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Unbekannte Toskana: Mondlandschaften und heilendes Wasser

Florenz? Pisa? Lucca? Kennt jeder. Crete Senesi und Val d’Orcia? Nie gehört. So könnte man die Toskana-Landkarte im Kopf vieler beschreiben. Dabei hat der Landstrich südlich von Siena vieles zu bieten: eine raue, unberührte, gleichsam sanfte Natur, guten Wein, malerische Städtchen und eine große Thermaltradition.

Viele Zypressen wachsen auf den sanften Hügel im Val d’Orcia. Foto: Kathrin Schierl

Viele Zypressen wachsen auf den sanften Hügel im Val d’Orcia. Foto: Kathrin Schierl

„In die Toskana, fast bis Rom. Ist das nicht etwas weit für vier Tage?“, so die Gedanken bei der Reiseplanung. Ist es nicht! Dem Nachtzug sei Dank. Mittwochabend in München in den Schlafwagen, Donnerstagmorgen mehr oder minder ausgeschlafen in der Toskana.

Bagno Vignoni heißt der Weiler, für den das Wort „Dorf“ fast zu groß daherkommt – immerhin aber ein Kurort mit Thermalquellen und dem Hotel Adler Thermae als Aushängeschild. Hier im Orcia-Tal, seit 2004 Weltkulturerbe, ist das Basislager für die nächsten Tage. Fern allen Trubels, allein die Landschaft dämpft jedes mitgebrachte Gefühl von Stress und Hektik.

Bagno Vignoni als Basislager

Das Hotel Adler Thermae ist harmonisch eingebettet ins eine Umgebung. Foto: Adler Thermae

Das Hotel Adler Thermae ist harmonisch eingebettet ins eine Umgebung. Foto: Adler Thermae

Sanfte Hügel, im Frühling saftig-grün und gespickt mit grellrotem Klatschmohn, wellen sich im Val d’Orcia wie eine weiche Brandung am Sandstrand, elegant und harmonisch. Gekrönt werden viele Erhebungen von Zypressen. Manchmal von nur einem einzigen Baum in eremitischer Einsamkeit, manchmal von einem halben Dutzend, aufgereiht wie an einer Perlenschnur.Dazwischen immer wieder Olivenhaine. „Bellisimo“, sagt der Taxichauffeur, lenkt seinen Wagen vorbei an einem alten Bauernhaus und macht dabei eine ausholende Handbewegung. Viel mehr sagt er auf der ganzen Fahrt nicht – und sagt damit trotzdem alles.

"Bellissimo", sagt der Taxifahrer über seine Heimat, das Val d'Orcia und hat Recht. Foto: Ivan Borisov

„Bellissimo“, sagt der Taxifahrer über seine Heimat, das Val d’Orcia und hat Recht. Foto: Ivan Borisov

Von Bagno Vignoni bieten sich Ausflüge nach Montalcino, Montepulciano oder Pienza an, keine 30 Kilometer entfernt. Pittoreske Toskana-Städtchen, die auf Hügelrücken thronen, umgeben von einem grünen Meer aus Weinbergen: mit alten Stadtmauern und Festungsanlagen, mittelalterlichen Kirchen, Trutzburgen des Glaubens, und kleinen Promenaden. Pienza ließ Papst Pius II. einst gar als „ideale Stadt“ entwerfen, heute trägt sie den Titel eines UNESCO-Weltkulturerbes. Aus den Läden in allen drei Orten schwappt einem das Dolce Vita förmlich entgegen: Pecorino-Käse, die großen Rotweine der Region: Brunello und Rosso di Montalcino, Olivenöl, Honig, Wurst, Trüffelvariationen – das Feinschmeckerherz bebt.

Siena ist nicht weit

Noch etwas weiter gen Norden gelangt man nach Siena, die Heimat der Heiligen Katharina. Heute eine Perle der Toskana mit einem Dom aus schwarzem und weißem Marmor, einst ein stolzer Stadtstaat und Republik mit humanistischen Idealen – nicht immer gelebt zwar, als politisches Manifest im Freskenzyklus der „Guten und Schlechten Regierung“ im Palazzo Pubblico aber immerhin mahnend an die Wand gebracht.

Die Piazza del Campo in Siena. Foto: Clay Shonkwiler.

Die Piazza del Campo in Siena. Foto: Clay Shonkwiler.

„Das ist der schönste Platz der Welt“, sagt der Pizzaverkäufer, reicht seine belegte Teigschnitte über den Tresen und zeigt auf die Piazza del Campo hinter uns, Sienas Zentrum. Wir setzen uns auf das Pflaster des abschüssigen, ja fast trichterförmigen Platzes, der überragt wird vom Torre del Manigia, den das Stadtbild prägenden Turm. Mit jedem Bissen und jedem Moment gewinnen die übertriebenen Worte des Pizzaverkäufers mehr an Glaubwürdigkeit. Und bald schon sprengen vor dem geistigen Auge sogar die Pferde beim berühmten Rennen der Stadtteile, dem Palio di Siena, ums Karree und lassen die extra aufgeschüttet Erde aufspritzen. Kino im Kopf!

Die Crete Senesi erinnert an eine Mondlandschaft. Foto: Dympna

Die Crete Senesi erinnert an eine Mondlandschaft. Foto: Dympna

Und auf dem Weg zurück wartet die Crete Senesi, ein Meer aus Erde, gleich einer Mondlandschaft. „Land des Windes und der Wüste“, schrieb der Schriftsteller Mario Luzi über den Landstrich, wo Crete und Val d’Orcia miteinander verschmelzen. Kaum Gehölz, wenig besiedelt, die Crete ist rauer, ursprünglicher, derber als das Orcia-Tal, fast surreal. Helle, erdige Furchen, die Calanchi, reißen die Hügel auf, ziehen sich wie Narben die Hänge hinab – verwitterter Ton, modelliert von Wind und Wasser. Der Gedanke an den Erdtrabanten liegt tatsächlich nicht so fern.

Schon die alten Römer liebten Bagno Vignoni

Bis in die 1980er Jahre durfet man im Natursteinbecken von Bagno Vignoni noch baden. Foto: Kathrin Schierl

Bis in die 1980er Jahre durfet man im Natursteinbecken von Bagno Vignoni noch baden. Foto: Kathrin Schierl

Doch egal, wie man den Tag gestaltet, Bagno Vignoni ist der sichere Hafen im Thermalwasser des Orcia-Tals. Schon die antiken Etrusker, später dann die Römer und im Mittelalter die florentinische Adelsdynastie der Medici kurten hier, ebenso Katharina von Siena und Papst Pius II. – so die Überlieferung. Noch heute strömt auf der Dorf-Piazza das gesunde Nass in ein Natursteinbecken, in dem man bis in die 1980er Jahre baden durfte. Heute ist die beste Adresse dafür das Hotel Adler Thermae. Auch hier schmeichelt Naturstein den Füßen im großen Pool, gespeist direkt aus der Tiefe mit Wasser reich an Kalzium, Magnesium, Sulfat und Bikarbonat. Der Saunawelt verleiht der Travertin-Steinbruch, an und in den sich das Hotel schmiegt eine ganz besondere Atmosphäre. Und nicht nur weil der Küchenchef auf genau jene Zutaten baut, die wir tagsüber in den Auslagen von Montalcino, Montepulciano und Pienza sahen, setzt sich am Ende diese Überzeugung durch: Irgendwie sind vier Tage dann doch fast zu kurz.

Das Hotel Adler Thermae. Foto: Adler Thermae

Das Hotel Adler Thermae. Foto: Adler Thermae

Hoteltipp: Adler Thermae Spa & Relax Resort, I-53027 Strada di Bagno Vignoni 1, San Quirico d’Orcia (Siena), Italien. Das Hotel mit einem riesigen Angebot an Wellness- und medizinischen Anwendungen wurde 2010 vom Magazin GEO Saison als eines der zehn besten SPA-Hotels Europas gekürt. Der Preis im Doppelzimmer mit ¾-Pension beträgt 217 Euro p.P. und Nacht. E-Mail & Internet: info@adler-thermae.com, www.adler-thermae.com.

Anreise mit der Deutschen Bahn: Entspannt und unkompliziert geht es mit dem City Night Line, dem Nachtreisezug der Deutschen Bahn, auf insgesamt 16 Verbindungen in acht europäische Länder. Gerade für Kurzreisen und Wochenendtrips ist die An- und Abreise mit dem City Night Line bestens geeignet. Denn über Nacht wird wertvolle Zeit gewonnen. Einfach abends einsteigen und morgens zum Beispiel im Zentrum von Amsterdam, Berlin, Hamburg, Kopenhagen, Paris, Rom, Venedig oder Zürich ankommen – die fahrenden Hotelzimmer garantieren Entspannung von Reisebeginn an. Auch Bagno Vignoni ist über den Bahnhof Chiusi auf der Strecke nach Rom per City Night Line zu erreichen. Weitere Informationen unter www.bahn.de/citynightline

 

Raushier-Reisemagazin

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