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Irland: Grüne Insel mit Ginster, Guinness und atemberaubenden Wanderwegen

Wenn man nach Westirland kommt , wo die Farbmacht der grün-gelben Ginsterflächen einem die Sinne überwältigen, und wenn man dann an einer der menschenleeren Buchten steht – dann kann man den Eindruck haben, es habe sich hier seit ewigen Zeiten kaum etwas verändert… Die irische Westküste mit ihrer wilden Schönheit und all ihren Texturen und Farben, dort wo die Leute noch die gälische Sprache sprechen und Schafe immer Vorfahrt haben, bietet alles, was den Charme von Irland ausmacht, und sogar ein bisschen mehr. Zum Beispiel die höchsten Klippen in Europa. Die Seeklippen von Slieve League an der Südwestspitze der Grafschaft Donegal fallen 601 Meter steil in den Atlantik ab

Wallfahrtsort verspricht Sündenvergebung – und einen International Airport

Startpunkt für eine Entdeckungsreise ist meistens Knock, das von Ryanair direkt angeflogen wird. Knock ist der wichtigste Marienwallfahrtsort Irlands. 1,5 Millionen Pilger machen sich jedes Jahr auf den Weg zu diesem Dörfchen im Osten Mayos, das bis 1879 im wesentlichen aus einer Straßenkreuzung bestand. Dann sahen 15 Einheimische für zwei Stunden lang Maria, Joseph und Johannes im Kirchengiebel und Knock wandelte sich zum Wallfahrtsort. Die Kirche verspricht Sündenvergebung, nicht wenige hoffen darüber hinaus auf Heilung von Krankheit und Gebrechen.

Seine Blüte hat Knock vor allem einem zu verdanken: Father Horan. Der charismatische Priester war von 1961 bis 1986 in Knock und entwickelte sich mehr und mehr zu einem umtriebigen Manager. Erst errichtete er eine Basilika für 10000 Gläubige, dann empfing er den Papst zum hundertsten Jubiläum der Marienerscheinung. Und schließlich vollbrachte er noch etwas, das manche für ein Wunder halten: Er baute hier in den verlassenen Mooren Nordwest-Irlands einen Flughafen, einen internationalen sogar, den Knock International Airport.

Keem Beach: wunderschöner, feine Sandstrand

Keem Bay im Westen von Achill Island ist eine der schönsten Buchten Irlands. Foto: © Tourism Ireland

Keem Bay im Westen von Achill Island ist eine der schönsten Buchten Irlands. Foto: © Tourism Ireland

Eineinhalb Autostunden entfernt über eine gewundene Klippenstraße entlang des Croaghaun Mountain liegt im Westen von Achill Island Keem Bay – eine der schönsten Buchten Irlands. Keem Bay ist praktisch unbewohnt und bietet eine friedliche Rückzugsmöglichkeit vom 21. Jahrhundert mit eindrucksvoller Aussicht.

Der zentrale Punkt von Keem Beach ist der wunderschöne, feine Sandstrand. An zwei Seiten wird dieser Strand von Klippen eingegrenzt; im Osten durch die Abhänge des Croaghaun Mountain und im Westen durch die Landspitze Moyteoge. In ca. 200 m Höhe befindet sich hier eine alte Küstenwachenstation. Bergwanderer beginnen hier den 1,5 km langen atemberaubenden Wanderweg am oberen Rand der Klippen von Benmore entlang nach Achill Head, dem westlichsten Punkt Achill Islands.

Bölls „Irisches Tagebuch“

Achill Island mit seiner abwechslungsreichen und beeindruckenden Landschaft ist nicht überlaufen. Kein Wunder, dass Heinrich Böll diesen Ort geliebt hatte. Kein anderes literarisches Werk hat das Bild der Deutschen von den Iren als den liebenswerten, kinderreichen, katholischen Käuzen so nachhaltig geprägt wie  Bölls „Irisches Tagebuch“.

Das 1957 erschienene Böll-Buch ist noch immer Standardlektüre für Reisende nach Irland mit Sinn für Nostalgie: Eine melancholische Liebeserklärung an Irland im Allgemeinen und an Achill Island im Speziellen. Diese Insel, die vom Croagh Patrick aus im Norden zu sehen und mit Mayos Festland über eine 200 Meter lange Brücke verbunden ist, scheint nur aus Klippen, Heide, Moor und einer Hand voll Sandstrände zu bestehen. 3500 Einwohner leben in 23 Dörfern, dazwischen verlaufen sich ein paar Schafe. An der Bucht, im malerischen “Bervie Guest House”, das in einem ehemaligen Gebäude der Küstenwache liegt, haben die Bölls damals ihre erste Nacht auf Achill Island verbracht. Hier in der Abgeschiedenheit verbrachte der Schriftsteller mit seiner Familie seit den Fünfzigern jedes Jahr einige Wochen oder gar Monate. 1958 kaufte er sich ein Häuschen im Dörfchen Dugort auf der Westseite.

The Great Famine, die große Hungersnot

Jenes “deserted village”, das Böll in dem Kapitel “Skelett einer menschlichen Siedlung” beschreibt und das heute noch ziemlich genauso daliegt, wirkt so steinalt, als stünden die Häuserruinen nicht erst seit gut hundertfünfzig Jahren, sondern seit Ewigkeiten hier.

Achill Island, eine Insel in der Grafschaft Mayo, ist von Torfmooren bedeckt. Eine der Sehenswürdigkeiten: eine Megalithanlage, die während des 4. und 3. Jahrtausends v. Chr. im Neolithikum errichtet wurde. Foto: © Tourism Ireland

Achill Island, eine Insel in der Grafschaft Mayo, ist von Torfmooren bedeckt. Eine der Sehenswürdigkeiten: eine Megalithanlage, die während des 4. und 3. Jahrtausends v. Chr. im Neolithikum errichtet wurde. Foto: © Tourism Ireland

The Great Famine, die große Hungersnot, die Irlands Bevölkerung Mitte des letzten Jahrhunderts nahezu halbierte, traf die Menschen in diesem wenig fruchtbaren Landstrich ganz besonders hart. “Sobald nur das Wort Mayo fällt, fügen die Iren hinzu: God help us! Es klingt wie die Antwort in einer Litanei: “Herr, erbarme dich unser! ” , notierte Heinrich Böll in sein “Irisches Tagebuch”.

Unabdingbar für das Verständnis von Irland ist daher eine “Lost Valley Experience“ am Silver Strand in Doovilra mit Gerard Bourke. Er erzählt während einer spannenden Führung die Geschichte der Farm zurück bis ins Jahr um 1840, als in Irland die große Hungersnot herrschte. Damals starben über eine Million Menschen, als Folge des Elends verließen über zwei Million Menschen die Insel und wanderten aus. Hintergrund:

Die Mehrheit der Bevölkerung war auf eine einzige Frucht angewiesen, die Kartoffel. Als sich dann im Sommer 1845 herausstellte, dass Kartoffelfäule den Großteil der Ernte vernichtet hatte und sich diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren bis 1848 fortsetzte, kam es zur Katastrophe. Hunger, Entkräftung und Krankheiten raffte Hunderttausende dahin, vor allem im Westen von Irland waren ganze Landstriche ihres Hauptnahrungsmittels beraubt. Zeitweise starben so viele Menschen, dass sich niemand fand, sie zu beerdigen. Massengräber wurden ausgehoben, um die Seuchengefahr zu mindern. Die damalige Hungersnot hat sich tief in das historische Gedächtnis der Iren eingegraben.

Wandern und Wissen über Flora & Fauna

Wer etwas über die Wandermöglichkeiten und über Flora & Fauna und die Menschen in der Region erfahren will, der ist im Ballycroy National Park Visitor Centre genau richtig. Der eigentliche Park liegt ein Stück weiter entfernt und wird über den im gleichnamigen Ort ausgeschilderten Bangor-Trail betreten, der quer hindurchführt, aber kein Rundwanderweg ist wie im Ballycroy National Park Visitor Centre.

Einen Loop, einen gut ausgeschilderten Rundwanderweg, kann man auch Erris Head begehen. Alle Details zu den Wanderungen können vorab online ausgedruckt werden. Diese Wanderung dauert zwischen 1.5 und 2 Stunden.

Eine Autostunde entfernt liegt das Belleek Castle. Dieses imposante Hotel ist in einem neugotischen Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Die schlichten Zimmer sind individuell mit antiken Möbeln ausgestattet und/oder einem Himmelbett. Zur Ausstattung des Hotels gehören ein Gourmetrestaurant in einer ehemaligen Bibliothek, eine Bar im Stil einer Galeone, eine Lounge mit offenem Kamin und ein Festsaal. Eine Tour des kleinen Museums in Belleek Castle lohnt sich; ebenso Wander- und Fahrradtouren durch das angrenzende Waldgebiete. Alternative Übernachtungs-Möglichkeit: die Mount Falcon Lodges.

Westport: Kombination aus landschaftlicher Schönheit, Pracht des 18. Jahrhunderts und fantastischen Outdoor-Aktivitäten

Ein Muss für jeden Besucher der Region ist Westport: der perfekte Ausgangspunkt für Outdoor-Abenteuer und Ausflüge zu heiligen Bergen, prachtvollen Wohnhäusern, inselreichen Buchten und vielem mehr

Westport ist einer der schönsten Orte Irlands: Für einen Ausflug Richtung Westen gibt es schlichtweg keinen idealeren Ausgangspunkt. Foto: © Tourism Ireland

Westport ist einer der schönsten Orte Irlands: Für einen Ausflug Richtung Westen gibt es schlichtweg keinen idealeren Ausgangspunkt. Foto: © Tourism Ireland

Kaum ein anderer Ort in Irland kann sich mit der Kombination aus landschaftlicher Schönheit, Pracht des 18. Jahrhunderts und fantastischen Outdoor-Aktivitäten messen, die Westport zu bieten hat. Diese elegante Stadt in einer wild schönen Landschaft der Grafschaft Mayo am Wild Atlantic Way ist so reich an Unternehmungsmöglichkeiten, dass man kaum weiß, wo man bei einer solchen Vielfalt nur anfangen soll.

Westport vereint ein georgianisches Erbe, familienfreundliche Einrichtungen, aufregende Outdoor-Aktivitäten, ein pulsierendes Nachtleben und auch eine Reihe begeisternder Restaurants.

An der Quay Road stadtauswärts im Westport House, kann man erleben, wie die Oberschicht einst lebte. Inmitten einer Parklandschaft mit Blick auf die Clew Bay, Achill Island und den Atlantik betören das Haus aus dem 18. Jahrhundert und seine Gartenanlagen mit jeder nur erdenklichen Pracht von exquisiten Räumen bis zu Falkenwanderungen auf Waldwegen im Birds of Prey Centre. Doch bevor John Brown sich hier sesshaft machte, herrschte hier die Piratenkönigin Grace O’Malley über Land und Leute. Das heutige Haus steht auf den Grundmauern einer ihrer Burgen. Man kann sogar noch deren Kerker besichtigen!

Auch in der Stadt gibt es viel zu erleben, denn Westport bietet unzählige fabelhafte Oasen zum Essen, Trinken und Fröhlichsein. Bewohner und Besucher genießen im beliebten Matt Molloy’s gleichermaßen gerne ein gutes  Guinness, ein paar mitreißende Songs und eine ordentliche Portion Craig (Irisch für „Spaß“).  Als Übernachtungsmöglichkeit empfiehlt sich – ein paar Schritte entfernt – das Castlecourt Hotel.

Inseln, Buchten, Strände, Hügel, Berge

Die Elemente formten diesen Teil der Westküste zu einer abwechslungsreichen Landschaft, die mit Inseln, Buchten, Stränden, Hügeln, Bergen und schroffen Küstenstrichen gesegnet ist – und all das nur einen Katzensprung von Westport entfernt. Da wäre zum Beispiel Clew Bay – ein toller Ort für unterschiedlichste Wasseraktivitäten vom Stehpaddeln bis zum Schnorcheln. Oder man besichtigt bei einem Bootsausflug Clare Island, den Stammsitz von Grace O’Malley,

Der Great Western Greenway unterstreicht eindrucksvoll Westports Ruf als Ausflugsparadies für Wanderer und Radfahrer. Auf 42 km, die von der Stadt entlang der Küste bis nach Achill Island führen, erwartet Sie ein atemberaubendes Geländeabenteuer. Und auch was das Wandern betrifft, hat Westport für jeden das Richtige zu bieten; z.B. die schuttbedeckten Hänge des Croagh Patrick.

Fazit: Früher war die Verbannung ins raue Westirland eine gefürchtete Strafe, heute können Reisende auf Rad- und Wanderwegen die atemberaubende Landschaft genießen. Sie finden hier Ruhe, Natur – und Menschen, die gelernt haben, dem Schicksal auch in stürmischen Zeiten Lebensfreude abzutrotzen.

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