zurück



Der Umweg ist das Ziel

Wer auf einen Flug wartet, verliert die Reise noch am Flughafen. Wer einfach ins Auto steigt, am besten ins E-Auto, hat sie schon begonnen.

Das klingt nach einem Klischee – ist aber eine Erfahrung, die in den letzten Jahren immer mehr Reisende machen. Kurztrips mit dem Auto ersetzen zunehmend den Wochenendflug. Nicht weil das Fliegen schlechter geworden wäre, sondern weil die Freiheit des Fahrens etwas bietet, das kein Boarding-Pass ersetzen kann: den direkten Übergang von der Alltagswelt in die Reisewelt, ohne Sicherheitskontrolle, ohne Wartezeit, ohne die Frage, was ins Handgepäck darf.

Kein Wunder: Laut der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen entfallen knapp 80 Prozent aller Inlandsreisen auf Kurztrips von zwei bis vier Tagen – das Auto ist dabei das mit Abstand beliebteste Verkehrsmittel. (Quelle: FUR Reiseanalyse 2024, Tourismusnetzwerk Franken)

An einem Freitagmorgen, kurz nach acht. Die Idee entstand am Vorabend – und wäre früher vielleicht wieder versandet: zu viel Gepäck, zu wenig Platz, zu viele Abwägungen. Doch diesmal stand die Dachbox auf dem Dach, und mit ihr fiel die einzige Frage weg, die spontane Reisen meist im Keim erstickt: Was lasse ich zu Hause? Die Wanderschuhe, der Picknickkorb, die Kameraausrüstung, ein dicker Pullover für den Abend – alles passte einfach mit. Nicht weil die Reise besser geplant war. Sondern weil der Entschluss leichter wurde.

Die Experten von AUTODOC Deutschland weisen auf Folgendes hin:

Bei der Verwendung einer Dachbox sollte beachtet werden, dass die maximale Dachlast des Fahrzeugs zwischen 50 und 100 Kilogramm liegt und dabei das Eigengewicht der Box sowie des Trägersystems mitgerechnet werden muss. Eine Dachbox erhöht den Kraftstoffverbrauch bei Tempo 130 durchschnittlich um 18 Prozent oder etwa einen Liter auf 100 Kilometer. Der ADAC empfiehlt daher, mit montierter Dachbox nicht schneller als 130 km/h zu fahren und die Box nach Gebrauch zeitnah zu demontieren.

Die Autobahn liegt noch im Morgendunst. Nach einer Stunde beginnt die Landschaft zu wechseln – sanfte Hügel, dann Wald, dann wieder offenes Land. Genau das ist der Moment, den man beim Fliegen immer überspringt: den Übergang. Das langsame Herauswachsen aus dem Alltag in etwas anderes.

In einem kleinen Ort – der Name ist auf der Karte kaum zu lesen – gibt es eine Bäckerei, die um halb neun noch frisches Brot herausgibt. Kaffee aus einem Pappbecher, ein Tisch draußen, der Blick auf einen Brunnen aus dem 18. Jahrhundert. Niemand drängt. Niemand wartet auf den nächsten Anschluss. Das ist der Kern von dem, was manche heute „Slow Travel“ nennen: nicht mehr sehen, sondern mehr wahrnehmen.

 

Das „langsame Fahren“ als Reisephilosophie ist kein Trend für Nostalgiker. Es ist eine praktische Antwort auf eine Gegenfrage: Was bleibt eigentlich in Erinnerung? Meistens nicht die Sehenswürdigkeit selbst, sondern der Moment davor oder danach. Der Geruch von Harz im Kiefernwald. Das Geräusch von Kieseln unter den Schuhen. Der Abend, an dem man zufällig in ein Dorffest geraten ist und geblieben ist, länger als geplant.

Am zweiten Tag, kurz vor dem Abendessen: Das Auto steht an einem Feldweg, der nirgendwo hinführt außer zu einem freien Blick über die Ebene. Das Licht fällt flach, orangefarben, wie es im Herbst nur kurz vor Sonnenuntergang vorkommt. Keine Karte hätte diesen Ort gezeigt. Kein Hotel wäre in der Nähe gewesen.

Genau das ist die eigentliche Stärke der Autoreise ohne festen Plan: Die Unerwarteten werden zur Hauptsache. Der Umweg wird zur besten Strecke. Und das Auto hört auf, ein Transportmittel zu sein – es wird zum Raum, in dem die Reise wirklich stattfindet.

Raushier-Reisemagazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert