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Chocolatier Kässer: Wenn Kakao auf Thunfisch trifft

Zwei Fragen zu Beginn: Was ist das? Es ist 4,88 Meter hoch, 300 Kilogramm schwer und komplett vergoldet… Und das? Es ist zwei Meter hoch, 90 Kilogramm schwer und ebenfalls vergoldet… Antwort auf Frage eins: das Gipfelkreuz der Zugspitze; Antwort auf Frage zwei: der Nachbau des berühmten Gipfelkreuzes – hergestellt aus 900 Tafeln reiner Zartbitterschokolade und goldfarbenem Lebensmittelstaub.

Zu sehen ist das süße Kunstwerk in der Chocolaterie “Amelie” der Familie Kässer in Garmisch-Partenkirchen. Im Mai 2016 wurde das Schoko-Kreuz offiziell geweiht, mit geistlichem Segen durch Dekan Andreas Lackermeier. Acht Wochen lang, summa sumarum etwa 65 Stunden, legten fleißige Chocolatiers an das meisterliche Kunstwerk Hand an, das unverkäuflich ist, aber im Laden in der Ludwigstraße jederzeit begutachtet werden kann. Kleine Reproduktionen des Gipfelkreuzes gehen allerdings schon über den Ladentisch.

Juniorchef und Kreativkünstler

Haben sich ganz der Schokolade verschrieben – die Kässers, von links Franz, Irene und Linus Kässer. - Foto: Kässer / FOTOPRESS THOMAS SEHR

Haben sich ganz der Schokolade verschrieben – die Kässers, von links Franz, Irene und Linus Kässer. – Foto: Kässer / FOTOPRESS THOMAS SEHR

Die Idee dazu hatte Linus Kässer, Juniorchef und Kreativkünstler. Und da der 29-Jährige ein Mann der Tat ist, wurde der Gedanke schnell in die Tat umgesetzt.

Einfälle hat Linus Kässer jede Menge, vor allem auch, wenn es darum geht, die Kakaobohne, wenn sie zu Schokolade verarbeitet ist, zu verfeinern. Da gibt es dann zum Beispiel Rote Beete-Himbeer-Schokolade, Aprikose-Thymian-Schokolade oder “Zimt-Molke-Apfel”. “Man muss sich immer weiterentwickeln,” sagt Linus Kässer, und berichtet weiter, “dass bei uns jeden Tag produziert wird, und wir jeden Monat eine neue Kreation herstellen, die dann in den Verkauf geht.” Über Geschmack lässt sich schließlich nicht streiten.

Eine verwegene Schöpfung

Süßes Werkzeug, handgefertigt aus edler Schokolade. - Foto: Dieter Warnick

Süßes Werkzeug, handgefertigt aus edler Schokolade. – Foto: Dieter Warnick

Nicht über den Ladentisch ist allerdings eine Sorte gegangen, die selbst Linus Kässer als “verwegendste Schöpfung, die ich jemals gemacht habe”, bezeichnet – eine Praline mit Thunfischgeschmack. “Das war die Bestellung einer Dame, die unbedingt auf dieser Kombination bestand. Ich fand das ekelhaft, aber die Käuferin war hellauf begeistert.” Schmunzelt und schüttelt den Kopf. “Es muss ja nicht alles so exotisch sein.”

"Gapalade" – Garmisch-Partenkirchen-Schokolade – Erfindungsreichtum ist auch bei Chocolatiers gefragt. - Foto: Dieter Warnick

“Gapalade” – Garmisch-Partenkirchen-Schokolade – Erfindungsreichtum ist auch bei Chocolatiers gefragt. – Foto: Dieter Warnick

Linus Kässer ist Konditormeister und Patissier – wie sein Vater Franz; seine Mutter Irene ist gelernte Hotelfachfrau und der gute Geist im Betrieb. Chocolatier, muss man wissen, ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf. Doch durch eine anerkannte schulische Ausbildung und autodidaktisches Lernen ist es niemandem verwehrt, Chocolatier zu werden. „Die Lehrzeit“, verrät Kässer, „war eine harte Schule. Es gab Wochen, da habe ich mich jeden Tag in den Schlaf geheult. Aber ich habe unglaublich viel gelernt“. Danach kamen Stationen in Österreich, Portugal, der Schweiz und in München, ehe Linus aber schnell im elterlichen Betrieb seine Erfüllung fand – und nach wie vor findet.

1000 Leckereien

In der Chocolaterie "Amelie" gibt es alles, was das süße Herz begehrt. - Foto: Dieter Warnick

In der Chocolaterie “Amelie” gibt es alles, was das süße Herz begehrt. – Foto: Dieter Warnick

Dort gibt es alles, was mit Schokolade zu tun hat – 1000 Leckereien sind im Angebot, quasi alles, was das süße Herz begehrt. Ein wahres Schlaraffenland! Von der einfachen Tafel Vollmilch, Zartbitter und Alpenkräuterschokolade bis hin zu Schokoherzen, Nikoläusen, Osterhasen. Ferner gibt es über 50 verschiedene Sorten handgeschöpfte Bruchschokolade und ebenso viele verschiedene Pralinenfüllungen, „Knusperzeug“, „Knispel-Nougat“ oder täuschend echt aussehende Werkzeuge wie Hämmer und Zangen. Und rostig anmutende Nägel. Sowie Brotaufstriche, Trinkschokoladen oder dragierte (mit einem Zuckerguss überzogene) Nüsse und Früchte. Einfach zum Dahinschmelzen, wenn die Geschmacksknospen explodieren.

Dem Einfallsreichtum von Linus Kässer, seinem Vater Franz und den anderen jungen und innovativen Mitarbeitern – insgesamt arbeiten noch vier Konditorinnen im Betrieb – sind keine Grenzen gesetzt. Ihren Gedanken entsprang auch die „Gapalade“ und die „Gapaline“ (eine Hommage an Garmisch-Partenkirchen) mit dem Logo der neuen Skisprungschanze. Hier trifft echtes Chocolatier-Handwerk auf die Leichtigkeit des Seins.

Nougat in Eimern

90 Kilogramm schwer, zwei Meter hoch: der Nachbau des Gipfelkreuzes der Zugspitze aus 100 Prozent Schokolade. - Foto: Dieter Warnick

90 Kilogramm schwer, zwei Meter hoch: der Nachbau des Gipfelkreuzes der Zugspitze aus 100 Prozent Schokolade. – Foto: Dieter Warnick

Vom Verkaufsraum aus, der teilweise einer Kunstausstellung gleicht, kann man der „süßen Truppe“ durch ein großes Glasfenster, das den Laden und die Schoko-Manufaktur räumlich trennt, beim Werkeln und Hantieren zusehen. Möglich ist das auch von der Straße aus. Zu sehen bekommt der Betrachter beispielsweise Nougat in Eimern, sprudelnde Schokoladenbrunnen oder vierspurige Pralinen-Autobahnen.

Wem da nicht das Wasser im Mund zusammenläuft... - Foto: Dieter Warnick

Wem da nicht das Wasser im Mund zusammenläuft… – Foto: Dieter Warnick

Um der Verarbeitung der Kakaobohne so richtig auf den Grund zu gehen, bietet die Familie Kässer Kurse und Seminare an. Buchbar ist fast alles: Pralinenkurse (für Einsteiger und Fortgeschrittene), Familientag, Kindergeburtstag oder einfach nur eine Reise in die Welt der Schokolade unternehmen – Jung und Alt werden sicherlich voll auf ihre Kosten kommen.

Wer jetzt Bedenken hat, dass der Genuss von Schokoprodukten auf die Hüften geht, der hat recht. Aber er sollte auch daran denken, dass Schokolade keine Probleme löst – das tut ein Apfel ja auch nicht.

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