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Im nächsten Sommerurlaub nach… Warschau!

Es ist kalt, nass und grau, der Winter ist in Deutschland angekommen. Der ein oder andere denkt noch sehnsüchtig an die letzten Ferien im Süden zurück, während einige innerlich schon den nächsten Sommerurlaub planen. Wir Deutschen lieben Südeuropa und das Sonnetanken, besonders gerne machen wir das in Italien oder Spanien. Aber auch Polen hat seine Reize.

Blick vom Turm der Sankt Anna-Kirche auf die Altstadt. Foto: Raja Kraus

Blick vom Turm der Sankt Anna-Kirche auf die Altstadt. Foto: Raja Kraus

Eine jüdische Legende, die sich um eine Synagoge in Krakau dreht, erzählt: das Glück liegt oft vor der eigenen Haustür und weites Reisen ist manchmal gar nicht nötig. So reist der Jude aus der Legende, einem Traum gehorchend, erst tagelang, um einen Schatz zu finden, bis er auf einen Hinweis stößt, dass dieser in seinem eigenen Vorgarten vergraben ist. Mit dem gefunden Geld lässt er die Synagoge erbauen. Warum es also nicht dieser Legende – sowohl inhaltlich als auch im größeren geografischen Rahmen – einfach gleich tun?

An einen Sommerurlaub in unserem Nachbarland Polen hat bestimmt kaum einer gedacht. Dass sich eine Reise dorthin aber unbedingt lohnt und nicht zuletzt helfen kann, mit immer noch existierenden Klischees aufzuräumen, wird vor allem dem Urlauber bewusst, der sich mit dem östlichen Nachbarn zuvor kaum auseinandergesetzt hat und überrascht sein wird – von der Geschichte, der Kultur und den Menschen, die jenseits der Oder auf uns warten.

Warschau macht es einem nicht leicht – aber nur zu Beginn

Zunächst einmal sei gesagt: der polnische Sommer kennt Hitze und strahlend blauen Himmel, eine Tatsache, die die Entscheidung für eine Reise nach Polen erleichtern soll. Schon bei der Ankunft in Warschau, am Flughafen oder mit dem Zug (wie praktisch!) am Hauptbahnhof wird sich Ernüchterung breitmachen. Hässliche Häuserblocks in den äußeren Stadtgebieten und im Zentrum, am Hauptbahnhof, nur der Blick auf den stalinistischen Kulturpalast und einige glitzernde Hochhäuser. Warschau macht es einem nicht leicht und fordert, sich mit der Stadt und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.

Geschichte spüren

Typische Laden-Deko in der Altstadt. Foto: Raja Kraus

Typische Laden-Deko in der Altstadt. Foto: Raja Kraus

Geschichte, die hier noch spürbar und an vielen Orten auch sichtbar ist, die uns vor Augen führt, wie jung auch die deutsch-polnische Freundschaft noch ist. Und so wird langsam verständlich, wieso in einer Metropole und Hauptstadt wie Warschau im Schnitt auf fünf hässliche Gebäude nur ein schönes kommt. Da gibt es Wolkenkratzer, wo einst eine der größten Synagogen der Welt stand, kommunistischen Baustil (mit Rekordbauzeiten von nur sechs Tagen), wo zuvor die größte jüdische Gemeinde Europas ihren Alltag verrichtet hat und immer wieder viele Gedenktafeln, Mahnmale wie den Umschlagplatz, an dem die Juden mit dem Zug vom Ghetto direkt in das Vernichtungslager gebracht wurden.

Nachdem die Kriegsjahre endlich vorbei waren, wurde das Land erneut überrollt, diesmal von den Kommunisten, die ihre Spuren genauso in der Stadt hinterlassen haben. Doch all das macht vor allem auch die unermüdliche Willensstärke der Polen sichtbar, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Rekordzeit die Altstadt, von der nichts übrig geblieben war, wieder originalgetreu aufbauten. Von Geranien gesäumte Terrassen bestimmen nun das Bild auf dem alten Marktplatz, bunte Häuserfassaden reihen sich aneinander, an lauen Sommerabenden gibt es Jazz-Konzerte. In der Hitze springen Kinder durch aufgestellte Rasensprenger, es ist viel los und die Luft voller Ambiente.

 Gedenken an die ehemalige Mauer des jüdischen Ghettos. Foto: Raja Kraus


Gedenken an die ehemalige Mauer des jüdischen Ghettos. Foto: Raja Kraus

Die Polen sind stolz auf ihr Land und zelebrieren einen Patriotismus, der uns durch die Konnotation, die das Wort aufgrund der deutschen Geschichte bei uns bekommen hat, fremd ist. So werden Kriegsveteranen oder Grabstätten von gefallenen Soldaten immer noch verehrt, regelmäßig Blumen und Kerzen niedergelegt. Auf dem Bildschirm in der U-Bahn gibt es einen historischen Kalender, der für den Tag eines jeden Monats eine polnische Heldentat während des Krieges erzählt und die Nationalfarben Rot und Weiß dominieren an vielen Stellen der Stadt.

Viele gute Museen

Viele gute Museen und auch kostenlose thematische Stadtrundführungen bieten tiefere Einblicke und manch überraschende Anekdote über die Geschichte der Stadt. Und trotzdem wäre es falsch, Warschau ausschließlich mit dem traurigen Blick der Geschichte zu betrachten.

Chopin-Konzert im Lazienkowski-Park. Foto: Raja Kraus

Chopin-Konzert im Lazienkowski-Park. Foto: Raja Kraus

Es gibt auch zahlreiche Möglichkeiten, die Vergangenheit ruhen zu lassen: bei einem Eis in der langen Promenade, bezeichnenderweise „Straße Neue Welt“ – Ulica Nowy Świat, die von der Altstadt bis ins Zentrum führt, vorbei am Regierungsgebäude, Statuen und der Universität; beim Sonnenbaden in einem der zahlreichen Parks oder botanischen Gärten der Stadt und jeden Sonntag bei Live-Klavierkonzerten nach Chopin. Schlösser und Paläste, Kirchen aber auch Kurioses wie die große Plastikpalme (als Erinnerung an die echte Palme als Geschenk Charles de Gaulles, die den ersten Winter nicht überstanden hat) inmitten eines Kreisel oder der bis heute umstrittene Regenbogen aus Plastikblüten: es gibt nichts, was es nicht gibt. Es lohnt sich außerdem ein Blick auf die Altstadt und das EM-Nationalstadion von oben, vom Turm der Sankt-Anna-Kirche. An Ausleihstationen in der ganzen Stadt stehen Leihräder, die zum Beispiel zu einer Radtour an der Weichsel einladen. Und auch das Lernen von einigem Grundvokabular wie „hallo“, „bitte“ und „danke“ wird belohnt, denn die Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Polen ist unermesslich, wenn wir ihnen nur genau so begegnen.

Auch andere polnische Städte sind eine Reise wert, wie zum Beispiel Krakau oder Danzig, Städte, die objektiv betrachtet ästhetischer sind. Die Haupt-Stadt Polens im wahrsten Sinne des Wortes bleibt trotzdem Warschau. Wegen ihrer Authentizität und Widersprüchlichkeit, wegen ihrer Geschichte und ihrer Einwohner und nicht zuletzt wegen der Vielfalt an Unternehmungen, die diese Stadt im Sommer bietet. Es muss also nicht immer Südeuropa sein, denn eine Reise ins Nachbarland kann überraschend anders sein.

Link zu den empfehlenswerten Gratis-Stadtrundführungen: freewalkingtour.com/

Raushier-Reisemagazin

4 Gedanken zu „Im nächsten Sommerurlaub nach… Warschau!

  1. Als ich in Warschau war, haben wir New Orleans Gentlemen’s Club & Night Restaurant besucht. Die breite Auswahl von verschiedenen Drinks hat uns gelockt. Nirgendwo in Deutschland finden Sie so eine große Auswahl!

  2. Sehr gute Liste. Ich wünschte ich wäre hier her früher gekommen, weil ich vor zwei Wochen schon eine Reise nach Polen gemacht habe. Ich habe einige dieser Orte besucht und es hat sich wirklich gelohnt.

  3. Es benötigt mindestens einige Tage um Warschau gut kennen zu lernen. Man sollte die tolle Architektur lieben lernen, etwas über die reichhaltige Geschichte von Polen lernen und sein kulturelles Material sehen. Sie werden hier definitiv nicht gelangweilt werden, weil es einige Plätze gibt, die besucht werden sollten. An den Abenden ist es schwierig einen besseren Ort um zu feiern zu finden, als das Zentrum der Hauptstadt.

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