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Weingut Rottensteiner: Familienbetrieb wie aus dem Bilderbuch

„So ist der Wein. Doch es ist mit ihm wie mit allen köstlichen Gaben und Künsten. Er will geliebt, gesucht, verstanden und mit Mühen gewonnen sein.“ Diese Worte stammen von dem großen deutschen Literaten Hermann Hesse in seinem Erstlingsroman Peter Camenzind und ihnen ist (eigentlich) nicht hinzuzufügen.

Lesehelfer, die sogenannten "Wimmer", bei der Arbeit.

Lesehelfer, die sogenannten „Wimmer“, bei der Arbeit.

Wenn in eingen Wochen, also Ende August, Anfang September, die Weinlese in Südtirol beginnt, herrscht in allen Winzerbetrieben geschäftiges Treiben. Natürlich auch im Weingut Rottensteiner im Bozener Ortsteil Gries. Dann werden die Trauben des eigenen, zehn Hektar großen Weinguts, verarbeitet, und auch die der zirka 60 Vertragsbauern, die ihre Früchte von weiteren 90 Hektar anliefern, und ihre „Ware“ nicht der Genossenschaftskellerei in Bozen überlassen wollen. „Die Lese und die erste Verarbeitung dauert fünf bis sechs Wochen und ist sehr zeitintensiv“, verrät Juniorchef Hannes Rottensteiner (35), der zusammen mit seiner Frau Judith (31) und seinem Vater Anton (75) das Gut führt. „Dann sind wir im Schnitt von 8 Uhr in der Früh bis Mitternacht auf den Beinen.“ Als Lesehelfer, die sogenannten „Wimmer“, sind sieben bis acht Personen im Einsatz, im Keller, beim Abfüllen, nocheinmal fünf bis sechs Leute.

Ein riesiger Weinkeller

Der Wein reift in teilweise riesigen Gefäßen in einem Keller, in dem man sich durchaus verlaufen könnte, würden einen die Fässer nicht davon abhalten. Insgesamt produzieren die Rottensteiners 6000 Hektoliter Wein (Juniorchef Hannes: „Das ist viel für eine Privatkellerei“), der Weinkeller wäre vom Fassungsvermögen her so groß, dass 15 000 Hektoiter des „edlen Produktes“ Platz hätten.

In riesigen Holzfässern reift der Südtiroler Wein heran.

In riesigen Holzfässern reift der Südtiroler Wein heran.

Die Rottensteiners lagern ihren Wein in Betonfässern mit einem Gesamtvolumen von 200 000 Litern, wobei ein Fass mit 35 000 Litern befüllt werden kann. Natürlich gibt es auch zahlreiche Edelstahl- und Holzfässer mit einem Fassungsvermögen zwischen 3000 und 8000 Litern. Ferner lagern noch fast 40 000 Liter in ungefähr 170 Barrique-Fässern. Barrique ist ein Eichenfass, das 225 Liter (Bordelaiser Schiffsmaß) fasst. Insgesamt füllen die Rottensteiners pro Jahr 450 000 Flaschen je 0,75-Liter Wein (Rot, Rosé und Weiß) ab.

23 verschiedene Weine

Die Rottensteiners produzieren 23 verschiedene Weine, wobei mehr weiße als rote Sorten hergestellt werden. Bei den Weißweinen hat sich Rottensteiner auf Weißburgunder (pinot bianco, die häufigste weiße Traubensorte Südtirols), Müller Thurgau und Gewürztraminer spezialisiert. Die Hauptrolle bei den „Roten“ spielen der St. Magdalener und natürlich der Lagrein. Dieser ist eine typische Südtiroler Weinrebe, von der auch ein Rosé gewonnen wird, der Lagrein Kretzer. Nachdem die Familie Rottensteiner aus dem Weindorf St. Magdalena stammt, spielt der St. Magdalener natürlich noch heute die wichtigste Rolle im Angebot der Kellerei, die der zweitgrößte Produzent in Bozen ist. Größter Produzent ist die Genossenschaft; alles in allem hat Bozen 26 Kellereien. In Südtirol gibt es zirka 5000 Weinbauern, die zusammen 5300 Hektar bearbeiten.

Raushier-Reisemagazin