zurück



Völs, Seis und Kastelruth: Drei Orte – drei Gesichter

Der Berg ist nur 2564 Meter hoch – doch trotz seiner geringen Höhe gilt der stockartige Westpfeiler der Dolomiten auf Grund seiner charakteristischen Form und seiner steilen, geradezu vertikalen Felsenwand mit den beiden vorgelagerten Bergspitzen, der Santner (2413 Meter)- und der Euringerspitze (2394 Meter) als Wahrzeichen Südtirols. Die Rede ist vom Schlern, dieser mächtigen Felsformation, dem die Dörfer Völs (908 Meter hoch gelegen/3450 Einwohner), Seis (1004/1700) und Kastelruth (1060/6550) ehrfürchtig zu Füßen liegen. Der Schlern überragt die höchste Hochalm Europas, die Seiser Alm, sowie die Mittelgebirgsterrasse von Kastelruth. Wie gemalt liegen unten im Tal die drei Schlerndörfer Völs, Seis und Kastelruth. Drei Orte – drei Gesichter.

Kastelruth: Eines der schönsten Dörfer des Alpenraums

Das eigentliche Dorfzentrum von Völs ist Untervöls. Dort befinden sich Dorfplatz, Pfarrkirche, Volksschule und das Vereins-Gemeindehaus. Hinten links die 1371 erstmals erwähnte Kirche St. Peter im Bühel, die auf einem seit der älteren Bronzezeit besiedelten Hügel steht. - Foto: Seiser Alm Marketing

Das eigentliche Dorfzentrum von Völs ist Untervöls. Dort befinden sich Dorfplatz, Pfarrkirche, Volksschule und das Vereins-Gemeindehaus. Hinten links die 1371 erstmals erwähnte Kirche St. Peter im Bühel, die auf einem seit der älteren Bronzezeit besiedelten Hügel steht. – Foto: Seiser Alm Marketing

Die schmucke Gemeinde Kastelruth hat zwölf Fraktionen (Ortsteile), unter anderem die ladinischen Dörfer Pufels (Bula/180 Einwohner), Runggaditsch (Runcadic/500) und Überwasser (Sureghes/500). Durch versteckte Winkel und Gassen schlendert man in Kastelruth durch eines der schönsten Dörfer des Alpenraums.

Der Schlern und die Santnerspitze sind das Wahrzeichen von Völs. - Foto: Tourismusverein Tiers

Der Schlern und die Santnerspitze sind das Wahrzeichen von Völs. – Foto: Tourismusverein Tiers

Besonders sehenswert in dem lebendigen und traditionsreichen Ort ist der geschlossene Dorfplatz mittelalterlicher Prägung mit vielen großartigen, mit Erkern geschmückten, pittoresken Häusern, deren Fassaden häufig mit Tiroler Motiven bemalt sind (Lüftlmalerei), sowie der alte Kalvarienberg (Kofl). Die erste urkundliche Erwähnung als Gerichtsgemeinde findet sich 1283. Und für die ganz Sportlichen steht ein 18-Loch-Golfplatz zum Austoben bereit.

Seis hat sich die Merkmale eines Bergdorfs erhalten

Groß ist er nicht, dafür aber gemütlich und beliebt - der Völser Weiher. Der Weiher lockt im Sommer natürlich zum Baden ein. Am Fuß des mächtigen Schlern gelegen gilt das Gewässer als einer der schönsten Badeseen Italiens. - Foto: Seiser Alm Marketing

Groß ist er nicht, dafür aber gemütlich und beliebt – der Völser Weiher. Der Weiher lockt im Sommer natürlich zum Baden ein. Am Fuß des mächtigen Schlern gelegen gilt das Gewässer als einer der schönsten Badeseen Italiens. – Foto: Seiser Alm Marketing

Wenige Kilomter weiter empfängt uns, eingebettet in ausgedehnte Wälder und weite Wiesen, die Ortschaft Seis, die sich die typischen Merkmale eines Bergdorfes erhalten hat. Aus bescheidenen Anfängen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat sich Seis dennoch zu einem der bedeutendsten und schönsten Orte der Region entwickelt. Hier paaren sich Mondänes und Traditionelles mit der Liebe zum Detail. 

Für Völs mit seinen 3500 Einwohnern ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftssektor. Der Ort war bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert ein beliebtes Ziel der Bozner Bürger, die vor allem zur Sonmerfrische sowie für Heubad-Kuren anreisten. - Seiser Alm Marketing/Laurin Moser

Für Völs mit seinen 3500 Einwohnern ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftssektor. Der Ort war bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert ein beliebtes Ziel der Bozner Bürger, die vor allem zur Sonmerfrische sowie für Heubad-Kuren anreisten. – Seiser Alm Marketing/Laurin Moser

Wie früher verdienen sich die Bürger von Seis ihren Lebensunterhalt vor allem aus der Landwirtschaft. Der Fremdenverkehr tut natürlich sein Übriges. Und seit einigen Jahren kommen noch mehr Besucher in den Ort, denn all diejenigen, die zum Wandern auf die Seiser Alm wollen, müssen mit der Umlaufbahn hinauf. Der Autoverkehr auf die Seiser Alm wurde mit der Eröffnung der Bahn stark eingeschränkt – nur Gäste, die auf der Alm ein Quartier beziehen, dürfen mit einer Sondergenehmigung mit dem Fahrzeug nach oben. So ist die Bahn der nahezu einzige Weg, vom Schlerngebiet auf die Seiser Alm zu kommen. Linienbusse fahren aber auch. 

Malerische Ausblicke 

Jährlich Anfang Juni verwandeln sich die Ortschaften Kastelruth, Seis und Völs in mittelalterliche Hochburgen. Drei Tage lang dauert der Oswald-von- Wolkenstein Ritt und lässt in dieser Zeit das Mittelalter wieder aufleben. Auf dem Foto zieht eine Trachtenkapelle anlässlich der Auftaktveranstaltung durch Seis. - Foto: Laura Paternoster

Jährlich Anfang Juni verwandeln sich die Ortschaften Kastelruth, Seis und Völs in mittelalterliche Hochburgen. Drei Tage lang dauert der Oswald-von- Wolkenstein Ritt und lässt in dieser Zeit das Mittelalter wieder aufleben. Auf dem Foto zieht eine Trachtenkapelle anlässlich der Auftaktveranstaltung durch Seis. – Foto: Laura Paternoster

Die Gegend eignet sich besonders zum Wandern und eröffnet dem Urlauber malerische Ausblicke über das Eisacktal und ins Umland. Oberhalb des Dorfes, am Fuße des Schlern, befindet sich die Burgruine Hauenstein, die im Spätmittelalter im Besitz des Oswald von Wolkenstein war. Ganz in der Nähe liegt auch die nicht weniger bekannte Ruine Salegg. In der Gegend befinden sich auch zahlreiche Kirchlein, so zum Beispiel die Kirche St. Valentin. Das kleine Gotteshaus wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut, worauf die Mauern und der Turm mir ihren romantischen Merkmalen hinweisen. An der Außenseite sind Fresken erhalten; in den nassen Mörtel wurden Kleiderräume, Heiligenscheine, Kelche und Kronen eingraviert. 

Völs und seine lange Tradition des Heubadens

Das Schloss Prösels ist die Stammburg der Herren von Völs. Das erste Mal wird das Schloss 1279 in einer Urkunde als “castrum presile” genannt, doch war es wahrscheinlich schon um 1200 errichtet worden. - Foto: TV Tiers

Das Schloss Prösels ist die Stammburg der Herren von Völs. Das erste Mal wird das Schloss 1279 in einer Urkunde als “castrum presile” genannt, doch war es wahrscheinlich schon um 1200 errichtet worden. – Foto: TV Tiers

In aussichtsreicher und sonniger Lage breitet sich Völs am Schlern aus. Das Feriendorf – es wurde im Jahr 2003 zum Kurort ernannt – mit seinen idyllischen Weilern hat sich vor allem durch seine lange Tradition des Heubadens und durch das Kulturzentrum Schloss Prösels einen guten Namen gemacht. Die erste urkundliche Erwähnung hat man im Jahr 888 gefunden. Der Ort war jedoch schon viel früher besiedelt. So konnte man durch Ausgrabungen erforschen, dass die Gegend schon zur Mittelsteinzeit (Mesolithikum) bewohnt war. 

Ein besonderer Anziehungspunkt war Völs vor allem für die Bozener Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert. Um der drückenden Hitze zu entfliehen, ging es zur Sommerfrische an den Fuß des Schlern, auch wegen des heilkräftigen Wassers, das es dort gab, vor allem aber wegen der Heubäder. Schon frühzeitig hatte man erkannt, dass das Heu eine besondere Heilwirkung erzeugt, die das körperliche und seelische Wohlbefinden steigert. 

Die Müdigkeit war wie weggeblasen 

Oswald von Wolkenstein war ein Sänger, Dichter und Komponist sowie ein Politiker von mehr als nur regionaler Bedeutung. Sein Leben und Wirken kann als beispielhaft für einen Ritter des ausgehenden Spätmittelalters angesehen werden. - Foto: Seiser Alm Marketing

Oswald von Wolkenstein war ein Sänger, Dichter und Komponist sowie ein Politiker von mehr als nur regionaler Bedeutung. Sein Leben und Wirken kann als beispielhaft für einen Ritter des ausgehenden Spätmittelalters angesehen werden. – Foto: Seiser Alm Marketing

Entdeckt wurde das Heubad von den Bauern, die nach einer anstrengenden Ernte auf den Bergalmen in einem Heustock ihr Nachtlager nahmen. Nach einer Nacht im Heu war am nächsten Morgen die Müdigkeit wie weggeblasen. Seine touristische Erfolgsgeschichte begann Völs am Schlern offiziell 1903 zu schreiben, als das Hotel Heubad eröffnet und der Verschönerungsverein gegründet wurde. Dieser hatte sich zum Ziel gesetzt, den Aufenthalt für die Gäste so angenehm wie möglich werden zu lassen. 

Das heutige Heubad dauert etwa eine halbe Stunde. Dabei liegt man in einer mit frisch gemähtem Heu gefüllten Wanne. Der Heilungseffekt wird durch den Gärungsprozess der Gräser erzeugt. Während des Heubades wird eine beträchtliche Wärme entwickelt; vor allem rheumatisch bedingte Schmerzzustände, Stresssymptome, Muskelschmerzen und Ermüdungserscheinungen sollen dadurch geheilt werden. 

Idylle pur am Völser Weiher

Eindrucksvoll: Kastelruth mit der Pfarrkirche. - Foto: Seiser Alm Marketing/Laurin Moser

Eindrucksvoll: Kastelruth mit der Pfarrkirche. – Foto: Seiser Alm Marketing/Laurin Moser

Ein Genuss-Treffpunkt ganz anderer Art ist der Völser Weiher, einer der schönsten Badeseen Südtirols. Das idyllische Kleinod liegt in einem Föhrenwald. Hier erfrischen sich Einheimische und Touristen und genießen die intakte Natur des Sees, dessen Wasserqualität und Schönheit im Mai 2009 von der größten Umweltorganisation Italiens ausgezeichnet wurde. 

Ein Besuch wert sind auch das Kirchlein St. Konstantin (auf dem Weg von Seis nach Völs), sowie in Völs direkt im Dorf gelegen die Pfarrkirche, und – leicht erhöht mit einem herrlichen Blick auf das Dorf – St. Peter im Bühel. Und nicht zu vergessen Schloss Prösels mit seinem prächtigen Innenhof. 

Das Schloss liegt auf einer strategisch günstigen Position am Punkt der Hochfläche, wo der Weg vom Eisacktal auf den sogenannten Urweg trifft, der von Völs über Tiers und den Karerpass ins Fassatal führt. Der Hügel, auf dem das Schloss um das Jahr 1200 herum erbaut wurde, fällt auf drei Seiten fast senkrecht zur Schlucht des Schlernbaches ab. Oberhalb des Schlosses ragt die Ruine des Pulverturms auf. 

Schloss Prösels ist ein Muss

Die Ortschaft Seis im Winter ist ein beschaulicher und romantischer Flecken Erde. - Foto: Seiser Alm Marketing.

Die Ortschaft Seis im Winter ist ein beschaulicher und romantischer Flecken Erde. – Foto: Seiser Alm Marketing.

Auch kulturell kann Schloss Prösels einiges bieten: Konzerte, Theaterproduktionen, gastronomische Spezialitäten, Ausstellungen und Führungen. Und auch die Abschlussveranstaltung des Oswald-von-Wolkenstein-Ritts findet alljährlich dort statt. Dieser Ritt zieht jedes Jahr Anfang Juni Tausende von Schaulustigen in seinen Bann. Zu Ehren der Südtiroler Legende kämpfen Reiter auf ihren Haflingern in vier Turnieren – beim Ringstechen, im Labyrinth, einem Hindernisgalopp und dem Tor-Ritt – um den Sieg. Bei dieser Veranstaltung wird Sport, Geschichte, Tradition und Kultur derart miteinander verbunden, dass der Oswald-von-Wolkenstein-Ritt weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannt ist.

Raushier-Reisemagazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert