zurück



Miltenberg: Mittelalterflair auf Schritt und Tritt

Gerne als „Perle am Main“ gepriesen, hat sich die Stadt Miltenberg in den vergangenen zehn, 15 Jahren zu einem richtiggehenden Tourismus-Hotspot entwickelt. Der gesamte Landkreis profitierte davon. Bis Corona kam.

Das Schnatterloch ist ein Glanzstück romantischer historischer Stadtkulisse. – Foto: Dieter Warnick

Das Schnatterloch ist ein Glanzstück romantischer historischer Stadtkulisse. – Foto: Dieter Warnick

Konnten im Jahr 2019 noch gut 305 000 Übernachtungen verzeichnet werden, sanken diese in der Folge auf unter 200 000. Gästeankünfte wurden nur noch gut 86 000 registriert. Das lag daran, dass die Übernachtungsbetriebe nur sieben Monate geöffnet haben durften. Und durch die monatelangen Beeinträchtigungen im Geschäfts- und Restaurantbereich litt natürlich auch der Tagestourismus.

Corona: Der Tourismus leidet noch immer

Miltenberg wird gern auch als „Perle am Main“ bezeichnet. Hier ein Blick auf die St. Jakobus-Kirche und die Mildenburg. – Foto: Dieter Warnick

Miltenberg wird gern auch als „Perle am Main“ bezeichnet. Hier ein Blick auf die St. Jakobus-Kirche und die Mildenburg. – Foto: Dieter Warnick

Viele Mitarbeiter in den gastronomischen Betrieben (vor allem Köche und Bedienungen) gaben Fersengeld – der Tourismus leidet nach wie vor darunter. Oft haben Gaststätten und/oder Kneipen mehr als einen Ruhetag, werden Wirtschaften erst gegen 17 Uhr geöffnet oder schließen zur Abendessenszeit.

Die Miltenberger werden als „Staffelbrunser“ bezeichnet. Darauf aufmerksam gemacht wird mit dem „Staffelbrunserbrunnen“. – Foto: Dieter Warnick

Die Miltenberger werden als „Staffelbrunser“ bezeichnet. Darauf aufmerksam gemacht wird mit dem „Staffelbrunserbrunnen“. – Foto: Dieter Warnick

Nun hoffen die Tourismus-Verantwortlichen für die nahe und ferne Zukunft auf einen gehörigen Aufschwung und darauf, dass auch das Geschäft mit den Gästen der Fluss-Kreuzfahrtschiffe, die am Mainufer anlegen, wieder in Gang kommt. Denn die Stadt mit ihren vielen Blickfängen und der Landkreis mit seinen zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten bieten genügend Abwechslung – in jeder Hinsicht. Radfahren entlang des Mains oder ausgedehnte Wanderungen an der Nahtstelle zwischen Odenwald und Spessart laden geradezu dazu ein, in Miltenberg und Umgebung Station zu machen. Dass es hier hervorragende Weiß- und Rotweine gibt, ist selbstredend – wie auch die Tradition der Häckerwirtschaften.

Miltenberg ist zirka eine Autostunde von Würzburg und eine halbe Stunde von Aschaffenburg entfernt und liegt malerisch eingebettet zwischen Spessart und Odenwald. Mit dem Markt Bürgstadt in unmittelbarer Nähe zählt die Stadt seit 2018 zu den 100 Genussorten Bayerns. Und zusammen mit Kleinheubach vermarkten sich die drei Orte als die „Drei am Main“.

Prachtvolle Fachwerkbauten

Ein Wegweiser „Im Aufbruch“ ist die „Jakobswegsäule“; von hier aus sind es 2577 Kilometer nach Santiago de Compostela. – Foto: Dieter Warnick

Ein Wegweiser „Im Aufbruch“ ist die „Jakobswegsäule“; von hier aus sind es 2577 Kilometer nach Santiago de Compostela. – Foto: Dieter Warnick

Wenn man durch die Innenstadt flaniert, fühlt man sich unweigerlich ins Mittelalter zurückversetzt. Prachtvolle, teils denkmalgeschützte Fachwerkbauten wohin man schaut, Jahrhunderte altes Kopfsteinpflaster, romantische Gassen und versteckte Winkel – jeden Tag entdeckt man das Alte neu.

Nähert man sich fußläufig auf der Hauptstraße dem Zentrum von Westen her, dann kommt man durch das Schwertfeger Tor in den ältesten Teil der Stadt, das Schwarzviertel. Das Tor ist ein 1379 erstmals erwähnter spätmittelalterlicher Torturm und war zu dieser Zeit der äußerste westliche Begrenzungspunkt der Stadt. Das Quartier ist der älteste Teil Miltenbergs.

Viel Schatten, kaum Licht

Das Schwarzviertel ist der älteste Teil der Stadt mit vielen schönen Fachwerkhäusern und versteckten Sehenswürdigkeiten. – Foto: Dieter Warnick

Das Schwarzviertel ist der älteste Teil der Stadt mit vielen schönen Fachwerkhäusern und versteckten Sehenswürdigkeiten. – Foto: Dieter Warnick

Vor allem im Winter kann die Sonne ihre Strahlen kaum bis an den Boden bringen, so eng sind die Gassenschluchten zwischen den stattlichen Gebäuden (und versteckten Sehenswürdigkeiten) ehemaliger prominenter Familien; die Häuserzeilen kleben geradezu aneinander. Der Greinberg, ein Ringwall, der unmittelbar hinter den Gemäuern ansteigt, wirft seine Schatten über das Schwarzviertel unterhalb der Mildenburg – daher der Name der Stadt. Umgekehrt sind Bewohner und Touristen froh, an heißen Sommertagen, wenn die Sonne unbarmherzig vom Firmament brennt, solch ein kühles Domizil zu haben.

Im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden, die von der Sonne verwöhnt werden, spielen die meist schattigen Hänge rund um Miltenberg für den Weinanbau so gut wie keine Rolle – es gibt lediglich fünf Hektar an Weinanbaufläche.

Toller Blick von der Mildenburg aus

Von der Mildenburg aus geht es, wer den direkten Weg nimmt, relativ steil hinab in die Altstadt. – Foto: Dieter Warnick

Von der Mildenburg aus geht es, wer den direkten Weg nimmt, relativ steil hinab in die Altstadt. – Foto: Dieter Warnick

Unverzichtbar ist, ehe man sich gänzlich vom Schwarzviertel inspirieren lässt, ein Besuch der Mildenburg und der St. Jakobus-Kirche. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg (wird heute als Museum genutzt) reicht zurück ins Jahr 1226; sie diente als Verwaltungssitz des Amtmanns. Zu ihren Füßen entstand dann die Siedlung Miltenberg, die 1237 erstmals urkundlich erwähnt wurde, und relativ schnell wuchs. Auch deshalb, weil sie an einer wichtigen Handelsstraße, nämlich der von Nürnberg nach Frankfurt, lag.

Ein Ausflug mit einem der Ausflugsschiffe ist in jedem Fall lohnenswert. – Foto: Dieter Warnick

Ein Ausflug mit einem der Ausflugsschiffe ist in jedem Fall lohnenswert. – Foto: Dieter Warnick

Im 14. und 15. Jahrhundert hätte der Ort wirtschaftlich (bedeutender Handelsplatz für den Weinhandel) nicht besser dastehen können. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Festung eine wechselvolle Geschichte; auch die Besitzer wechselten des Öfteren. Seit 1979 ist sie Eigentum der Stadt. Von dort oben hat der Besucher einen prachtvollen Blick auf den historischen Ortskern und den Main, der in Miltenberg einen ausladenden Knick macht – die 9500-Einwohner-Stadt liegt linksmainisch am Knie des Mainvierecks.

Die St. Jakobus-Kirche entstand, als Miltenberg die Stadtrechte erhielt, also im 13. Jahrhundert. Oft umgebaut und erweitert, erfolgte die äußere Neugestaltung erst im 19. Jahrhundert. Besonders sehenswert: eine Dreikönigsgruppe (um 1400) im nördlichen Seitenschiff und die beiden Barockfiguren der Heiligen St. Nepomuk und St. Jakob im südlichen Seitenschiff .

Schnatterloch und Marktbrunnen

Die St. Jakobus-Kirche besteht seit der Frühzeit Miltenbergs, wurde aber oft umgebaut und erweitert. – Foto: Dieter Warnick

Die St. Jakobus-Kirche besteht seit der Frühzeit Miltenbergs, wurde aber oft umgebaut und erweitert. – Foto: Dieter Warnick

Nach vielleicht 300 Metern wird die Hauptstraße gen Osten ein wenig breiter und gibt die Fußgängerzone mit dem Marktplatz, das Herzstück der Stadt, sowie den Marktbrunnen (1583 von Michael Junker geschaffen) mit dem Schnatterloch, preis. Dieses, mehrere prächtige Fachwerkhäuser umfassende Ensemble, ist angeblich eines der meistfotografierten Ansichten der Bundesrepublik – auf jeden Fall ist es ein Glanzstück historischer Stadtkulisse aus Stein und Holz. Sehenswert auch: das älteste Fachwerkhaus der Stadt, das um 1339 gebaut wurde. Fälschlicherweise wird an seiner Vorderseite das Baujahr 1333 angegeben. Und das Alte Rathaus aus heimischem Buntsandstein aus dem 14. Jahrhundert.

Das älteste Gasthaus Deutschlands

Nicht mehr lang, dann zieht schon wieder der Herbst ins Land. – Foto: Dieter Warnick

Nicht mehr lang, dann zieht schon wieder der Herbst ins Land. – Foto: Dieter Warnick

Der nächste Abschnitt der Altstadt führt weiter Richtung Würzburger Tor, das als äußere Stadtbegrenzung für die östliche Vorstadt diente. Dann taucht das Gasthaus „Zum Riesen“ auf – ein stattlicher Bau. Es wurde 1411 erstmals urkundlich erwähnt, und hat seit 1590 sein Aussehen kaum verändert. Der „Riese“ ist das älteste Gasthaus Deutschlands und fester Bestandteil der Stadtgeschichte. In der ehemaligen Fürstenherberge nächtigten unter anderen Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), Kaiser Karl IV, Martin Luther, Albrecht Dürer und Evis Presley. Der Engelplatz mit dem neuen Rathaus ist großzügig gestaltet. Seinen Namen hat die Örtlichkeit vom Hotel „Zum Engel“, das sich im Gebäude des jetzigen Rathauses befand.

Hexenwahn und Judenverfolgung

Das Würzburger Tor war die äußerste Stadtbegrenzung für die östliche Vorstadt. – Foto: Dieter Warnick

Das Würzburger Tor war die äußerste Stadtbegrenzung für die östliche Vorstadt. – Foto: Dieter Warnick

Vielerorts erinnern Stolpersteine, der jüdische Friedhof, eine Synagoge und eine Mikwe (jüdisches Bad) an das Schicksal von Miltenberger Juden. Aufzeichnungen über deren Leben gibt es seit Mitte des 13. Jahrhunderts. 1933 lebten 99 jüdische Personen in der Stadt. Durch die Nationalsozialisten wurde die jüdische Bevölkerung in den Folgejahren zunehmend Repressalien ausgesetzt, was dazu führte, dass ihre Zahl durch Aus- und Abwanderung schnell zurückging. 1938 wurden nur noch 50 jüdische Einwohner gezählt, Anfang 1942 lediglich noch elf Personen. Im April und September desselben Jahres wurden die letzten jüdischen Miltenberger deportiert.

Üppig gebaute Damen blicken aus den Fenstern des ersten Stocks von „Guntrams Malerarche“ auf die Hauptstraße. – Foto: Dieter Warnick

Üppig gebaute Damen blicken aus den Fenstern des ersten Stocks von „Guntrams Malerarche“ auf die Hauptstraße. – Foto: Dieter Warnick

Im 16. und 17. Jahrhundert war das südwestliche Mainviereck, also die Gegend um Miltenberg, ein Zentrum der Hexenverfolgung. 453 Personen gerieten in den Verdacht der Hexerei, wurden gefangen und verhört, 200 ermordet. Diesen Menschen wurden die häufigen Ernteausfälle bei Wein und Getreide zur Last gelegt, auch für die Gesundheit von Mensch und Vieh wurden sie verantwortlich gemacht Ganz zu schweigen vom wirtschaftlichen Neid.

Das Gasthaus „Zum Riesen“. – Foto: Dieter Warnick

Das Gasthaus „Zum Riesen“. – Foto: Dieter Warnick

 Informationen

 * Churfranken e.V., Mainstraße 83, 63897 Miltenberg, Tel.: (09371) 6 60 69 76; Internet: www.churfranken.de, E-Mail: info@churfranken.de

 * Fremdenverkehrsamt Miltenberg, Engelplatz 69, 63897 Miltenberg, Tel.: (09371) 40 41 19; Internet: www.miltenberg.info; E-Mail: tourismus@miltenberg.de

Über den Dächern von Miltenberg. – Foto: Dieter Warnick

Über den Dächern von Miltenberg. – Foto: Dieter Warnick

Gastro-Tipps

 * Landhotel Adler: Hauptstraße 30, 63927 Bürgstadt, Tel.: (09371) 97 88 0; E-Mail: info@adler-landhotel.de; Internet: www.adler-landhotel.de

* Hotel-Weinhaus Stern: Hauptstraße 23/25, 63927 Bürgstadt, Tel.: (09371) 40 35 0; E-Mail: info@hotel-weinhaus-stern.de; Internet: www.hotel-weinhaus-stern.de

* Churfrankenvinothek: Hauptstrasse 2, 63927 Bürgstadt, Tel.: (09371) 94 88 679; E-Mail: info@churfrankenvinothek.de; Internet: www.churfrankenvinothek.de

* Gasthaus zur Krone: Miltenberger Straße 1, 63920 Großheubach, Tel.: (09371) 2663; E-Mail: lecker@gasthauskrone.de; Internet: www.gasthauskrone.de

Der Alte Jüdische Friedhof befindet sich an der südöstlichen Stadtmauer des Ortes. – Foto: Dieter Warnick

Der Alte Jüdische Friedhof befindet sich an der südöstlichen Stadtmauer des Ortes. – Foto: Dieter Warnick

Raushier-Reisemagazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.