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Churfranken: Wo sich Main, Wein und Fachwerk treffen

Churfranken? Selbst eingefleischte Nordbayern, die weiter östlich oder südlich beheimatet sind, müssen bei dem Begriff angestrengt nachdenken und wissen oft wenig bis nichts darüber. Das liegt daran, dass es die Marke Churfranken als solche erst seit ein paar Jahren gibt, genau genommen seit 2007. Quasi als Werbe-Label, um das touristische Potenzial der Region vollends auszuschöpfen. Das Gebiet, um das es sich handelt, meint das westliche Unterfranken an der Nahtstelle zwischen Odenwald und Spessart – mit der Stadt Miltenberg, den sich in nächster Nähe befindlichen idyllischen Weinorten und dem Main als Schwergewichte.

25 Orte zwischen Aschaffenburg und Wertheim

Der Fränkische Rotweinweg kann in sechs Etappen erwandert werden. – Foto: Churfranken e.V. / News Verlag

Der Fränkische Rotweinweg kann in sechs Etappen erwandert werden. – Foto: Churfranken e.V. / News Verlag

Das gesamte Gebiet umfasst insgesamt 25 Ortschaften zwischen Wertheim und Aschaffenburg. Ein Teil der Bevölkerung lebt in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ertrag der Weinberge, die entlang des Mains schroff ansteigen und Jahr für Jahr gute Ernten garantieren. Den oftmals zerklüfteten, rötlich gefärbten fruchtbaren Sandsteinböden und den sonnigen Lagen sei Dank.

Ein erhabener Anblick ist die Mainschleife bei Miltenberg. – Foto: Churfranken e.V. / Dominik Stapf

Ein erhabener Anblick ist die Mainschleife bei Miltenberg. – Foto: Churfranken e.V. / Dominik Stapf

Der Tourismus boomt, nicht zuletzt durch die vorwiegend ausländischen Touristen, die auf den Kreuzfahrtschiffen das malerische Mainfranken entdecken und gerne bei Landgängen den Geldbeutel öffnen. 600 Anlege-Erlaubnisse wurden beispielsweise 2016 in Miltenberg erteilt. Dazu ein nicht ganz aussagekräftiges Rechenbeispiel: Wenn alle 180 Fahrgäste an Bord, die vorwiegend aus Asien, Australien und den USA kommen, 20 bis 50 Euro in der Stadt lassen würden, dann würde das ein erkleckliches Sümmchen einbringen. Untersuchungen ergaben auf jeden Fall, dass die örtlichen Geschäfte durch die Kreuzfahrer ein Umsatzplus von 15 Prozent machen.

Natürlich sind auch diejenigen, die per Rad (der Main-Radweg ist 600 Kilometer lang) oder per pedes (beispielsweise auf dem 79 Kilometer langen Fränkischen Rotweinweg, einem Erlebnis-Wanderweg durch die Weinberge) die vielseitige Gegend erkunden, gern gesehene Gäste.

Besonderer Service für E-Biker

Fluss-Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe werfen auch an der Anlaufstelle Bürgstadt Anker. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Fluss-Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe werfen auch an der Anlaufstelle Bürgstadt Anker. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Einen besonderen Service können E-Bike-Radler in Anspruch nehmen, wenn sie den Spessart auf dem Drahtesel erkunden wollen. „WalderFahren“ heißt das Projekt und bedeutet, dass ein flächendeckendes Netz von Ladestationen dafür sorgt, dass sich die Radfahrer keine Sorgen um den Akkuzustand ihres Rades machen müssen; die Zeiten, dass einem die Puste ausgeht, sind vorbei! Diese Initiative ist das umfangreichste und größte Ladeinfrastukturprojekt Deutschlands.

Die mächtige Henneburg ist eine staufische Höhenburg der Schenken von Limpurg am rechten Ufer des Mains. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Die mächtige Henneburg ist eine staufische Höhenburg der Schenken von Limpurg am rechten Ufer des Mains. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

„Das Stromtanken ist ganz einfach“, verdeutlich Projektmanagerin Lena Batrla. „Entweder ein Ladekabel ausleihen oder das eigene mitbringen, dieses am Akku anschließen und mit der Ladestation verbinden.“ Alles kostenlos, ohne Heimladegerät, akkuschonend, schnell und sicher. Und wo ein Ladekabel hernehmen, wenn kein eigenes vorhanden ist? In 25 Orten gibt es E-Bike-Ladestationen,  insgesamt sind es 52. Dort können dann die leichten und handlichen Schnellladekabel ausgeliehen werden. Ist ein Akku (annähernd) leer, kann er in einer Stunde wieder zu 75 Prozent aufgeladen werden. – Infos unter www.walderfahren.de

Eine Genuss-Region

Miltenberg wird oft auch als Perle des Mains bezeichnet. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Miltenberg wird oft auch als Perle des Mains bezeichnet. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Die Genuss-Region Churfranken ist aber nicht nur touristisch gefestigt. Auch einige Industriebetriebe, deren Bekanntheitsgrad weit über die unterfränkische Grenze hinausgeht, sind angesiedelt. Ferner haben sich nicht wenige Menschen, die im Großraum Frankfurt arbeiten, hier niedergelassen. Wohl der Beschaulichkeit wegen.

Kein ungewöhnlicher Anblick – eine Radlerin in den Weinbergen. – Foto:  Churfranken e.V. / Mainblende

Kein ungewöhnlicher Anblick – eine Radlerin in den Weinbergen. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Den besonderen Reiz verdankt diese zauberhafte Landschaft ihren historischen Fachwerkstädtchen, ihren charmanten Dörfern, trutzigen Burgen, altehrwürdigen Klöstern und mächtigen Schlössern sowie den erwähnten Wander- und Radmöglichkeiten. Und nicht zuletzt der deftigen Kost, die in Häckerwirtschaften angeboten wird (anderswo sind diese auch unter der Bezeichnung „Straußwirtschaft“ oder „Besenwirtschaft“ bekannt). Dazu einen fruchtig-blumigen „Weißen“, einen erdig-rassigen „Roten“ oder gar ein kräftiges Bier, auf dessen Herstellung die Churfranken sich auch verstehen – Wein hat durchaus Konkurrenz!

Ein wichtiges Lebenselixier

Hoch über den Dächern von Miltenberg fließt der Main in seinem komfortablen Bett. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Hoch über den Dächern von Miltenberg fließt der Main in seinem komfortablen Bett. – Foto: Churfranken e.V. / Mainblende

Der Weinanbau in diesem Tal des Mains hat eine lange Tradition – seit dem achten Jahrhundert nachweisbar –, und ist für die Menschen ein wichtiges Lebenselixier. Vor allem die rote Traube, aus der ein oft prämierter Spätburgunder heranreift – im Übrigen ist jeder zweite Rebstock ein Spätburgunder –, hat den ausgezeichneten Ruf churfränkischer Rebflächen in der Fachwelt der Genießer geprägt. Bei Weißwein sind Müller-Thurgau und Silvaner die bevorzugten Rebsorten.

Bürgstadt (nur 15 Minuten zu Fuß von Miltenberg entfernt) ist der wichtigste Weinort Frankens, wenn es um Rotwein geht. Im vergangenen Jahr verlieh der Restaurantführer Gault Millau einem Spätburgunder 100 Punkte. Mehr geht nicht. Apropos Bürgstadt: Zusammen mit Miltenberg, für viele die „Perle am Main“, und der Rotweinstadt Klingenberg, ist die Marktgemeinde einer von 100 Genussorten Bayerns (wählt eine unabhängige Experten-Jury aus), die in Churfranken liegen.

Miltenberg: Glanzstück aus Stein und Holz

Dieses Ensemble aus romantischem Marktbrunnen und historischen Fachwerkhäusern, „Schnatterloch“ genannt, ist ein Glanzstück der Miltenberger Stadtkulisse. – Foto: Churfranken e.V. / Dominik Stapf

Dieses Ensemble aus romantischem Marktbrunnen und historischen Fachwerkhäusern, „Schnatterloch“ genannt, ist ein Glanzstück der Miltenberger Stadtkulisse. – Foto: Churfranken e.V. / Dominik Stapf

Die mittelalterliche und denkmalgeschützte Fachwerkstadt Miltenberg ist für Churfranken-Reisende die erste Anlaufstation. Zu den am häufigst fotografierten touristischen Orten in Deutschland gehört das „Schnatterloch“ mit seinem romantischen Marktbrunnen und den historischen Häusern – ein  Glanzstück der Miltenberger Stadtkulisse aus Stein und Holz. Ein weiteres optisches Glanzstück ist das Gasthaus „Zum Riesen“, das früher als Fürstenherberge diente und als ältestes Gasthaus Deutschlands gilt (erste Erwähnung im Jahr 1411).

Auf dem Fränkischen Rotweinweg findet der Wanderer so manches attraktive Motiv. – Foto: Dieter Warnick

Auf dem Fränkischen Rotweinweg findet der Wanderer so manches attraktive Motiv. – Foto: Dieter Warnick

Unzählige gekrönte Häupter, wie zum Beispiel Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Friedrich I., Kaiser Karl IV., Martin Luther, Albrecht Dürer oder auch Elvis Presley quartierten sich hier ein. Voller Stolz erklärt Stadtführerin Dorothea Zöller, dass es im gesamten Bundesgebiet nur noch knapp 200 Häuser aus dem 14. Jahrhundert gibt, wobei sieben davon in Miltenberg stehen. Am Marktplatz und in der Hauptstraße gibt es zwei Anwesen, die aus der Zeit um 1330 fertiggestellt wurden.

In Miltenberg identifizieren sich die Menschen mit ihrem städtischen und kulturellen Erbe. Die 9500-Einwohner-Stadt zehrt nicht vom Flair der Jahrhunderte, sondern hat einfach nur seine Wurzeln bewahrt. Und sobald der Besucher den Stadtkern verlässt, erwartet ihn die Natur. Denn der Park oberhalb der Stadt ist die grüne Oase der „Perle am Main“.

Von Mainz geprägt

Fränkischer Secco – durchaus süffig und schmackhaft. – Foto: Dieter Warnick

Fränkischer Secco – durchaus süffig und schmackhaft. – Foto: Dieter Warnick

Schon 700 vor Christus sollen hier, am unteren linken Knie des Mainvierecks, Menschen gesiedelt haben. Das ist allerdings nicht nachgewiesen. 600 Jahre später kamen die Kelten, nochmal ein Viertel Jahrtausend später die Römer. Die erste geschichtliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1237. Seit Beginn des 12. Jahrhunderts bis 1803 gehörte Miltenberg zu Kurmainz (daher leitet sich auch der Name Churfranken ab). Kurmainz war das von den Kurfürsten und Erzbischöfen von Mainz verwaltete Territorium im Heiligen Römischen Reich. „Miltenberg wurde 600 Jahre von Mainz geprägt, und das ist bis heute so geblieben“, verdeutlich die Stadtführerin.

Bürgstadt profitiert zweimal

Ein Frühburgunder im Frühsommer im Weinberg – man sollte nicht abgeneigt sein, das Glas zu erheben. – Foto: Dieter Warnick

Ein Frühburgunder im Frühsommer im Weinberg – man sollte nicht abgeneigt sein, das Glas zu erheben. – Foto: Dieter Warnick

Der Marktflecken mit seinen 4200 Einwohnern wurde erstmals 1181 urkundlich erwähnt und ist damit um gut 50 Jahre älter als Miltenberg. Der Ort hatte im frühen Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit seine großen Zeiten. Der erste Aufschwung ist dem Mainsandstein zu verdanken. Im frühen Mittelalter wurden hier Steine gebrochen und bearbeitet, um dann als Säulen oder Bausteine zu den großen Kirchenbauten an Rhein und Main geliefert zu werden. Zu Beginn der frühen Neuzeit profitierte Bürgstadt wieder vom Buntsandstein – diesmal aber auf dem Umweg über die Reben, die hier wachsen und die den überaus geschätzten Wein liefern.

Weinberge in Klingenberg. – Foto: Churfranken e.V. / Dominik Stapf

Weinberge in Klingenberg. – Foto: Churfranken e.V. / Dominik Stapf

Ein kunsthistorisches Kleinod ist die Martinskapelle. 40 bemalte „Medaillons“ (Tafelbilder) an den Innenwänden zeigen 45 Szenen aus dem alten und neuen Testament – eine einzigartige „Bilderbibel“ des späten 16. Jahrhunderts. Zusammen mit älteren Darstellungen im Altarbereich und an der Decke sind sie ein Juwel der Kirchenkunst der Renaissance. Spätestens um 950 entstanden, war die Martinskapelle vermutlich die erste Pfarrkirche Bürgstadts. Nach mehreren Umbauten verfiel das Gebäude, bis es zwischen 1589 und 1628 wieder hergerichtet und damit mit den berühmten Fresken ausgestattet wurde.

Ohne Sonne kein Wein

Früher nannte man die fränkischen Weinbauern einfach „Häcker“; daraus leitet sich der Name einer mainfränkischen Institution ab, die man anderswo auch unter der Bezeichnung „Straußwirtschaft“ oder „Besenwirtschaft“ kennt. In den nur zu bestimmten Zeiten geöffneten ‘‘Häckerwirtschaften“ gibt es vor allem günstigen Rebensaft aus Eigenanbau und eine deftige Brotzeit. – Foto: Churfranken e.V. / News Verlag

Früher nannte man die fränkischen Weinbauern einfach „Häcker“; daraus leitet sich der Name einer mainfränkischen Institution ab, die man anderswo auch unter der Bezeichnung „Straußwirtschaft“ oder „Besenwirtschaft“ kennt. In den nur zu bestimmten Zeiten geöffneten ‘‘Häckerwirtschaften“ gibt es vor allem günstigen Rebensaft aus Eigenanbau und eine deftige Brotzeit. – Foto: Churfranken e.V. / News Verlag

Der Weinanbau spielt in Miltenberg im Gegensatz zu Bürgstadt, Klingenberg, Großheubach, Erlenbach oder Elsenfeld mit seinen terrassenförmigen Steillagen keine nennenswerte Rolle. Aus einem ganz einfachen Grund: Die Kreisstadt wird von der Sonne wahrlich nicht verwöhnt. In Bürgstadt beispielsweise gibt es 75 Hektar an Weinfläche, in Miltenberg sind es verschwindende fünf Hektar.

Zahlreiche Skulpturen begleiten den Wanderer auf dem Fränkischen Rotweinweg. Hier ein Häcker, wie einst die fränkischen Weinbauern genannt wurden. – Foto: Dieter Warnick

Zahlreiche Skulpturen begleiten den Wanderer auf dem Fränkischen Rotweinweg. Hier ein Häcker, wie einst die fränkischen Weinbauern genannt wurden. – Foto: Dieter Warnick

Vor allem in Bürgstadt reifen auf den südwestlich zugewandten Hängen, weil die Sonnenstrahlen optimal auf die Trauben scheinen können, die edlen Tropfen. Ferner speichert der dort vorhandene Buntsandstein die Sonnenenergie und gibt diese nachts an die Weinstöcke weiter. „Rotweinreben mögen es warm und sonnig“, erklärt Winzer Reinhold Hillerich aus Erlenbach.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Churfranken das Rotweinanbaugebiet Nummer eins in Franken ist.

Informationen: Mainland Miltenberg – Churfranken, Hauptplatz 57, 63987 Miltenberg, Tel.: (09371) 6 60 69 75 und –  76; Internet: www.churfranken.de; E-Mail: info@churfranken.de

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