Wer mit Einwohnern von Bozen in Kontakt kommt, wird unweigerlich mit dem Thema Wein konfrontiert. Denn die Landeshauptstadt der autonomen Provinz Südtirol ist eine Stadt des Weines, und bekannt dafür, dass dort hauptsächlich die autochthonen Rotweinsorten Lagrein und Vernatsch (in Deutschland eher bekannt als Trollinger) angebaut werden: Vernatsch vorzugsweise auf den beiden Moränenhügeln von St. Magdalena und St. Justina, nördlich der Stadt gelegen, während der Lagrein im Besonderen auf dem Talboden gedeiht; aus ihrer „Begegnung“ entstand der St. Magdalener. Die Hügelkuppen und teils sehr steilen Hänge gehören zum Bozener Stadtteil Rentsch und beherbergen die ältesten, sonnigsten und besten Weinberge Südtirols.

Blick vom Eberlehof, hoch über Bozen gelegen, auf Weingärten, Steillagen und den Talkessel der Südtiroler Landeshauptstadt. – Foto: Dieter Warnick
Die zur Herstellung des St. Magdalener-Weins bestimmten Trauben werden in Bozen auf insgesamt 200 Hektar angebaut, das entspricht vier Prozent der gesamten Weinbaufläche in Südtirol.
Wenn die Vernatsch-Traube ungestört in der Sonne heranreifen kann, dann kann nur Gutes entstehen. Der Lagrein wird in zwei Varianten ausgebaut: als kräftiger Rotwein Lagrein Dunkel und als zarter Roséwein, dem „Kretzer“.
Autochthon: „alteingesessen“ und „bodenständig“

Dort, wo der bekannte St. Madgalener Wein angebaut wird, am Stadtrand von Bozen, steht das kleine, denkmalgeschützte St. Magdalena-Kirchlein. – Foto: Verkehrsamt der Stadt Bozen
Zur Erklärung: Autochthoner Wein stammt von Rebsorten, die in ihrer Region heimisch sind, dort ihren Ursprung haben und über Jahrhunderte an das lokale Klima angepasst wurden. Sie gelten als „einheimisch“, „alteingesessen“ oder „bodenständig“, was ihnen einen einzigartigen, unverwechselbaren Charakter verleiht. Bozen ist nach Eppan und Kaltern die drittgrößte Weingemeinde Südtirols.
30 private Weingüter und eine Genossenschaft sowie 28 über die Stadt verteilte Weinkellereien stehen für Tradition und Qualität. Insgesamt wird Wein auf über 500 Hektar Rebfläche angebaut – das entspricht etwa einem Drittel des Gemeindegebiets.
Die meisten der Kellereien werden familiär geführt, seit Generationen mit Hingabe, Leidenschaft und dem nötigen Enthusiasmus, den es benötigt, edle Tropfen hervorzubringen. Der Wein ist dadurch ein Symbol und zum Sinnbild für Bozen geworden.
Denkmalgeschütztes Kirchlein

Christian Zisser, Juniorchef des Weinguts Eberlehof, hat viel zu erzählen. In der Hand hält der Jungwinzer ein Rebmesser, ein traditionelles, sichelförmig gebogenes Werkzeug mit einseitig geschärfter Klinge. Es wird im Weinbau zum Rebschnitt, Entlauben und zur Lese genutzt. – Foto: Dieter Warnick
Mitten auf einem Hügel, am Stadtrand von Bozen (in Rentsch), tut sich ein Kleinod auf, das immer wieder als Postkartenmotiv herhalten muss, will man die liebliche Landschaft, verbunden mit den grandiosen Weinbergen, ablichten:
Das denkmalgeschützte Kirchlein St. Magdalena in Prazöll steht nämlich dort, wo der bekannte St. Magdalener-Wein angebaut wird. Das Kirchlein ist ein einschiffiger Bau mit Kirchturm, der 1170 erstmals erwähnt wurde. Um 1370 und 1500 wurde die Kirche umgebaut, das steingerahmte und mit Rosetten verzierte Hauptportal aus der Renaissance entstand 1627.
Im Inneren befinden sich wertvolle, sehr gut erhaltene Fresken aus dem 14. Jahrhundert, und erinnern an die Zyklen auf Schloss Runkelstein, auch Bilderburg genannt. Der Hochaltar der Kirche gehört zu den bedeutendsten Altären in Südtirol.
Eberlehof: Erstmals 1312 urkundlich erwähnt

Diese Gedenktafel zu Ehren von Emil March ist im Weingut Eberlehof angebracht. Er schuf zwischen 1929 und 1930 für St. Magdalena, St. Justina und die Streusiedlung Leitach die erste Großberegnungsanlage Europas. – Foto: Dieter Warnick
Erstmals geschichtlich 1312 erwähnt, befindet sich der traditionsreiche Eberlehof seit 1668 in Familienbesitz. Familie Zisser legt ihr Hauptaugenmerk in ihrem Rebsortiment auf den St. Magdalener. In dem alten Weinkeller reifen rubinrote, vollmundige und körperreiche Qualitätsweine in Eichenfässern heran. Zum Sortiment gehören auch Lagrein, Cabernet, Merlot und Cuvé Mabon.

Weine aus Südtirol und Umgebung lassen den Genießer mit der Zunge schnalzen. Zum Wohl. – Foto: Thomas Rotting
Besonders stolz ist Juniorchef Christian Zisser auf eine Rarität, nämlich auf die eigenständige, alte Rebsorte Blaterle; diese war völlig in Vergessenheit geraten und dadurch fast ausgestorben. Blaterle ist eine autochthone Weißweinsorte, die nur in Bozen vorkommt. Der leichte, trockene und oft fruchtbetonte Wein gilt als Rarität und wird in Bozen nur auf etwa 1,6 Hektar angebaut, und im Stahltank gelagert.
Insgesamt beträgt die Anbaufläche des Erberlehofs drei Hektar; die Jahresproduktion beläuft sich auf zirka 27 000 Flaschen.
Weingut Eberlehof: St. Magdalena 26, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 98 19 18); Internet: www.weingut-eberlehof.it; E-Mail: info@weingut-eberlehof.it
Ansitz Waldgries: Vieles auf links gedreht

Das Weingut Ansitz Waldgries ist ein Schmuckstück, wie es erhabener nicht sein kann. – Foto: Ansitz Waldgries

Christian Plattner ist mit sich und der Welt im Reinen. „Meine Weine sollen sowohl diesen besonderen Ort, wie auch meine ganz persönliche Handschrift widerspiegeln“, sagt der Chef vom Ansitz Waldgries. – Foto: Armin Bardel
Luftlinie kaum drei Kilometer entfernt, an der Straße hinauf zum Ritten, liegt rechterhand das Weingut Ansitz Waldgries, ein Schmuckstück, wie es erhabener nicht sein kann. Das prächtige Anwesen war ursprünglich im Besitz eines Klosters.
Der historische Besitz gehört seit fast 100 Jahren der Familie Plattner, deren jetziger Chef Christian Plattner unmittelbar nach seiner Ausbildung zum Winzer (in Bad Kreuznach) in die großen Fußstapfen seines Großvaters und Vaters trat. 1929 erwarb sein Opa Heinrich den Ansitz.

Ein Weinweg, beginnend im Ansitz Waldgries, führt zwischen Weinreben hinauf, vorbei an Rosmarin, Feigen-, und Olivenbäumen, Oleander, Rosen und Zypressen. Individuell gestaltete Kunstwerke des bekannten Grödner Bildhauers Filip Moroder Doss schmücken den Weg. Auf Infotafeln stehen Antworten auf Fragen zum Wein. – Foto: Ansitz Waldgries.
Erste Erfahrungen machte Plattner im Friaul bei einem der besten Winzer Italiens, und bei seiner Rückkehr drehte er das Weingut, salopp gesagt, auf links, und machte das, was er für richtig hielt: er rodete zu großen Teilen die Anbauflächen von Cabernet- Sauvignon und Merlot – „schließlich wachsen diese Rebsorten überall auf der Welt und sind austauschbar“ – und pflanzte nun stattdessen die in Südtirol einheimischen Rebsorten Vernatsch, Lagrein und Rosenmuskateller vermehrt an. Der Erfolg gab ihm recht: „Ich bin mehr als froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Autochthone Rebsorten beschreiben unsere Heimat am besten.“
Der Ansitz Waldgries ist 70 Jahre älter als der Eberlehof, wurde bereits im Jahre 1242 urkundlich erwähnt. Seit Jahrhunderten wird also auch hier Wein gekeltert. Die Weinlagen erstrecken sich auf 7,5 Hektar.
Ansitz Waldgries, St. Justina 2, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 32 36 03; Internet: www.waldgries.it; E-Mail: info@waldgries.it
Weitere Infos: Verkehrsamt der Stadt Bozen, Südtiroler Str. 60, I-39100 Bozen, Tel.: (0039 0471) 30 70 00; Internet: www.bolzano-bozen.it; E-Mail: info@bolzano-bozen.it
Gastrotipp
Zum Signater Hof, Signat 166, I-39050 Signat/Ritten, Tel.: (0039 0471) 365 353; E-Mail: info@signaterhof.it