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Das Nonstal: „Um die Ecke“ von Südtirol

Wer den Gampenpass von Lana aus oder die Passage über den Mendelpass von Eppan nimmt, landet in einer anderen Welt. Gleich „um die Ecke“ von Südtirol liegt ein Tal, das die meisten Südtirol-Reisenden nicht einmal dem Namen nach kennen.

Direkt am Felsen schlängeln sich zahlreiche Wege entlang. Schwindelfrei sollte man trotz Absperrzaun schon sein. – Foto: Birgit Weichmann

Direkt am Felsen schlängeln sich zahlreiche Wege entlang. Schwindelfrei sollte man trotz Absperrzaun schon sein. – Foto: Birgit Weichmann

Dabei ist das Nonstal – auf italienisch Val di Non – nur durch ein paar hohe Berge getrennt und über zwei Pässe von Südtirol erreichbar. Was die wenigsten wissen: Der nördliche Teil des Nonstals gehört sogar noch zu Südtirol.

Hinter dem 1300 Meter hohen Gampenpass liegt Deutschnonsberg mit den beiden Gemeinden Sankt Felix und Unsere Liebe Frau im Walde. Sie ducken sich südlich des Passes in einen kleinen Teil der Autonomen Provinz Bozen. Geografisch aber gehören sie schon zum Trentino.

Beeindruckende Schluchten

Von dieser Südtiroler Enklave aus zieht sich die breite Hochebene des Nonstals hinunter nach Süden. Sie liegt eingebettet zwischen den imposanten Bergketten der Brenta-Dolomiten im Westen und dem Mendelkamm, der das Hochtal zum Etschtal hin abschließt. Beeindruckende Schluchten, in denen tief unten das Wasser tost, und steile Klammen die Ebene durchziehen, bis sie sich nach Mezzolombardo und Mezzocorona absenkt. Orte, die jeder Südtirol-Reisende als Autobahnausfahrt kennt.

„Da wird doch italienisch gesprochen“, lautet die weit verbreitete Skepsis, die den meisten deutschen Reisenden den Mut nimmt, das Tal zu erkunden. Und genau diese Bedenken macht das Hochtal zu einem Urlaubs-Geheimtipp.

Es wird Deutsch gesprochen

Mit gelber Regenjacke und rotem Helm geht es hinein in den Parco Fluviale Novella oder den Canyon Rio Sass. – Foto: Birgit Weichmann

Mit gelber Regenjacke und rotem Helm geht es hinein in den Parco Fluviale Novella oder den Canyon Rio Sass. – Foto: Birgit Weichmann

Dabei sind sie völlig unbegründet: Hier spricht jeder Deutsch! Zwar nicht so fließend wie die Muttersprachler im benachbarten Südtirol, aber mit charmanter Grammatik und Aussprache. Außerdem werden einem in Lokalen ungefragt – ob man will oder nicht – sofort deutsche Speisekarten präsentiert. Und das hervorragend aufbereitete touristische Informationsmaterial ist selbstverständlich auch auf deutsch erhältlich.

Deren Eldorado für Mountainbiker ist der kleine Ort Coredo, der wie eine Spinne im Netz der Touren liegt. Wer als Mountainbiker hoch hinaus möchte, kann sich eine besondere Herausforderung gönnen: die „Dolomiti di Brenta Bike“: 171 Kilometer mit insgesamt 7700 Metern Höhenunterschied! Und wenn das eigene Rad nicht mehr ins Auto gepasst hat, müssen Urlauber im Nonstal nicht auf einen Drahtesel verzichten. An zahlreichen Tourist-Informationen, die mit „Tuttinbici in Val di Non“ gekennzeichnet sind, werden Tourenräder und Mountainbikes verliehen. Mit der Trentino-Card, einer vielseitigen Gästekarte, die zahlreiche Vermieter ihren Gästen schenken, wird es noch günstiger.

Ein eigenes Infoheft für die beiden Canyons

Eine Frühlingswiese wie aus dem Bilderbuch – und im Hintergrund die verschneiten Dolomiten. – Foto: Birgit Weichmann

Eine Frühlingswiese wie aus dem Bilderbuch – und im Hintergrund die verschneiten Dolomiten. – Foto: Birgit Weichmann

Ein  ganz besonderer Leckerbissen im Nonstal sind die beiden Canyons; genau das Richtige für diejenigen, die tief eintauchen wollen und einen gewissen Nervenkitzel lieben. Sie können den Parco Fluviale Novella oder den Canyon Rio Sass je zwei Stunden lang mit einem Führer erforschen. Bevor es in den Canyon des eigentlich unscheinbaren Flusses Sass geht, werden alle Schluchterkunder mit Regenjacke und Sturzhelm ausgestattet. Dann folgt die Gruppe dem Führer auf Gitterwegen, die an die senkrecht abfallenden Wände der Schlucht montiert sind. 600 Stufen geht es talabwärts und dann auch wieder zurück. Über einem erheben sich bis zu 90 Meter Felswand, 50 Meter unter den Füßen schießt tosend das Wasser hindurch. Nichts für Menschen mit Höhenangst. Aber für alle anderen ein unvergleichliches Erlebnis, das mitten im malerischen Dorf Fondo startet.

Castel Thun – ein imposantes Schloss

Castel Thun thront weithin sichtbar über dem südlichen Nonstal. – Foto: Birgit Weichmann

Castel Thun thront weithin sichtbar über dem südlichen Nonstal. – Foto: Birgit Weichmann

Die Trentino-Card öffnet die Türen zu vielen Sehenswürdigkeiten und erlaubt auch die Fahrt mit Bussen und Bahnen des Trentino, ohne eine Fahrkarte kaufen zu müssen. Auch für das große Tor zu Castel Thun, einem imposanten Schloss, dessen Anfänge bis ins Mittelalter reichen und das weithin sichtbar über dem südlichen Nonstal inmitten der allgegenwärtigen Apfelplantagen thront, wirkt die Trentino-Card als Sesam-Öffne-Dich. Ein Besuch im eleganten und beeindruckend ausgestatteten ehemaligen Sitz der Adelsfamilie Thun sollte zu einem Urlaub im Nonstal ebenso dazu gehören wie eine Wanderung zur Einsiedelei San Romedio.

131 Stufen bis zur Einsiedelei

Beim Museo Retico, dem Räthischen Museum in Sanzeno, kann man das Auto auf einem großen Parkplatz abstellen. Nach einem Abstecher ins Museum, das Einblicke in die Vergangenheit des Nonstals und in die Welt der Goten und Langobarden gewährt, folgt man dem Panoramaweg tief in die Schlucht. Weit über dem immer enger werdenden Tal zieht sich der Weg in schwindelnder Höhe gut abgesichert in den Fels gehauen entlang. Dann taucht plötzlich hoch über den Bäumen die Einsiedelei mit der Kirche auf einem Felssporn auf. In einem großen Gehege neben dem Gebäude lebt heute noch ein entfernter Verwandter des Bären, den San Romedio gezähmt hat, und auf dem er der Legende nach zum Bischof nach Trient geritten sei. 131 Stufen muss erklimmen, wer alle Kapellen der verwinkelten Einsiedelei entdecken will.

Bettenburgen Fehlanzeige, dafür kulinarische Genüsse

Ein Besuch im eleganten und beeindruckend ausgestatteten ehemaligen Sitz der Adelsfamilie Thun sollte zu jedem Nonstal-Urlaub dazu gehören. – Foto: Birgit Weichmann

Ein Besuch im eleganten und beeindruckend ausgestatteten ehemaligen Sitz der Adelsfamilie Thun sollte zu jedem Nonstal-Urlaub dazu gehören. – Foto: Birgit Weichmann

Das Nonstal ist erfrischend untouristisch, weil es unaufdringlich erschlossen wurde und noch seine Ursprünglichkeit erhalten konnte. Bettenburgen sucht man vergeblich. Ansonsten findet sich alles, vom Fünf-Sterne-Hotel bis zum Urlaub auf dem Bauernhof. Und gerade hier, bei den Agriturismo-Betrieben, lässt sich so manche Entdeckung machen. Der Maso San Bartolomeo mit seiner romanischen Bartholomeus-Kapelle beispielsweise lädt ein, in seinem komfortabel umgebauten, mehrstöckigen Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert zu moderaten Preisen gehoben zu wohnen. Schon den Römern hatte der heutige Bauernhof als bedeutender Stützpunkt gedient, danach wurde er Verwaltungssitz der Fürstbischöfe von Trient und schließlich Hospiz für Wanderer.

Noch ist das Nonstal für deutsche Urlauber ein Geheimtipp. Und Italiener, so denn die Corona-Krise ein Ende gefunden hat, finden nur von Mitte Juni bis Anfang September den Weg auf die Hochebene. Ein ideales Reiseziel also für Natur-, Kultur-, Berg- und Wanderfreunde, die gerne außerhalb touristischer Saisonen und abseits von Menschenmassen urlauben und dabei die Herausforderung am Berg genauso suchen wie erholsame Wanderungen durch blühende Almwiesen oder den Weg zu Kultur und vergangenen Zeiten.

Informationen: www.visitvaldinon.com; www.visittrentino.info; www.trentino.com; www.agriturmasosanbartolomeo.com

Raushier-Reisemagazin

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