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Tour auf dem Olympiadach: Mit Waldi hoch über dem heiligen Rasen

Eine geführte Tour über das gläserne Zeltdach des Münchener Olympiastadions ist ein besonderes Erlebnis, vor allem wenn sie mit einem derart dynamischen Abgang à la Flying Fox im Schwebeflug über den heiligen Rasen gekrönt wird.

Ausblick bis in die Alpen.

Ausblick bis in die Alpen.

Das Olympiastadion in München, diese gewagte Konstruktion, hat schon vieles gesehen: olympische Helden, Tore für die Ewigkeit, legendäre Popstars, den Papst, Rekorde im Laufen, Werfen oder Springen, ja sogar röhrende Motorsportboliden. Andersherum haben die Münchener – ebenso ihre Gäste aus aller Welt – das Stadion meist nur aus einer Perspektive gesehen: viele aus den gelbgrünen Sitzschalen heraus, manche, bei Konzerten etwa, auch vom heiligen Rasen aus. Aber von oben?

Diese Perspektive erlebt, wer sich auf eine geführte Tour über die legendäre Stadiondachkonstruktion aus Acrylglas begibt. Und wer besonders mutig ist, der kann sie per Schwebeflug an einem Stahlseil, Flying Fox genannt, beenden. Aber der Reihe nach.

Sicherheit geht vor

Zunächst dreht sich für die Olympiadach-Kletterer alles um die Sicherheit: Helm auf, Sicherheitsweste an, Karabiner aushaken, woanders wieder einhaken – als ginge es in eine steile Felswand. Als einer der Mitarbeiter des Bodenpersonals, Typ lässig-langhaariger Freestyle-Kletterer, alle Gurte strammzieht, entfleucht mit einem kurzen Stöhnen die Luft aus dem eigenen Brustkorb. Es geistern Gedankenfetzen durch den Kopf: „Wie war das: Flying Fox? Freier Fall? Was passiert hier gleich wieder? Muss man sich das antun?“

Per Flying Fox geht es über den heiligen Rasen.

Per Flying Fox geht es über den heiligen Rasen.

Müssen nicht, aber man sollte. „Ihr dürft Waldi nicht vergessen“, heißt es noch, dann geht es schon weiter. Vom Wohnwagen vor der Gegengerade, wo die Materialausgabe ist, zum Einstieg des Daches. Aber wer ist Waldi?

„Waldi“ ist ein Metallschlitten, den jeder Teilnehmer der Tour unterhalb des Handlaufs als Sicherung in ein Stahlseil einhängen und über das Dach ziehen muss. Beinahe als ginge er oder sie mit dem Hausdackel Gassi. Dann also hinauf, erst eine enge Hühnerleiter aus Metall, dann weiter auf dem schmalen Steg, zu Beginn mit fast 40 Grad Steigung. Die linke Hand am Geländer, die rechte führt Waldi.

Kletterzeug muss sein, dafür gibt es viele interessante Infos zum Olympiastadion.

Kletterzeug muss sein, dafür gibt es viele interessante Infos zum Olympiastadion.

Während der Tour erfährt man vieles über Konstruktion und Technik, 8300 Plexiglasplatten und 171 Kilometer Stahlseil, über Architekt Behnisch und vor allem über Konstrukteur Frei Otto, dessen Weltanschauung und seine Visionen. So sah das Landschaftskonzept „Olympische Spiele im Grünen“ vor, das Olympiagelände sollte die Landschaft des Alpenraums nachbilden. Und Otto gab diesen Alpen im Kleinformat mit seiner Dachkonstruktion die Gipfel.

„Ganz früher diente das Gelände der Königlich-Bayerischen Armee als Exerzierplatz, vor dem Zweiten Weltkrieg war hier ein Flugplatz“, erzählt einer der Tourbegleiter. Sie kennen viele interessante Details, doch je weiter es hinauf geht, desto weniger kommt an. Die Szenerie ist zu faszinierend. Im Süden blitzen hinter der Frauenkirche die Alpen, im Norden steht das neue Stadion, die Allianz-Arena, wie ein soeben gelandetes UFO. Der Blick schweift über die Millionenstadt. Und unten das legendäre Stadionrund, vor dem geistigen Auge alte Fernsehbilder der Olympiasiege von Ulrike Meyfahrt und Heide Rosendahl oder das 2:1 von Gerd Müller im WM-Finale 1974.

Das Adrenalin gerät in Wallung

Das Zeltdach besteht aus Acrylglas.

Das Zeltdach besteht aus Acrylglas.

Auf der Einbahnstraße ganz hinauf zu den Dachspitzen schwingt der Steg fast bedrohlich. Dass die Plexiglasplatten, sie sind beweglich gelagert, um Temperaturunterschiede auszugleichen, durchsichtig sind, regt erst jetzt das Adrenalin an. Ganz oben bläst der Wind ins Gesicht, als wolle er einem den Helm vom Kopf lupfen. Dann aber zurück zur Hauptrasse und ans andere Ende des Daches: es wartet ja noch ein spektakulärer Abgang.

Dort stürzen sich die Wagemutigen von einer kleinen Plattform an einem Stahlseil der Gegengerade entgegen – der Flying Fox.  Das Lachen wird leiser, je näher der eigene Absprung kommt. Dann ist es soweit: Routine beim Sicherheitspersonal, ein lockerer Spruch und los geht’s. Den Bruchteil einer Sekunde im freien Fall, dann greift das Seil. Im Schwebeflug über den heiligen Rasen, vielleicht 20 Sekunden, alle historischen Sportmomente sind jetzt aus dem Kopf verschwunden, einfach nur genießen. Dann packt ein starker Arm zu, zieht einen auf ein Podest und das Abenteuer ist beendet. Von hier sieht das Olympiastadion jetzt fast ungewohnt bekannt aus.

Informationen: Die Touren über das Zeltdach des Münchner Olympiastadions kosten inklusive Flying Fox für Erwachsene 71 Euro, für Kinder (Mindestalter zehn Jahre) 61 Euro. Online-Anmeldung im Internet unter www.touren-olympiapark.de. Es gibt auch Gutscheine. Kontakt: Olympiapark Besucherservice, Telefon 089 3067-2414/-2415, besucherservice@olympiapark.de, www.olympiapark.de.

Fotos: Olympiapark München GmbH

Raushier-Reisemagazin

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