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Notizen aus Bangladesch – Teil 1

Es war unsere zweite Bangladeschreise. Der Grund unserer ersten war die Hochzeit meines Sohnes, was ein tief beeindruckendes und tolles Erlebnis war, worüber ich ein anderes mal berichten werde. Der Abflug war auch diesmal in Frankfurt, Zwischenstopp in Abu Dhabi. Die Wartezeit für den Weiterflug war kurz und die meisten Passagiere hatten von Abu Dhabi aus andere Ziele. Einzig ein junges Mädchen flog mit uns weiter nach Dhaka. Sie wollte dort ihre Schwester besuchen, die mit einem evangelischen Pastor verheiratet ist, der dort eine Gemeinde aufbaut. Das Abenteuer begann gleich nach unserer Landung in Dhaka.

Der Verkehr in Dhaka.

Der Verkehr in Dhaka.

Wir wurden von unserem Sohn Rainer mit dem Auto abgeholt. Um selbst mit dem Auto in die Innenstadt von Dhaka zu fahren, bedarf es schon sehr viel Abenteuerlust. In Bangladesch gilt der Linksverkehr und Rainer schien es einen Heidenspaß zu machen, uns durch dieses Chaos zu lenken, wobei Chaos noch untertrieben ist. Es gilt das ungeschriebene Gesetz: wer hupt, hat Vorfahrt. Nur nützt das fast nie, weil der Verkehr hoffnungslos verstopft ist und das Hupen so gar keinen Sinn macht. Es gibt Ampeln! Für wen die gelten, habe ich noch nicht herausgefunden. Kein Fahrer beachtet sie.

Banani und Gulshan – Dhakas Nobelviertel

Die Eltern meiner Schwiegertochter Khukie wohnen in Banani. Hier wohnen die Menschen der neureichen Mittelschicht – und die meisten Ausländer wohnen auch hier. Es gibt Fastfood-Restaurants und leckeres Eis. Die meisten Clubs, wie z.B. der German Club, befinden sich hier und vor allem zahllose internationale Restaurants – manche sogar mit alkoholischen Getränken auf der Karte. Nach fünf Minuten Fußweg kommt man nach Gulshan.

Jede Fläche wird genutzt.

Jede Fläche wird genutzt.

Dort findet man westliche Cafes, Geschäfte und Restaurants. Darunter sehr noble. Es gibt zahllose Schuhläden, Schneider und eine Supermarktkette mit westlichen Produkten wie Nutella, Snickers, Mars, Ritterschokolade, Überraschungseier, Knorrsuppen, usw. Wir waren auch in zwei sensationellen hochmodernen Einkaufszentren. Hier findet man alles, was das Herz begehrt. Wenn man unterwegs ist, kommt einem oft ‘die deutsche Post’ DHL entgegen. Sogar ein Laden mit Tupperware fehlt nicht. Wie gesagt, es scheint alles zu geben.

Herzlicher Empfang

Volle Straßen in Dhaka.

Volle Straßen in Dhaka.

Bei Khukies Eltern wurden wir herzlich empfangen. Wir bekamen ein wirklich schönes Zimmer und da die Betten in diesen Ländern sehr hart sind, hatten sie mir ein paar Decken unters Betttuch gelegt, was nur wenig half. Bekocht wurden wir vorbildlich und sehr, sehr lecker. Keine Mahlzeit ohne mindestens fünf verschiedene Sorten frischen Gemüses, dazu Basmatireis und Dal (die landestypischen Linsen). Alles war sehr bekömmlich und wir fühlten uns pudelwohl. Ich habe sehr viel gegessen in diesen zwei Wochen, aber kein Gramm zugenommen. Das war schon erstaunlich. Nachtisch oder Gebäck ist furchtbar süß, weswegen ich das auch meist gemieden habe.

Fünf Löffel Zucker im Kaffee sind zu viel

Ein neue Erfahrung für mich waren die Mägde im Haus. ‘Personal’ im Haus, das war ich gar nicht gewohnt. Jeder Handgriff wurde mir abgenommen und mir wurde sogar der Zucker im Kaffee umgerührt, wobei ich nach dem ersten Tag erklärte, dass mir fünf Löffel Zucker wirklich zu viel sind und ich das mit dem Zucker im Kaffee gerne selber regeln wolle.

Nadira.

Nadira.

Eine Magd hieß Nadira, war ca. 15 Jahre alt und enorm fleißig, flink und konnte vorbildlich kochen. Sie arbeitet vom Aufstehen bis zum ins Bett gehen und ist erstaunlicherweise immer blendender Laune und scheint trotz der vielen Arbeit glücklich zu sein. Sie lacht den ganzen Tag. Sie achtete zu jeder Zeit darauf, dass es mir an nichts fehlt. Wenn ich ihr helfen wollte, wurde das eher als Tadel aufgefasst, dass sie nicht schnell genug ist. Ich habe ihr dann öfters ein Geschenk aus der Stadt mitgebracht, weil ich irgendwie das Bedürfnis hatte, ihr auch was Gutes zu tun. Die anderen Mägde kommen jeden Tag stundenweise. Eine putzt jeden Tag alle Böden, die dritte wäscht die Wäsche. Khukies Mutter kocht in der Küche mit. Ansonsten ‘koordiniert’ sie den Haushalt. Sie ist der Boss im Haus und verlässt dieses so gut wie nie, da ihr das Leben ‘da draußen’ zu anstrengend ist. Sie ist sehr belesen, weiß über das Weltgeschehen bestens Bescheid und hat auch ziemlich vernünftige Ansichten.

Interessante Lebensgeschichte

Mein Bett.

Mein Bett.

Abdul, Khukies Vater, ist ein extrem sympathischer Mann. Er hat viel Humor und ein riesengroßes Herz. Leider konnten wir uns durch die Sprachbarriere nicht oft ausführlich unterhalten. Er spricht zwar fließend Englisch, aber mit Akzent. Ich verstehe klares Schulenglisch besser und er musste mir vieles zweimal sagen. Ich fand das schade, da er eine hochinteressante Lebensgeschichte hat. Ich hätte ihn eigentlich soviel fragen wollen. Er versuchte mit elf von zu Hause abzuhauen, weil ihn sein Vater von der Schule genommen hatte, damit er im Reisfeld mitarbeiten kann. Abdul wollte aber unbedingt weiter zur Schule.

Rikschas gehörten zum Straßenbild.

Rikschas gehörten zum Straßenbild.

Sein Vater band ihn sogar zeitweise an einen Baum, damit er nicht abhauen konnte. Mit zwöfl Jahren schaffte er es aber und eine andere Familie nahm ihn auf. Die Schule finanzierte er sich, indem er mit seinem schon Erlernten Nachhilfe gab. So vergingen die Jahre und auch sein Studium in einer anderen Stadt verdiente er sich selber. Auch dort fand er eine Familie, die ihn aufnahm. So schaffte er es bis zum Diplomaten und kam dadurch viel in andere Länder. Mit seiner Familie lebte er lange in Australien. Er ist ein extrem moderner Vater und sein einziges Bestreben war immer, seinen Kindern eine bestmögliche Zukunft zu bieten und sie glücklich zu sehen. So haben alle vier Kinder studiert und  alle Voraussetzungen für ein wohlhabendes Leben. Zu seinen Eltern ist er seit dem zwölften Lebensjahr nicht mehr zurück gekehrt, hat sie später aber einmal besucht. Ich finde Menschen, die sich ihr Leben so erkämpfen, sehr bewundernswert.

Margit Ebert ist nach Bangladesch gereist, um die Heimat Ihrer Schwiegertocher kennenzulernen. Auf Raushier berichtet sie darüber.

Weiter geht’s mit Folge 2

 

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2 Gedanken zu „Notizen aus Bangladesch – Teil 1

  1. Hallo Margit,
    dein Bericht gefällt mit sehr gut und ich bin gespannt auf mehr.
    Spornt an über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.
    Liebe Grüsse

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