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Wie im Urlaub

Australische Gelassenheit: Wir Neu-Sydneysider nehmen bisher alles, was hier umständlicher, unbequemer oder zeitraubender als zu Hause ist, recht klaglos hin. Die australische Metropole ist einfach zu schön und spannend, um sich über irgendetwas aufzuregen. Locker bleiben, so lautet die Devise in Down Under.

Oper und Harbour Bridge.

Oper und Harbour Bridge.

Die ersten Tage in Australien waren wie Urlaub. Keine Spur von Alltagsstress, und frühes Aufstehen war nur nötig, um möglichst viel von der neuen Umgebung kennen zu lernen. Sogar dem an einen Campingausflug erinnernden Speiseplan der ersten Abende und der Tatsache, dass für einen größeren Einkauf und auch für alle anderen Aktivitäten eine nervtötende Busreise auf sich zu nehmen ist, war der Reiz des Neuen und Unbekannten abzugewinnen. Kurzum: Wir nehmen bisher alles, was hier umständlicher, unbequemer oder zeitraubender als zu Hause ist, recht klaglos hin.

Unsere beinahe schon australische Gelassenheit liegt wohl daran, dass uns unsere neue Kurzzeit-Heimat für alles Unangenehme angemessen entschädigt. Allein das weltberühmte Opernhaus mit seiner aufwendigen Dachkonstruktion und die den Hafen majestätisch überbrückende Harbour Bridge geben aus allen Perspektiven eine eindrucksvolle Kulisse ab. Bei Nacht mit einer Hafenfähre an beiden Bauwerken vorbei auf die beleuchtete Skyline des Central Business Districts zuzusteuern, gehörte bisher zu den Höhepunkten für uns Neu-Sydneysider.

Bondi Beach im australischen Winter.

Bondi Beach im australischen Winter.

Winterlicher Strandbesuch

Auch der im Osten von Sydney gelegene Vorort Bondi mit seinem beliebten Surferstrand Bondi Beach wertet jedes Sydney-Pflichtprogramm auf. In den Sommermonaten angeblich total überlaufen, hatte der Strand bei unserer Stippvisite im australischen Winter beinahe etwas von Einsamkeit. Nur einige hartgesottene Surfer warfen sich, während wir einen frisch gepressten Apfel-Birne-Himbeer-Blaubeer-Saft genossen, bei 15 Grad Celsius in Neoprenanzügen den Wellen entgegen. Darunter auch ein Junge, den wir zuvor noch in Schuluniform im Bus gesehen hatten. Kein schlechter Ersatz für einen deutschen Bolzplatz, so ein Surferstrand.

Mir kam, als wir die nackten Füße am Bondi Beach das erste Mal in den Süd-Pazifik hielten, der Gedanke, dass dies wohl der östlichste Punkt ist, an dem ich in meinem Leben je gewesen bin. Diese eigentlich banale Tatsache löste in mir ein etwas diffuses Gefühl von Freiheit aus. Als wir auf dem Weg über die Klippen zum Nachbarstrand Tamarama an einem Aussichtspunkt vorbeikamen und Kathrin auf halbem Weg zum Horizont die Fontäne eines der im Juni und Juli dort nach Norden vorbeiziehenden Wale entdeckte, verstärkte sich diese Empfindung sogar noch. Auch auf die Gefahr hin, dass es kitschig klingt, bei der Auswahl Australiens als Ziel für unseren Auslandsaufenthalt, hatte ich die Hoffnung, dass mich genau dieses Gefühl dann und wann ereilen würde.

Traumblick aus dem Taronga Zoo.

Traumblick aus dem Taronga Zoo.

Am nächsten Tag wurde es wieder etwas konkreter. Wir besuchten den Zoo auf der anderen Seite des Hafens und konnten endlich die ersten gesichteten Kängurus an die nach dieser Nachricht dürstenden Zuhausegebliebenen vermelden. Neben heimischen und auswärtigen Tieren aller Art, bot der Taronga Zoo aber auch eine weitere atemberaubende Aussicht auf Oper, Harbour Bridge und Skyline. Komisch, dass es für diese Kulisse gar nicht genug Perspektiven geben kann.

An die Arbeit

Doch es geht uns ja nicht nur um die touristischen Höhepunkte. Kathrins Sprachkurs hat bereits begonnen, und auch ich habe meinen viermonatigen „Dienst“ bei der deutschsprachigen „Die Woche“ schon angetreten. Auch hier überwiegt noch meine Neugier und so etwas wie ein Arbeitsalltag ist noch nicht aufgekommen. Die Redaktion besteht aus einigen Korrespondenten, eigentlich nur aus zwei festen Redakteuren – eine Kollegin weilt aber gerade in Deutschland – und einer wechselnden Anzahl an Praktikanten. Es wird viel improvisiert, die Ausstattung ist nicht durchgehend auf dem neuesten Stand und alles wirkt sympathisch-chaotisch.

Bisher haben wir nur an der australischen Oberfläche gekratzt. Mein Ziel ist es aber, auch tiefer einzudringen. Ich möchte eine andere Kultur kennen lernen, die australische Sicht auf die Welt zumindest im Ansatz verstehen, die Lebensweise am anderen Ende des Globus’ erfahren. Dass dies nicht wie im Urlaub geht, ist klar. Unsere Praktika, trotzdem viele Freizeitaktivitäten und ein so tief wie mögliches Eintauchen in den australischen Alltag sollen uns dabei helfen. Eine gewisse Routine, angespannte Nerven und Ärgernisse – höre ich den tropfenden Wasserhahn im Bad, während ich diese Zeilen schreibe, sehe ich zumindest dafür bereits ausreichend Potenzial – werden dabei nicht ausbleiben.

Wir werden sehen, was Down Under alles für uns bereithält. Spannend wird es bestimmt!

Fotos: Kathrin Schierl

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