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Kieler Woche: Das größte Segelsportereignis der Welt – 3. Teil

Die Schiffe laufen in Paradeformation aus der Kieler Innenförde in die Außenförde und nehmen Kurs auf Laboe. Jeder Großsegler führt eine Gruppe kleinerer Segler an. Mit einem Tempo von vier Knoten (knapp 7,5 Stundenkilometern) wird mit nordöstlichem Kurs bis zur gedachten Ziellinie zwischen Olympiahafen Schilksee und Laboe gesegelt. Dort löst sich die Parade gegen 13.30 Uhr auf. Mehr als 100 000 Zuschauer feiern das „Sommerfest auf See“, das gleichzeitig auf das Ende der Kieler Woche einstimmt.

Windjammerparade seit 1972

Vorwiegend in Wohnmobilen, nur wenige Meter vom Segelrevier entfernt, verbringen die Segler und ihre Angehörigen die „Kieler Nächte“. - Foto: Dieter Warnick

Vorwiegend in Wohnmobilen, nur wenige Meter vom Segelrevier entfernt, verbringen die Segler und ihre Angehörigen die „Kieler Nächte“. – Foto: Dieter Warnick

Die Kieler Windjammerparade wurde 1972 anlässlich der Olympischen Segelwettbewerbe vor Kiel ins Leben gerufen. Windjammer sind Großsegler, die im späten 19. Jahrhundert als Frachtschiffe eingesetzt wurden. Heute bezeichnet man auch moderne Segelschulschiffe und Kreuzfahrtsegelschiffe als Windjammer. Der Begriff stammt aus dem Englischen: „to jam the wind“ bedeutet sinngemäß „gegen den Wind pressen“. Damit verbunden ist die Vorstellung, wie die imposanten Schiffe und ihre Besatzungen Wind und Wellen, Meer und Stürme trotzen.

„Aida“, „Mein Schiff“ und „MSC“

Die letzten Handgriffe sind gemacht, es kann losgehen. - Foto: Dieter Warnick

Die letzten Handgriffe sind gemacht, es kann losgehen. – Foto: Dieter Warnick

Dass sich natürlich auch zur Kieler Woche das eine oder andere Kreuzfahrtschiff nach Kiel „verirrt“ – Kiel ist einer der führenden Kreuzfahrtschiffhäfen an der Ostsee – (am ersten Wochenende lagen die „Aida prima“, Mein Schiff 4“ und die „MSC Meraviglia“ im Hafenbecken), muss nicht besonders erwähnt werden. Und die großen Autofähren der „Color Line“ (fährt täglich nach Norwegen) und der „Stena Line“ (nach Schweden) gehören ja sowieso zum Stadtbild.

Sportliches Schilksee

Mit diesen fahrbaren Untersätzen bringen die Segler ihre Boote zu Wasser. - Foto: Dieter Warnick

Mit diesen fahrbaren Untersätzen bringen die Segler ihre Boote zu Wasser. – Foto: Dieter Warnick

Sportlich geht es vorrangig in Schilksee zu, obwohl dort auch das Spaßprogramm (mit einem neuen Party-Konzept) und der dazugehörigen Kulinarik nicht zu kurz kam und kommt. Und die Hauptsponsoren (Rewe, Goslings, Audi) sind jederzeit gegenwärtig. Aber je näher man sich dem Segelrevier nähert, desto sportlicher geht es zu. Massen in Neoprenanzügen gekleidete Segler aus der ganzen Welt laufen dem Betrachter über den Weg, Boote und Masten, wohin man nur sehen kann, ebenso Bootsanhänger und Trailer. Während die Teilnehmer der einen Bootsklasse, die gerade ihren Wettbewerb beendet hat, aus dem Wasser kommt, bereiten sich andere Crews auf ihren Einsatz vor. Es kann eng werden!

Glänzendes Fazit

Das Fazit der Jubiläumswoche, das Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst, zog, war denn auch überaus positiv: „Das Wetter hat sich auf die Stimmung übertragen. Wir hatten eine grandiose Woche mit perfekten Segelmomenten. Die Bilder, die in die Welt hinausgegangen sind, sprechen für sich. Das war eine Werbung für den Segelsport und für Kiel!“

Kurzer Abriss der Geschichte

Hoch hinaus geht es mit diesem Riesenrad am Ende der Kiellinie. - Foto: Dieter Warnick

Hoch hinaus geht es mit diesem Riesenrad am Ende der Kiellinie. – Foto: Dieter Warnick

1882: Am 23. Juli starten 20 Yachten zur ersten größeren Regatta – es war die Geburtsstunde der Kieler Woche.

1894: In einem Zeitungsartikel taucht zum ersten Mal der Begriff „Kieler Woche“ für die mehrtägige Regattaveranstaltung auf.

1914: Während der Regatten trifft die Nachricht vom Attentat in Sarajevo ein. Der Erste Weltkrieg unterbricht für die folgenden vier Jahre die Kieler Woche.

1936: Kiel ist zum ersten Mal Olympiastadt.

1940-1944: Die Kieler Woche findet nicht statt.

Gut besucht sind in jedem Jahr die Konzerte auf der Rathausbühne. - Foto: Lh Kiel / Marten Robert Witzel

Gut besucht sind in jedem Jahr die Konzerte auf der Rathausbühne. – Foto: Lh Kiel / Marten Robert Witzel

1945/1946: Die britische Besatzungsmacht veranstaltet die „Kiel Week“ ohne deutsche Beteiligung.

1948: Die ersten deutschen Kieler-Woche-Segelregatten nach dem Zweiten Weltkrieg finden Ende Juni statt.

1950: Zum ersten Mal besucht mit Theodor Heuss ein Bundespräsident die Kieler Woche.

1962: Bedeutende Bühnen und Orchester aus allen skandinavischen Ländern setzen neue Akzente im kulturellen Teil.

Im vergangenen Jahr eröffnete die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey (links) die Kieler Woche. Rechts Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und in der Mitte der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. – Foto: Lh Kiel / Julia Meyer

Im vergangenen Jahr eröffnete die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey (links) die Kieler Woche. Rechts Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und in der Mitte der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. – Foto: Lh Kiel / Julia Meyer

1972: Zum zweiten Mal werden in Kiel die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen. Die Windjammerparade wird als „Jahrhundertschauspiel“ gefeiert.

1982: Die Kieler Woche feiert ihren 100. Geburtstag.

1994: Die 100. Kieler Woche wird veranstaltet (1915-1919 und 1940-1946 fanden keine Kieler Wochen statt).

2006: Mit Angela Merkel eröffnet erstmals eine deutsche Regierungschefin die Kieler Woche (das zweite Mal 2008).

2019: Jubiläum: Im 138. Jahr ihres Bestehens wird die Kieler Woche zum 125. Mail gefeiert.

Raushier-Reisemagazin

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