zurück



Südtiroler Grödnertal: Heimat der Holzbildhauer seit Jahrhunderten

Im Grödnertal, inmitten des UNESCO-Welterbes der Südtiroler Dolomiten, zwischen weiten Wäldern und atemberaubenden Felsformationen, legen die Einwohner der drei Gemeinden Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich noch sehr viel Wert auf Tradition und Brauchtum. Sie pflegen die ladinische Sprache, die neben Italienisch und Deutsch die dritte Amtssprache ist, sind stolz auf ihre Tracht, die mit zur schönsten im gesamten Alpenraum gehört, beschäftigen sich nachhaltig mit ihrer Volksmusik und geben sich mit Inbrunst einem uralten Handwerk hin. Denn das Grödnertal ist das Tal der Holzschnitzkunst und Bildhauerei in Europa schlechthin.

Ein willkommener Nebenverdienst

Überaus sehenswert ist die lebensgroße, handgeschnitze Krippe in St. Christina, die als weltweit größte ihrer Art gilt. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion mehrerer Grödner Schnitzmeister.  –  Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Überaus sehenswert ist die lebensgroße, handgeschnitze Krippe in St. Christina, die als weltweit größte ihrer Art gilt. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion mehrerer Grödner Schnitzmeister. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts diente diese Art der Holzbearbeitung in erster Linie zur Überbrückung der langen Winterzeit und war eine willkommene Nebenverdienstmöglichkeit, um das Überleben zu sichern. Damals war das Tal noch sehr abgeschieden und schwer zugänglich, die Felder wenig fruchtbar und ertragreich. Die Menschen waren für jeden Groschen, der neben ihrem bescheidenen Einkommen zusätzlich verdient wurde, sehr dankbar. So konnten sie die unzureichende Produktivität der Höfe einigermaßen kompensieren. Im Frühjahr und im Sommer wurden die Figuren – vorwiegend Holzspielzeug, Kleinplastiken und – viele, viele Jahre später Dekorationsgegenstände (zum Beispiel Bilderrahmen, Uhrengehäuse, Weihnachtsschmuck, Familienwappen oder Tierfiguren)  –  dann auf  Messen und Märkten verkauft. So wurde aus der Not der armen Bauersleut’ allmählich ein hoch angesehenes Kunsthandwerk. Es entstanden  Kruzifixe, Heiligenbildnisse, Krippen, Engel, Madonnen, Christus- und Marienfiguren, Reliefs, Altäre. Im 18. Jahrhundert waren in ganz Gröden über 300 Holzschnitzer tätig. Weil in erster Linie sakrale Figuren entstanden, verbreitete sich schnell der Begriff vom Herrgottsschnitzer.

Alpenländische Motive, volkstümliche Gruppen und Einzelfiguren erfreuen sich großer Beliebtheit. Diese vier Zeitgenossen, jubelnde Fans, stehen unweit der Sofiehütte auf der 2450 Meter hohen Seceda. – Foto: Sofiehütte

Alpenländische Motive, volkstümliche Gruppen und Einzelfiguren erfreuen sich großer Beliebtheit. Diese vier Zeitgenossen, jubelnde Fans, stehen unweit der Sofiehütte auf der 2450 Meter hohen Seceda. – Foto: Sofiehütte

Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte sich dann ein neuer Berufsstand, nämlich der des Verlegers. Diese waren Großhändler, die den Schnitzern und Bildhauern  Auftragsarbeiten ermöglichten und sie mit dem Rohmaterial ausstatteten. Nach Fertigstellung der Produkte nahmen die Verleger diese an sich und vertrieben sie. Die Künstler sollten keine Zeit mit trivialen Dingen verlieren, sondern sich ausschließlich auf ihre Arbeit konzentrieren. “Dreiviertel der Bevölkerung hat im 19. Jahrhundert von der Bildhauerei gelebt”, erzählt Paolina Moroder, die Direktorin des Museums Gröden in St. Ulrich, “ehe mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 der große Boom jäh gestoppt wurde.”

Reger Handel mit dem Ausland

Ende des Jahrhunderts erreichte die Holzschnitzerei im Tal ihren Höhepunkt. 1872 wurde in St. Ulrich eine Kunst- und Schnitzschule gegründet, 1907 in Wolkenstein. Ein reger Handel mit dem europäischen Ausland (Venedig, Genua, Lissabon, Wien, Graz, Stuttgart, Düsseldorf, Köln oder Frankfurt) und Übersee entstand, viele Familien im Tal waren wohlhabend geworden. Und da die Nachfrage immer größer wurde, wurden die von Hand gefertigten Skulpturen allmählich in den Hintergrund gedrängt.

Giovanni Demetz Sulè aus St. Ulrich überzeugt in seinen Werken durch Einfallsreichtum, Originalität und Verliebtheit im Detail. Diese hölzerne Lederhose stellt eine kleine alpenländische Hausbar dar. – Foto: Dieter Warnick

Giovanni Demetz Sulè aus St. Ulrich überzeugt in seinen Werken durch Einfallsreichtum, Originalität und Verliebtheit im Detail. Diese hölzerne Lederhose stellt eine kleine alpenländische Hausbar dar. – Foto: Dieter Warnick

In den 1950er Jahren entstanden die ersten Kopierfräsen zur maschinellen Serienherstellung. Vermarktungsbetriebe fertigten unzählige Kopien nach den von den Bildhauern handgeschnitzen Modellen an, “vervielfältigten” diese und bearbeiteten die Rohlinge nur noch nach (kleinere Schnitzarbeiten, bemalen, vergolden, wachsen). Es entwickelte sich ein Wirtschaftszweig von großer Bedeutung. Industriell hergestellte Produkte waren sehr viel billiger, und bestens geeignet als Urlaubs-Mitbringsel für Zuhause. Als Sammelobjekte waren vor allem sakrale Figuren ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts der große Renner.

Weg vom Herrgottschnitzer-Image

Heute noch arbeiten die meisten Holzschnitzer in der stua (ladinisch für Stube), am penic (Schnitztisch) und bearbeiten das Holz mit ihren scarpiei (Schnitzeisen). – Foto: Dieter Warnick

Heute noch arbeiten die meisten Holzschnitzer in der stua (ladinisch für Stube), am penic (Schnitztisch) und bearbeiten das Holz mit ihren scarpiei (Schnitzeisen). – Foto: Dieter Warnick

Mittlerweile hat sich das allzu negative Erscheinungsbild der Holzschnitzkunst zum Positiven geändert. Viele der “Holzbearbeiter” wollen nämlich endgültig damit aufräumen, lapidar als Herrgottschnitzer bezeichnet zu werden, auch wenn sie neben profanen und rein dekorativen Themen weiterhin sakrale Gegenstände fertigen. Sie wollen mehr sein, wollen als Künstler wahrgenommen werden. Und dafür kämpfen sie mit ganzem Herzen. Dass das Grödnertal das Tal der Herrgottschnitzer ist, von dieser Legende wollen nicht nur die Virtuosen mit Weltruf nichts mehr wissen. Auch die nicht so bekannten Künstler rücken von dieser Begrifflichkeit ab.

Und um deutlich zu machen, dass es sich nicht um Massenware handelt, führte die Handelskammer Bozen im Jahr 1969 eine Schutzmarke ein, die auf ausschließlich handgearbeitete Holzschnitzereien von höchster Qualität hinweist.

Heute leben im Grödnertal noch etwa 120 Familien von der Holzbildhauerei, weitere 60 Firmen produzieren in Serienarbeit.

Es fehlt am Nachwuchs

Mit Holzspielzeug verdienten sich früher die Bauern im Grödnertal ein paar Groschen zu ihrem bescheidenen Einkommen dazu. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Mit Holzspielzeug verdienten sich früher die Bauern im Grödnertal ein paar Groschen zu ihrem bescheidenen Einkommen dazu. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Nur ein Manko bringt die Zukunft mit sich: es fehlt am Nachwuchs. Warum das so ist? Niemand weiß es. Wahrscheinlich gibt es einträglichere Jobs, vielleicht schreckt auch die fünfjährige Ausbildung in der “Landesberufsschule für das Kunsthandwerk” in St. Ulrich ab.

Die ersten Großmeister ihrer Zunft entstammten den Künstler-Dynastien Vinazer und Trebinger. Ihre Altäre und Krippenfiguren begeister(te)n durch ihre Anmut und ihre feinfühlige Ausführung; ihr Handwerk erlernten sie unter anderem in München, Venedig, Wien und Florenz. Wahre Schmuckstücke entstanden. Zu Berühmtheit gelangten zu dieser Zeit vor allem Christian Trebinger (1580-unbekannt)  und sein Bruder Bartlmäus, Marchiò Molziner (um 1655-unbekannt), Franz Grünewald-Nudrei (1667-unbekannt) sowie Melchior Vinazer und sein Sohn Martin (1674-1744). Ihnen folgten Jahrzehnte später etwa Johann Dominik Mahlknecht (1793-1876) oder Peter Nocker-Sabedin (1823-1880).

Heutzutage heißen die Protagonisten Comploj, Demetz, Insam, Kostner, Mussner, Moroder, Perathoner, Rabanser, Rifesser, Runggaldier, Senoner oder Verginer, um nur einige zu nennen.

Das Holz und die Schnitzer

Die größte handgeschnitzte Krippe der Welt, die in St. Christina das ganze Jahr über zu sehen ist, ist in der Weihnachtszeit festlich beleuchtet und wird von vielen Menschen besucht. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Die größte handgeschnitzte Krippe der Welt, die in St. Christina das ganze Jahr über zu sehen ist, ist in der Weihnachtszeit festlich beleuchtet und wird von vielen Menschen besucht. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Zirbenholz: Das bevorzugte Holz, das die Schnitzer benutzen, ist das der Zirbe. Sie wächst im Hochgebirge und gilt als die “Königin der Alpen”. Ihr Holz ist sehr weich, hat keine Äste und ist damit wie geschaffen für die Holzschnitzerei und Bildhauerei. Sie gehört zur Familie der Kieferngewächse und ist hauptsächlich zwischen 1500 und 2000 Metern Höhe in den Alpen zu finden. Die Zirbe ist ein geradwüchsiger, zehn bis 15 Meter hoher, immergrüner Nadelbaum, der ein Alter von 1000 Jahren erreichen kann. Das Holz der Zirbe gehört zur Kategorie der Werthölzer. Gerne verarbeitet wird auch das Holz der Linde und der Fichte.

Gehard Demetz ist zurzeit einer der angesehensten Künstler aus dem Grödnertal; er stellt seine Werke in der ganzen Welt aus. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Gehard Demetz ist zurzeit einer der angesehensten Künstler aus dem Grödnertal; er stellt seine Werke in der ganzen Welt aus. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Gehard Demetz:  Gehard Demetz, geboren am 9. Juli 1972 in Bozen, ist momentan wohl der bekannteste und gefragteste Skulpturenschnitzer im Grödnertal. Zusammen mit seiner Familie lebt er in Wolkenstein, und kann sich vom Blick seines Ateliers aus, von wo er das Tal vor sich liegen hat, aufs Beste inspirieren lassen.

Nach dem Studium in Wolkenstein und einer Ausbildung in St. Ulrich legte er 1995 sein Meisterdiplom als Bildhauer ab. Zehn Jahre lang erfüllte er einen Lehrauftrag an der Fachschule für Bildhauer, ehe er im Jahr 2005 sein Debüt als Holzschnitzer gab. Seither wird er von prominenten Galerien eingeladen und stellt seine Werke auf internationalen Kunstausstellungen aus, sei es in Deutschland (unter anderem Berlin, Düsseldorf, Köln), Italien (Bologna, Bozen, Genua, Mailand, Rom, Venedig, Verona), den Niederlanden (Apeldoorn, Hilversum), Österreich (Graz, Salzburg), der Schweiz (Basel, Zürich) oder Spanien (Madrid, Saragossa, Valladolid). Auch in Übersee und Korea hat  Demetz einen ausgezeichneten Namen. Vor allem in New York und in San Francisco, wird seine Kunst wegen seiner erstaunlichen Perfektion hoch geschätzt. Er hat ferner monumentale Skulpturen im Auftrag für Sammler auf der ganzen Welt produziert.

Atelier mit Aussicht: Gehard Demetz aus Wolkenstein lässt sich mitunter auch von seiner Heimat inspirieren. – Foto: Dieter Warnick

Atelier mit Aussicht: Gehard Demetz aus Wolkenstein lässt sich mitunter auch von seiner Heimat inspirieren. – Foto: Dieter Warnick

Sein Hauptaugenmerk legt der 42-Jährige auf  beängstigend schöne Skulpturen von Kindern, die mitunter unfertig wirken, jedoch jederzeit unverwechselbar sind.  Er setzt viele kleine Holzstücke und Holzpflöcke an- und nebeneinander, schneidet in seine Figuren Löcher und Öffnungen in die Oberfläche und erzeugt so eine Art Momentaufnahme von Gesichtern, Händen, Füßen. Gehard Demetz schickt den Betrachter quasi auf eine Entdeckungsreise, denn nichts ist so wie erwartet. „Ich will mit meinen Figuren ausdrücken, dass Kinder bis zum sechsten Lebensjahr das Unbewusste spüren und fühlen und auch verletzbar sind“, sagt Demetz. Da verwundert es nicht, dass sich der Künstler an den sechsjährigen Hitler (mit markantem Schnurrbart, natürlich als Öffnung dargestellt) und den kleinen Mao heranwagt. „Die waren ja auch mal Kinder.“

Demetz` Kinderfiguren gelten als einzigartig im Bereich der zeitgenössischen Holzskulptur und haben dem Südtiroler einen Sonderplatz in der modernen Bildhauerei eingebracht.

Herbert Perathoner bei der Arbeit; der 65-Jährige hält die Tradition zusammen mit seinen Brüdern und Kindern in der vierten Generation aufrecht. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Herbert Perathoner bei der Arbeit; der 65-Jährige hält die Tradition zusammen mit seinen Brüdern und Kindern in der vierten Generation aufrecht. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Ferdinando Perathoner:  Kommt man in das Atelier von Herbert Perathoner, dann schallt dem Besucher Barockmusik entgegen. „Das brauche ich zur Inspiration“, verrät er. Der 65-Jährige leitet zusammen mit seinem Bruder Bruno (74) das Familien-Unternehmen Ferdinando Perathoner bereits in vierter Generation. Ihr Großvater, Ferdinand Perathoner (1871-1930), gründete die Holzkunstschnitzer-Werkstatt im Jahr 1894; sein Sohn Caio (1905-1965) übernahm das Geschäft. Sieben seiner Söhne wurden Bildhauer: Ferdinand, Caio jun., Robert, Viktor, Ulrich, Herbert und Julius. Der Sohn Bruno wurde Maler und Vergolder. In vierter Generation sind wiederum die Kinder dieser Künstler mit ins Geschäft eingestiegen.

Herbert Perathoners 74-jähriger Bruder Bruno ist einer der bekanntesten Maler des Tals. Hier steht der Künstler vor einem Triptychon, an dem er sechs Jahre lang arbeitete. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Herbert Perathoners 74-jähriger Bruder Bruno ist einer der bekanntesten Maler des Tals. Hier steht der Künstler vor einem Triptychon, an dem er sechs Jahre lang arbeitete. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Die Perathoners sind noch eine traditionelle Kunstschnitzerfamilie, soll heißen: es werden Auftragsarbeiten von vorwiegend italienischen Kirchen angenommen, die natürlich sakrale Gegenstände bestellen. Seit Beginn im Jahr 1894 bis heute haben die Perathoners ferner nur ausschließlich handgemachte Statuen oder Nachbildungen von alten, wertvollen Kunstwerken in mindestens 30 europäische und außereuropäische Staaten geliefert.

Die Perathoners sind auf die Fertigung von großformatigen Kunstwerken aus Holz und Bronze spezialisiert und fertigen Werke, auch Reliefs, im ureigenen Stil, sowie Statuen mit zeitgenössischer Symbolik, denen sie stets eine wahrheitsgetreue, humane Nuance verleihen.

Dieses Ensemble stammt aus der Hand der Familie Ferdinando Perathoner. – Foto: Dieter Warnick

Dieses Ensemble stammt aus der Hand der Familie Ferdinando Perathoner. – Foto: Dieter Warnick

Einige Beispiele von Werken, die von den Perathoners gefertigt wurden: Eine 3,20 Meter hohe Krippe für den Dom von Bergamo. Eine Madonna im Großformat mit Jesuskind in Rom für eine Kirche des Architekten Pierluigi Spadolini. Eine Madonnenstatue mit Jesuskind, die in Turin zu sehen ist. Eine Herz-Jesu-Statue von 4,50 Metern Höhe im „Tempio del Sacro Cuore“ in Padua. Einen drei Meter hohe Jesus, dessen Bestellung aus Kalifornien kam. Sieben Statuen für die neu errichtete Kirche Maria SS. Regina in Görz.

Aber auch viele „Köpfe“ hat Herbert Perathoner erschaffen, zum Beispiel den von Mutter Teresa, des Komponisten Gioachino Rossini oder des Geigers Niccolò Paganini. Seine erste große Arbeit vollendete Herbert Perathoner, als er 18 war: das Konterfei von Papst Johannes 23. Jetzt, fast 50 Jahre später, ist sein Beruf  immer noch seine Passion; und das gilt auch für seinen Bruder Bruno, den Maler.

Die Spezialität von Filip Moroder Doss ist der Dialog zwischen mehreren Materialien. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Die Spezialität von Filip Moroder Doss ist der Dialog zwischen mehreren Materialien. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Filip Moroder Doss:  Dass er in die Fußstapfen seines Vaters Heinrich treten würde, war lange gar nicht so sicher. Denn Filip Moroder Doss (* 19. März 1966 in St. Ulrich), das letzte von fünf  Kindern, wollte lieber auf das Konservatorium, um Klassische Gitarre zu studieren. Erst begann er sein Studium an der Handelsoberschule, doch bald war klar, dass Filip Bildhauer werden würde. Mit 15 beginnt er seine Lehre im eigenen Betrieb und besucht gleichzeitig die Berufsschule für Bildhauerei in St. Ulrich. Verschiedene Fortbildungskurse in Italien und im Ausland fördern seine Kreativität, und schon 1987 nabelt er sich von seinem Vorbild, dem eigenen Vater, ab und arbeitet fortan selbstständig als freischaffender Künstler.

Mit diesem Modell eines Kruzifixes, bei dem Jesus die Erlösung darstellt, gewann Filip Moroder Doss im Juli 2014 einen Wettbewerb in Fatima. Das Original soll 2,50 Meter hoch werden. – Foto: Dieter Warnick

Mit diesem Modell eines Kruzifixes, bei dem Jesus die Erlösung darstellt, gewann Filip Moroder Doss im Juli 2014 einen Wettbewerb in Fatima. Das Original soll 2,50 Meter hoch werden. – Foto: Dieter Warnick

Bald hat Filip Moroder Doss seinen eigenen Stil gefunden, sucht und findet den Dialog zwischen mehreren Materialien, verbindet Holz vor allem mit Marmor, Stahl, Wachs, Ton, Bronze oder Kristall. Er vertieft sich zudem in das Studium der Mythologie der Südtiroler Sagenwelt und in die ladinische Kulturtradition und setzt diese bildhauerisch um. Sehr stark ist jedoch auch sein Studium in der sakralen Kunst, Kircheneinrichtung für neue Gotteshäuser und zeitgenössische sakrale Kunstwerke prägen seine Tätigkeit. Als Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Kunstausschreibungen macht er sich schnell einen Namen. Die Aussagekräftigkeit seiner Werke ist in mehreren neuen Kirchen und in den wichtigsten Museen Ladiniens zu sehen.

Um allen Kunst-Interessierten die Möglichkeit zu geben, Arbeiten der großen Grödner Künstler zu bestaunen, hat man im Kongresshaus von St. Ulrich die Dauerausstellung ART52 eingerichtet, die sich vollends der Holzbildhauerei und -schnitzerei widmet. Diese Skulptur weist den Weg. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Um allen Kunst-Interessierten die Möglichkeit zu geben, Arbeiten der großen Grödner Künstler zu bestaunen, hat man im Kongresshaus von St. Ulrich die Dauerausstellung ART52 eingerichtet, die sich vollends der Holzbildhauerei und -schnitzerei widmet. Diese Skulptur weist den Weg. – Foto: Val Gardena-Gröden Marketing

Seinen letzten Wettbewerb gewann Moroder Doss im Juli 2014 in Portugal, wo er auf Einladung des Rektors des Heiligtums von Fatima, Pater Carlos Cabecinhas, eine Arbeit einreichte, mit der er sich gegen seine Mitbewerber durchsetzte. Dabei handelt es sich um einen Jesus am Kreuz, der regelrecht zu schweben scheint, ja, der die Erlösung darstellt. „Das Kreuz ist neben der Figur das Symbol der Hoffnung,“ verrät Moroder Doss, „mir geht es dabei um die Leichtigkeit der Skulptur“. Im Original soll das Werk 2,50 Meter hoch werden.

Zuletzt fungierte Moroder Doss als Präsident der 20. Ausgabe der Skulpurenmesse UNIKA in St. Ulrich, einem Zusammenschluss verschiedener Künstler und Maler aus dem Grödnertal. UNIKA steht für Einzelstücke, Unikate eben. Die Arbeiten, selbstredend individuell angefertigte Werke, sind Ausdruck der schöpferischen Kraft und des kunsthandwerklichen Talents der einzelnen Meister. Die Gruppe umfasst 37 Mitglieder, die alle an der Jubiläumsausgabe teilnahmen.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.