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Notizen aus Bangladesch – Teil 2

Bleiben wir auf der Straße. In Dhaka fahren schätzungsweise 70 Prozent mit einem gefälschten Führerschein, was anscheinend nur ein kleines Problem ist. Die Polizei hat Wichtigeres zu tun. Wir waren sehr oft per Fahrrad- und Autorikscha unterwegs. Preise werden generell vorher ausgehandelt. Grundsätzlich versuchen die meisten, Ausländer doppelt zur Kasse zu bitten. Das ist verständlich, da sie alle für einen Hungerlohn arbeiten. Eine Fahrt mit der Fahrradrikscha kostet im Schnitt 40 Taka pro Kilometer. Das sind 40 Cent. Da sind wir schon auch mal zu dritt drauf gesessen; eine ziemliche Schufterei für die Fahrer. Von dem kleinen Lohn, den die Fahrer bekommen, müssen sie ca. die Hälfte abgeben, da fast alle ihre Rikschas von einem Unternehmen gemietet haben. Die neueren Rikschas haben einen kleinen Motor, wie die Elektrofahrräder hierzulande. Das macht es den Fahrern natürlich um einiges leichter.

Im Verkehr.

Im Verkehr.

Da in Bangladesch keine Autos hergestellt werden, werden alle Autos importiert. Zum eigentlichen Preis kommen 400 (!) Prozent Steuern hinzu. So kostet den Kunden ein Auto im Wert von nur 10.000 Euro letztlich 50.000 Euro. Eine ganze Menge Geld. Man kann sich ausrechnen, wieviel das eigene Auto dort kosten würde. Trotzdem ist Dhaka ist voll mit Autos.

In Dhaka gibt es mehr Autos als früher, aber immer noch sehr viele tradtionelle Fortbewegungsmittel.

In Dhaka gibt es mehr Autos als früher, aber immer noch sehr viele tradtionelle Fortbewegungsmittel.

Im Gegensatz zu unserer Reise vor vier Jahren, gibt es inzwischen wesentlich weniger verbeulte und mehr unversehrte Autos. Es muss enorm viel reiche Menschen in Dhaka geben. Fast jeder, der ein Auto hat, hat auch einen Chauffeur. Diese warten auf den Parkplätzen geduldig auf ihre ‘Herren’ und alle haben einen Staubwedel bei sich, mit dem bei jedem Stopp das Auto abgestaubt wird. Ein seltsamer und ungewohnter Anblick. Fasziniert haben mich die zusätzlichen Stoßstangen aus Eisen an fast allen Autos. Das hätte ich gerne auch an meinem Auto; wäre eine Hilfe beim Einparken.

Autorikschas für 15.000 Euro und japanische Müllautos

Die kleinen dreirädrigen Autorikschas, die auch Tuk-Tuks oder CNGs genannt werden, werden auch importiert. Sie kosten 3000 Euro plus 400 Prozent Steuern: 15.000 Euro. Das muss man sich auch erst mal leisten können. Die meisten Autorikschas sind deswegen gemietet.

Zugfahren in Bangladesch.

Zugfahren in Bangladesch.

Man sieht übrigens viele hochmoderne Müllautos. Müll ist bei der Einwohnerdichte von Dhaka ein großes Problem. Auf fast allen Müllautos steht ungefähr übersetzt: gesponsert von Japan. Das ist mal eine sinnvolle Entwicklungshilfe. Die Straßen sind dadurch in den meisten Fällen sauber und es funktioniert.

Auch das Treiben auf den Bahnhöfen muss man erlebt haben. Besonders das professionelle Auf- und Absteigen, wobei die Freiluftplätze auf dem Dach die interessantesten sind. Am erstaunlichsten ist die Besetzung der Züge an Feiertagen. Da wird jeder freie Zentimeter genutzt. Wenn gerade kein Zug zu sehen ist, sieht man Männer auf den Gleisen stehen. Manchmal wird sogar auf den Gleisen gegrillt. Erst wenn sich ein Zug nähert verlassen sie mit einer beeindruckenden Gelassenheit die Gleise.

Unfall: Das größere Auto hat Schuld

Dhaka: Grillen auf den Gleisen.

Dhaka: Grillen auf den Gleisen.

Die Busse sehen aus wie vom Schrottplatz. Viele haben sogar zerschlagene Fenster. In Bangladesch wird übrigens (fast immer) eine ungeschriebene Regel eingehalten: Laster und Busse haben Vorfahrt und bei einem Unfall hat grundsätzlich der Fahrer des größeren Autos Schuld, also meist der Busfahrer. Da ihm dann ziemlich sicher Prügel drohen, sucht dieser meist schnellstens das Weite.

Polizeiauto mit geschützter Windschutscheibe.

Polizeiauto mit geschützter Windschutscheibe.

Wenn wir mit dem Auto der Familie unterwegs waren und wieder zurück in die Garage fuhren, waren jedes Mal sofort die Sicherheitsleute des Hauses zur Stelle und luden uns die Einkäufe aus dem Auto, um sie nach oben zu tragen. An all das könnte man sich echt gewöhnen.

Gefängnistransport: "I am a criminal."

Gefängnistransport: “I am a criminal.”

Die Polizeiautos haben alle ein Schutzgitter auf der Frontscheibe und als wir einem Gefängniswagen begegneten, winkte mir ein Insasse zu, schrie stolz: „I am a criminal!“ und strahlte mich dabei an.

Margit Ebert ist nach Bangladesch gereist, um die Heimat Ihrer Schwiegertocher kennenzulernen. Auf Raushier berichtet sie darüber.

Hier geht’s zu Folge 1

Weiter geht’s mit Folge 3

 

 

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