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Lords of Backpacking: Sasak-Hochzeit auf Lombok

Wir sahen stattlich aus, der Österreicher und ich. Wir waren traditionell in Sarungs gekleidet, eine Art Wickeltuch, und hatten zwei Kilo Zucker als Mitbringsel dabei – bereit für eine Sasak-Hochzeit. Die Sasak sind eine ethnische Gruppe, die etwa 85 Prozent der Einwohner auf der indonesischen Insel Lombok ausmachen.

Bereit für die Sasak-Hochzeit. Foto: Markus Obstmeier

Bereit für die Sasak-Hochzeit. Foto: Markus Obstmeier

Unser einheimischer Freund führte uns zu dem kleinen Dorf im Inneren der indonesischen Insel Lombok. Als wir die letzten Meter über den hügeligen Pfad genommen hatten, kamen wir an und sahen was wir nicht erwartet hatten. Es waren Unmengen an Menschen dort und alle Augen auf uns gerichtet, als wir durch die Masse fuhren um unsere Roller zu parken. Wie sich herausstellte waren über 1.000 Leute eingeladen und wir die einzigen zwei Weißen und Nicht-Muslime, auffällig wie vor 100 Jahren ein Afroamerikaner auf einem traditionellen bayerischen Dorf-Bierfest in Lederhosen.

Wir wurden zu unserem Platz gelotst, bekamen Kaffee, Tee, Fleisch von einem der vier geschlachteten Büffel und eine Vielzahl an verschiedenen Reissnacks sowie ein scharfes Gericht, gemacht aus dem Bananenbaum. Also nicht den Blättern, nicht den Früchten, sondern dem Baum. Man kann alles verwerteten und es auch noch schmackhaft zubereiteten, wenn man weiß wie.

Nach einiger Zeit wurden wir in ein abgelegenes Hinterzimmer geführt, aus zwei Gründen. Zum einen war es eines der versteckten Drinkzimmer, waren wir ja schließlich unter Moslems und zum anderen, weil eine traditionelle Zeremonie stattfand – die Beschneidung eines jungen Mannes. Dies war nicht für unsere Augen bestimmt, was mehr als verständlich ist. Lebt die ganze Insel doch von Landwirtschaft und Tourismus. Nicht alles muss für die Touristenaugen preisgegeben werden. Nach einigen Berum-Bier-Mischgetränken (Berum ist Reiswein, gemacht in Lombok) gingen wir vorbei an dem Büffel, der vor dem Zimmer am Boden lag, zum Hauptgeschehen.

Auf einer Sasak-Hochzeit. Foto: Markus Obstmeier

Auf einer Sasak-Hochzeit. Foto: Markus Obstmeier

Dort durften wir Platz neben dem amtlichen Bürgermeister der Gemeinde in einer der Männer-Bambushütten nehmen. Die Frauen hatten ihren eigenen Platz, die Trennung ist ein muslimischer Grundsatz. Nachdem die Polizei sich die Ehre erwiesen hatte, dem Brautpaar zu gratulieren und mit ihrem Maschinengewehr wieder abzog, ging es weiter zu einem weiteren tradionellen Festakt, dem “Drama”. Wir schlängelten uns hinter unserem Local durch die Meute und fühlten wieder hunderte Augenpaare an uns haften.

Anstatt in der Menge einzutauchen, wurden wir ganz vor neben die Bühne geführt und hätten sogar einen Platz AUF der Bühne angeboten bekommen. Doch reichte es uns für das Erste neben der Bühne zu sitzen. Wir unterhielten uns so gut wir konnten, sind ja noch am Erlernen der Sprache, mit den einheimischen Gästen. Meist nur mit den Männern. Die Damen waren oft sehr schüchtern und zurückhaltend, lachten und drehten sich wie kleine verlegene Mädls ab, wenn man versuchte mit ihnen zu sprechen.

Der Festakt hielt über mehrere Stunden bis in den Morgen an und all die Menschen aus den verschiedenen Dörfern rund herum kamen und gingen. Wir machten uns in unserem Sarung auf den Heimweg und unser Freund ließ es sich nicht nehmen, uns die Hälfte des Weges zu geleiten, obwohl wir den Weg kannten.

Dieser Abend bleibt für den österreichischen Goldschmied und für mich ganz gewiss unvergesslich. Sasak-Hochzeit war ein besonderes Erlebnis. Dank ihm konnte ich auch ein paar Bilder zu meiner Geschichte hinzufügen, war es uns nämlich untersagt welche zu schießen. Als Familienmitglied des Bräutigams hat er das netterweise für uns übernommen.

Raushier-Reisemagazin