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Sieben Wochen Südostasien: Kambodscha – zwischen Schock und Faszination

Von allen Ländern, die ich bereiste ist Kambodscha wohl das unberührteste. Natürlich tummeln sich auch hier Touristen an den bekannten Hotspots, es ist problemlos möglich von A nach B zu reisen und auch die TukTuk-Fahrer stehen dicht an dicht bereit. Trotzdem merkt man, dass   viele Einheimische noch nicht so vertraut mit den „Barang“, wie Menschen aus der westlichen Welt genannt werden, sind. Auf dem Weg von Siem Reap zu einem der schwimmenden Dörfer fanden es kleine Mädchen ganz spannend, sich mit uns in unserem TukTuk zu unterhalten und konnten sich auch nicht verkneifen uns schnell noch anzufassen, bevor unsere Fahrt weiterging. Diese Neugier spiegelte sich gelegentlich in nicht ganz so symphytischer Weise auch bei den Erwachsenen wider, jedoch galt den Touristen hier eher ein neutrales Anstarren als nette Worte oder Gesten. Zu betonen ist jedoch, dass Kambodscha trotz dieser gewöhnungsbedürftigen Art mancher Einheimischer viel zu bieten hat, so habe ich neben dem Besuch von den Tempeln von Angkor und Phnom Penh auch erste Meditationsversuche, Gespräche mit Mönchen und eine abenteuerlicher Fahrt auf einem Bambuszug in Battambang zu meinen Erfahrungen zählen dürfen.

Angkor Wat bei Sonnenaufgang.

Angkor Wat bei Sonnenaufgang.

Angekommen in einem netten Hostel in Siem Reap entdeckte ich direkt die Tafel, auf welcher man sich für einen Besuch in Angkor einigen anderen Bettnummern anschließen konnte, sodass man die Kosten für die TukTuk Fahrt aufteilen konnte – schade nur, dass sich meine Begleiter für den nächsten Tag entschieden hatten zum Sonnenaufgang zu den Tempelanlagen zu fahren. Aber gut, dann hieß es nun mal den Wecker auf 4 Uhr stellen und hoffen, dass wenigstens nicht alle Zimmergenossen geweckt würden. Ich war guter Dinge, dass es sich für das alte Zentrum des Khmer-Königreich lohnen würde. Angkor ist bekannt für die zahlreichen Tempelanlagen, die heute noch recht gut erhalten sind, insbesondere Angkor Wat.

Um halb 5 am Morgen nach Angkor

Der Tempel Bayon.

Der Tempel Bayon.

So traf ich um halb 5 am nächsten Morgen auf Isabell und Sam. Mit ihr konnte ich mich direkt unterhalten, wohingegen er den vorherigen Abend wohl ein bis zwei Bier zu viel getrunken hatte und blass, mit knallroten Augen noch nicht wirklich einen Ton raus bekam. Als wir mit Tickets, die durch ein Foto das ganze Elend auch noch für die Nachwelt festhielten, ausgestattet an Angkor Wat ankamen, waren schon hunderte von Touristen vor Ort, die den Sonnenaufgang ebenfalls bestaunen wollten. Dieser erwies sich als nicht ganz so spektakulär wie auf den zahlreichen gephotoshopten Fotos, aber Angkor Wat war auch ohne das Lichtspiel genug Faszination. Ebenso wie die riesigen Gesichter aus Stein, die wir im Laufe des Tages im Tempel Bayon bestaunen durften und auch Ta Prohm hatte einen unvergleichlichen Charme, wobei diesen mit Baumwurzeln bedeckten Tempel wohl fast jeder zumindest als Kulisse für Tomb Raider kennt. Nach acht Stunden und ebenso vielen Tempelanlagen waren wir uns dann jedoch einig, dass wir nun kaum noch zu einer angemessenen Wertschätzung weiterer Steine in der Lage sein würden und es dringend notwendig sei unseren Hunger zu stillen, somit trieb es uns wieder nach Siem Reap.

Nach Battambang

Vor der Zugfahrt auf dem "Bambuszug" in Battambang.

Vor der Zugfahrt auf dem “Bambuszug” in Battambang.

Einige Tage später ging meine Reise weiter in die kleine Stadt Battambang südwestlich von Siem Reap, welche nicht zu den typischen Touristenhochburgen zählt und es dort somit auch sehr viel ruhiger zuging. Ein abwechslungsreicher Halbtagesausflug bietet sich zu dem ca. sieben Kilometer entfernten Berg Phoum Sompov an. Dort hat man nicht nur einen wunderschönen Blick über die grüne Landschaft Kambodschas, sondern kann auch in einen Teil der Geschichte des Landes eintauchen und die Killing Caves besichtigen, in welchen während der Khmer Rouge Zeit Tausende von Menschen getötet wurden.

Die Killing Caves am Phoum Sompov Berg.

Die Killing Caves am Phoum Sompov Berg.

Vorsichtig sollte man mit seinem Essen umgehen, denn sobald die freilaufenden Affen einen Keks oder Obst im Blick haben, ist es recht schwierig die Tiere los zu werden. Ein weiteres Highlight sind tausende von Fledermäusen, welche jeden Abend aus einer der Höhlen fliegen und den Himmel mit einem schwarzen Teppich bedecken.

Phnom Penh

Die Aussicht von dem Phoum Sompov Berg.

Die Aussicht von dem Phoum Sompov Berg.

Meine letzte Station in Kambodscha und somit auch meiner Asien-Reise war die Hauptstadt Phnom Penh, von der ich vorher eher negative Eindrücke geschildert bekam. Umso mehr überraschte mich, dass mir die Stadt recht gut gefiel. Es war leicht den zweitägigen Besuch mit einem Mix aus Kultur, Geschichte und gutem Essen abwechslungsreich zu gestalten.

Sehenswert ist der Königpalast mit einem großen Tempel, der Silver Pagoda, und weiteren Skulpturen. Als ich dort ankam hatte ich wie immer ein leichtes Tuch mit, welches man sich bei Tempelbesuchen kurzer Hand um die Hüften wickeln kann, jedoch muss man bei dem Betreten der gesamten Anlage auch die Schultern ausreichend bedeckt haben, somit schlenderte ich mit Tuch und schwarzer Strickjacke bei über 35 Grad durch die Anlage und war bei Beendigung meines Rundgangs definitiv bereit für eine Dusche.

Der Zentralmarkt in Battambang.

Der Zentralmarkt in Battambang.

Am gleichen Tag besuchte ich noch den Zentralmarkt, Phsar Thom Thmei, welcher mich nach den zahlreichen Märkten, die ich bereits gesehen hatte, jedoch enttäuschte. Umso bunter war der russische Markt, welcher am darauffolgenden Tag auf meiner Agenda stand. Zunächst kam ich in den Teil des Marktes, wo alte Reifen, Autoersatzteile und Werkzeuge zu finden waren, dringt man jedoch etwas weiter vor, so findet man die typischen Souvenirs und handelsfreudige Verkäufer sowie Stände mit Nahrungsmitteln.

Der Königspalast in Phnom Penh.

Der Königspalast in Phnom Penh.

In der Nähe dieses Marktes befand sich eine Schule, welche zu Khmer Rouge Zeiten zu einem Gefängnis verwandet wurde. Heute befindet sich dort ein Museum, wo man einiges über die Geschichte erfahren kann, insbesondere wenn man sich dagegen entscheidet zu den Killing Fields zu fahren, so wie ich es getan habe. Schon nach dem Besuch in dem Museum ist man übermäßig betroffen und ich für meinen Teil konnte kaum glauben, dass dieser Teil der Geschichte Kambodschas erst rund 40 Jahre her ist. Von den tausenden Insassen des Gefängnisses überlebten drei Menschen und ich hatte das Glück, dass zufällig einer von Ihnen einen Vortrag hielt und sein Leben dort schilderte. Es überraschte mich wie ruhig er blieb, als er von Stromschlägen, seinen gebrochenen Fingern oder abgenommenen Zehennägeln erzählte, weil die Soldaten Informationen von ihm erhalten wollten, die er nicht einmal hatte. Er hatte Glück, dass er wusste wie man Maschinen repariert – das rettete ihm damals das Leben.

Heimreise

Wandmalereien im Königspalast.

Wandmalereien im Königspalast.

Nach dem Museumsbesuch wurde es Zeit, dass ich so langsam meinen Rucksack packte – ein letztes Mal während meiner Reise, bevor ich am nächsten Tag nach Singapur fliegen würde, um dort die letzte Nacht in Asien zu überbrücken und nach einem 15-stündigen Flug wieder in meinen Alltag in Deutschland eintauchen würde.

Tuol Sleng Museum in Phnom Penh.

Tuol Sleng Museum in Phnom Penh.

Die gesamte Reise und die Erinnerungen sind viel mehr wert, als dass man es mit Geld bewerten könnte. Ich durfte viel über die verschiedenen Kulturen, Religionen und Menschen lernen, habe sehr liebenswerte Personen getroffen, die wunderschöne Natur erleben können und musste mehr als einmal meine Komfortzone verlassen – seien es die Toiletten, das Zähne putzen mit Salzwasser, die kalten Duschen, das Roller fahren bei dem unfassbaren Verkehr oder einfach die Tiere denen man zwangsweise begegnet. Wenn ich könnte, würde ich wahrscheinlich direkt nächste Woche wieder los, aber jetzt heißt es ersteinmal, dem Studentenleben wieder die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Laura Krüger reist während Ihrer Semesterferien sieben Wochen durch Südostasien und berichtet auf Raushier-Reisemagazin über ihre Reise. Ihre Bilder gibt es auch auf Instagram: Einfach nach lola_do_hh suchen.

Hier geht’s zu Teil 5

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