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Die ersten Schritte in der Stadt der Träume

Lange war alles nur Gegenstand von E-Mails und mehr oder minder vagen Planungen. Jetzt ist es plötzlich Realität. Ich bin in Australien. Am anderen, am wirklich ganz anderen Ende der Welt. Es ist der Beginn der spannendsten sechs Monate meines Lebens.

Die Oper ist Sydneys Wahrzeichen - ein architektonisches Aushängeschild in der Dämmerung.

Die Oper ist Sydneys Wahrzeichen – ein architektonisches Aushängeschild in der Dämmerung.

Zu Hause einen Reiseführer zu kaufen, war einfach. Das eigene Umfeld mit den Plänen für den beabsichtigen Trip neidisch zu machen, war auch keine große Kunst. Sich von Familie, Freunden und Verwandten für sechs Monate zu verabschieden, kostete uns beide schon etwas mehr Überwindung und Kathrin auch die eine oder andere Träne. Doch alles halb so schlimm, trichterte ich uns immer wieder ein, es gibt ja E-Mail, Skype und Telefon. Die Erfahrungen der kommenden sechs Monate werden gewiss für alles Zurückgelassene entschädigen.

20 Stunden Nettoflugzeit

Großen Respekt hatte ich, der in Flugzeugen, Bussen oder sonstigen Fortbewegungsmitteln kein Auge zumachen kann, vor dem langen Flug. Zwischen Deutschland und Down Under liegen gute 20 Stunden Nettoflugzeit. Da war die Idee, zunächst nach Bangkok zu fliegen und erst nach zwei Tagen die zweite Etappe nach Sydney anzugehen, sicherlich keine schlechte.

Begrüßung am Flughafen Kingsford Smith.

Begrüßung am Flughafen Kingsford Smith.

Bangkok ist verstopft und sehenswert, dreckig und quirlig, schwül und preiswert. Aber keine Stadt, in der ich unbedingt sechs Monate verbringen müsste. Beide Flüge verliefen ereignislos, Platzangebot und Service von Thai Airways machten sie so angenehm wie möglich. Ein mehr als störrischer Rentner aus Neuseeland gab sich auf dem Flug nach Sydney aber alle Mühe, dem entgegenzuwirken und benutzte seine Ellenbogen als Waffe, wenn das Platzangebot nicht seinen Ansprüchen entsprach. Zudem ließ uns sein völlig unverständliches Englisch für die Verständigung im nächsten halben Jahr Schlimmes befürchten. Als beim Landeanflug um kurz nach sechs Uhr morgens Ortszeit die australische Sonne am Horizont aufging, war aber schon wieder alles vergessen.

Die acht giftigsten Tiere der Welt leben hier

Seit der Praktikumszusage im Januar fokussierte sich der Großteil meiner Gedanken auf Australien. Alle, die ich daran teilhaben ließ, zollten mir Anerkennung für die ach so großen Pläne, wären gerne mitgekommen oder – mit zunehmendem Alter – klärten mich über die Gefahren auf, die in Australien auf uns warten würden. Acht der zehn giftigsten Tiere der Welt lebten in Down Under und würden offenbar hinter jeder Ecke auf Opfer warten. Auch Haie und Krokodile würden sich, glaubt man all jenen, die selbst noch nie dort waren, hauptsächlich von Menschenfleisch ernähren.

Meine Einwände, dass dort ein 20-Millionen-Volk ohne größere Angstzustände lebt, dass Schlangen bei Erschütterung das Weite suchten, dass seit der Entwicklung des Anti-Serums kein Mensch mehr am Spinnengift gestorben sei oder dass wir vier Monate lang in der Großstadt Sydney leben würden, wurden gekonnt ignoriert. Zumindest mit dem Hinweis, dass wir vor Haien sicher seien, da laut Statistik pro Jahr nur ein Mensch von diesen Raubtieren getötet wird und dieses Schicksal 2008 schon einen anderen ereilt hätte, konnte ich bei allen vermeintlichen Experten punkten.

In den ersten Tagen in Australien haben wir bis auf die Katze unserer Vermieter und einigen Möwen noch überhaupt keine Tiere zu Gesicht bekommen, geschweige denn gefährliche. Morgen gehen wir aber in den Zoo, um zumindest die ewigen Fragen aus der Heimat, ob wir schon Kängurus gesehen hätten, endlich bejahen zu können.

Unser neues Zuhause für sechs Monate.

Unser neues Zuhause für sechs Monate.

Neue Heimat: Garagenanbau

Untergekommen sind wir in einem Garagenanbau mit etwa 35 Quadratmetern. Unser Vermieter ist Musicalregisseur, seine Frau arbeitet als Dozentin an der Universität. Beide sind sehr nett und hilfsbereit. Ein Schweinegeld für das so genannte „Treehouse“ verlangen sie trotzdem. Keine Heizung bei nachts unter zehn Grad im australischen Winter, eine lausige Internet-Verbindung und immer mal wieder die  Einflugschneise des Flughafens hemmen unser Australien-Glück etwas. Zumindest haben wir unser eigenes Bad. Davon können einige der Rucksack-Touristen, die mit uns im Flugzeug saßen, nur träumen. Und außerdem: Wir sind in Sydney – was will man mehr!

In Australien sind wir jetzt. Richtig ankommen müssen wir in den nächsten Tagen und Wochen noch.

Fotos: Kathrin Schierl

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