zurück



Kino im Kopf

Der Franz-Josef-Gletscher ist einer von zwei Gletschern, die direkt an der Westküste der neuseeländischen Südinsel liegen.

Der Franz-Josef-Gletscher ist einer von zwei Gletschern, die direkt an der Westküste der neuseeländischen Südinsel liegen.

Dennoch ist Franz Josef ein Erlebnis. In einer sanften Rechtskurve drängt er stoisch den Hang hinab, schiebt stetig voran. Er kämpft mit brachialer Gewalt gegen den Fels und die Sonne. Ersterem ist er gewachsen, ja in Jahrtausenden gar überlegen. Gegen die heißen Strahlen ist die Gletscherzunge auf Dauer machtlos, der ganze Koloss leider vielleicht irgendwann auch gegen die Erderwärmung. Nach 30 Minuten durch seine bald ins Tal fließenden Ausläufer offenbaren sich zwei wunderbare Perspektiven. Nach oben skurrile Kanten und Zacken, tiefblaue Gletscherspalten, leuchtendweißes ebenso wie aschgraues Eis. Ins Tal fällt der Blick auf den Gletscherfluss in seinem breiten Schotterbett und dichten Regenwald. Er wächst an Berghängen, einst vom Gletscher geformt.

Schotterpiste in den Jurassic Park

Und nur einen Tag später weckt eine einfache Schotterpiste dann recht unverhofft noch viel mehr Abenteuergeist – ganz ohne Kommerz. Seit dem Morgen regnet es in Strömen, wir sind immer noch an der Westküste und fahren Richtung Süden. Die Hauptstraße biegt ins Landesinnere Richtung Wanaka ab, wir nehmen die Stichstraße geradeaus nach Jackson`s Bay. Ein Geheimtipp laut Reiseführer, noch geheimer die Schotterpiste die auf halber Strecke abzweigt. Hoffentlich liest der Fahrzeugvermieter nicht mit, denn Schotter ist eigentlich tabu.

Archaische Landschaft: Es fehlen nur die Dinosaurier.

Archaische Landschaft: Es fehlen nur die Dinosaurier.

Wir fahren sie trotzdem, ein Flusstal entlang. Der Nebel hängt tief, am Straßenrand beginnt dichter Urwald, am Boden und an den Stämmen hat sich grünes, gelbes oder rotes Moos breitgemacht. Die Farne sind baumhoch. Einer der Wasserläufe, die sich wegen des starken Regens aus dem Wald Bahn brechen, flutet über die Straße. Noch kann ihn auch ein Kleinbus gefahrlos durchqueren. Aber auf dem Rückweg? Am Ufer des Flusses liegen zig tote Bäume, archaischer könnte die Landschaft kaum wirken. Eigentlich fehlen nur die Dinosaurier. Im Film, der im Kino im Kopf abläuft, sind sie natürlich da.

Zwei Kilometer bevor die Straße eigentlich endet, hindert uns ein über die Ufer getretener Bach an der Weiterfahrt. Wir drehen um, nach 18 Kilometern hat uns der Asphalt wieder. Selten zu vor habe ich mich derart in eine andere Welt versetzt gefühlt – schon gar nicht am Steuer eines Autos.

Fotos: Kathrin Schierl

Dieser Artikel wurde bereits 9817 Mal gelesen.

Raushier-Reisemagazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.