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Wilde Wellen und Gaumenfreuden für Genießer

Sich einfach mal treiben lassen. Im Urlaub ist das nichts Besonderes. Aber in den Fluten des Inns? In der Ferienregion Tirol West ist das möglich. Und noch vieles andere auch.

Auf dem Inn geht's zur Sache. Foto: Archiv TVB TirolWest_Sport Camp Tirol

Auf dem Inn geht's zur Sache. Foto: Archiv TVB TirolWest_Sport Camp Tirol

Die Strömung drückt das Schlauchboot kraftvoll aber sanft voran. Unaufgeregt zeigt sich der Fluss seit dem Start der Tour. „Links vorne“, kommandiert Raftingführer Hannes vom Sportcamp Tirol und die linke Hälfte der Ruderbesatzung sticht ihre Paddel in die Fluten. „Jetzt wird es gleich das erste Mal wilder“, schreit Hannes. Und er hat recht. Zwischen zwei Brückenpfeilern verliert der Inn seinen Sanftmut. Das Boot wogt hin und her, ein Auf und  Ab in den Wellen. Das eiskalte Wasser klatscht ins Gesicht, eine Achterbahnfahrt auf dem Wasser.

Doch genauso schnell beruhigt sich der Strom wieder. Hannes nutzt dies für einige Manöver: Er lässt seine Besatzung auf dem Rand des Bootes balancieren, er lupft den Bug des Gummigefährts mit einem Seil aus dem Wasser und er lässt die Mannschaft in die Fluten. „Wer will, kann rein“,  sagt er lapidar. „Legt euch flach ins Wasser, so könnt Ihr nirgendwo am Grund hängen bleiben.“ Der Fluss führt Niedrigwasser.

Schwimmen durch die Stromschnelle

Durch die Wasserwalze. Foto: Archiv TVB TirolWest_Sport Camp Tirol

Durch die Wasserwalze. Foto: Archiv TVB TirolWest_Sport Camp Tirol

Ab in den Inn also. Der Gebirgsfluss schimmert graublau. Erst im Wasser spürt man seine ganze Wucht. Schnell dringt seine Eiseskälte in den Körper. Trotz Neoprenanzugs, ohne den es kaum auszuhalten wäre. Ein paar Sekunden noch, sich treiben lassen, nah am Schlauchboot bleiben, nicht darunter geraten. „Wenn du willst, kannst du noch durch die Stromschnelle da vorne schwimmen“, schreit Hannes. Unbedingt. Und schon geht es los: Ohne Schlauchboot und Schwimmweste wäre man völlig hilflos; die Natur gibt ein eindrückliches Beispiel ihrer Kraft. Die Wasserwalze packt zu, wirbelt den Schwimmer durch, drückt ihm das Adrenalin in den Körper und gibt ihn wieder frei. Zurück ins Boot geht es über die Gummireeling, von einem Mitrafter hinein gewuchtet wie ein nasser Sack.

Nach 16 Kilometern und eineinhalb Stunden durch die traumhafte Imster Schlucht endet die Tour und es geht zurück nach Landeck, Bezirkshauptstadt und Zentrum der Ferienregion Tirol West. Denn dort will noch vieles entdeckt werden.

Fontäne in der Lochklamm. Foto: Kathrin Schierl

Fontäne in der Lochklamm. Foto: Kathrin Schierl

Die Zammer Lochklamm in Zams zum Beispiel, eine wilde Naturschönheit, die tief hineinschneidet in den Fels. Hier dreht sich alles um das Thema Wasser: eine imposante Fontäne spritzt in den Himmel, der Lötzbach stürzt über einen Wasserfall  30 Meter in die Tiefe und eines der ältesten Wasserkraftwerke Tirols informiert über die Gründerzeit dieser Energieform. Und wer genau hinsieht, kann sogar den Zammer Lochputz sehen, einen Stierkopf vom Wasser aus dem Fels geformt, um den sich zahlreiche Sagen ranken.

Hinauf ins Venetmassiv

Am Krahberg: Tiroler Grauvieh vor traumhafter Alpenkulisse. Foto: Kathrin Schierl

Am Krahberg: Tiroler Grauvieh vor traumhafter Alpenkulisse. Foto: Kathrin Schierl

Ebenso von Zams aus, bekannt für seinen freistehenden Kirchturm, erklimmt die Venetseilbahn die Westtiroler Bergwelt. Oben auf dem Krahberg, mit gut 2200 Metern ein beeindruckender Aussichtspunkt, stehen Wanderern alle Optionen offen: anspruchsvolle Höhenwege, entspannte Bergspaziergänge, die Besteigung des Venetgipfels mit Blick bis zur Zugspitze, ein Speichersee vor Alpenkulisse oder auch der Einstieg in den Naturpark Kaunergrat mit einzigartiger Flora und Fauna. Und die ganz Mutigen schweben danach als Passagier eines Paragleiters zurück ins Tal, windumtost und frei wie ein Vogel.

Doch mit Natur und Freizeitangeboten können viele Urlaubsziele überzeugen. Deshalb bleibt eine Frage offen: Was macht diese Region, die viele vielleicht nur von der Durchreise kennen, so besonders? Die Antwort ist einfach: in Tirol West sind es die Menschen. Nur zwei davon sind Stefan Nothdurfter und Hansjörg Haag.

Nothdurfter in seiner Brennerei. Foto: TVB Tirol West

Nothdurfter lebt im Brennereidorf Stanz, oberhalb von Landeck mit der vielleicht höchsten Brennereidichte der Welt: Von rund 150 Haushalten üben fast die Hälfte ihre Brennereirechte aus. Einer davon ist Nothdurfter mit seiner Hausmarke Giggus. Er produziert keine Obstler aus mehreren Früchten, sondern ausschließlich reine Edelbrände: Marille, Quitte, Vogelbeer, Enzian, Wacholder und natürlich die berühmte Stanzer Zwetschke. Nothdurfter ist Brenner aus Leidenschaft und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: „Der schwarze Holunder macht krumme Füße wieder gerade.“ Sagt’s, gießt seinen Gästen nach und lässt gleich die nächste Anekdote folgen. „Vor gut zwei Jahren hat ein befreundeter Baggerfahrer im Untergrund einer Baustelle eine riesige Menge an Enzian-Wurzeln gefunden. Sowas ist für einen Brenner ein Lottogewinn.“

Schokolade aus Leidenschaft

Haag ist absoluter Schokoladenliebhaber. Foto: TVB Tiro West.

Haag ist absoluter Schokoladenliebhaber. Foto: TVB Tiro West.

Auch Hansjörg Haag ist ein Enthusiast. Er lebt in Landeck, ist Konditor und seine Leidenschaft heißt Schokolade. Er stellt die Tiroler Edle her, handgeschöpfte Schokolade mit und ohne Füllung aus der Milch von Tiroler Grauvieh und ganz besonderen Kakaobohnen, etwa aus dem besten Anbaugebiet Venezuelas. „Für diese Bohnen zahlen wir den Bauern freiwillig einen Preis, der zehn Prozent über dem von zertifiziert fair gehandelten Kakaobohnen liegt“, erzählt Haag in seinem kleinen Landecker Café. Trotz mittlerweile 200.000 Tafeln im Jahr, die er teilweise rund um den Globus schickt, ist er bescheiden geblieben: „Die Schokolade haben wir vor allem unserer heimischen Kuh, genannt ‚die Edle‘, mit ihrer an Omega-3-Säuren so reichen Milch zu verdanken“, sagt Haag und faltet das Silberpapier der Tafel vor ihm auf dem Tisch so sorgfältig, ja fast liebevoll, wie das nur einer kann, dem die Schokolade sehr am Herzen liegt.

Informationen: www.tirolwest.at

Raushier-Reisemagazin

Ein Gedanke zu „Wilde Wellen und Gaumenfreuden für Genießer

  1. Ich habe jetzt auch Blut geleckt an Extrem-Sportarten. Es muss jetzt immer schnell-höher-weiter gehen. Das ist komisch, denn das hat erst mit Ende 20 angefangen. Früher habe ich nie Sport gemacht. Rafting habe ich auch schon mal ausprobiert und ich wills auf jeden Fall nochmal machen!

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