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Auf Fußballentzug in Australien

Sydney, die Olympiastadt von 2000, ist eine Sporthochburg. Rugby Union, Rugby League, Football nach Australian Rules, Cricket – all das kann man sich in den Stadien der Metropole live anschauen. So viel Angebot lässt das Herz des Sportfans höher schlagen. Allerdings nur das des australischen.

Sydneys Olympiastadion.

Sydneys Olympiastadion.

Australien ist ein sehr sportbegeistertes Land. Auch ich bin ein überaus eifriger Stadiongänger, selbst sportlich aktiv und lasse auch keine wichtige Fernsehübertragung aus. Das müsste eigentlich gut zusammenpassen, könnte man glauben.

Doch leider können sich die „Aussies“ für Sportarten erwärmen, mit denen der Kontinentaleuropäer im Allgemeinen und ich im Besonderen nur wenig anfangen kann. Rugby Union, Rugby League, Australian Rules Football, also alle Varianten des rüden Sports mit dem eiförmigen Ball, sind für den Unwissenden kaum zu unterscheiden. Jeder Australier behauptet aber, genau die Version, die er gerne sieht, sei das einzig wahre Rugby. Cricket hingegen ist weit weniger brachial, dafür aber todlangweilig. Bei Fernsehübertragungen dieser Sportart kann man die Augen kaum länger als zehn Minuten offen halten.

Schlechte Zeiten für einen Fußball-Fan

Schlechte Zeiten also für den eingefleischten Fußballfan. Dazu schlagen noch die Nachrichten aus der Heimat aufs Sport-Gemüt: Der heimische Amateur-Klub krebst nach dem Abstieg auch in der Kreisklasse am Tabellenende herum, der FC Ingolstadt empfängt in der Zweiten Liga einen sehenswerten Traditionsverein nach dem anderen. Und ich bin 16.000 Kilometer entfernt und muss die Bundesligaergebnisse am nächsten Tag im Internet nachlesen. Hoffentlich weiß ich überhaupt noch, was Abseits ist.

Rugby: Wallabies gegen All Blacks.

Rugby: Wallabies gegen All Blacks.

Es musste dringend Abhilfe her. Mangels Alternativen also doch zum Rugby! Da wir uns für keinen der acht Sydneyer Erstligisten im Rugby League entscheiden konnten oder wollten, drängte sich der Klassiker im Rugby Union, das übrigens auch in Europa gespielt wird, nahezu auf: Australien gegen Neuseeland oder Wallabies gegen All Blacks, wie Eingeweihte dieses Duell der Rugby-Giganten nennen.

Ein Spiel für zwei Wertungen

Die Partie fand im Olympiastadion der Spiele von 2000 statt. Das weckte zumindest meinen Stadien-Entdeckergeist. Doch meine Fußball-Entzugserscheinungen konnte die Partie kaum lindern. Die Regeln und die Taktik überblickte ich als Neuling, der sich sogar eingelesen hatte, nur bedingt. Die meisten Spielzüge wirkten, als würden die Teams die Losung „Alle auf den Ball“ beherzigen. Fußballern versucht man das bereits in der F-Jugend auszutreiben. Auch warum das Spiel, das Australien mit 34:19 gewann, gleich Eingang in zwei Wertungen – den Tri Nations Cup und den Bledisloe Cup – fand, blieb schleierhaft.

Die All Blacks beim Haka.

Die All Blacks beim Haka.

Stadionstimmung, geschweige denn Fangesänge, kam trotz des starken Spiels der Wallabies keine auf. Wir fühlten uns, als wären wir im Theater oder im Kino. Nur der Haka, der Kriegstanz der neuseeländischen Ureinwohner Maori, den die All Blacks vor jedem Spiel mit martialischen Gesten und Gesängen aufführen, um den Gegner einzuschüchtern, hatte großen Unterhaltungswert. Zum Rugby-Fan hat mich dieses Duell trotzdem nicht gemacht.

Endlich Fußball - wenn auch nicht vor berauschender Kulisse.

Endlich Fußball – wenn auch nicht vor berauschender Kulisse.

Der Entzug ging also weiter. Und bei so manchem Spaziergang durch den Park musste ich mich schon sehr beherrschenden, um die kickenden Jungs nicht mit einer beherzten Blutgrätsche vom Ball zu trennen.

Doch dann begann auch in der ersten australischen Fußball-Liga, der A-League, endlich die Saison. Das ortsansässige Team heißt Sydney FC, spielt im 45.000 Zuschauer fassenden Sydney Football Stadium und wurde vor einigen Jahren bereits von Trainer Pierre Littbarski, einem der Helden meiner Kindertage aus der deutschen Weltmeisterelf von 1990, zur australischen Meisterschaft geführt. Keine schlechte Adresse also.

Eine Handvoll Fans aus Perth

Tickets bekamen wir für die Partie gegen Perth Glory aus Westaustralien. Zwar waren nur gut 11.800 Zuschauer im weiten Rund, die Fankurve „The Cove“ machte aber Stimmung wie sie wohl drei Stadien voll mit Rugby-Fans nicht zu Stande brächten. Aus Perth waren etwa 20 Gästefans angereist – bei 4.000 Kilometern Entfernung muss es sich dabei aber auch um wirklich eingefleischte Anhänger handeln.

The Cove: Hier stehen die eingefleischten Fans des FC Sydney.

The Cove: Hier stehen die eingefleischten Fans des FC Sydney.

Das Niveau war zwar mit europäischen Eliteligen nicht im Ansatz zu vergleichen und teilweise reihte sich Abwehrfehler an Abwehrfehler. Trotzdem bekamen wir viel geboten: Zwei Elfmetertore, eine Rote Karte und insgesamt sieben Treffer beim 5:2-Sieg des hellblauen Sydney FC. Dass die Auswechselbänke aus Gartenstühlen bestanden und die Zuschauer, die keine überdachten Plätze hatten, beim einsetzenden Regen sofort in die überdachten Blöcke – der Vorteil eines nur zu einem Viertel besetzten Stadions – flüchteten, konnte da meinen wiedergefundenen Fußball-Seelenfrieden auch nicht mehr stören.

Jetzt werde ich es wohl bis zum Rückrundenstart der Fußballbundesliga, zu dem ich ja lange wieder zu Hause sein werde, aushalten. Vielleicht statte ich dem FC Sydney aber auch noch einen zweiten Besuch ab.

Fotos: Kathrin Schierl

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2 Gedanken zu „Auf Fußballentzug in Australien

  1. also bitte, schlechter geht der artikel nicht!!! rugby kommt aus england, aber europäer können damit nicht anfangen??? rugby ist in irland, wales, frankreich…etc. immernoch nationalsportart
    und wenn man nur erstligafussball bayern-hsv anguckt und sonst vlt noch die champions-league ist es kein wunder den “seelenfrieden” nicht zu finden, in anderen ländern ist es halt auch anders, scheiß deutsche, alles muss so sein wie hier, ekliger artikel

  2. 1. Im Artikel steht ganz klar “Kontinentaleuropäer”. Der mittelmäßig geographisch Begabte weiß, dass da weder Wales, Irland noch England dazugehören.
    2. Der französische Rugbyverband hat 200.000 Mitglieder, der französische Fußballverband hat 2.1 Millionen. Was ist da wohl Nationalsport? Im Südwesten des Landes magst Du vielleicht Recht haben.
    3. Wenn ich eine Sportart nicht mag, hat das überhaupt nichts mit den Sitten und Gebräuchen in einem anderen Land zu tun.
    4. Es gibt ja auch in Deutschland Sportarten, die ich nicht mag. Rugby gehört dazu. Das ist meine Meinung, als solche klar im Artikel gekennzeichnet und damit mein gutes Recht.
    5. Dass überhaupt nicht überall und besonders nicht in Australien alles so sein muss und auch nicht ist, wie in Deutschland, siehst Du an den anderen Artikeln der Australien-Serie auf unseren Seiten.

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