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Mit dem Motorrad durch Vietnam

Vietnam ist reine Faszination. Kaum ein anderes Land auf dieser Welt hat so viele unberührte Landschaften. Es ist voll von eindrucksvollen Gebirgen, wildem Dschungel, abertausenden von Reisfeldern, reißenden Flüssen und kristallklaren Seen. Und dies ist nur ein kleiner Teil des gesamtem Spektrums. Dennoch sind, mit großem Abstand, die Menschen das Beste was dieses Land zu bieten hat. Es gibt kaum eine Nation, in der man trotz ihrer grausamen jüngeren Vergangenheit, so viele herzensgute Menschen vorfindet wie in Vietnam. Werte wie Liebe, Freude und Gutherzigkeit werden einem jedem Tag aufs Neue näher gebracht und in diesem Land ganz groß geschrieben.

Dies sind nur einige Gründe, weswegen ein Trip durch Vietnam auf jedermanns Liste stehen sollte. Bevor ich ganz Vietnam von Süden nach Norden mit dem Motorrad abgefahren bin, war ich mir natürlich nicht bewusst, was dieses Land für Reisende bereit hält. Mir wurde nur von einigen anderen Backpackern gesagt: „Wenn du ein unfassbares Abenteuer erleben willst, dann mach ein Motorradtour durch Vietnam.“ Da jeder weiß, dass man gute Tipps von anderen Reisenden, die eine solche Tour schon gemacht haben, immer annehmen sollte, bin ich nach meiner Thailand-Reise schnellstmöglich ins Land der Drachen gereist.

Motorradkauf

In Ho Chi Minh oder Hanoi ein Motorrad zu finden, ist relativ einfach. Man muss sich nur ein wenig bemühen und prompt wird man belohnt. Zu 95% wird die Honda Win 100/110 cc verkauft bzw. weitergegeben. Sie ist wie ein Roller mit Gangschaltung. Sie fährt nicht wirklich schneller, sondern eher etwas langsamer. Man sollte umgerechnet nicht mehr als 300$ ausgeben, da die Maschinen nur einen geringen Wert haben und schnell kaputt gehen. Man kann grundsätzlich damit rechnen, dass eine solche Maschine im Schnitt mindestens zwei Mal auf einer Reise repariert werden muss. Also nicht wundern…

Eine gute Option ist immer sein Motorrad bei einem Händler zu kaufen. Man zahlt im Schnitt ca. 50$ mehr, aber dafür läuft die Maschine mit Sicherheit für ca. Viertel der Strecke einwandfrei.

Auch ich habe meine Foxy Roxy bei einem kleinen britischen Händler gekauft, der mir außerdem die beste Route gezeigt hat, die man überhaupt fahren kann. Woher weiß ich das?

Der Händler ist die Strecke zum damaligen Zeitpunkt schon sechs Mal hin und zurück gefahren und konnte mir desshalb genau sagen, welche Passagen lohnenswert sind und welche nicht, wo man einen kleinen Schwenker machen sollte und was man definitiv auslassen kann oder vermeiden sollte.

Die Route

Die Route, die mir vom britischen Motorradverkäufer gegeben wurde, war einsame Klasse!

Ich bin sie eins zu eins nachgefahren und habe sie sogar noch etwas erweitert. Man kann sie allgemein in drei Abschnitte unterteilen.

Teil 1

Der erste Teil beginnt in Ho Chi Minh und führt von dort direkt an die südliche Küste nach Vung Tau. Für unerfahrene Motorrad undRollerfahrer ist in der Innenstadt von Ho Chi Minh definitiv Vorsicht geboten. Die Bedingungen sind verrückt!

Es gibt zwar Ampeln und Verkehrszeichen, beachtet werden dieser aber nicht wirklich. Nur bei riesigen Kreuzungen halten die Vietnamesen an. Auf einmal tummeln sich bis zu 50, vielleicht auch 60 oder 70 andere Motorrad- und Rollerfahrer neben einem. Sobald die Ampel grün zeigt, geht das Chaos los. Regeln herrschen nicht mehr. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Komischerweise funktioniert der Verkehr trotzdem ziemlich reibungslos und es gibt wenig Unfälle.

Sobald man die Großstadt verlässt und in ländlichere Gebiete vordringt, ist es entspannter. Das einzige worauf man chten muss, sind große Trucks. Diese interessieren sich herzlich wenig für Motorradfahrer und befahren meisten zwei oder gleich drei Spuren gleichzeitig, sodass man hin und wieder auf den Seitenstreifen oder gar den Gehweg ausweichen muss. Auch hier ist also Vorsicht geboten.

Ansonsten darf man sich auf ein traumhaftes Erlebnis gefasst machen.

Nach Vung Tau, einer kleinen Fischerstadt in der viele vietnamesische Geschäftsleute Urlaub machen, wartet Mui Ne. Dieses süße Dorf beinhaltet nicht nur eine aufregende Barszene, sondern auch einige Highlights wie die über Jahrtausenden alten roten und weißen Sanddünen, die durch die starken Meereswinde entstanden. Klasse anzusehen!

Nächster halt ist Dalat, eine Kleinstadt in einem wenig besiedelten Berggebiet im Süden des Landes. Dalat ist eines der absoluten Highlights auf diesem Trip. Alleine der Fahrtweg dorthin ist einfach nur unglaublich. Es geht rauf und runter, links und rechts, vorbei an Seen und Flüssen, durch wunderschöne Waldpassagen bis hin zu riesigen Wasserfällen. Ein einziger Traum für Naturliebhaber! Einige Aussichten kann man ohne Probleme für die nächsten eignen Postkarten verwenden.

Auch die Kleinstadt selbst hat viel zu bieten. Neben spannenden lokalen Märkten kann man sich unter anderem einen traumhaft aufbereiteten Park und den aufwendig angelegten See anschauen. Auch die malerischen Kaffeeplantagen in der nähren Umgebung sind nicht außer Acht zu lassen.

Von Dalat aus geht es wieder zurück zur Küste bis nach Qui Nhon. Auf dem Weg sollte man so viel entlang der Küste fahren wie irgend möglich. Es ist einer der besten Küstenabschnitte, die ich bis dato auf allen meinen Reisen gesehen habe. Vor allem bei Sonnenaufgang kommt man sich vor wie im Film. Ein goldglitzernder Horizont, der sich über die gesamte Weite des Südchinesischen Meeres erstreckt. Wenn man es nicht selbst gesehen hat, kann man sich dieses einmalige Ereignis kaum vorstellen…

Tipp: Ein kleiner Abstecher nach Jungle Beach ist dringend zu empfehlen, wenn man einmal  Robinson-Crusoe-Feeling auf südostasiatische Art erleben möchte.

Teil 2

Der zweite Teil beginnt mit einer Fahrt landeinwärts. Von Qui Nhon geht es nach Pleiku, Kontum und vor dort aus wieder zurück zur Küste. Dieser Abschnitt ist durch Landwirtschaft, Forstwirtschaft, eindrucksvolle Berglandschaften, uralte Tempel, diverse ethnische Kleingruppierungen, dramatische Dschungelgebiete, Regen, Feuchtigkeit und viel Nebel geprägt. Es kann zwischendurch, aufgrund der etwas unangenehmen Witterungsverhältnisse, leicht anstrengend werden, aber ich garantiere, dass dies ein Abschnitt ist, den man in seinem Leben nicht mehr vergisst.

„Nature at its best“ ist die wahrscheinlich beste Beschreibung für diesen Teil Vietnams. Es gibt wenig besiedelte Ortschaften und eine eher mäßige Infrastruktur, aber genau das ist es, was diesen Abschnitt der Strecke so einprägsam macht. Die wenigstens Reisenden fahren durch diese spannende Region. Man bekommt einen extrem guten Einblick in das wirkliche Vietnam. Aufgrund eines heftigen Regensturms habe ich, auf meiner Durchreise in einem winzigen Dorf, mit einer über 90-jährigen Dame gesprochen, die in einer kleinen Wellblechhütte lebte.

Nach einer Pfeife mit köstlichem örtlichen Tabak und einem 30-minütigen Gespräch über Gott und die Welt sowie die Lebensweise vor Ort habe ich einige wertvolle Erkenntnisse für mich und mein persönliches Leben gewinnen können. Unglaublich aber wahr.

Deswegen rate ich jedem, der eine Motorrad Tour durch Vietnam macht, soviel wie möglich mit den Locals zu sprechen. Es erweitert den eigenen Horizont ungemein im Hinblick auf Dankbarkeit und Wertschätzung für das eigene Leben.

Auf einigen Teilen dieses Streckenabschnittes wird einem das zweite Mal richtig bewusst, wie schön Vietnam wirklich ist. Der Blick von den Bergregionen hinab auf die grünen Täler ist sagenhaft. Hinzu kommt, dass die Fahrt an sich ungeheuer Spaß macht, da es kaum Verkehr gibt und man sich vorkommt wie in einer spektakulären Filmkulisse.

Der Rest des zweiten Teils führt entlang der Ostküste durch große Metropolen wie Da Nang, aber auch seltene kleine Dörfer wie Hoi An, von den einige Teile sogar von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt sind.

Ein weiteres Highlight ist der Phong Nha Ke Bang National Park in der Nähe von Dong Hoi. Hier befinden diverse unterirdische Höhlensysteme überdimensionalen Ausmaßes. Unter anderem kann man die Song Doong Höhlen besuchen. Diese sind die derzeit größten bekanntesten Höhlen der Welt und ebenfalls ein UNESCO Weltkulturerbe. Ich habe mir vor Ort vergleichbare Höhlen angesehen und kann definitiv sagen, dass es eine der atemberaubendsten Erfahrungen war, die ich in meinem Leben bis jetzt gemacht habe. Ein Must-See!

Teil 3

Von Dong Hoi ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Hauptstadt Hanoi. Diese pulsierende Metropole hat viel zu bieten. Neben der unvergleichlichen Historie findet man hier das vietnamesische Großstadtleben par exellence. Viele kleine Gassen voller Leben, schillernde Viertel, chaotische Verkehrsverhältnisse und das beste Straßenessen in ganz Vietnam. Für diese Stadt sollte man sich auf jeden Fall zwei bis drei Tage Zeit lassen, um sie im vollem Umfang zu erkunden.

Neben Hanoi hält der dritte Teil der Vietnam-Motorradreise noch zwei weitere absolute Highlights bereit. Nummer eins ist Halong Bay, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ganz Südostasiens. Jeder kennt die Luftaufnahmen von tausenden und abertausenden riesigen Kalksteinbergen, die vor der nordvietnamesischen Küste herausragen und sich fast über das gesamte Küstengebiet erstrecken. Genau dieses Traumgebilde von Mutter Natur ist Halong Bay. Etwas, dass man nicht verpassen darf…

Zuletzt ist eine Reise in den Nordosten Richtung Cao Bang oder in den Nordwesten nach Sapa sehr  empfehlenswert. Egal, welches Bild man auf dieser Welt von überdimensionalen vietnamesischen Reisterrassen findet, es stammt von einer der beiden Regionen. Ich bevorzuge den Nordosten, da diese Region kaum von Touristen besucht wird, die Bergregionen zu den schönsten und unberührtesten des Landes gehören und am Ende der Reise einer der spektakulärsten Wasserfälle Südostasiens wartet (Ban Gioc).

Egal, für welchen der beiden Teile und für welche Route man sich im Allgemeinen entscheidet, die Vietnam-Motorradtour wird so oder so ein unvergessliches Erlebnis. Versprochen!

Was man wissen muss

  1. Vietnamesische Straßen sind teils nicht gut ausgebaut. (ca. 15%). Hier sollte man vorsichtig fahren, um, im Gegensatz zu mir, einen Unfall zu vermeiden
  2. Man sollte immer einen Screenshot von der Route auf Google mit dabei haben, um die Einheimischen nach dem Weg zu fragen, falls es keinen Empfang gibt, was häufig der Fall ist
  3. Gesprochen wird hauptsächlich mit Händen und Füßen
  4. Immer dort essen, wo die Einheimischen essen. Es ist am günstigen, leckersten und gesündesten. So braucht man sich auch keine Sorgen um verdorbenes Essen machen
  5. Man sollte Nachtfahrten vermeiden
  6. Abgelegene Strecken sind die besten. Sofern man sich traut, sollte man diese also hauptsächlich befahren und nicht nur entlang der A1
  7. Das Motorrad wird definitiv kaputt gehen. Aber keine Sorge, die Vietnamesen sind überaus freundlich und helfen sofort. Selbst Zehnjährige wissen wie man eine Honda Win repariert
  8. Vorsicht vor Truckfahrern. Als Motorradfahrer hat man keine andere Wahl als auszuweichen
  9. Ein Ölwechsel sollte alle 400 km durchgeführt werden
  10. Unterkünfte sind günstig und in jedem noch so kleinem Dorf zu finden (6-12$)
  11. Ein Regencape & Regenplane zum abdecken des Gepäcks sind von großen Vorteil

Hier geht’s zum Blog des Autors: Volle on Tour

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Ein Gedanke zu „Mit dem Motorrad durch Vietnam

  1. Hallo,
    im Sommer möchte ich nach Vietnam fliegen und für ein Jahr durch Süd-Ost-Asien mit dem Motorrad reisen. Ich habe mich bereits im Internet umgesehen um nach Motorrädern für diese Reise zu suchen. Leider konnt eich kaum Motorräder mit mehr als 20PS finden. Gibt es da bestimmte Internetseiten, auf denen Viatnamesen ihre Fahrzeuge anbiten?
    LG Henri Kretschmer

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