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Großarltal: „Im Tal der Almen“ gibt es viel zu erleben

Ohne markige Sprüche geht in der Tourismusbranche nichts mehr. Da wird –  vielleicht sogar ohne einen adäquaten Vergleich vorgenommen zu haben – geworben mit dem Berg, der die längste Skiabfahrt und die steilste Downhillstrecke zu bieten hat; oder es wird philosophiert über ein spektakuläres Gebirge mit den schroffesten Zacken und Zinnen. Oder es wird auf eine Bergflanke aufmerksam gemacht, die den spektakulärsten Klettersteig ihr Eigen nennt. Oder eine Talschaft rühmt sich, das beste Radwegenetz von allen zu haben. Oder – wie am westlichsten Zipfel Portugals gesehen, wo die letzte Imbissbude vor Amerika zu einer allerletzten Stärkung einlädt. Und, und, und… Dem Feriengast wird es heutzutage also nicht gerade leicht gemacht, aus den Superlativen das Richtige für sich auszuwählen. Es geht aber auch anders. 

Nicht ganz so protzig. Eher weniger ist oftmals viel mehr. Die Tourismus-Verantwortlichen, die das Großarltal vermarkten, sind da etwas bescheidener und zurückhaltender in ihrer Art. Sie sprechen vom Großarler Tal nur „als eines der schönsten Alpentäler Österreichs“. Das ist nicht zu dick aufgetragen und sagt dennoch alles. Und lässt Spielraum nach oben. Der Urlauber soll sich selbst ein Bild davon machen, wie es ist. Und er wird im Großarltal nicht enttäuscht.

Der Charme österreichischer Gemütlichkeit

Großarl hat knapp 3800 Einwohner und eine große Holteldichte. - Foto: Dieter Warnick

Großarl hat knapp 3800 Einwohner und eine große Holteldichte. – Foto: Dieter Warnick

Einen Superlativ kann sich das Großarltal (920 Meter hoch gelegen) aber dennoch ans Revers heften. Es ist das „Tal der Almen“. Sage und schreibe 40 Almen und Almhütten versprühen den Charme österreichischer Gemütlichkeit. Zusammen mit dem Duft blühender Bergwiesen, der Reinheit glasklarer Bergseen und dem fantastischen Bergpanorama im Nationalpark Hohe Tauern ist dies ein Pfund, mit dem sich richtiggehend wuchern lässt.

Zünftig zu geht's auf der Heugarthalm. Hier musiziert schon mal die Sennerin. - Foto: Dieter Warnick

Zünftig zu geht’s auf der Heugarthalm. Hier musiziert schon mal die Sennerin. – Foto: Dieter Warnick

Im Großarltal mit dem Hauptort Großarl (knapp 3800 Einwohner) im Bezirk St. Johann im Pongau, herrschte, wie in den meisten Alpentälern auch, lange Zeit bittere Not. Die Menschen lebten vorwiegend von der Viehzucht – im Sommer waren die Tiere auf den Almen und es wurden auch Milchprodukte hergestellt -, und von der Holzwirtschaft. Heute ist Wohlstand eingekehrt, auch deshalb, weil viele Großarltaler der Versuchung widerstanden, nach den beiden Kriegen abzuwandern und ihr täglich Brot woanders zu verdienen. Diese Geduld wurde belohnt, denn mit der Erschließung der Straßen und der Motorisierung begann vor gut 50 Jahren der Tourismus. Denn eine andere Art von Abwanderung setzte ein – nämlich die von der Landwirtschaft hin zur Betreuung von Urlaubsgästen. Der wirtschaftliche Aufschwung nahm Jahr für Jahr zu. Mit der Gründung der Großarler Bergbahnen im Jahr 1967 war das Tal endgültig für die Touristen erschlossen. Heute ist das Wintersportgebiet rund um die Skischaukel Großarltal-Dorfgastein eine überaus lukrative Einnahmequelle.

20 Vier-Sterne-Hotels

Die barocke Pfarrkirche thront hoch über dem Ort. - Foto: Dieter Warnick

Die barocke Pfarrkirche thront hoch über dem Ort. – Foto: Dieter Warnick

Großarl liegt etwa 70 Kilometer südlich von Salzburg und ist ein sauberer und äußerst gepflegter Ort. Es fehlt (fast) an nichts. Da lädt das großzügige Sport- und Freizeitzentrum mit Freibad zum Verweilen ein, da animiert die schmucke Anlage für Stockschützen zum sportlichen Zeitvertreib und da regt ein lauschiger Musikpavillon die Freunde der Muse an – es ist für (fast) alles gesorgt. Was der gemeine Tourist allerdings vermisst, ist das eine oder andere Dortwirtshaus mehr. Es gibt nämlich nur noch ein einziges. Das ist schade, aber nicht zu ändern. „Mehrere reine Gasthöfe tragen sich nicht“, sagt uns ein Hotelier, „und hat sofort die Antwort, warum das so ist, parat. „Wir haben hier in Großarl 20 Vier-Sterne-Hotels, Drei-Sterne-Häuser nicht mitgerechnet. Die Gäste werden natürlich alle dort verpflegt.“ Insgesamt verfügt Großarl über 4600 Gästebetten.

Hüttschlag ist ein Bergsteigerdorf und somit Ausgangspunkt für herrliche Wanderungen und Bergtouren. - Foto: www.großarltal.info

Hüttschlag ist ein Bergsteigerdorf und somit Ausgangspunkt für herrliche Wanderungen und Bergtouren. – Foto: www.großarltal.info

Zurück zur Almwirtschaft: Der Reichtum an den zahlreich bewirtschafteten Almen und Hütten hat dem Großarltal – wie gesagt – den Beinamen „Das Tal der Almen“ eingebracht. Vom Frühsommer bis in den  Herbst hinein weiden dort die heimischen Tierrassen wie das Pinzgauer Rind, und auch das Bergschaf ist hier noch anzutreffen.

Blütenpracht für alle Sinne. - Foto: Dieter Warnick

Blütenpracht für alle Sinne. – Foto: Dieter Warnick

Jede Alm ist einen Besuch wert, jede hat einen eigenen Charakter. Wer es gemütlich will, der begnügt sich mit einer kurzen Wanderung, wer es dagegen sportlich  angehen will, der startet von weiter unten im Tal und begibt sich dann nach oben. Am höchsten gelegen ist die Gamskarkogelhütte auf 2467 Metern. Sie steht direkt am Gipfel des Gamskarkogels und ist eine der ältesten Schutzhütten im gesamten Alpenraum. Der Gamskarkogel ist der höchste Grasberg Europas und lockt mit tollem Ausblick auf die umliegenden Gipfel der Hohen Tauern.

Wenn die Sennerin ein paar Lieder schmettert

Eine Pferdefamilie lässt es sich gut gehen. - Foto: Dieter Warnick

Eine Pferdefamilie lässt es sich gut gehen. – Foto: Dieter Warnick

Direkt von Großarl „angesteuert“ werden kann die Heugathalm (1235 Meter); sie ist für jedes Alter leicht zu errichen. Die neue Sennerei ist der ganze Stolz der Wirtsfamilie, die ihren Gästen die hofeigenen Produkte auftischt. Die Alm ist besonders bei Familien beliebt, denn ein kleiner Kinderspielpaltz und einige Kleintiere kommen bei den Jüngsten natürlich gut an. Und wenn die Sennerin gut gelaunt ist, dann schmettert sie schon einmal die eine oder andere Volksweise.

Die höchste Erhebung im Großarltal ist der Keeskogel (2886 Meter). Mit seinen rund 1800 Metern Höhenunterschied vom Talboden bis zum Gipfel ist eine sehr gute Kondition und Trittsicherheit gefragt. Ohne Bergführer sollte die Tour auf keinen Fall in Angriff genommen werden. Nicht ganz so weit nach oben geht es auf den Frauenkogel (2424), der prachtvoll und majestätisch über Großarl wacht. Der Draugstein (2359) wirkt besonders markant, da der Berg einer von drei Kalkstöcken im Tal ist.

Auch idyllische Bergseen locken

Die „Alte Wacht“ ist die älteste noch erhaltene Straßenmautstelle im Salzburger Land. Seit 2001 wird das Gebäude als Außenstelle des Hüttschlager Talmuseums genutzt. - Foto: www.großarltal.info

Die „Alte Wacht“ ist die älteste noch erhaltene Straßenmautstelle im Salzburger Land. Seit 2001 wird das Gebäude als Außenstelle des Hüttschlager Talmuseums genutzt. – Foto: www.großarltal.info

Es gibt aber nicht nur herrliche Almen und Gipfel zu entdecken, sondern auch idyllische Bergseen, wie zum Beispiel der Spiegelsee-Speicherteich oder die Trögseen. Und wer am liebsten Klettersteige und Kletterrouten bevorzugt, der ist in Großarl und Umgebung ebenso richtig wie Mountainbiker (es gibt 15 Touren mit einer Gesamtlänge von 120 Kilometern) oder „ganz normale“ Pedalritter. Auch Nordic-Walker sind gern gesehen. Der Tourismusverband Großarl bietet ferner Erlebniswanderungen oder Kräuterwanderungen an.

Ein reizvoller Tagesausflug ist auch der Kapellen-Wanderweg. Ausgangspunkt für die 17 Kilometer ist die Pfarrkirche von Großarl. Der Weg führt meist abseits der Straße auf Steigen und Spazierwegen Richtung Hüttschlag (1020 Meter/950 Einwohner). Bei jeder der elf Kapellen entlang des Weges wird eines der zehn Gebote thematisiert. Der Weg kann natürlich auch von Hüttschlag aus unternommen werden. Alle Kapellen sind im Übrigen in Privatbesitz.

Hüttschlag muss man gesehen haben

Der Draugstein wacht majestätisch über das hintere Ellmautal. - Foto: www.großarltal.info

Der Draugstein wacht majestätisch über das hintere Ellmautal. – Foto: www.großarltal.info

Apropos Hüttschlag: Ein Besuch in diesem Bergsteigerdorf im Talschluss, nur acht Kilometer von Großarl entfernt, ist Pflicht. Ein Drittel des Gemeindegebietes gehört sein 1991 zum Nationalpark Hohe Tauern, dem mit 1834 km² größten Nationalpark Mitteleuropas. Die kleine Ortschaft, die sich offiziell „Nationalparkgemeinde“ nennen darf, wird umrahmt von den Gipfeln der Ankogelgruppe und der Radstädter Tauern und ist der perfekte Ausgangspunkt für ausgiebige Wanderungen und Kletterpartien. Der Talschluss gehört zu den ursprünglichsten Bereichen des gesamten Nationalparks Hohe Tauern. Einzigartig sind ferner die Vielfalt an Pflanzen und der Reichtum an Wildtieren.

Informationen: Tourismusverband Großarltal, A-5611 Großarl 1, Tel.: (0043 6414 ) 281; E-Mail: info@grossarltal.info; www.grossarltal.info

Weitere wichtige Internetadressen: www.hüttschlag.net; www.nationalpark.at; www.almsommer.com

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Ein Gedanke zu „Großarltal: „Im Tal der Almen“ gibt es viel zu erleben

  1. Mit fehlenden Arbeitsplätzen entfliehen Menschen immer ihren angestammten Gebieten. Das war früher so, das ist heute so. Meine Frau will sich für eine Tour für geführtes Wandern anmelden, sie recherchiert für einen Kurzfilm und meinte, dass ein Einheimischer eine wunderbare Anlaufstelle sei, um genau diese Kleinigkeiten zu erfahren.

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