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Vom sterilen Einkaufsparadies in die raue Natur

Endlich wieder auf Reisen, endlich ausreißen aus dem Alltags, das Fernweh lindern: Gelingen soll dies am anderen Ende der Welt, im fernen Neuseeland und im geliebten Sydney. Die erste Station aber ist: Singapur. 36 Stunden im südostasiatischen Stadtstaat und eine Nacht im Hotelbett machen den langen Flug erträglich.

Ein Schiff auf drei Stelzen: In Singapurs Hafenviertel regiert der Protz. Daneben das Riesenrad.

Ein Schiff auf drei Stelzen: In Singapurs Hafenviertel regiert der Protz. Daneben das Riesenrad.

Spannend ist Singapur ja. Fünf Millionen Menschen leben hier, die Stadt ist ein ethnischer Schmelztiegel. Alle Gruppen leben harmonisch miteinander, Gotteshäuser der verschiedenen Religionen stehen dicht an dicht – woanders undenkbar. Zudem ist Singapur ein wichtiger Finanzplatz, Wolkenkratzer bestimmen die Skyline.

Die Atmosphäre erinnert aber eher an eine Mischung aus Disneyland, hysterischem Einkaufsparadies und Reinraum. Singapur legt zwar viel Wert auf Grün, vieles wirkt aber fast schon steril. Nicht umsonst wird, wer allein ein Kaugummipapier fallen lässt, mit drastischen Strafen bedacht. Auf der Orchard Road kann man Unsummen in die neueste Markenware investieren, und im Hafenviertel reiht sich ein Protz- und Prunkbau, etwa ein stilisiertes Schiff auf drei Hochhausstelzen, an den nächsten. Auch ein Riesenrad darf nicht fehlen. Für eine Metropole, die etwas auf sich hält, ist das mittlerweile offenbar obligatorisch.

Ein störrischer Neuseeländer zur Begrüßung

Neuneinhalb Flugstunden im Osten, der Sitznachbar im Flugzeug war ein störrischer Neuseeländer, begrüßt uns dessen Heimat mit ihrer rauen Schönheit. Durch die Wolken ragen die schneebedeckten Gipfel der Southern Alps, deren höchste Erhebung, der Aoraki Mount Cook, an die 3800 Meter kratzt. Die ersten Atemzüge nach der Landung vertreiben die Erinnerung an die smogbeladene Luft Singapurs.

Neuseeland von oben: schneebedeckte Gipfel.

Neuseeland von oben: schneebedeckte Gipfel.

Zwar hatten wir auf dem Nachtflug kaum ein Auge zugemacht. Fit genug für die ersten Kilometer mit dem Kleinbus, der ein Wohnmobil simuliert, sind wir aber. Christchurch ist schnell verlassen, es geht gen Westen. Durch die platten Canterbury Plains, auf die Bergkette der Südlichen Alpen zu. Es ist saukalt im neuseeländischen Frühling. Den Plan im Camper zu schlafen, geben wir schnell zugunsten eines Doppelzimmers in einer Jugendherberge auf dem Arthur’s Pass in der gleichnamigen Ortschaft auf – übermüdet liegen wir 14 Stunden in dessen hygienisch nicht ganz einwandfreien Betten.

Berge und Meer schließen sich in Neuseeland nicht aus

An Tag zwei werden die Wanderstiefel das erste Mal ausgeführt, Ziel sind zwei Wasserfälle, der kalte Wind pfeift uns immer wieder um die Ohren. Danach geht es weiter in Richtung Westen und schon nach knapp 250 Kilometern Gesamtstrecke ist die Bergkette über- und die neuseeländische Südinsel durchquert, wir sehen das erste Mal das Meer.

Von Christchurch aus nach Westen: die Southern Alps am Horizont.

Von Christchurch aus nach Westen: die Southern Alps am Horizont.

Neuseeland ist kompakt aber vielfältig. Alpine Gebirge und der Ozean schließen sich in direkter Nachbarschaft genauso wenig aus wie Regenwälder und Gletscher. Apropos Gletscher: Morgen besteigen wir einen, gar aus dem Hause Habsburg. Franz Josef heißt er. Es wird eines dieser kleinen Abenteuer, auf die sich im Alltag das Fernweh ohne Gnade kapriziert – bis man endlich nachgibt und wieder die Koffer packt. Und sei der Flug auch noch so lange.

Fotos: Kathrin Schierl

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Raushier-Reisemagazin

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