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Israel: Wochenend-Trip ins gelobte Land

Anschläge, Terrorismus, religiöse Konflikte. Der Gedanke an eine Reise nach Israel ruft bei vielen Menschen in erster Linie negative Assoziationen hervor. Dabei fasziniert das Land mit unzähligen Facetten – schon ein Kurzurlaub verspricht ein unvergessliches Erlebnis.

Die Skyline von Tel Aviv.

Die Skyline von Tel Aviv.

Ein etwa drei Meter hohe Mauer zieht sich links der Route 443 entlang. Engmaschiger Stacheldraht sorgt dafür, dass man zwar hinüber sehen, aber keinesfalls klettern kann. Hinter der unüberwindbaren Barriere erstreckt sich eine bergige Einöde, in der Ferne wird die Skyline von Ramallah sichtbar. Auf der rechten Seite erscheint ebenfalls eine Stadt: Jerusalem liegt nur gut 13 Kilometer südlich.

Eine gespaltene Region

Schon die etwa 45-minütige Autofahrt vom Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv in die israelische Hauptstadt verspricht eine sehr spezielle Atmosphäre – gefährlich ist sie aber keinesfalls. Im Gegenteil: Man bekommt sofort einen Eindruck über das Leben in einer gespaltenen Region, in der die Religion eine zentrale Rolle einnimmt.

Ein Blick über Jerusalem zeigt die Zerrissenheit: Die Wassertanks auf den Dächern der jüdischen Stadteile sind weiß, in den muslimischen Vierteln sind sie schwarz – einfach so, aus Tradition. Und in den seltensten Fällen sieht man schwarze und weiße Wassertanks nebeneinander. Die unterschiedlichen Glaubensrichtungen sind die Ursache immer wieder aufkeimender Konflikte. Doch eine Reise in die Region zeigt auch, dass ein Nebeneinander der Religionen und Kulturen auf engstem Raum funktionieren kann.

Noch nie zuvor gesehen – ein Versprechen

Jerusalem.

Jerusalem.

Israel und das Westjordanland bieten zahlreiche Reiseziele, schon ein Wochenend-Trip reicht aus, um die faszinierendsten Orte zu entdecken und Eindrücke zu sammeln, die man nie vergessen wird. „Sie werden definitiv etwas sehen, was sie noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen haben“, verspricht ein Israeli nach einem nur dreieinhalbstündigen Flug am Airport – er wird recht behalten.

Der Freitag zeigt dies wohl am eindrucksvollsten: In den engen Gassen der Jerusalemer Altstadt herrscht reges Treiben. Der Markt ist überfüllt, aus jeder Ecke kommen neue Düfte: Frisches Gemüse, orientalische Gewürze oder auch Textilien – verkauft wird alles. Die Einwohner nutzen die letzte Chance, denn mit dem Sonnenuntergang beginnt für die jüdische Bevölkerung der Schabatt, dann steht das öffentliche Leben 24 Stunden lang still.

Besuch an der Klagemauer

An der Klagemauer.

An der Klagemauer.

Eingeläutet wird der Ruhetag mit einem Besuch an der Klagemauer. In traditioneller Kleidung pilgern Familien zur Kotel, wie sie genannt wird, sprechen ihre Gebete und begehen ihre Rituale. Junge Juden singen und tanzen gemeinsam im Kreis, auch die Kleinsten werden schick gemacht, tragen ihre gepflegten Schläfenlocken und eine Kippa auf dem Kopf. Die Bereiche für Männer und Frauen sind strickt getrennt, aber auch als Tourist darf man bis zur Mauer vortreten und bekommt im wahrsten Sinne des Wortes hautnah einen Eindruck von der sehr speziellen Stimmung an der Klagemauer.

Wie dicht die unterschiedlichen Religionen beieinanderliegen wird deutlich, wenn man sich kaum hundert Meter von der Kotel entfernt: Auf der linken Seite liegt ein muslimisches Viertel, in dem der Muezzin vom Minarett einer nahegelegenen Moschee zum Gebet ruft. Schaut man nach rechts erblickt man eine Kirche, die Glocken läuten.

 Schabatt

Auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Am Samstag wird es umso stiller in Jerusalem, die meisten Juden begehen den Schabatt mit großer Ernsthaftigkeit: Die Geschäfte sind zu, ein Großteil der Bevölkerung hält sich an die strengen Regeln der Tora: keine elektronischen Geräte benutzen, nicht schreiben, keine Pflanzen gießen und vieles, vieles mehr.

Für Touristen lohnt sich am Schabatt deswegen eine Fahrt zum Toten Meer. Mit dem Auto ist es nur gut eine halbe Stunde durch die Wüste – immer bergab Richtung Osten. Von 800 Metern oberhalb des Meeresspiegels geht es auf mehr als 400 Meter unterhalb des Meeresspiegels zum tiefsten Punkt der Erde.

Unwirkliche Atmosphäre am Toten Meer

Am Toten Meer.

Am Toten Meer.

Am Toten Meer ist die Atmosphäre fast schon unwirklich: Riesige Salzablagerungen an den Ufern zeigen, dass das Gewässer immer weiter austrocknet. Man sieht bis nach Jordanien hinüber und erblickt in alle Himmelsrichtungen vor allem Einöde, vergleichbar mit der Mondlandschaft. Doch es gibt auch einige Beachclubs, in denen man sich im wahrsten Sinne des Wortes treiben lassen kann.

Im Toten Meer zu baden gehört zu den Dingen, die jeder Mensch einmal im Leben gemacht haben sollte. Die ersten Schritte sind noch etwas unangenehm auf dem matschigen Untergrund. Doch nach wenigen Metern legt man sich einfach auf den Rücken und genießt eine Art Schwerelosigkeit. Tatsächlich ist der Salzgehalt im Toten Meer derart hoch, dass Springen und Tauchen nicht nur verboten, sondern auch lebensgefährlich sind. Auch das obligatorische Foto, auf dem man im Wasser treibend eine Zeitung liest, ist nicht ungefährlich: Es wird davor gewarnt, dass die Zeitung wie ein Segel wirken und den in die Texte oder Bilder vertieften Touristen vom Uferbereich abtreiben kann.

Kein Sonnenbrand am Toten Meer?

Dafür ist das Tote Meer berühmt: sein Salz.

Dafür ist das Tote Meer berühmt: sein Salz.

Im Beachclub selbst herrscht mediterrane Stimmung: Discomusik dröhnt aus den Boxen, an einer Bar werden Kaltgetränke verkauft, Menschen veranstalten BBQs. Viele Besucher sind am ganzen Körper mit Schlamm bedeckt, weil dem braunen Matsch vom Grund des Toten Meeres heilende Wirkung nachgesagt wird. Zumindest bekommen sie damit keinen Sonnenbrand. Für alle anderen Besucher gilt: Zwar ist die Sonneneinstrahlung 400 Meter unter dem Meeresspiegel nicht so hoch wie anderswo, dennoch gilt die Behauptung, dass man am Toten Meer keinen Sonnenbrand bekommen kann, als widerlegt.

Neigt sich der Schabatt dem Ende entgegen, also dem Sonnenuntergang am Samstagabend, beginnt das Nachtleben in Israel – und das erlebt man am besten in Tel Aviv. Schließlich heißt es in Israel nicht umsonst: Arbeiten in Haifa, beten in Jerusalem und feiern in Tel Aviv. Vom Toten Meer fährt man etwa eine Stunde westwärts bis zur Stadt an der Mittelmeerküste, die besonders nach Einbruch der Dunkelheit viel zu bieten hat.

Die Shabazi Street im Stadtteil Neve Tzedek, der Rothschild Boulevard in der historischen „White City“, die vielen Bars in der Lillenblum Street sind hier nur einige Orte, an denen man das Nachtleben Israels genießen kann. Aber auch tagsüber begeistert Tel Aviv mit imposanten Märkten und natürlich auch seinem Strand, der mit seiner weitläufigen Promenade ein wenig an Miami erinnert. Und was gibt es schöneres, als einen Wochenend-Trip ins gelobte Land mit Sand zwischen den Zehen ausklingen zu lassen.

Fotos: Timo Prüfig

Raushier-Reisemagazin

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