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Elsass im Herbst: Von Kühen, Milch und Käse

Wenn die Küeh von den Almen herabgetrieben worden sind, dann beginnt im Elsass die vielleicht schönste Zeit – und das ist der Herbst. Und Küeh sind, das ist nicht schwer zu übersetzen, die schwarz-weiß gesprenkelten, robusten Kühe der Vogesen. Sie haben auf uns auf ihren Hochweiden gewartet, während wir in der Ferme-Auberge du Treh noch eine Rast einlegten, auf einer Höhe von 1139 Metern. Übernachtet hatten wir in der Ferme Auberge le Grand Hêtre hoch über Metzeral bei Jean-Mathieu Spenlé, der uns die Ehre gab, mit seiner Familie an einem Tisch das Abendbrot zu essen. Dabei, und das ist die Besonderheit der Fermes Auberge, kommen fast nur Produkte des eigenen Hofes auf den Tisch, in unserem Fall ein Käse-Kartoffelauflauf, ein Baeckeoffe. Der Käse stammte natürlich aus dem Münstertal, einer der ersten Adressen Europas für dieses Milchprodukt.
Anzahl der Gästebetten ist begrenzt

Der Tag kann beginnen - Morgenstimmung über den Vogesen.

Der Tag kann beginnen – Morgenstimmung über den Vogesen.

Wer jetzt Wanderungen im bunten Herbstlaub der Wälder erleben will – es gibt 350 Kilometer markierte Fußwege -, der erkundige sich nach den Übernachtungsmöglichkeiten, denn die Anzahl der Gästebetten ist beschränkt.

Als die Kühe dann zusammengetrieben worden waren – unsere Gruppe hatte etwa 35 Tiere -, ging es 18 Kilometer hinab über Almen und durch Wälder. Unten im Tal erwartete die Wanderer und alle übrigen Gäste das Wandelfescht, das auf französisch Fête de la Transhumance heißt, das ähnlich intensiv auch im Frühling, wenn die Viecher auf die Almen getrieben wird, gefeiert wird.

Gefeiert wird hier gerne, und bei der Reiseplanung lohnt es sich, auf lokale Anlässe zu achten. Bei diesen Festen hat auch der “Schwobb” und der “Preiss” Gelegenheit, seine dialektalen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Denn anders als in manchen Regionen hierzulande werden Versuche, in der elsässischen Sprache a “bissla gababb´alt” zu haben, mit Freude aufgenommen. Es gibt sogar einen Dichterweg von Münster, „dr elsassisch Dichterwaj von Minschter“, der vom Bahnhof Münster über 31 Textstationen als Rundkurs angelegt ist.

Die Bäume haben sich ein buntes Kleid zugelegt - es ist Herbst im Münstertal.

Die Bäume haben sich ein buntes Kleid zugelegt – es ist Herbst im Münstertal.

Zwei Rundwege führen in die Zeit des Ersten Weltkrieges, zum Reichackerkopf und zum Hohrodberg, als das Elsass zum Deutschen Reich gehörte und die Wälder oberhalb des Münstertals Kampfgebiet waren.

Daneben gibt es in Mühlbach ein sehenswertes Schlittenmuseum, das erklärt, wie früher Holz und Rinden ins Tal und in die Sägewerke gebracht wurden.

„Ehrfurcht vor dem Leben“

In aller Herrgottsfrüh` treiben die Hirten das Vieh, das den Sommer über auf den Almen verbracht ab, ins Tal.

In aller Herrgottsfrüh` treiben die Hirten das Vieh, das den Sommer über auf den Almen verbracht ab, ins Tal.

Sehenswert auch das Albert-Schweitzer-Museum in seinem Wohnhaus in Günsbach. Es bietet einen faszinierenden Einblick in seine gelebte „Ehrfurcht vor dem Leben“. Im nahegelegenen alten Pfarrhaus, in dem sein Vater lebte, gibt es behaglich eingerichtete Zimmer.

: Im Käsehaus soll kleinen Milchlandwirten eine Perspektive aufgezeigt werden.

Im Käsehaus soll kleinen Milchlandwirten eine Perspektive aufgezeigt werden.

Unser Besuch im Münstertal galt natürlich auch dem Käse. In Günsbach ist ein Maison du Fromage entstanden, das „Menschterkashus“, das nicht nur Exponate eines Museums zeigt, sondern mit der Hilfe von einigen Kühen im Stall erklärt, wie hier Käse gemacht wird. Dass ein Restaurant dazugehört, in dem man heimische Produkte verkosten kann, ist da schon eine Selbstverständlichkeit. Aber das Käsehaus soll noch mehr: Es soll den kleinen Milchlandwirten auf den Vogesen eine Perspektive eröffnen, in dem sie ihre Milch, die für die Molkereien mengenmäßig zu gering ist, in einer genossenschaftsartigen Struktur gemeinsam verarbeiten und vermarkten. Norbert Schickel, Präsident des Gemeindeverbandes Münstertal und einer der Väter des Projekts, erhofft sich auf lange Sicht 70 000 Besucher pro Jahr.

Regionale Küche französisch veredeln

Einen Besuch wert ist das Albert-Schweitzer-Museum in Günsbach.

Einen Besuch wert ist das Albert-Schweitzer-Museum in Günsbach.

Raffiniertere Küche fanden wir im „Le Soleil d´Or“ in Metzeral, das sich bemüht, regionale Produkte französisch zu veredeln.

Das Münstertal, das über Straßburg und Colmar leicht zu erreichen ist, lockt mit seiner Ursprünglichkeit, seiner Fauna und Flora in einer fast alpinen Landschaft, in der auch Gämsen und Luchse zu Hause sind. Und natürlich mit seinem Käse.

Darüber hinaus ist es – wie das ganze Elsass – wenig bekannt. Das heißt umgekehrt, es bleibt noch viel zu entdecken, die Sprache, der Almab- und Auftrieb – und demnächst die Bauernhofmärkte im Advent, mit Holzschnitzereien, lokalem Backwerk und wärmenden Schnäpsen. Bevor der Winter das Regiment im Münstertal übernimmt.

Information: www.tourisme-alsace.com.de

Fotos: Hans-Herbert Holzamer

Raushier-Reisemagazin

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