Eine der schönsten historischen Altstädte Süddeutschlands lädt zum Verweilen ein. Vom Flüsschen Kocher durchflossen, bietet die alte Salzsiedestadt Schwäbisch Hall mit teilweise erhaltener Stadtmauer, zahlreichen Türmen, überdachten Holzbrücken und einer Vielzahl von Treppen sowie nahezu unverändert mittelalterlichen Gassen ein eindrucksvolles, geschlossenes Stadtbild.
Die Stadt liegt im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs, etwa 37 Kilometer östlich von Heilbronn und 60 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Sie bildet ein Mittelzentrum in der Region Heilbronn-Franken und hat gut 40 000 Einwohner.
Der Marktplatz ist ein Kleinod
Der Marktplatz, umrahmt von prächtigen Fachwerkhäusern, Renaissance- und Barockgebäuden, ist ein architektonisches Kleinod. Dem im Stil eines barocken Adelspalais erbauten Rathaus erhebt sich gegenüber die romanisch-gotische Kirche St. Michael mit der prächtigen Freitreppe. Der imponierende „Neubau“, das in sieben historischen Gebäuden untergebrachte Hällisch-Fränkische Museum und die Kirchen sind weitere Zeugen mittelalterlicher Baukunst. Wie Perlen aneinandergereiht, bilden das Hällisch-Fränkische Museum, das Globe Theater der Freilichtspiele, die Kunsthalle Würth und die Johanniterkirche ein einzigartiges Kunst- und Kulturerlebnis mitten in der Stadt.
St. Michael thront mit seiner berühmten Freitreppe majestätisch über dem Marktplatz. 1156 als romanische Basilika geweiht, wurde sie von 1427 bis 1525 zur gotischen Hallenkirche umgebaut. Der süddteutsche Lutherschüler und Reformator Johannes Brenz reformierte die Kirche zwischen 1522 und 1548 behutsam und verhinderte einen Bildersturm. So blieben die vielen wertvollen spätmittelalterlichen Kunstwerke erhalten. Herausragende spätgotische Werke sind der große niederländische Passionsaltar (um 1460), das überlebensgroße Kruzifix des Ulmer Bildhauers Michel Erhardt und die filigrane Steinmetzerarbeit des figurenreichen Sakramentshauses.
Schon die Kelten waren hier
Wie Ausgrabungen und Funde belegen, siedelten schon Kelten in vorchristlicher Zeit bei einer Salzquelle und betrieben eine Saline. Das Salz, zurecht immer wieder als das „weiße Gold des Mittelalters“ bezeichnet, förderte die Entwicklung der im Tal der Kocher gelegene Siedlung und verhalf ihr zu Ansehen und Wohlstand. Im Jahr 1156 im Zusammenhang mit der Weihe der St. Michaelskirche als „Halle“ erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich der Ort unter den Staufern schon bald zu einer bedeutenden Stadt, die 1280 zur Reichsstadt aufstieg. Der hier geprägte „Heller“ und das Salz, das bei der noch heute fließendenden Quelle auf dem Haalplatz durch Verdampfen der Sole gewonnen wurde, trugen den Namen der Stadt in alle Lande.
Im 15. Und 16. Jahrhundert gelang der Reichsstadt der Aufbau eines bedeutenden Landgebietes; die Stadt erlebte eine Blütezeit, an die noch heute viele Bauwerke erinnern. Wichtige Einschnitte brachten die beiden großen Stadtbrände 1680 in der Gelbinger Gasse und 1728 in der Altstadt, die zum Neubau eines großen Teiles der Stadt in barocker Form führten. 1802 verlor Hall seine Selbständigkeit als Reichsstadt.
Die Saline wurde verstaatlicht und die Siederfamilien traten ihre Quellrechte gegen eine „auf ewig zu zahlende“ Rente ab, die auch heute noch vom Land an die Nachkommen gezahlt wird.
Erst 1934 wurde Hall offiziell zu „Schwäbisch-Hall“ und erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Blütezeit.
Infos: Touristik Schwäbisch Hall, Am Markt 9, 74523 Schwäbisch-Hall, Tel.: (0792) 75 23 46
- Rathaus und Marktplatz; die Stuhlreihen sind aufgebaut für die Freilichtspiele, die vor der Corona-Pandemie großen Zulauf fanden. – Foto: Michael Stephan
- Blick vom Kirchenportal Blick über den Marktplatz. – Foto: Michael Stephan
- Der Hochaltar in St. Michael ist ein Flügelaltar aus der Zeit um 1460. Das in den Niederlanden geschaffene Retabel (Altaraufsatz) zeigt die Passion und Auferstehung Jesu. – Foto: Michael Stephan
- Die romanisch-gotische Kirche St. Michael mit der prächtigen Freitreppe. – Foto: Michael Stephan