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Flitterkränze: Edler Kopfschmuck aus der Fränkischen Schweiz

Dagmar Rosenbauer vereint viele Adjektive auf sich: sie ist erfinderisch, fantasievoll, fleißig, gestalterisch, originell, produktiv, schöpferisch, traditionsbewusst. Und sie ist Geschäftsfrau. Eine allerdings viel zu bescheidene, weil sie sich den Lohn für ihre Arbeit nicht abholt, besser gesagt: nicht abholen kann. Weil sie dann einige von den Schmuckstücken, die sie produziert – und sie fertigt wahre Kostbarkeiten an – nicht verkaufen würde, weil sie viel zu teuer wären.

Etwas für Liebhaber

Dagmar Rosenbauer in ihrem Laden in Kunreuth. – Foto: Dieter Warnick

Dagmar Rosenbauer in ihrem Laden in Kunreuth. – Foto: Dieter Warnick

Des Rätsels Lösung: Dagmar Rosenbauer ist Kronenmacherin und stellt Flitterkränze her, ein besonders festlicher, ja edler Kopfschmuck, wie er nur in Franken, vornehmlich in der Fränkischen Schweiz, getragen wird. Und weil das Produzieren einer derart imposanten Trachtenkrone eine Menge Zeit beansprucht – die 55-Jährige spricht von 430 Arbeitsstunden – würde diese, beispielsweise bei einem Stundenlohn von 40 Euro (soviel verdient in etwa ein Heizungsbauer) stattliche 17 200 Euro kosten.

Mehr als 430 Arbeitsstunden benötigt Dagmar Rosenbauer, um einen Flitterkranz wie diesen herzustellen. – Foto: Dieter Warnick

Mehr als 430 Arbeitsstunden benötigt Dagmar Rosenbauer, um einen Flitterkranz wie diesen herzustellen. – Foto: Dieter Warnick

Das würde niemand zahlen. „Bei einem Stundenlohn von etwa vier Euro komme ich pro Kranz auf zirka 2500 Euro,“ verrät Rosenbauer, und da sind schon die Materialkosten mit eingeschlossen. „Nur echte Liebhaber legen in unserer Region noch mehr als 10 000 Euro hin.“

Und da Dagmar Rosenbauer ja auch clever ist, restauriert sie mehr, als dass sie neue Kränze herstellt. „Neuanfertigungen mache ich eher für Leute von außerhalb Frankens, wo die Kränze kleiner ausfallen und mit größeren Perlen versehen sind.“ Auch wer eine fachgerechte Beratung sucht, ist bei ihr in besten Händen.

Ein vollgepfropfter Laden

Allerlei passendes Zubehör ist notwendig, um einem traditionellen fränkischen Kopfschmuck sein unverkennbares Aussehen zu geben. – Foto: www.bayern.by / Tobias Gerber

Allerlei passendes Zubehör ist notwendig, um einem traditionellen fränkischen Kopfschmuck sein unverkennbares Aussehen zu geben. – Foto: www.bayern.by / Tobias Gerber

Dagmar Rosenbauer ist in der Fränkischen Schweiz zuhause, in Kunreuth im Landkreis Forchheim. Sie ist im Frankenland die einzige, die noch Flitterkränze herstellt. Andere Kronenmacher gibt es nicht mehr. Ihre kleine, beengte Werkstatt, die auch als Laden dient, ist vollgepfropft mit Trachtengewändern und bunten Stoffen, mit Kränzen und Kronen. Bänder, Bordüren und Borten stapeln sich in Regalen, Stickgarne und Knöpfe in Schachteln, Drähte und Pailletten in Kästchen; Schmuck und allerlei anderes Accessoire wie blinkende Plättchen, vorwiegend aus Messing, oder verschiedene Perlen und Glassteine, größere und kleinere, breiten sich auf dem Arbeitstisch aus.

Geduld und gute Augen sind Voraussetzung, um dieses Handwerk auszuüben. – Foto: www.bayern.by / Tobias Gerber

Geduld und gute Augen sind Voraussetzung, um dieses Handwerk auszuüben. – Foto: www.bayern.by / Tobias Gerber

Mit ihren geschickten Händen und einer Menge Geduld fertigt sie dann in vielen Stunden ihre ein Kilogramm schweren Flitterkränze.  Dabei dreht sie unter anderem zahlreiche (versilberte) Messingdrähte in Feder-Ösen in das „Kranzgerüst“ ein und verarbeitet zirka 4000 der gestanzten Plättchen. Nicht zu vergessen sind die Perlen und jede Menge Flitterzeug (daher auch der Name Flitterkranz), die eingefädelt und eingeknüpft werden müssen.

Der gebürtigen Nürnbergerin ist es zu verdanken, dass die traditionelle Tracht und vor allem der hochwertige Kopfschmuck, wie er in Franken getragen wird, nicht vergessen wird und dank ihrer Schaffenskraft heute noch immer begeistert.

Von Kindesbeinen an

Show-Kostüme werden individuell angepasst. – Foto: Dieter Warnick

Show-Kostüme werden individuell angepasst. – Foto: Dieter Warnick

Schon von Kindesbeinen an interessierte sich Dagmar Rosenbauer für Brauchtum und Tracht, nähte einfache Dirndl und bastelte erste Kränze. Als Autodidaktin brachte sie sich alles, was mit Trachtenmode zu tun hatte, selbst bei. Auch wenn in den Anfangsjahren nicht alles reibungslos verlief.

Mit 16 hatte sie die nötigen Kenntnisse so weit beisammen, dass es keine Frage mehr war, was sie in Zukunft machen wollte. Nach der Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau wurde aus dem Hobby ein Beruf, der sie immer noch wunschlos glücklich sein lässt. Seit 1979 fertigt und restauriert die 55-Jährige originalgetreue Flitterkränze nach historischen Vorlagen, und führt seit 25 Jahren ihren eigenen Laden für Trachtenzubehör.

Eine alte Tradition

Immer gut aufgelegt und kreativ: Dagmar Rosenbauer in ihrer Werkstatt. – Foto: www.bayern.by / Tobias Gerber

Immer gut aufgelegt und kreativ: Dagmar Rosenbauer in ihrer Werkstatt. – Foto: www.bayern.by / Tobias Gerber

Flitterkränze gibt es in der ländlichen Fränkischen Schweiz seit Ende des 18. Jahrhunderts. Sie schmückten die Häupter unverheirateter Mädchen bei festlichen Anlässen wie kirchlichen Feiertagen, auch bei Trachten- oder Erntedankumzügen. Die jungen Frauen zeigen auch heute noch durch das Tragen einer solchen Krone, dass sie unverheiratet sind, und ihre Familien durchaus gut situiert sind.

Ob Afro-, Indio-, Frevo-, Lambada-, Carmen-, Miranda- oder Folklore-Kostüme – im Samba-Laden von Dagmar Rosenbauer in Kunreuth gibt es (fast) nichts, das es nicht gibt. – Foto: Dieter Warnick

Ob Afro-, Indio-, Frevo-, Lambada-, Carmen-, Miranda- oder Folklore-Kostüme – im Samba-Laden von Dagmar Rosenbauer in Kunreuth gibt es (fast) nichts, das es nicht gibt. – Foto: Dieter Warnick

„Die Hochzeit ist der letzte Anlass, zu dem sie den Kranz tragen“, stellt Dagmar Rosenbauer klar. Nach einer Heirat bleiben die Schmuckstücke in der Familie, werden an jüngere Mädchen weitergegeben oder als Wertanlage aufgehoben.

Dass die 55-Jährige auch andere handwerkliche Talente hat, verdeutlicht sie, indem sie seit 15 Jahren Revue- und Samba-Kostüme anfertigt, sowie Perücken und Federschmuck. „Ich dachte mir, wenn ich Brautkronen machen kann, dann auch Showkostüme,“ erzählt sie.

Informationen: Dagmar Rosenbauer, Forchheimer Str. 5, 91358 Kunreuth, Tel.: (09199) 8952; Internet:www.trachtenmarkt.de; www. samba-design.de; www.brautkronen,de; E-Mail: info@trachtenmarkt.de

Raushier-Reisemagazin

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