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Auf den Spuren Tutanchamuns

Dieses Land lässt einen so schnell nicht mehr los! Seine Hauptstadt Kairo ist laut, seine Bewohner impulsiv, durch die Straßen ertönt ein ständiges Hupkonzert, auf den Basaren – einem Meer voller Farben – preisen Händler lautstark ihre Waren an. In Ägyptens 18-Millionen-Stadt pulsiert das Leben. Doch die Reise nach Ägypten ist auch ein mystisches Abenteuer. Im Land der Pharaonen in die Kultur des Alten Ägypten einzutauchen und seine unermesslichen jahrtausendealten Schätze zu entdecken, bleibt ein unvergessliches Erlebnis.

Am Nil-Ufer herrscht reges Treiben

Im „Tal der Könige“.

Im „Tal der Könige“.

Schon bei der Ankunft in Luxor, der „Stadt der Paläste“ ist die Magie der arabischen Kultur zu spüren. Am Nil-Ufer herrscht reges Treiben. Zierliche Araberpferde traben vor hübsch-verzierten Kutschen über die Straßen. An der Promenade blühen üppige rosarote Bougainvilleabüsche, hier herrscht auch noch im Winter ein angenehmes mediterranes Klima. An der Uferstraße befindet sich auch das opulente Grand Hotel „Winter Palace“, in dem schon der britische Ägyptologe Howard Carter, der 1922 das Grab von Tutanchamun entdeckte, residierte, und sich Agatha Christie 1937 für ihren erfolgreichsten Roman „Tod auf dem Nil“ inspirieren ließ.

Die Tutanchamun-Maske – ein Replikat.

Die Tutanchamun-Maske – ein Replikat.

Im Hotel erwartet uns Luxus pur. Richtung Westen der Blick auf den Nil und das Tal der Könige, nach Osten hin erstreckt sich ein herrlicher botanischer Garten mit riesigem Pool. Das Foyer ist prunkvoll mit Kristallen geschmückt, von den Decken hängen riesige Lüster im venezianischen Stil. Der perfekte glamouröse Ausgangspunkt für den Ausflug ins Tal der Könige, den wir nach einem abendlichen Absacker in der „Royal Bar“ am nächsten Morgen antreten. Schon die Überfahrt ans westliche Ufer mit der Feluke, auf der uns später ein köstliches Barbecue erwartet, ist zauberhaft.

Im „Tal der Könige“

Das „Tal der Könige“ befindet sich im Wüstental des thebanischen Gebirges Biban el Moluck. Die alten Ägypter nannten diesen Ort „Ta sekhet aat“ (großes Feld). Die Häuser der Lebenden wurden auf der dem Sonnenaufgang zugewandten Seite des Nils gebaut, die „Häuser der Toten“ in der westlichen Wüste. Nach einem Zwischenstopp an den beeindruckenden 18 Meter hohen Memnonkolossen, den früheren Eingangsstatuen des Tempels des Königs Amenophis III, geht es weiter mit dem Bus ins Tal der Könige.

Beeindruckend: Die 18 Meter hohen Memnonkolosse.

Beeindruckend: Die 18 Meter hohen Memnonkolosse.

Die Stollen des berühmtesten Gräberfelds Ägyptens mit über 60 Gräbern der alten Pharaonen, das wir mit einer kleinen Bahn anfahren, reichen bis zu 100 Meter tief in das Bergmassiv hinein und waren einst mit Schmuck, Gold und anderen Kostbarkeiten gefüllt. Hier herrscht absolutes Foto-Verbot und das Wachpersonal verfolgt uns schon bei unserer Ankunft mit Argusaugen.

Immense Grabbeigaben

Das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz in Kairo.

Das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz in Kairo.

Wie immens die Grabbeigaben waren, zeigen die Funde des bereits mit 19 Jahren verstorbenen Kindkönigs Tutanchamun. In der kleinen Grabkammer des berühmtesten Pharaonen befindet sich bis heute die rund 3300 Jahre alte Mumie von Tutanchamun. Sein Sarkophag aus Rosengranit thront in der mit prächtigen Wandmalereien geschmückten Sargkammer. Die Malereien zeigen mythologische Szenen aus dem Buch des Toten, symbolisieren den Übergang in die Unterwelt, denn die alten Ägypter glaubten an ein göttliches Leben im Jenseits. Der kostbare Grabschatz, den Howard Carter am 26. November 1922 entdeckte, ist heute im Ägyptischen Museum am berühmt-berüchtigten Tahrir-Platz in Kairo  – nur eine Flugstunde entfernt von Luxor – zu besichtigen.

„The Revival of the Egyptian Museum“

Der britische Archäologe Howard Carter und sein adeliger Sponsor Lord Carnarvon.

Der britische Archäologe Howard Carter und sein adeliger Sponsor Lord Carnarvon.

Dieses Museum ist unsere nächste Station, die wir ansteuern. Anlässlich der Initiative „The Revival of the Egyptian Museum“ haben sich im Garten des Ägyptischen Museums hochrangige Vertreter des politischen und kulturellen Lebens wie Premierminister Ibrahim Mahlab, Antikenminister Prof. Dr. Mamdouh Eldamaty, die Ägyptologen Prof. Dr. Zahi Hawass, Dr. Wilfried Seipel sowie Sponsoren versammelt und stellen das Sanierungsprogramm des Museums vor.

Empfang der „Revival of the Egyptian Museum“-Initiative im Garten des Ägyptischen Museums vor dem ausgebrannten Mubarak-Gebäude.

Empfang der „Revival of the Egyptian Museum“-Initiative im Garten des Ägyptischen Museums vor dem ausgebrannten Mubarak-Gebäude.

Das Projekt, das maßgeblich von der Deutschen Botschaft in Kairo, dem deutschen Centrum für internationale Entwicklung und Migration, den Machern der Ausstellung „Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ sowie privaten Sponsoren finanziert wird, wurde bereits 2012 ins Leben gerufen. Ein kultureller Lichtblick für ein Land, dessen Schätze aufgrund der politischen Unruhen in den letzten Jahren vernachlässigt wurden. An die ägyptische Revolution erinnert bis heute das ausgebrannte Regierungsgebäude von Machthaber Husni Mubarak am Tahrir-Platz, auch die schweren, respekteinflößenden Geschosse, die anlässlich des Events vor den Toren des Museums aufgefahren wurden.

100 000 Objekte werden auf drei Museen verteilt

Die Überfahrt mit der Feluke ans westliche Nilufer ist ein Erlebnis.

Die Überfahrt mit der Feluke ans westliche Nilufer ist ein Erlebnis.

Künftig sollen die rund 100 000 Objekte im Ägyptischen Museum auf drei Museen verteilt werden und somit besser zur Geltung kommen. Voraussichtlich ab 2018 soll das noch im Bau befindliche Grand Egyptian Museum bei den Pyramiden in Gizeh der neue Standort des Pharaonen-Schatzes sein, die Mumien sollen ins neue Museum für Ägyptische Zivilisation „umziehen“, während die Masterpieces wie Plastiken und Skulpturen im Ägyptischen Museum bleiben.

Doch bis jetzt können wir den Königsschatz mit seinen über 2000 beeindruckenden Objekten noch im Ägyptischen Museum bewundern. Mein persönliches Highlight: Die Schatzkammer mit den heiligen Schmuckstücken, in deren Mittelpunkt die streng bewachte, massiv-goldene edelsteinbesetzte Maske von Tutanchamun in einer Glasvitrine thront.

Magisch: Im Morgengrauen den Blick auf das Tal der Könige sowie den Nil vom Heißluftballon aus genießen.

Magisch: Im Morgengrauen den Blick auf das Tal der Könige sowie den Nil vom Heißluftballon aus genießen.

Bevor wir im imposanten 27-stöckigen Kairoer Hotel Sofitel El Gezireh am Nil einchecken, machen wir noch einen Abstecher zu der gigantischen Baustelle des Grand Egyptian Museum, in dessen Labor Kunsthandwerker bereits akribisch an der Restauration des Pharaonenschatzes arbeiten.

Die Pyramiden von Gizeh

Vor den Pyramiden von Gizeh.

Vor den Pyramiden von Gizeh.

Ein Abstecher zu den drei gigantischen Pyramiden der Könige Cheops (heute noch 137 Meter hoch), Chephren und Mykerinos – das 4500 Jahre alte Wahrzeichen des Altertums und einzige noch existierende antike Weltwunder – ist selbstverständlich. Leider ist die Zeit zu knapp, um den Blick auf die Pyramiden und, weiter östlich, die Sphinx von Gizeh, hoch zu Ross oder vom Kamelrücken aus zu genießen. Die Kameltreiber lassen trotzdem keine Ruhe, und ehe ich mich versehe, habe ich ein „Palästinensertuch“ um den Kopf, ein Kamel an der Hand, und einige wild gestikulierende Ägypter um mich, von denen ich mir, für ein originelles Foto, ein paar Euro entlocken lasse. Dabei hätte ich die beeindruckenden Bauwerke viel lieber in Ruhe auf mich wirken lassen. Doch die Pyramiden einmal „live“ gesehen zu haben ist trotzdem ein großartiges Erlebnis.

Kairo bei Nacht: Einfach zauberhaft

Das historische Hotel Winter Palace in Luxor.

Das historische Hotel Winter Palace in Luxor.

Nach diesen vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten wollen wir uns am Abend einen Eindruck vom nächtlichen Kairo inklusive Kulinarik und Shopping-Möglichkeiten verschaffen. Selbstverständlich in Begleitung eines einheimischen Ortskundigen. In der Altstadt von Kairo treffen wir Karim El Hayawan – Designer, Blogger und Fotograf. Karim führt uns durch die quirlige Altstadt, wo wir im Basarviertel Khan-El-Khalili nach landestypischen Schätzen wie antiken Möbelstücken, orientalischen Lampen, Stoffen, Pashmina-Schals, Silberschmuck und mehr stöbern können.

Der Basar in Kairo ist ein schier endloses Areal.

Der Basar in Kairo ist ein schier endloses Areal.

Im Vergleich: Der Basar hat in etwa eine zehnfache Größe des Basars von Marrakesch – ein schier endloses Areal. Die verwinkelten Gassen, die antiken Gebäude, die markanten Gesichter, exotischen Gerüche und das Stimmengewirr aus knatternden Motorrädern, Händlern, die lautstark ihre Waren anpreisen und orientalischer Musik – all das erinnert mich an ein Märchen aus 1001 Nacht. Einfach zauberhaft! Leider vergeht die Zeit wie im Flug.

Eine authentische ägyptische Küche

Im Restaurant Abou El Sid locken Gaumenfreuden.

Im Restaurant Abou El Sid locken Gaumenfreuden.

Also machen wir uns schon wieder zu unserer nächsten Station, dem krönenden Abschluss unserer Reise – einem Abendessen im angesagten Restaurant Abou El Sid auf. Hier genießen wir, im Salonambiente, authentische ägyptische Küche. Vor allem die köstlichen Vorspeisen wie orientalische Salate, pikant gewürzte Suppen, Falafel, Hummus, Tahina und diverse Dips mit Yogurt, Minze, Auberginen, Koriander und Fladenbrot sind ein Hochgenuss. Und während wir den Abend mit einer würzigen Shisha ausklingen lassen, wirkt der Zauber der vielen faszinierenden Eindrücke der letzten Tage noch lange nach.

„Tutanchamun“-Ausstellung in München

Im Labor des Grand Egyptian Museum.

Im Labor des Grand Egyptian Museum.

Der Schatz des vor rund 3300 Jahren verstorbenen Kindkönigs Tutanchamun zählt bis heute zu den bedeutendsten Entdeckungen in der Geschichte der Archäologie. Mit einer Einführung in die Kultur des Alten Ägypten, einer einzigartigen dreidimensionalen Wiederherstellung der originalen Fundsituation – so wie Howard Carters die drei Grabkammern vor 92 Jahren vorgefunden hat – sowie über 1000 detailgetreu handgearbeiteten Replikaten des prachtvollen Pharaonen–Schatzes vermittelt eine Ausstellung eine historisch einzigartige Entdeckung. Diese dauert bis zum 13. September; die Ausstellung ist zu sehen in der Kleinen Olympiahalle in München.

Informationen unter www.tut-ausstellung.com

Fotos: Anke Sieker

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Ein Gedanke zu „Auf den Spuren Tutanchamuns

  1. Die kuss ich mir auch unbedingt , mal ansehen. Hier in Kenia hat man ja überhaupt nichts wirklich altes und keine Kultur die sich anzuschauen lohnt und wenn man wie ich sehr oft safaris in Kenia unternimmt hat man Lust auf mal was anderes. Danke für den schönen Bericht

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