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Hotel Erbgericht: Die feine Küche lockt Gäste aus nah und fern

Von den 19 Hotels, die sich der Kooperation Landidyll – Hotels & Restaurants angeschlossen haben, liegt das östlichste im Bautzener Oberland in der Oberlausitz in Sachsen, ganz in der Nähe der Senfstadt Bautzen und nur 60 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – es ist das Landidyll-Hotel Erbgericht Tautewalde. Der Zusammenschluss dieser 19 Häuser stellt eine Wertegemeinschaft dar, die die qualitätsaffinen Unternehmer erfolgreich darin unterstützt, aus eigener Kraft zu wachsen. Von einem regelmäßigen Gedankenaustausch der Inhaber dieser familiengeführten Betriebe profitieren alle – egal um welche gastronomischen oder organisatorischen Themen es geht. Ideen untereinander auszutauschen steht auf der Agenda der Landidyll-Hotels-Inhaber ganz weit oben.

Eine lange Tradition

Das Erbgericht wurde im Jahr 1534 erstmals urkundlich erwähnt. Früher war der Dorfrichter der mächtigste Mann im Ort. Er übte die niedere Gerichtsbarkeit aus. Vom Landesherrn erhielt er dafür ein Bauerngut zu Lehen. Bei besonderen Verdiensten wurde das Richteramt samt Besitz erblich. Besonderes Privileg war das Schankrecht. Seit 2012 gehört das Anwesen zur Gruppe der Landidyll-Hotel- und Restaurantkette. – Foto: Michael Meyer

Das Erbgericht wurde im Jahr 1534 erstmals urkundlich erwähnt. Früher war der Dorfrichter der mächtigste Mann im Ort. Er übte die niedere Gerichtsbarkeit aus. Vom Landesherrn erhielt er dafür ein Bauerngut als Lehen. Bei besonderen Verdiensten wurde das Richteramt samt Besitz erblich. Besonderes Privileg war das Schankrecht. Seit 2012 gehört das Anwesen zur Gruppe der Landidyll-Hotel- und Restaurantkette. – Foto: Michael Meyer

Das Erbgericht Tautewalde kann auf eine lange Tradition zurückblicken, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1517. So ein Haus (Lehngericht) war der Sitz des örtlichen Richters; dieser war dasjenige Gemeindemitglied, das dem Dorfgericht vorstand – und es hatte das Privileg, dieses Amt an seine Nachkommen weiterzugeben, also quasi zu vererben (daher der Name Erbgericht).

Der Dorfrichter musste über keine großen Verbrechen richten, eher über geringfügige Delikte des Alltags, die mit Geldbußen oder leichteren Leibstrafen sühnbar waren (man spricht hier von der Niedergerichtsbarkeit). Ein Erbrichter besaß gleichzeitig die Schankerlaubnis und das Bewirtungsrecht.

„Das Haus ging durch viele Hände“

Seit 1. März 2014 stolze Besitzer des Landidyll-Hotels Erbgericht in Tautewalde: Nadine und Enrico Schulz. – Foto: Dieter Warnick

Seit 1. März 2014 stolze Besitzer des Landidyll-Hotels Erbgericht in Tautewalde: Nadine und Enrico Schulz. – Foto: Dieter Warnick

Im 16. Jahrhundert und danach verloren die Erbgerichte immer mehr ihre Funktion als Schlichtungsstelle, auch das in Tautewalde. Welch ein Glück, dass fortan die Gastronomie weiter funktionierte und bis zum heutigen Tag diese Tradition erhalten geblieben ist – lückenlos nachlesbar bis zum Jahr 1842. „Bis vor 15 Jahren ging das Haus durch viele Hände“, erzählt Enrico Schulz, der zusammen mit seiner Frau Nadine seit 2006 die Strippen zieht, erst als Pächter, seit 1. März 2014 als Inhaber. Das Anwesen war lange Jahre Poststation, auch wurde in den alten Gemäuern zwischenzeitlich Bier gebraut, und nach dem Ersten Weltkrieg diente es zahlreichen Vertriebenen als Zufluchtsort, dann bis zur Wende 1989 als Dorfwirtschaft. 1993 wurde es detaillegetreu restauriert und im Dezember 1994 als Hotel eröffnet.

Heute verfügt das Vier-Sterne-Haus über 31 Zimmer mit 68 Betten, drei Veranstaltungsräume (für zwölf bis 60 Personen), 40 Pkw-Stellplätze und eine eigene Motorrad- und Fahrradgarage. Leihmotorräder und Fahrräder stehen zur Verfügung.

Viel los ist nicht

Idylle im Landidyll-Hotel. – Foto: Michael Meyer

Idylle im Landidyll-Hotel. – Foto: Michael Meyer

Das ländliche Leben muss einem natürlich zusagen, wenn man in Tautewalde (Ortsteil von Wilthen) Quartier nimmt, denn das Dorf ist sehr klein; und die Stadt Wilthen, hat auch nicht viel zu bieten. Dafür sind die überaus reizvollen Städte Bautzen und Görlitz bequem und in kurzer Zeit zu erreichen (siehe weiter unten).

Von Tautewalde und Wilthen aus bieten sich den Besuchern einige schöne Wanderwege; abwechslungsreich und nicht allzu schwer. Als Beispiel sei der Pumphut-Steig genannt – immerhin 17 Kilometer lang.

Ein Schatzkästchen

Imposante Parkanlage: Mächtige Bäume rund um das Erbgericht ragen in den sächsischen Himmel. – Foto: Dieter Warnick

Imposante Parkanlage: Mächtige Bäume rund um das Erbgericht ragen in den sächsischen Himmel. – Foto: Dieter Warnick

Tautewalde hat aber ein Schatzkästchen zu bieten, und das ist das Landidyll-Hotel. Das parkähnliche, großzügige Ambiente des stolzen Anwesens mit vielen alten Bäumen und blühenden Sträuchern dient (nicht nur gestressten) Gästen als „Zufluchtsort“. Zahlreich kommen hungrige und kulinarisch verwöhnte Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung in erster Linie aber der feinen Küche wegen! Und die Urlauber, die Halbpension gebucht haben, werden jeden Abend mit lukullischen Genüssen aufs Neue überrascht, ob in den geräumigen Stuben oder dem stillen Gastgarten.

Produkte aus der Region

Das Hotel verfügt über einen großzügigen Gastgarten. –Foto: Dieter Warnick

Das Hotel verfügt über einen großzügigen Gastgarten. –Foto: Dieter Warnick

Von gehobener Küche versteht der Hotelchef und gelernte Koch Enrico Schulz (Jahrgang 1974) jede Menge. Nach 16 Jahren Wanderschaft (unter anderem in Baden-Württemberg, Flensburg und auf der Insel Norderney) war der gebürtige Löbauer, ehe er nach Sachsen zurückkehrte – in einem Nobelhotel im Schweizer Kanton Wallis als Küchenchef tätig. Zu Corona-Zeiten sind Schulz momentan allerdings in der Küche die Hände gebunden – er muss das Serviceteam (vorwiegend Auszubildende) leiten und selbst von Tisch zu Tisch eilen. Dennoch hält er über die Küchenbrigade um die beiden Ausnahme-Köche Steffen Richter und Thomas Heiny seine helfende und beratende Hand. Eine frische und leichte Küche wird garantiert, und dass vorwiegend mit Produkten aus der Region gearbeitet wird, ist eine Selbstverständlichkeit.

Der Start war nicht ganz leicht

Auch kleine Rückzugsorte gibt`s. – Foto: Dieter Warnick

Auch kleine Rückzugsorte gibt`s. – Foto: Dieter Warnick

„Der Start hier in Tautewalde waren für meine Frau Nadine und mich schon ziemlich hart, wir hatten einen schweren Stand. Vor dem Hotel stand unser Fahrzeug mit Schweizer Kennzeichen, die Einheimischen wussten nicht, wer wir waren und was wir vorhatten. Die Oberlausitzer sind wie Granit, totale Sturschädel“, begründet der Hotelier die anfänglichen Bedenken der Bevölkerung. „Aber das hat sich dann schnell gegeben.“

Drei Zielgruppen und die Motorradfreaks

Die Familie Schulz (Nadine ist gelernte Hotelfachfrau) hat drei Zielgruppen im Auge, die bei ihr Urlaub machen soll: Wanderer, Familien und Motorradfahrer. Man muss nämlich wissen, dass Enrico Schulz ein begeisterter Biker ist. Persönlich begleitete Motorradtouren liegen dem 47-Jährigen am Herzen. So gibt es verschiedene Arrangements für Motorradfahrer und jedes Jahr eine Biker-Woche mit fünf geführten Motorrad-Touren vom Erzgebirge bis zum Riesengebirge.

Drei Menü-Beispiele

Zitronengras-Currycremesuppe. – In Rotwein geschmorte Ochsenbäckchen, Teltower Rübchen, Kräuter-Kartoffelstampf. – Panna Cotta mit Beerenragout, schwarzes Johannisbeereis.

Mediterrane Gemüseterrine mit Coppa di Parma an Rucola. – Rosa gebratene Lammhüfte an Bohnen-Cassoulett, Kartoffelgratin. – Buttermilchplinis an Sommerbeeren-Potpourri und Amarena-Kirscheis.

Weißes Tomatensüppchen. – Gebratenes Welsfilet an Senfsauce, Blattspinat und Schwenkkartoffeln. – Nougatmousse an geschmortem Pfirsich, Wilthener Brandy-Eisparfait.

* Vorneweg gibt es immer zwei Grüße aus der Küche

Informationen: Landidyll-Hotel Erbgericht Tautewalde, Tautewalde 61, Hauptstr. 25, 02681 Wilthen, Tel.: (03592) 3 83 00; E-Mail: erbgericht@landidyll.com

Über Wilthen, Tautewalde und den Pumphut

Dies ist die historische Eingangstüre aus dem Jahr 1842. – Foto: Dieter Warnick

Dies ist die historische Eingangstüre aus dem Jahr 1842. – Foto: Dieter Warnick

Wilthen (5000 Einwohner) ist bekannt als die Stadt des Weinbrands; hier wird der „Wilthener“ gebrannt, und das seit 1842. Als Schulstadt (eine Grundschule, eine Oberschule und ein Gymnasium) hat sich Wilthen durchaus einen Namen gemacht (immerhin werden hier über 1000 Schüler unterrichtet), aber sonst hat das Städtchen nur wenig Sehenswertes zu bieten. 1669 wurde Wilthen vom Sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. das Markt- und Stadtrecht verliehen.

Martin Pumphut ist eine Sagengestalt aus der Oberlausitz. – Foto: Dieter Warnick

Martin Pumphut ist eine Sagengestalt aus der Oberlausitz. – Foto: Dieter Warnick

Der Ortsteil Tautewalde beherbergt 350 Einwohner; die Ortschaft liegt in einem engen Bergtal. In dem kleinen Ort entspringt das Butterwasser, ein linksseitiger Zufluss der oberen Spree mit einer Länge von 8,5 Kilometern. Lohnenswert, da eine herrliche Weitsicht auf die Stadt Bautzen möglich ist, ist eine einstündige Wanderung auf den 499 Meter hohen Großen Picho („Einkehrschwung“ im Berggasthof Pichobaude möglich).
Dem Pumphut begehnet man in der Oberlausitz auf Schritt und Tritt. In Wilthen ist er das Wahrzeichen der Stadt. Noch heute thront die große hölzerne Statue unweit der Stadtverwaltung.

Martin Pumphut war der Sage nach ein Müllergeselle mit spitzem Hut und magischen Fähigkeiten. Dies brachte ihm auch den Beinamen Hexenmeister der Oberlausitz ein. Er besaß angeblich Zauberkräfte, mit denen er anderen Müllerburschen half, allzu geldgierige Müllermeister in die Schranken zu weisen.

Ausflugstipps

Rund um den Wilthener Ortsteil Tautewalde lässt es sich angenehm wandern. – Foto: Dieter Warnick

Rund um den Wilthener Ortsteil Tautewalde lässt es sich angenehm wandern. – Foto: Dieter Warnick

Bautzen: 2 Sprachen, 8 Museen, 17 Türme, 20 Sorten Senf, 200 Dinosaurier, über 1000-jährige Geschichte – die Stadt (ca. 14 Kilometer vom Erbgericht entfernt) mit seinen 38 000 Einwohnern muss man einfach gesehen haben. In Bautzen leben nicht nur Deutsche, sondern auch Sorben, Angehörige des kleinsten slawischen Volkes.

Görlitz: Etwa 60 Kilometer von Tautewalde entfernt, treffen die Stilepochen von Gotik über Renaissance und Barock bis hin zu Gründerzeit und Jugendstil aufeinander und machen die 55 000-Einwohner-Stadt zu einer der (architektonisch) schönsten Städte Deutschlands – eine Augenweide!

Löbau: Knappe 25 Autominuten von Tautewalde entfernt ist Löbau durchaus einen Abstecher wert. Nach erfolgreicher innerstädtischer Sanierung und Innenstadtgestaltung in den 1990er-Jahren überwiegt ein kleinstädtischer Ortscharakter mit sehenswerter Innenstadt und einer touristisch reizvollen landschaftlichen Umgebung.

Cunewalde: Ziemlich in der Mitte zwischen Tautewalde und Löbau liegt der staatlich anerkannte Erholungsort Cunewalde. Dort befindet sich die größte evangelische Dorfkirche Deutschlands. Mit ihren 2632 Sitzplätzen ist sie einer großen Stadtkirche ebenbürtig.

Raushier-Reisemagazin

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