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Ortners Lindenhof in Bad Füssing: Bayerisch und bodenständig

Als der Hof des „Bauern von Füssing“ von der Familie Wimmer im Jahr 1846, als eines von sechs Anwesen im Weiler Füssing (Niederbayern) mit insgesamt 38 Einwohnern, bewirtschaftet wurde, war noch nicht im Geringsten daran zu denken, dass knapp 170 Jahre später sowohl aus dem Weiler als auch aus dem Hof einmal eine Erfolgsgeschichte werden würde.

Der neue Lindenhof auf einen Blick: Vorne links das Wirtshaus „z’Füssing“, dahinter das Haupthaus „Wappen“, rechts davon die „Villa Sophia“, davor das Haus „Therme“, vorne rechts das Bio-Haus „Linde“ und die Vinothek „Zur Weinpress“.

Der neue Lindenhof auf einen Blick: Vorne links das Wirtshaus „z’Füssing“, dahinter das Haupthaus „Wappen“, rechts davon die „Villa Sophia“, davor das Haus „Therme“, vorne rechts das Bio-Haus „Linde“ und die Vinothek „Zur Weinpress“.

Fast 100 Jahre später, 1948 nämlich, vermietete der damalige Besitzer, Franz Ortner, zusammen mit seiner Frau Mathilde, auf dem Hof in einem ehemaligen Bauernhaus die ersten Zimmer – sieben Stück an der Zahl. Heute würde der im Jahr 2001 verstorbene Seniorchef Bauklötze staunen, wenn er sehen könnte, was sein Sohn Franz Xaver (Jahrgang 1950), gemeinsam mit seiner Gattin Christl, aus der eher biederen Unterkunft gemacht hat. Denn es entstand ein Vier-Sterne-S-Hotel nebst Therapiezentrum, Wirtshaus und Vinothek, das allerersten Ansprüchen genügt.

Die Chefin ist erst 33

Die Villa Sophia wurde nach der sechsjährigen Tochter der Hoteliersfamilie, Sophia benannt; davor ist der im Sommer wie im Winter 31 Grad warme Außenpool zu sehen.

Die Villa Sophia wurde nach der sechsjährigen Tochter der Hoteliersfamilie, Sophia benannt; davor ist der im Sommer wie im Winter 31 Grad warme Außenpool zu sehen.

Mittlerweile haben die Ortners der zweiten Generation das Haus auch schon wieder übergeben, nämlich an ihre Tochter Bettina Maria. Diese hat sich mit ihren erst 33 Jahren eine enorme Aufgabe aufgebürdet, wird aber von ihrem Mann Martin Zwicklbauer tatkräftig unterstützt. Diese Hilfe ist irgendwie aber auch begrenzt, führt Martin Zwicklbauer doch im nahegelegenen Pocking und in München eine Steuerkanzlei mit 35 Angestellten und ist mit dieser Tätigkeit voll gefordert. Aber Bettina Ortner-Zwicklbauer kann sich auf ein Team von 53 Angestellten, davon 13 Köche, verlassen, damit die Rädchen in dem Hotel mit 99 Zimmern, 16 Suiten und 168 Betten Tag für Tag perfekt ineinander greifen. Die Gäste sollen sich schließlich wohlfühlen, entschleunigen und genießen.

Im Innenhof erinnert ein Brunnen an den Hotelgründer Franz Ortner.

Im Innenhof erinnert ein Brunnen an den Hotelgründer Franz Ortner.

Der Bauernhof war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Bettenbetrieb in Füssing. Die Hofanlage, ein sogenannter Vierseithof, wie er für das Inntal typisch ist, bestand aus Wohnhaus, Stallungen (für Kühe, Schweine und Hasen), einer Scheune und einer Wagenremise. Die Erfolgsgeschichte begann damit, dass im Dritten Reich in der Pockinger Heide nach Öl gebohrt wurde, stattdessen jedoch heißes Wasser sprudelte – die Therme I war geboren. Das war 1938. Acht Jahre später benannte Franz Ortner das Anwesen um in Ortnerhof und zwei Jahre später in Lindenhof; 1947 stellte sich heraus, dass die Quelle die stärkste Schwefelquelle Europas war. Es war der Beginn des Thermalbades Füssing.

Voll auf den Tourismus gesetzt

Diese Szene erinnert an die Badekultur von anno dazumal. Überhaupt wird im gesamten Hotel auf viel Liebe zum Detail geachtet.

Diese Szene erinnert an die Badekultur von anno dazumal. Überhaupt wird im gesamten Hotel auf viel Liebe zum Detail geachtet.

Die Besucherzahlen stiegen stetig, und auch Franz Xaver Ortner setzte voll und ganz auf den Tourismus. 1954 ersetzte das heutige Biohaus „Linde“ die Wagenremise und es entstand eine hauseigene Massagepraxis. Heute sind dort elf Physiotherapeuten und Masseure/innen beschäftigt. 1978 wurden die Stallungen abgerissen, das Haupthaus „Wappen“ (mit Praxis- und Therapieräumen) entstand. 1983 musste das bäuerliche Wohngebäude für das Haus „Therme“ weichen. Vier Jahre später entstand das Haus „Linde“ ebenfalls neu.

Einen Hauch von der Bucht von Portofino in Ligurien soll das Ambiente im Innenpoolbereich darstellen.

Einen Hauch von der Bucht von Portofino in Ligurien soll das Ambiente im Innenpoolbereich darstellen.

Auch in den folgenden Jahrzehnten herrschte alles andere als Stillstand. Es wurde erweitert, vergrößert und umgebaut, renoviert, erneuert und verschönert. Hoteleigene Thermalbäder wurden gebaut, der Viehbestand aufgelöst, aus dem ehemaligen Kuhstall, der bis 2001 Bestand hatte, entstand eine „Hofschänke“, die im Jahr 2013 abgerissen wurde und dem Wirtshaus z’Füssing Platz machen musste; ferner wurde eine großzügige Saunalandschaft geschaffen. Aus dem Kurhotel Lindenhof entstand 2009/10 der heutige Ortners Lindenhof, der aus vier Wohnhäusern, die alle ihren eigenen Einrichtungsstil haben (von urig-zwanglos bis gehoben-modern), einem Wirtshaus und einer Vinothek besteht. Alles, was 30 Jahre und älter war, wurde kernsaniert und 2014 fertiggestellt. Groß war natürlich die Freude, als im März 2014 durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband die Klassifizierung 4 Sterne Superior bekannt gegeben wurde.

Die vier Häuser, der Wirt und die Vinothek

Rustikal geht es auch in der Vinothek „Zur Weinpress“ zu.

Rustikal geht es auch in der Vinothek „Zur Weinpress“ zu.

Haus Wappen (2010 renoviert): Haupthaus mit Rezeption, Frühstücksraum La Stella, Fitness- und Tagungsraum, Tiefgarage und Therapiezentrum.

Haus Therme (2009 renoviert): Zimmer und Suiten sind in Kirschbaumholz gehalten. Der Aufenthaltsraum „Zwitscherstüble“ ist urgemütlich.

Villa Sophia (eröffnet 2010): Das Haus im mediterranen Stil ist mitten im Garten gelegen; exklusives und modernes Ambiente; zehn Doppelzimmer (jeweils 35 m²) und zehn Suiten (jeweils 55 m²).

Bio-Haus Linde (modernisiert 2012): Das gesamte Haus ist mit feinstem Zirbenholz ausgestattet. Alle Zimmer verfügen über einen rustikalen Eichenholzboden sowie speziell für Allergiker angefertigte Bettwaren oder für Rückengeschädigte Bandscheibenmatratzen. Die Komfortzimmer haben eine Größe von 32 m², die neuen Suiten sind zwischen 43 und 70 m² groß.

Der Wirt „z’ Füssing“ ist das jüngste Projekt der Hotel-Anlage. Bayerisches Flair ist garantiert.

Der Wirt „z’ Füssing“ ist das jüngste Projekt der Hotel-Anlage. Bayerisches Flair ist garantiert.

Wirt z’Füssing (eröffnet 2014): Bayerisches Flair (mal fein, mal rustikal), wohlige Gemütlichkeit und entspannte Wohlfühlatmosphäre sind in dem ehemaligen Kuhstall garantiert. An der Außenfassade wurde 300 Jahre altes Stadlholz aus Waidring verbaut. Durch den Wirt z’Füssing ist Ortners Lindenhof jetzt erstmals in der Lage, seinen Gästen Halbpension anzubieten, was in den Jahrzehnten zuvor nicht möglich war. Das Erdgeschoss besteht aus kleineren und größeren Stuben, im Obergeschoss befindet sich das Gründerstüberl, die König-Ludwig-Stube und die Hirschstube. Dort, im ersten Stock, kocht die Crew um Küchenchef Torsten Petri auch vor den Augen der Gäste – im Neu-Deutschen Frontcooking genannt. Die Kombination aus Holz, warmen Stoffen, Loden und verschiedenen Schnitzereien machen das Ambiente so außergewöhnlich. In den warmen Monaten stehen den Gästen die Franz-Ortner-Terrasse und der Kastanien-Biergarten zur Auswahl. Ein ganz besonderer Ort ist die kleine Tiroler Alm mit Galerie direkt unter dem Dach, die etwa 35 Personen Platz bietet. Dort fungieren ausrangierte, große Kuhglocken als Lichtspender.

Vinothek „Zur Weinpress“ (eröffnet 2012): Weine von 60 Winzern aus Deutschland, Österreich und Italien können hier verkostet werden. Zur Verfügung stehen 50 Plätze. Viel „Altholz“ schafft den passenden Rahmen. Und eine lauschige Laube lädt im Sommer zu einem Gläschen ein.

„Mehr geht nicht“

Hotelchefin Bettina Maria Ortner-Zwicklbauer mit ihrem Mann Martin und den Kindern Sophia (6 Jahre) und Martin jun. (2).

Hotelchefin Bettina Maria Ortner-Zwicklbauer mit ihrem Mann Martin und den Kindern Sophia (6 Jahre) und Martin jun. (2).

Bettina Ortner-Zwicklbauer schnauft ob der gewaltigen Kraftanstrengungen in den vergangenen Jahren tief durch: „Wir sind jetzt am Maximum angekommen, mehr geht nicht, und mehr wollen wir auch gar nicht.“

Die junge Frau hat ihr „Handwerk“ von der Pike auf gelernt, „mir war immer klar, dass ich das Haus übernehme.“ Erst recht, als frühzeitig deutlich wurde, dass ihr Bruder Franz Josef diesbezüglich abwinken würde. „Er tendierte mehr zum Handwerk, hat aber schließlich doch die Hotelfachschule besucht und abgeschlossen.“ Er betreibt in Bad Füssing die „Hof.Schänke“ ganz in der Nähe von Ortners Lindenhof.

Bayerns Märchenkönig Ludwig II. blickt zum Fenster herein und scheint sich im Wirtshaus „z’Füssing“ wohl zu fühlen.

Bayerns Märchenkönig Ludwig II. blickt zum Fenster herein und scheint sich im Wirtshaus „z’Füssing“ wohl zu fühlen.

Nach der Hotelfachschule in Altötting und Bad Wörishofen und ihren Lehrjahren in Bad Griesbach arbeitete Bettina Ortner-Zwicklbauer anschließend über Jahre hinweg im elterlichen Betrieb, ehe sie 2013 die Aufgaben ihres Vaters übernahm. Ortners Lindenhof ist eines von nur zwei Vier-Sterne-S-Hotels im Ort, und sie verhehlt auch nicht, dass, ob der Erfolgsgeschichte des Hauses, manch einer missgünstig dreinblickt, aber „den Neid muss man sich verdienen.“

Jetzt ein Ausbildungsbetrieb

Besonders stolz ist die Hotelchefin auf ihr Personal, das vorwiegend aus der Region kommt, oder dort heimisch geworden ist („so sparen wir uns ein Personalhaus“), und das sich ohne Ausnahme mit der Philosophie des Hauses identifiziert. Das gute Betriebsklima tut ihr Übriges. Und mit der Eröffnung des Wirtshauses z’Füssing bildet das Hotel seit Oktober 2014 auch aus (momentan arbeiten je ein Azubi im Service und in der Küche).

Das Bio-Haus „Linde“ wurde mit feinstem Zirbenholz ausgestattet.

Das Bio-Haus „Linde“ wurde mit feinstem Zirbenholz ausgestattet.

Bad Füssing (6500 Einwohner), das 30 Kilometer südlich von Passau an der Grenze zu Österreich liegt, bildet gemeinsam mit Bad Birnbach und Bad Griesbach im Rottal das „niederbayerische Bäderdreieck“. Seit 1971, als Füssing zum anerkannten Heilbad ernannt wurde, ging es mit dem Ort kontinuierlich bergauf. Mit 13 300 Gästebetten und rund 3,2 Millionen Übernachtungen etablierte sich Bad Füssing als einer der größten Kurorte Europas.

Das „flüssige Gold“ sprudelt aus 1000 Metern Tiefe

Im Außenbereich werden in den Sommermonaten Sylter Strandkörbe aufgestellt.

Im Außenbereich werden in den Sommermonaten Sylter Strandkörbe aufgestellt.

Ortners Lindenhof ist eines der wenigen Hotels in Bad Füssing, das seine eigene Thermalquelle hat, eine Therme nur für ausschließlich Hausgäste. Seit nunmehr fast 70 Jahren sprudelt das „flüssige Gold“ aus einer Tiefe von knapp 1000 Metern mit einer Temperatur von 56 Grad in die drei Badebecken und den Außen-Whirlpool. Zuvor wird das Wasser gefiltert, auf 31, 34, 35 und 37 Grad, je nach Becken, heruntergekühlt, und auch leicht gechlort. Täglich fließen über 100 000 Liter quellfrisches Heilwasser aus der hofeigenen Ursprungsquelle. Der im Wasser enthaltene Sulfid-Schwefel hat eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung.

Was Hausgäste besonders genießen, sind die Badezeiten. So können sie täglich von 6.30 bis 12 Uhr und von 13 bis 22 Uhr das Heilwasser genießen; auch die Saunen können bis 22 Uhr genutzt werden.

Informationen: Ortners Lindenhof, Pockinger Str. 1 – 5, D-94072 Bad Füssing, Tel.: (0049 8531) 27 90; Internet: www.ortners-lindenhof.de; www.wirt-fuessing.de ; E-Mail: info@ortners-lindenhof.de.

Wir verlosen einen Hotel-Gutschein für Ortners Lindenhof – lesen Sie mehr hier.

Raushier-Reisemagazin

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