Daran hat sich nichts geändert, früher (also ab dem 19. Jahrhundert) war es so, und heute ist es noch immer so: Für viele ist der Lago Maggiore ein Sehnsuchtsort, der Menschen verzaubert. Ein Platz, um gesehen zu werden. Der Stars und Sternchen anzieht. Wo sich die Schicken und Eleganten über den Weg laufen. Wo noble Villen und extravagante Luxushotels den Besucher in die Vergangenheit eintauchen lassen.
Viel mehr als nur Schickimicki
Aber der nach dem Lago di Garda zweitgrößte See Italiens mit seinen sonnenverwöhnten Orten Locarno und Ascona (beide im Schweizer Tessin) sowie dem mondänen Stresa, dem charmanten Verbania oder dem lebendigen Luino (alle drei auf der italienischen Seite) hat noch viel mehr zu bieten als Schickimicki, Filmfestival, Kunst und Kultur, Theater oder anderweitigen Rummel. Diesen Besuchermagneten wird von der Autorin natürlich viel Aufmerksamkeit eingeräumt. Die Region abseits des Sees ist aber auch ein wahrer Natur-Hotspot. Und darauf hat Patricia Arnold im Reiseführer „oh! Lago Maggiore“ vermehrt ihr Augenmerk gelegt.
Ein urwüchsiger Kontrapunkt
Zum Beispiel bildet das Naturreservat Bolle di Magadino einen urwüchsigen Kontrapunkt zum Treiben rund um den Lago. Es ist ein artenreiches Biotop für Tiere und Pflanzen. Die Verfasserin rät auch zu einem Besuch der Brissago-Inseln; schattige Spaziergänge im Botanischen Garten führen durch eine Vegetation aus allen Kontinenten.
Kleine Dörfer weisen den Weg

Der Lago Maggiore besitzt ein mediterranes Klima. Palmen, Zypressen, Zitronenbäume, Kamelien und subtropische Gärten prägen das Ufer des oberitalienischen und Schweizer Sees. Die geschützte Lage an den Südhängen der Alpen sorgt für warme Sommer und sehr milde Winter. – Foto: Patricia Arnold
Was viele Gäste bestimmt nicht wissen: Kleine, verschlafene Dörfer, die, wie es scheint, irgendwo im Mittelalter stehen geblieben sind, sollte man unbedingt gesehen haben. So wie Carmine Superiore, das, vom jetzt und heute schier vergessen, nur zu Fuß erreichbar ist. So muss es dort auch schon vor einigen hundert Jahren ausgesehen haben.
Oder Cannero Riviera, bekannt für den Anbau verschiedenster Zitrusfrüchte. Und eine Rundwanderung führt ab Piancavallo, einem 1250 Meter hoch gelegenen Bergdorf im Piemont, zu einem Verteidigungswall aus dem Ersten Weltkrieg. Die Gedanken frei bekommt man, wenn man der Strada Sutermeister, einem historischen, in den Fels geschlagenen Wanderpfad folgt, beginnend in der Ortschaft Cicogna.
Ein Hingucker ist Arcumeggia, denn dort zieren 100 Fresken die Häuser dieses außergewöhnlichen Dorfes.
Was noch wissenswert ist

Die Brissago-Inseln liegen auf der Schweizer Seite des „Langensees“, etwa 2,5 km nordöstlich von Brissago und 3,5 km südwestlich von Ascona. – Foto: Locarno Tourism
… dass man von der Alpe Colle den gesamten Lago Maggiore überblicken kann.
… dass in Cannobio, der ersten italienischen Gemeinde am Westufer, stets am 7. Januar ein spektakuläres Lichterfest stattfindet.
… dass die klimatischen Bedingungen es zulassen, Tee anzubauen.
… das Quarna Sotto, oberhalb des Ortasees gelegen, weltbekannt ist für die handwerkliche Herstellung von Saxophonen durch die historische Manufaktur Rampone & Cazzani.
… dass hoch über der Stadt Arona eine monumentale, über 35 Meter hohe Heiligenstatue thront, die begehbar ist. Bis 1886 war sie die höchste Figur der Welt.

Wo es früher von Fischerbooten wimmelte, gibt es am See immer mehr Orte von einfachem, friedlichem und ungestörtem Glück. – Foto: Claudio Fogli
Zur Autorin: Patricia Arnold, geboren 1952, aufgewachsen in München. „Hier bleibe ich“, war ihr erster Gedanke, als sie vor vielen Jahren nach einer nächtlichen Autofahrt durch ein Tor wilder Rosen in einen üppig wuchernden Garten am See trat. Arnold arbeitete als Redakteurin und Moderatorin für verschiedene deutsche Rundfunksender, berichtete als ARD-Hörfunkkorrespondentin aus Rom und für die NZZ am Sonntag aus Mailand. Heute pendelt sie zwischen München und Cannero Riviera.
Patricia Arnold, oh! Lago Maggiore, erschienen im Folio Verlag mit Sitz in Wien und Bozen; 160 Seiten, Klappenbroschur, durchgehend Farbabbildungen, ISBN 978-3-85256-922-2; Preis: 20 Euro.