Fährt man mit dem Bus vom Stadtzentrum Bozen in die südlich gelegene Nachbarstadt Leifers, benötigt man für die knapp zehn Kilometer 28 Minuten – genau so lang, wie wenn man das Fahrrad nehmen würde. Der Bus hält gefühlt alle 500 Meter – das Verkehrsnetz des ÖPNV ist in Südtirol vorbildlich ausgebaut. Die Stadt zählt 18 700 Einwohner und ist damit nach Bozen, Meran und Brixen die viertgrößte Stadt der autonomen Provinz, also noch vor Bruneck, Sterzing, Klausen und Glurns.
Die jüngste Stadt Südtirols
Die stattliche Zahl an Einwohnern begründet sich damit, dass Leifers in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit günstigen Wohnangeboten Tausende Menschen anlockte. Bozen ist schließlich nicht weit weg, und das Leben hier – vor allem die Mieten – sind sehr viel moderater als in der Landeshauptstadt.

Die Bestäubung von Apfelbäumen durch Bienen ist für eine ertragreiche und hochwertige Apfelernte im Erwerbsobstbau entscheidend. – Foto: TV Leifers / Sorvillo
Die Bezeichnung Satellitenstadt ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das rasche Bevölkerungswachstum führte 1985 zur Erhebung von Leifers zur jüngsten Stadt Südtirols. Zudem ist sie nach Bozen die Stadt mit dem größten Anteil an Einwohnern mit italienischer Muttersprache. Trotzdem ist die deutsche Kultur tief verwurzelt. Die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde wuchs also sehr schnell und macht(e) erhebliche Investitionen in die Infrastruktur nötig. Im Volksmund wird Leifers als Apfelstadt bezeichnet.
Bis in die Mittelsteinzeit (um 5500–4900 v. Chr.) gehen die ältesten menschlichen Spuren in Leifers zurück. Bei Grabungen wurden Terrassen entdeckt, die darauf schließen lassen, dass hier Wein angebaut wurde. Heute spielt der Apfelanbau in den Talgründen, die landwirtschaftlich intensiv genutzt werden, die Hauptrolle. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1237. Zu Leifers gehören die Fraktionen Steinmannwald und St. Jakob.
Rund um den Apfel

Spätfrost im Frühjahr ist eine Hauptgefahr für den Apfelanbau, da er Blüten und junge Früchte bei Temperaturen ab minus 2 Grad Celsius zerstört. Effektive Schutzmaßnahmen sind, wie hier, die Frostschutzberegnung (Eispanzer schützt vor Kälte), das Aufstellen von Frostkerzen oder Windmaschinen zur Durchmischung der Luftschichten. – Foto: TV Leifers / Patrick Schwienbache
In Südtirol wird auf einer Fläche von 18 000 Hektar Apfelanbau betrieben. Dies entspricht etwa drei Prozent der Gesamtfläche von Südtirol. Jährlich werden dort etwa 900 000 Tonnen Äpfel der verschiedensten Sorten geerntet. Dies entspricht acht Prozent der europäischen Ernte.
In der Apfelstadt gibt es mehr als 220 Familienbetriebe, die auf einer Fläche von rund 500 Hektar – das entspricht etwa einem Fünftel der Fläche des gesamten Stadtgebiets – über 15 verschiedene Apfelsorten (vor allem Granny Smith, Royal Gala und Golden Delicious) anbauen. Gemessen an der Fläche gehört Leifers damit zu den größeren Obstanbaugemeinden Südtirols. Begonnen hat es mit dem Apfelanbau in Leifers Anfang der 1950-er Jahre.
Im Frühjahr verwandeln sich die Apfelwiesen in ein Blütenmeer, das die Landschaft für einige Wochen hell und lebendig erscheinen lässt. In kalten Nächten (bei zwei Grad minus wird es für die Apfelblüte eng) werden die Blüten zusätzlich mit Wasser überzogen, um sie vor Frost zu schützen – eine stille, fast unwirkliche Szenerie aus Eis und Blüten.
Vorsicht bei Frostnächten

Apfel-Botschafterin Margot Innerkofler (links) und Marina Papadopoli vom Hofladen Emma con Gusto wissen alles, was man über Äpfel wissen muss, mosten herrliche Apfelsäfte, kreieren schmackhafte Marmeladen, Fruchtaufstriche und Chutneys und stellen auch Apfelchips her. – Foto: Dieter Warnick
Heute geht der Apfel in Leifers über die reine Produktion hinaus. Gleichzeitig entstehen kleinere Initiativen, die näher am Gast sind. Wie zum Beispiel Marina Papadopoli vom Hofladen Emma con Gusto. Sie hat aus der Nachfrage von Hotels nach hausgemachter Apfelmarmelade einen eigenen Hofladen entwickelt, in dem inzwischen verschiedene Apfelprodukte angeboten werden. Wer den Apfel nicht nur sehen, sondern auch verstehen will, kann sich vor Ort von der Apfel-Sommelière Margot Innerkofler alles dazu erklären lassen. Sie ermöglicht Einblicke in Anbau, Pflege und Ernte. Die Apfel-Fachfrau weiß: „Jeder Apfel schmeckt anders, und jeder Apfel hat bis zu 300 Aromen.“ Und sie steht dafür ein, dass jede Frucht von Hand geerntet wird. Übrigens: die weltweit einzigen Apfel-Sommelières kommen aus Südtirol.
Der Apfel ist in Leifers kein Symbol für Tradition, sondern Teil einer laufenden Entwicklung. Zwischen großen Strukturen und kleinen Projekten zeigt sich, wie ein landwirtschaftlich geprägter Ort neue Wege sucht, ohne seinen Ursprung zu verlieren.
Die Bestäubung von Apfelbäumen durch Bienen ist für eine ertragreiche und hochwertige Apfelernte im Erwerbsobstbau entscheidend. Honigbienen und Wildbienen übertragen Pollen zwischen den Blüten, was die Fruchtbildung fördert, zu größeren Äpfeln führt und den Ertrag um bis zu 86 Prozent steigern kann.

Wanderer auf dem Weg zum Peterköfele (Kirchlein St. Peter), dem Wahrzeichen der Stadt. – Foto: TV Leifers / Monsorno
Informationen: Hofladen Emma con Gusto, Manzonistr. 3, I-39055 St. Jakob/Leifers, Tel.: (0039 338) 2941380; Internet: www.emmacongusto.com; E-Mail: info@emmacongusto.com
Apfel-Botschafterin Margot Innerkofler, Bahnhofstraße 10A, I-39055 Leifers, Tel.: (0039 0471) 95 3761 / 333 364 55 88; E-Mail: innermargot@gmail.com
Weitere Informationen: Tourismusverein Leifers Branzoll Pfatten, Kennedystraße 88, I-39055 Leifers, Tel.: (0039 0471) 95 04 20; Internet: www.laives-leifers.it; E-Mail: tourist@leifers-info.it
Gastrotipp
JuMa Gardenrestaurant, Wurzerstraße, 2, I-39055 Leifers, Tel.: (0039 0375) 918 4184; Internet: www.jumabz.it; E-Mail: info@jumabz.it


