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Nin in Kroatien: Heimliche Königin der Adria

Wenn die Sonne hinter den Dünen versinkt, erwacht das Städtchen zum Leben. Entlang der nach dem Fürsten Branimir, dem ersten gesetzlichen Herrscher eines unabhängigen kroatischen Staates, benannten Hauptstraße drängen dann die Nachtschwärmer durch das historische Stadttor den wohlriechenden Verlockungen der Altstadt entgegen. Vor den bunten Häusern sitzen die Einheimischen, das illustre Treiben aufmerksam beobachtend. Begleitet wird die Szenerie vom in den verwinkelten Gassen widerhallenden Stimmengewirr. In der Ferne gesellt sich das Zirpen der Grillen hinzu und der durch die Parkanlagen streifende laue Meereswind trägt den Duft des Sommers von den Pinien hinaus in die engen Straßen.

Über einen Steg gelangt man durch die Nin umgebende Lagunenlandschaft an den Königinnenstrand. Im Hintergrund erhebt sich das Velebit-Massiv.

Über einen Steg gelangt man durch die Nin umgebende Lagunenlandschaft an den Königinnenstrand. Im Hintergrund erhebt sich das Velebit-Massiv.

Das etwa 15 Kilometer vom Seebad Zadar entfernte Nin ist eine verschlafene Schönheit und nicht zuletzt wegen der noch in den Kinderschuhen steckenden touristischen Erschließung ein echter Geheimtipp. Idyllisch gelegen in einer seichten Lagune, umgeben von teils unter Naturschutz stehenden Sand- und Salzwiesen und vor dem offenen Meer durch Dünen geschützt, wirkt die Stadt wie ein vor der Außenwelt verborgen gehaltenes Juwel, das sich seiner Einzigartigkeit bewusst ist, ohne mit ihr zu prahlen.

Bewegte Vergangenheit

Blick über die Branimirova Ulica, die Hauptstraße Nins, auf die im 6. Jahrhundert erbaute Bischofskirche Sveti Anselm.

Blick über die Branimirova Ulica, die Hauptstraße Nins, auf die im 6. Jahrhundert erbaute Bischofskirche Sveti Anselm.

Dabei erweist sich Nin bei einem Blick in die Vergangenheit keineswegs als die große Unbekannte. Als nachweislich älteste Königsstadt Kroatiens galt Nin als das politische, religiöse und kulturelle Zentrum des mittelalterlichen Balkanstaates. Von den Liburnern im 9. Jahrhundert vor Christus als Hauptsiedlung gegründet, diente die Stadt den Römern nach der Eroberung durch ihre günstige Lage an der Adria als wichtiger Handelsstützpunkt. Zahlreiche Relikte aus dieser Zeit prägen auch heute noch das Stadtbild, beispielsweise Ausgrabungen des größten römischen Tempels in Dalmatien oder der antike Hafen im Stadtteil Zaton.

Gegen Abend erwacht das Leben in Nin. Durch die Straßen der Altstadt drängen sich dann die Touristen.

Gegen Abend erwacht das Leben in Nin. Durch die Straßen der Altstadt drängen sich dann die Touristen.

Bedeutung für die nationale Identität erlangte Nin dann vor allem ab dem 9. Jahrhundert als Regierungssitz des ersten kroatischen Staates. In der außerhalb von Nin auf einem Hügel gelegenen Kirche des Heiligen Nikolaus, heute vor allem bei Paaren als romantisches Ausflugsziel beliebt, wurden zu jener Zeit die kroatischen Könige gekrönt.

Die untergehende Sonne taucht die Lagunenlandschaft in ein romantisches Licht.

Die untergehende Sonne taucht die Lagunenlandschaft in ein romantisches Licht.

Unter der Herrschaft Venedigs folgte im Mittelalter schließlich die mehrfache Zerstörung der Stadt durch die Türken und der Abstieg in die geschichtliche Bedeutungslosigkeit. Auf die Epoche der Belagerungskriege geht auch die heutige geografische Lage Nins zurück, dessen Altstadt sich durch die damalige Schaffung eines künstlichen Kanals auf einer durch zwei Brücken mit dem Festland verbundenen Insel befindet.

Kulturelle Vielfalt und einer der schönsten Strände Kroatiens

Sveti Kriz, die Kirche des Heiligen Kreuzes, gilt als die kleinste Kathedrale der Welt.

Sveti Kriz, die Kirche des Heiligen Kreuzes, gilt als die kleinste Kathedrale der Welt.

Heute weiß Nin vor allem durch die unaufgeregt wirkende Schönheit seiner pittoresken Altstadt zu überzeugen. Neben der mediterran angehauchten Architektur und den vielfach in die moderneren Bauten integrierten Überresten aus Mittelalter und Antike, sind hier vor allem die beiden Kirchen Sveti Kriz und Sveti Anselm überaus sehenswert. Erstgenannte, das Wahrzeichen Nins, wurde im 9. Jahrhundert erbaut und gilt als die vermeintlich kleinste Kathedrale der Welt. Ihre Bauweise und die Anordnung der Fenster sind so konzipiert, dass sie anhand der Sonneneinstrahlung als Kalender benutzt werden kann. Sveti Anselm, die Kirche des Heiligen Anselm, befindet sich im unmittelbaren Zentrum der Altstadt und diente bis ins 19. Jahrhundert als Bischofskirche der bedeutenden Diözese Nin.

Kleine Parkanlagen und schattenspendende Bäume finden sich überall in der Altstadt und laden vor allem an heißen Sommertagen zum Verweilen ein.

Kleine Parkanlagen und schattenspendende Bäume finden sich überall in der Altstadt und laden vor allem an heißen Sommertagen zum Verweilen ein.

Zusätzlich zur kulturellen Vielfalt bieten die in großen Teilen unberührte Lagunenlandschaft und die daran angrenzenden Sandstrände, eine Seltenheit an der ansonsten von Kiesstränden dominierten Adriaküste Kroatiens, vielfältige Erholungs- und Bademöglichkeiten. Der bekannteste unter ihnen, der drei Kilometer lange Königinnenstrand, zählt zu den schönsten des Landes und ist durch das seichte Wasser sowie die vorherrschenden Windverhältnisse sowohl bei Familien mit Kindern als auch bei Kitesurfern sehr beliebt.

Überreste aus Antike und Mittelalter, wie diese römische Siegessäule, prägen das Stadtbild Nins.

Überreste aus Antike und Mittelalter, wie diese römische Siegessäule, prägen das Stadtbild Nins.

Hier findet man, versteckt in den Dünen, auch den Heilschlamm von Nin, dessen gesundheitsfördernde Wirkung, in Kombination mit dem hohen Salzgehalt der Luft, bei Hautkrankheiten und Rheuma bereits seit der Römerzeit bekannt ist. Ein Besuch am Strand lohnt sich auch noch gegen Abend. Die britische Filmlegende Alfred Hitchcock bezeichnete die Sonnenuntergänge in der Region um Zadar nach einem Besuch der Stadt in den 60er-Jahren einmal als die schönsten der Welt.

Touristisch noch kaum erschlossen

Symbiose von Alt und Neu: Die Relikte der Vergangenheit sind in Nin oftmals geschickt in das heutige Stadtbild integriert.

Symbiose von Alt und Neu: Die Relikte der Vergangenheit sind in Nin oftmals geschickt in das heutige Stadtbild integriert.

Für die Wahl Nins als Reiseziel sprechen ferner aber auch ganz pragmatische Gründe. Die noch in den Anfängen befindliche touristische Vermarktung und die daraus resultierende Unbekanntheit des Ortes führen nicht nur viel Platz an Stränden und anderen Plätzen der Stadt als positive Begleiterscheinungen mit sich. Dieser Umstand macht sich des Weiteren auch bei den Preisen bemerkbar.

Durch das historische Stadttor führt der Weg in die Altstadt. Über allem thront die Kirche Sveti Anselm.

Durch das historische Stadttor führt der Weg in die Altstadt. Über allem thront die Kirche Sveti Anselm.

Speisen und Getränke sind hier, wie auch im Rest Kroatiens, nach wie vor deutlich günstiger als beispielsweise in Deutschland. Ein gut ausgestattetes Appartement für 3 Personen erhält man in direkter Nähe zum Zentrum schon ab 35 Euro pro Nacht. Preiswerte Unterkünfte, einen Campingplatz und Ausgehmöglichkeiten bietet zudem das nur gut zwei Kilometer von der Altstadt entfernte Zaton Holiday Resort (www.zaton.hr/de).

Blick über die Lagune auf den Königinnenstrand (links) und den Ždrijac-Strand (rechts).

Blick über die Lagune auf den Königinnenstrand (links) und den Ždrijac-Strand (rechts).

Darüber hinaus befinden sich in der Umgebung von Nin eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, die von dort aus gut mit dem Auto erreichbar sind. Dazu zählen unter anderem der Nationalpark Paklenica (50 km entfernt), die Krka-Wasserfälle (95 km) oder die Plitvicer Seen (146 km). Zur Besichtigung sollte man jeweils einen ganzen Tag einplanen.

Geheimtipp plus…

Landschaftliche Kontraste: Nur wenige Kilometer von Nin entfernt (im Vordergrund der Ždrijac-Strand) befinden sich die Ausläufer des Velebit.

Landschaftliche Kontraste: Nur wenige Kilometer von Nin entfernt (im Vordergrund der Ždrijac-Strand) befinden sich die Ausläufer des Velebit.

Der Versuch einer Charakterisierung Nins als bloßer Geheimtipp greift daher letztlich noch zu kurz. Der Ort ist mehr als das. Er ist facettenreich, wandelbar und weiß den unterschiedlichsten Ansprüchen auf eine ihm ganz eigene Art zu genügen.

Die auf einer künstlich geschaffenen Insel liegende Altstadt von Nin ist durch zwei Brücken (eine davon hier im Bild) mit dem Festland verbunden. Die Statue zeigt den Fürsten Branimir, den ersten gesetzlichen Herrscher eines unabhängigen kroatischen Staates.

Die auf einer künstlich geschaffenen Insel liegende Altstadt von Nin ist durch zwei Brücken (eine davon hier im Bild) mit dem Festland verbunden. Die Statue zeigt den Fürsten Branimir, den ersten gesetzlichen Herrscher eines unabhängigen kroatischen Staates.

Man streift des nachts durch die Straßen, entlang der Promenade, über die Brücke durch das Stadttor hindurch, ein Umtriebiger unter vielen. Auf der anderen Seite erwarten einen die von der Meeresluft angereicherten, wohlriechenden Düfte, die den dalmatischen Küchen entsteigen. Die Vielfältigkeit des Sehenswerten, in den engen Gassen versteckt. Atmosphäre eines Traumes. Und über allem die aufgeregten Stimmen der von der Schönheit Betörten. Tausende Bilder, Eindrücke, die das Bewusstsein erwecken, sich an einem jener seltenen Orte zu befinden, die, umgeben von einer geheimnisvollen Aura, den Besucher immer wieder aufs Neue zu faszinieren verstehen.

Informationen: Tourist Board Nin, HR-23232 Nin; Tel.: 00385 23 265 247; Internet: www.nin.hr; tzg-nina@zd.t-com.hr

Raushier-Reisemagazin

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