reisende, die Kultur, Kulinarik und Authentizität schätzen. Dort entdecken Citytripper Tschechien mal von einer anderen Seite – jung, lebendig, überraschend und wohltuend unaufgeregt. – Infos unter: www.visitczechia.com
Bad Reichenhall: Fünf Fußminuten von der Stadt ins Landidyll

So nah und doch so fern: Auch wenn die Nonner Au nur einen Katzensprung von Bad Reichenhall entfernt liegt, ist sie doch ganz weit weg von der trubeligen Innenstadt des oberbayerischen Kurorts. – Foto: Bad Reichenhall Tourismus und Stadtmarketing
Es ist schon eine Seltenheit, dass eine Tour direkt im Zentrum einer großen Kreisstadt beginnt – im Fall von Bad Reichenhall aber ganz normaler Wander-Alltag. Denn auch wenn zahlreiche Besucher die Fußgängerzone des Kurorts im Berchtesgadener Land beleben, so führt doch nur ein kurzer Fußweg in abgelegene Regionen wie die Nonner Au.
Beim Streckenstart an der Saalach bis zum Seebach könnten noch Begegnungen möglich sein. Hinter der örtlichen Fischzucht aber zweigt der Weg Richtung Angerlholzstube ab und nach ein paar Weilern geht es in aller Stille durch wild-romantischen Wald bis zum malerischen Listsee. Die dort vorherrschende Ruhe steht nicht nur sinnbildlich für Bad Reichenhalls Rückzugsorte, sondern charakterisiert auch deren Gesundheitscharakter: Aus dem Gebiet rund um das glasklare Gewässer speist sich neben dem Bad Reichenhaller Mineral- auch das örtliche Trinkwasser. Passend dazu endet der Rundweg am Königlichen Kurhaus der Alpenstadt. – Infos unter: www.bad-reichenhall.com
Lechweg: Weitwandern auf unausgetretenen Pfaden

Nur Du, ich und die Natur: Auf dem 125 Kilometer langen Lechweg zwischen Deutschland und Österreich gibt es zahllose Momente zum Innehalten, darunter der Formarinsee bei Lech am Arlberg zu Beginn der Weitwanderstrecke. – Foto: Verein Lechweg / Fabian Heinz
Mit „Großen“ wie E5 und Co. will und kann es der Lechweg weder in Sachen Höhenmetern noch Länge aufnehmen – das braucht er gar nicht. Denn auf der grenzüberschreitenden Weitwanderung zwischen Deutschland und Österreich spielt das Erreichen physischer Limits die Nebenrolle. Vielmehr zählt entlang der 125 Kilometer das Naturerlebnis, das sich – im Gegensatz zu den beliebten Rennstrecken – in der Regel für sich allein genießen lässt.
Immer entlang des Wildflusses, beginnt die Strecke spektakulär am türkisgrünen Formarinsee oberhalb von Lech am Arlberg. Weiter führt der zertifizierte Leading Quality Trail durchs Quellgebiet nach Warth, wo sich Bergbewohner wie Murmeltiere, Gämsen und Adler tummeln. Im Tiroler Lechtal überqueren Wanderer auf der Holzgauer Hängebrücke die spektakuläre Höhenbachschlucht. Das Schutzgebiet Pflacher Au bei Reutte beherbergt zahlreiche Wasservögel. Hinter der Landesgrenze markiert der Füssener Lechfall das Finale furioso der Strecke. – Infos unter: www.lechweg.com