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Gardasee: Genuss-Reise nach Malcésine

Gleich hinter den Trientiner Bergen lugt er hervor – der Lago di  Garda. Die ersten Dörfer tauchen  am Ufer auf. Das Surfer- und Seglerparadies Torbole und das schicke Riva schenken einen ersten bezaubernden Blick auf den grössten See Italiens. Die Sehnsucht nach mediterranem Lebensgefühl wächst mit jeder Minute.

Der Palazzo dei Capitani del Lago ist sitzt des Fremdenverkehrsamtes und Schauplatz des Fisch-Festivals.

Am nördlichen Ufer zeigt sich der See von seiner wilden Seite und doch voller Anmut. Schroffe Felswände treffen auf grazile Zypressen und tapfere Palmen trotzen dem heftigen „Ora“-Wind. Erste Olivenhaine glitzern im hellen Licht der südlichen Sonne. Zitronen blitzen gelb aus grünen Gärten und leuchten mit üppigem Orleander um die Wette. Angekommen in einer der schönsten Kulturlandschaften Europas fahren wir an der östlichen Gardesana dem historischen Städchen Malcésine entgegen.

Malcésine – auf Goethes Spuren

In Malcésine führt unser erster Weg direkt in die malerische Altstadt. Bevor wir aber im Labyrinth der mittelalterlichen Gässchen eintauchen, braucht es einen stilechten  „Aperitivo“ als Einstieg. Wir sind ja schließlich in Italien. Hier in der Region trinkt man allerorts Chiare – ein erfrischender Aperitif aus der lokalen Rebsorte Bardolino. Man nehme Chiaretto Bardolino Spumante, füge etwas Holundersirup dazu, gieße mit einem Schuss Sprudel auf, Eiswürfel und ein paar Blätter Pfefferminze dazu. Fertig ist der Gute Laune-Drink. Allein die zartrosa Farbe macht schon fröhlich. Nach zwei Chiare schweben wir durch die Gassen und träumen von einem Leben als Burgfräulein in der Skaligerburg.

Malcesine, Perle im Gardasee.

Das steil zum See abfallende imposante Castello  – vom Turm bietet sich ein bezaubender Blick auf den Gardasee – ist eng mit Malcesine und Goethes italienischer Reise verknüpft. 1786 erreichte der kulturbegeisterte Dichter das malerische Städtchen und wurde dort erst einmal verhaftet. Als er vom Castello Skizzen fertigte, landete er beinahe im Gefängnis, weil ihn Einheimische für einen Spion des österreichischen Kaisers hielten. Erst ausführliche Erklärungen überzeugten den „Podesta“ – den Ortsoberen – von Goethes Harmlosigkeit, und er durfte sich fortan unbehelligt in der Stadt aufhalten. Heute erinnert ein Goethezimmer in der Skaligerburg und eine Büste im Innenhof an diese zum Schmunzeln anregende Episode.

Ein echter Geheimtipp für Gardasee-Reisende

Weiter geht es mit unserem Spaziergang durch die verwinkelten Gäßchen der Altstadt. Wir lassen uns treiben,schlendern vorbei an schicken Läden, mittelalterlichen Häusern, Kirchen und alten Palästen zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt, dem Palazzo dei Capitani del Lago. Hier residierten die venezianischen Gouverneure des Ostufers während der langen Herrschaft Venedigs, von 1405 bis 1797.

Heute befindet sich dort – ganz praktisch – das örtliche Fremdenverkehrsbüro. Wer gerne einen Blick ins Innere des prächtigen Palazzo werfen möchte, wendet sich direkt an das „ufficio informationi“. Der Weg nach oben in den ersten Stock lohnt sich. Über schmale Stiegen gelangt in den großen Ratssaal, dessen Wände alle dekorativen Wappen ehemaliger Stattthalter zieren. Im Hinterhof öffnet sich der Palazzo zur Seeseite hinaus und ein kleiner, von Zinnen umrahmter Palmengarten lädt zum Träumen und Verweilen ein. Die kulinarischen Malcesiner nutzen diesen romantischen Innenhof gerne als Veranstaltungsort mehrtägiger Gourmetfestivals. Im Frühjahr ist dieser lauschige Platz deshalb auch fünf Tage lang Bestandteil des Fish & Chef Festivals. Eine geniale Erfindung und noch ein echter Geheimtipp für Gardasee Reisende.

Sterne-Köche zaubern beim „Fish and Chef Festival“

Zahlreiche Chefköche wetzen beim Genussfestival selber das Messer.

Vor drei Jahren von engagierten Einheimischen als kulinarisches Projekt ins Leben gerufen, ist die Idee so simpel wie perfekt. Einer der Mitbegründer, Michelin-Koch Leandro Luppi, Inhaber des Restaurants Vecchia Malcésine, erklärt uns den Hintergrund: „An vier Abenden haben wir Michelin-Köche aus verschiedenen Regionen Italiens zu Gast. Jeden Abend kocht jeweils ein anderer dieser Köche in ausgewählten Hotels mehrgängige Menues die etwa 50 Euro kosten. Dazu gibt es zu jedem Gang regionale Weine. Ihre Aufgabe besteht darin, traditionelle Gerichte neu zu interpretieren, unter Verwendung lokaler Produkte wie Gardasee-Fische, Olivenöl aus Malcésine, Fleisch der heimischen Garronese Rinder, dunkle Pasta Sorten aus Dinkel und Käse von den Almen des Monte Baldo.“

Die Almwiesen des Monte Baldo stehen nicht nur für schmackhaften Käse, sondern auch für ein echtes Naturparadies. Besonders Blumenliebhabern schlägt das Herz höher. Im Frühjahr blühen dort seltene Lilienarten, Primeln und 800 Orchiden – Arten. Von Malcésine aus ist der rund 2000 Meter hohe Hausberg der Gardesaner direkt mit einer Seibahn erreichbar.

Auffällig ist, dieses Gourmetfestival hat kaum touristischen Charakter. Die meisten Teilnehmer sind Einheimische aus Malcésine und Umgebung, die sich gehobene lokale Küche gönnen wollen. Das Publikum ist bunt gemischt. Da sitzt der Bürgermeister neben dem Fischer, diskutiert eifrig über Geschmacksnuancen und unterschiedliche Zubereitungsarten der Gerichte. Einig sind sich aber in einem Punkt alle: den Speisen und Köchen soll ganze Aufmerksamkeit und Respekt gezollt werden. Zumindest an diesem Abend ist Essen die wichtigste und schönste Nebensache der Welt. Wir sitzen am Tisch, lauschen andächtig den Gesprächen und fühlen uns für ein paar Stunden wie Einheimische.

Feiner Gaumenkitzel mit Fisch.

Auch für die Kunst bleibt noch Zeit

Wer lieber tagsüber auf Kulinariktour gehen möchte, kauft sich für 40 Euro ein Genuss-Couponheft. Touristen bekommen noch einen Stadtplan dazu und entdecken so auf diesem Wege genussvoll die Stadt. In ausgewählten Bars,Vinotheken und Restaurants probiert man hiesige Weine und Spezialitäten. Im Innenhof des Palazzo zischt und bruzzelt es aus großen Pfannen, mediterrane Aromen liegt in der Luft – es duftet nach Fisch, Polenta, Fleisch und würzigen Kräutern. Ein Schlaraffenland unter historischer Kulisse. Im Herbst findet das nächste Genussfestival dieser Art statt: Ciottolando – was soviel bedeutet wie „durch die Gassen schlendern.“

Nach all den Schlemmereien bleibt uns noch ein wenig Zeit für die Kunst. Und wir wandeln auf den Spuren des bekanntesten Vertreters des Wiener Jugendstils, Gustav Klimt.

Malcésine: historischer Künstlertreff

Schon vor der Jahrhundertwende war der Gardasee magischer Anziehungspunkt für so ziemlich alle, die in der Kunst Rang und Namen hatten. Kafka und Nietzsche gaben sich im mondänen Riva die Ehre, Ibsen hielt sich gern im nahen Limone auf und Gustav Klimt zog es ins „malerische“ Malcésine. Im September 1913 wohnte der Wiener Künstler in der Pension Villa Gruber und malte dort seine beiden berühmtesten Landschaftsbilder: „Veduta di Malcésine“ und La Chiesa di Cassone“

Erbaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die schmucke Villa damals Schauplatz des Lebensstils der Belle Epoque und existiert auch heute noch unter dem Namen Bellevue San Lorenzo. Wir statten der Villa einen Besuch ab und fragen Hoteldirektor Ruggero Togni ob er uns ein paar interessante Geschichten über den berühmten Gast erzählen kann. Er kann, und wir erfahren, dass Klimt angeblich ein scheuer Mensch war. Um völlig ungestört malen zu können stellte er seine Staffelei einfach auf den Balkon der Villa und malte den Hafen und das Ufer von Malcésine nur mit Hilfe eines Fernrohrs. Ein Kurator der Galerie Belvedere in Wien glaubt sogar zu erkennen, daß die Bilder im Zimmer 122 entstanden, da dieses genau die Klimt`sche Perspektive wiederspiegelt.

Bellevue San Lorenzo: Schon Maler Gustav Klimt ließ sich von diesem herrlichen Ausblick inspirieren.

Der künstlerische Kreis schließt sich jedenfalls wieder, denn auch heute dreht sich in der ehemaligen Villa Gruber vieles um die Kunst. Ruggero Togni ist begeisteter Kunstsammler und schuf in seinem 13.000 m² großen Park  – Parco del Bellvue – eine Skulpturensammlung wie sie am Gardasee einmalig ist. Bereits zum fünften Mal findet dort auch das Festival junger Konzertpianisten statt. Unter dem Motto: „Bellevue in Concerto“ werden an vier Abenden junge Talente vorgestellt die bereits Erfolge auf  nationalen und internationalen Bühnen und Klavierwettbewerben hatten.

Ein letzter atemberaubender Blick vom Balkon des berühmten Klimt – Zimmers  auf den Zypressen umrahmten, glitzernden See und wir würden am liebsten sofort eine Staffelei aufstellen und zu Malen beginnen.

Informationen:

Fremdenverkehrsamt der Stadt Malcésine
www.malcesinepiu.org

Monte Baldo Seilbahn
www.funiviedelbaldo.it

Genussfestivals:
www.ciottolando.com

Fotos: Mike Kreiten

Raushier-Reisemagazin

Ein Gedanke zu „Gardasee: Genuss-Reise nach Malcésine

  1. Wir wollen in diesem Sommer (Mitte Juli) in Malcesine – Cassone eine Woche mit der Familie (4 Personen) un-sere Ferien mit verbringen. Dazu benötige ich eine gute Straßenkarte von der Stadt sowie Unterkunftsmöglich-keiten etc. Für interessante Informationen wäre ich Ihnen sehr dankbar. Mit besten Grüßen, Martin Finke.

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