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Bozen: Bindergasse, Schloss Maretsch und die Weinkost

Wer Bozen einen Besuch abstattet, wird mit Sicherheit zuerst der faszinierenden Altstadt seine Aufwartung machen. Waltherplatz, Obstmarkt, die Laubengasse… Historie, wohin man schaut. Nicht zu vergessen die kleinen Sträßchen und Gassen, wobei die Bindergasse ganz besonders zu erwähnen ist. Sie führt vom Rathausplatz (auf der linken Seite tun sich die Lauben auf) in nördlicher Richtung bis fast zur Deutschordenskirche. Angelegt wurde die Bindergasse um 1210, etwa 40 Jahre nach der Gründung Bozens in der sogenannten Neustadt, und ist damit eine der ältesten Straßen der Stadt.

Haupttransportroute

Bozen ist auch eine Stadt der Gegensätze: Blick von der Dachterrasse des Hotels Falkensteiner auf das gegenüberliegende moderne Glasensemble und den gotischen Dom Maria Himmelfahrt am Waltherplatz. – Foto: Dieter Warnick

Bozen ist auch eine Stadt der Gegensätze: Blick von der Dachterrasse des Hotels Falkensteiner auf das gegenüberliegende moderne Glasensemble und den gotischen Dom Maria Himmelfahrt am Waltherplatz. – Foto: Dieter Warnick

Jahrhundertelang führte über diese Gasse – die vergleichsweise breit angelegt war, so dass zwei Kutschen, Fuhrwerke oder Pferdegespanne relativ mühelos aneinander vorbei kamen – der gesamte Warenverkehr Europas. Ohne diese Durchfahrtsstraße ging gar nichts. Waren und Güter jeglicher Art wurden von Nord nach Süd oder in umgekehrter Richtung transportiert.

Die Gasse war auch bei denjenigen beliebt, die sie nutzten. Zum einen konnte man sich um die ermatteten Zugtiere kümmern und bei etwaigen Pannen die Fuhrwerke instand setzen, zum anderen waren die Menschen, die durch die Bindergasse kamen, heilfroh, dass sich ein Wirtshaus an das andere reihte. Das ist heute noch so, nur dass aus einigen Gasthäusern eine Önothek oder Weinstube geworden ist.

Der Namen Bindergasse rührt daher, weil früher zahlreiche Fassbinder hier ansässig waren. Die Gasse hat sich – wie alle anderen im Zentrum auch – ihren Charme bewahrt. Alt-Bozen pur!

Der Waltherplatz ist das Wohnzimmer der Bozener. – Foto: Dieter Warnick

Der Waltherplatz ist das Wohnzimmer der Bozener. – Foto: Dieter Warnick

Traumhaftes Ambiente trifft edle Weine

Am Weißen Rössl in der Bindergasse, dem ältesten Gasthaus der Stadt, befinden sich verschiedene Gemälde des Südtiroler Freskenmalers Albert Stolz (1875 – 1947), unter anderem eine Hochzeitsgesellschaft. Neben dem Weißen Rössl befand sich der Verwaltungssitz des Bischofs von Augsburg. Dort wurden die verschiedenen Weingüter verwaltet, die das Bistum erworben hatte. – Foto: Hanspeter Treibenreif

Am Weißen Rössl in der Bindergasse, dem ältesten Gasthaus der Stadt, befinden sich verschiedene Gemälde des Südtiroler Freskenmalers Albert Stolz (1875 – 1947), unter anderem eine Hochzeitsgesellschaft. Neben dem Weißen Rössl befand sich der Verwaltungssitz des Bischofs von Augsburg. Dort wurden die verschiedenen Weingüter verwaltet, die das Bistum erworben hatte. – Foto: Hanspeter Treibenreif

Dass die Südtiroler keine Kostverächter sind und rund um Bozen verschiedenste Weine angebaut werden, ist hinlänglich bekannt. Ihre Produkte präsentieren viele Weinbauern jedes Jahr – immer Ende März – bei der sogenannten Weinkost auf Schloss Maretsch. Traumhaftes Ambiente trifft edle Weine.

Zum Schauplatz ist zu sagen, dass für eine solch große Veranstaltung, wie die Weinkost es ist, keine eindrucksvollerer Kulisse und kein stimmungsvollerer Ort gefunden werden konnte wie Schloss Maretsch.

Nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt

Im „Pfau“, einem der traditionsreichsten Wirtshäuser der Stadt, befindet sich heute die Önothek Gandolfi. - Foto: Hanspeter Treibenreif

Im „Pfau“, einem der traditionsreichsten Wirtshäuser der Stadt, befindet sich heute die Önothek Gandolfi. – Foto: Hanspeter Treibenreif

Zu erreichen ist das Kleinod in nur wenigen Gehminuten von der Innenstadt aus. Mitten im Grünen, und umgeben von fruchtbaren Weinbergen, zeigt sich die quadratische Burg von ihrer ganz erhabenen Seite.

Das Ambiente bei der Weinkost könnte nicht stilvoller sein. – Foto: Thomas Rotting

Das Ambiente bei der Weinkost könnte nicht stilvoller sein. – Foto: Thomas Rotting

Maretsch ist eine sogenannte Niederungsburg (auch Flachlandburg oder Tieflandburg genannt), weil sie in einer Talsohle oder eben im Flachen liegt.

Erstmals erwähnt wurde die damals kleine Anlage im Jahr 1273. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg um einen schmalen Hofraum und eine neue Außenmauer erweitert, rund 200 Jahre später erfolgte die nächste Vergrößerung mit der Errichtung des westlichen Hofflügels; im ersten Drittel des 16. Jahrhundert wurden vier mächtige Rundtürme an den Ecken dazu gebaut. Schließlich wurde der Bergfried zu einem Panoramaturm umfunktioniert.

Nutzung als Tagungs- und Kulturzentrum

Exemplare wie diese tauchen ab und an im Stadtbild von Bozen auf. – Foto: Dieter Warnick

Exemplare wie diese tauchen ab und an im Stadtbild von Bozen auf. – Foto: Dieter Warnick

1549 schließlich wurde Schloss Maretsch von einer mittelalterlichen Burg zu einem wahren Renaissancesitz umgestaltet. Das heutige Aussehen erhielt die trutzige Burg zwischen 1558 und 1570, ausgeschmückt mit bedeutenden Fresken. Nach einigen Besitzerwechseln im Laufe der folgenden Jahrhunderte und langen Jahren eines Leerstandes erwarb die Stadt Bozen im Jahr 1974 die Burg für die Nutzung als Tagungs– und Kulturzentrum.

* Schloss Maretsch, Claudia-de-Medici Str. 12, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 97 66 15; Internet: www.maretsch.info; E-Mail: maretsch@maretsch.info 

Weinkost feiert 100-jähriges Jubiläum

Blick auf Weinberge und die Kirche St. Oswald im Dorf. – Foto: Dieter Warnick

Blick auf Weinberge und die Kirche St. Oswald im Dorf. – Foto: Dieter Warnick

Die Bozner Weinkost ist eine Traditionsveranstaltung, die weit zurück reicht, und die im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Der erste „Frühjahrsweinmarkt“ fand vom 12. bis 22. März 1896 statt. Jährliche Weinveranstaltungen folgten, teils mit bis zu 70 Betrieben und mit bis zu 250 Weinen. Nach den Wirren des Ersten und Zweiten Weltkrieges stellte sich ab 1947 ein neuer Beginn mit der Bezeichnung „Bozner Weinkost“ ein. Bis heute zählt die Veranstaltung zum wichtigsten Treffpunkt im Jahresverlauf für Produzenten, Weinhändler, Sommelièrs und  Weinliebhaber. Im Jahr 1995  fand das Event zum ersten Mal auf Schloss Maretsch statt (zuvor im Hotel Post, im Hotel Laurin und im Hotel Greif).

Gesellschaftlicher Fixpunkt

Der NOI-Technikpark (Nature of Innovation) ist ein führender Wissenschafts- und Technologiepark in Bozen, der Forschung, Unternehmen und Start-ups vernetzt, um nachhaltige Innovationen zu fördern. Er beherbergt zahlreiche Labore, Forschungsinstitute, Jungunternehmen und Neugründungen. – Foto: Verkehrsamt der Stadt Bozen

Der NOI-Technikpark (Nature of Innovation) ist ein führender Wissenschafts- und Technologiepark in Bozen, der Forschung, Unternehmen und Start-ups vernetzt, um nachhaltige Innovationen zu fördern. Er beherbergt zahlreiche Labore, Forschungsinstitute, Jungunternehmen und Neugründungen. – Foto: Verkehrsamt der Stadt Bozen

Heutzutage können über 200 der besten Weiß-, Rot-, Rosé- und Schaumweine aus den Anbaugebieten im Überetsch, Eisacktal, Bozen und Burggrafenamt verkostet werden. Diese stammen sowohl von großen namhaften Südtiroler Kellereien als auch von kleineren Betrieben. Ein breites kulinarisches Angebot durch namhafte Köche und ein Rahmenprogramm mit Musik gehören jedes Jahr dazu. Die Tischverkostung entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem gesellschaftlichen Fixpunkt, einem beliebten Treffpunkt für Prominenz, für Feinschmecker und für all jene, die den Genuss kultivieren wollten.

Weitere Infos: Verkehrsamt der Stadt Bozen, Südtiroler Str. 60, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 30 70 00; Internet: www.bolzano-bozen.it

Gastrotipps

Schloss Maretsch ist alljährlich, immer Ende März, historischer Schauplatz für die allseits beliebte Weinkost. – Foto: Thomas Rotting

Schloss Maretsch ist alljährlich, immer Ende März, historischer Schauplatz für die allseits beliebte Weinkost. – Foto: Thomas Rotting

* Wirtshaus Vögele, Goethestr. 3, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 973 938; Internet: www.voegele.it; E-Mail: info@voegele.it

* Gandolfi Zum Pfau – Vino e cultura, Bindergasse 5a, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 180 80 53; Internet: www.gandolfi.bz.it; E-Mail: enoteca@gandolfi.bz.it

* Önothek Banco 11, Obstplatz 11, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 192 2845; E-Mail: info@banco11.it

 * Mochi, Japanisches Restaurant im Hotel Falkensteiner, Südtiroler Str. 31, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 1431 601; E-Mail: bozen@reservations.falkensteiner.com

Restaurant Le Segrete im Castel Hörtenberg, Hörtenbergstr. 4, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 180 0355 oder 172 5055; E-Mail: reservation@castel-hoertenberg.com

Weitere Glanzlichter

Bei der Weinkost kommen die erlesensten Weine zur Verkostung. – Foto: Luca Managlia

Bei der Weinkost kommen die erlesensten Weine zur Verkostung. – Foto: Luca Managlia

* Museion, Piero-Siena-Platz 1, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 22 34 13; Internet: www.museion.it

Ar/Ge kunst Gallery, Museumstr. 29, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 97 16 01; Internet: www.argekunst.it

Antonio Dalle Nogare Stiftung, Rafensteiner Weg 19, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 97 16 26: Internet: info@fondazioneantoniodallenogare.com

Raushier-Reisemagazin

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