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Kitzbüheler Alpen: Skigebiet mit Überraschungen

Für den Ski-verrückten Geldadel hält Kitzbühel die höchsten Immobilienpreise, die größte Dichte Österreichs an Haubenlokalen sowie viele noble Fünf-Sterne-Hotels bereit. Trotz Streif und Promis sind die Kitzbüheler Alpen einen Skiausflug mit der Familie wert: Auch für Normalbürger hat das Skigebiet viel zu bieten.

Der Schroll-Hof, direkt an der Piste ist Tirols ältester Erbhof; Foto Heiner Sieger

Der Schroll-Hof, direkt an der Piste ist Tirols ältester Erbhof; Foto Heiner Sieger

Das beginnt bei den Pisten: Ja gut, die Streif! Auf der legendären Kitzbüheler Abfahrt findet im kommenden Januar das 72. Hahnenkammrennen statt, von dem der Vierfach-Sieger Didier Cuche einst sagte: „Ich gratuliere allen, die hier heruntergefahren sind. Ich glaube, wir spinnen!“ Aber wer außer den Profis ist schon so spinnert, hier herunterzudonnern? Doch da gibt es ja noch den angrenzenden Bereich Kirchberg, mit breiten Familienabfahrten wie der Fleckalm oder der Maierl-Alm – und vor allem der fünf Kilometer langen Pengelstein-Abfahrt für anspruchsvolle Skifahrer.

Sonnenrast mit Kaiserschmarrn bei Oma Kathi

Fast am Auslauf dieser Piste sausen die Meisten am imposanten Schroll-Hof vorbei. Dabei lohnt sich eine Sonnenrast beim ältesten Erbhof Tirols, mit Wurzeln bis ins 14. Jahr hundert. Hier steht am Herd ein echtes Original: die 83-jährige Kathi Schroll und zaubert ihre besondere Spezialität, Kaiserschmarrn mit frischer Johannisbeer-Marmelade. „Ich mag mich jetzt nicht loben“, sagt sie mit heimlichem Stolz in der Stimme, „aber ich nehme dafür noch frische Eier von freilaufenden Hühnern.“

Oma Kathi vom Schrollhof mit ihrem frischen Kaiserschmarrn. Lecker!, Foto: Hener Sieger

Oma Kathi vom Schrollhof mit ihrem frischen Kaiserschmarrn. Lecker!, Foto: Hener Sieger

Zu Kathis Stammgästen gehörte jahrzehntelang auch die frühere Kitzbüheler Skilegende Toni Sailer. Heute kommen zu ihr immer wieder auch jene Promis, die dem Trubel in Kitzbühel und rund um den Hahnenkamm entkommen wollen. „Wer das ist, sag ich nicht, die muss ich oft eher verstecken, sonst kommens ja nimmer“, druckst die Kathi.

Mit „Ki-West“ auf selektive Pisten

Mit führigen Pisten und wenig Andrang überrascht das ebenfalls angebundene Skigebietes Westendorf. Von Kirchberg aus kann man es mit den neuen „KiWest“-Gondeln erschließen oder aus der entgegengesetzten Richtung von Brixen her, von der Talstation der neuen Choralm-Bahn aus. Bis hierher finden viele Kitzbühel-Fahrer erst gar nicht – und verpassen was: Einige der schwarzen Pisten dort – etwa die „112“ – sind zwar nicht die Streif, aber auch „recht selektiv“, wie Christoph Stöckl, Leiter des Tourismusbüros Kirchberg einräumt.

Weil die Kitzbüheler den Geruch des teuren Pflasters loswerden wollen, haben die Bergbahnen heuer zahlreiche Sonderpreise eingerichtet: Auf den Grundpreis von 42,50 Euro für 170 Kilometer Pisten sowie 54 Seilbahnen und Lifte gibt es jeweils 25 Prozent Ermässigung – montags für Frauen, freitags für Männer, dienstags und donnerstags für alle über 60. An den Wochenenden fahren Kinder je nach Alter bis zu 65 Prozent und Jugendliche bis zu 45 Prozent biliger. In den Orten zwischen Kitzbühel, Kirchberg, und Mittersill sind zudem alle Übungslifte für Anfänger und Wiedereinsteiger kostenlos.

Sanfte Hänge und innere Einkehr

Ebenfalls zu den Kitzbüheler Alpen zählt die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental, ein Familienskigebiet für Fahrer, die lieber ein wenig sanftere Hänge mögen und den einen oder anderen Ziehweg verzeihen. Von hier aus erreicht man aber auch die Hohe Salve, wo auf 1829 Metern Österreichs höchst gelegene Wallfahrts-Kapelle, das Salvenkirchlein, zu innerer Einkehr lädt.

Wenn Wirt Schorsch von der Frank-Alm gut drauf ist, überrascht er seine Gäste mit seiner handgeschnitzten Schnapswurzel, Foto: Heiner Sieger

Wenn Wirt Schorsch von der Frank-Alm gut drauf ist, überrascht er seine Gäste gern mit seiner handgeschnitzten Schnapswurzel, Foto: Heiner Sieger

Auf dem Rückweg Richtung Filzboden-Lift lohnt es sich, eine geistige Einkehr der anderen Art nicht zu versäumen und bei der Frank-Alm vorbeizuschauen. Das ist eine knorrige Hütte mit fünf Tischen, die ihren Namen noch verdient. Land- und Gastwirt Schorsch hat sie direkt neben dem Schober errichtet, den schon seine Eltern und Großeltern im Sommer mit duftendem Heu gefüllt haben. Und wenn dem Schorsch danach ist, kredenzt der waschechte Tiroler auch gerne das eine oder andere Schnapserl auf seiner Servier-Wurzel.

Für jeden etwas: KitzSkiXpress, Familienzimmer, Nobelherbergen

Wer in München und Umgebung wohnt, kommt auch in diesem Jahr in den Genuß eines besonderen Services: Ab dem 3. Dezember (bis zum 25.3.2012) startet wieder der KitzSkiXpress am Neptunbrunnen in der Elisenstraße. Das Tagespaket inklusive Fahrt, Skipass, Frühstück und Tageszeitung kostet 49,- Euro. Einen Zwischenstopp macht der Bus noch am Pendlerparkplatz in Holzkirchen und an der Autobahnmeisterei in Pfraundorf bei Rosenheim. Nach 90 Minuten Fahrt ist man schon in Kirchberg und fährt nach einem ausgiebigen Skitag am späten Nachmittag entspannt zurück.

Auch das Wohnen muss in den Kitzbüheler Alpen nicht teuer sein. Privatzimmer und Appartements gibt es schon ab 20 Euro pro Person und Nacht. Es geht aber auch komfortabel: Etwa in Ferienwohnungen wie der Residenz am Schwarzsee oder den neu errichteten, rustikaleleganten Maierl-Chalets, direkt an der Abfahrt nach Kirchberg. Ausgestattet mit Sauna, Terassen-Whirlpool, Panoramablick und Schwimmhallenzugang können hier Gruppen und Familien bis 10 Personen für bis zu 6000 Euro die Woche logieren. Da grüßt es wieder, das noble Kitzbühel.

Raushier-Reisemagazin

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